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Dienstag, den 23. Mai 1882.
Fuldaer
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-u. Die Zukunft der Schweiz.
Mit dieser Ueberschrift erschien jüngsthin in einem Londoner Zeitungsblatte aus der Feder eines Herrn Cuncliffe-Owen ein Artikel, welcher in der Schweiz nicht wenig Aufsehen erregte. Der Verfasser betont, daß die Schweizer sich viel zu sicher auf ihre Neutralität und die Unwahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ihr Landsteifen verließen; die Schweiz verdanke nicht der papiernen Neutralität, sondern ihren Bergen ihre Unabhängigkeit und sie müsse in den wohlbefestigten und geschützten Alpen die Sicherheit ihrer Zukunft suchen. In der weiteren Entwicklung stellt der englische Politiker folgende Gesichtspunkte auf, welche ein allgemeineres Interesse nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb der Schweiz beanspruchen:
Im Jahre 1815 hätten die Großmächte das Land neutralisirt, weil keine sich desselben bemächtigten konnte. Eine Neutralität auf der Basis der gegenseitigen Eifersucht der Nachbaren sei aber stetsfort von zweifelhaftem Werthe. Die Zukunft eines 'kleinen Landes von nur drei Millionen Bewohnern inmitten von vier Großmächten, welche zusammen 140 Millionen zählen, erscheine ungewiß. Von einer directen Eroberung möge die Schweiz dermalen nicht bedroht sein, aber sie könne Schaden leiden bei neuen europäischen Verwicklungen. Im Kriegsfälle könne es im Interesse der kriegführenden Parteien sein, sich der Schweiz zu bemächtigen. Seit dem letzten Kriege habe Frankreich seine ganze Westgrenze von Belgien bis zur Südspitze der Schweiz mit einem doppelten Gürtel von Festungen versehen.
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Zum Glück geboren.
Original-Erzählung von A. Linden.
(Fortsetzung.)
„Ehe und bevor ich auf die eigentliche Heirathsgeschichte eingehe," begann er, „muß ich Dir zuvörderst in der Kürze mittheilen, auf welche Weise mir endlich der Staar in Betreff des Fräuleins Auguste S......
gestochen wurde. Du weißt, daß ich — als Du mich danials besuchtest, noch vollständig vernagelt war und Deine - - auch sehr richtigen Wahrnehmungen übermüthig in den Wind schlug. Noch bis nach glücklich und glorreich überstandener Doctorpro- motion that ich Vorspanndienste an dem Triumphwagen ihrer Schönheit. Sie wußte mich so geschickt mit Hoffnungen zu kirren und mit halben Versprechungen hinzuhalten, daß ich nie vollständig in's Klare mit ihr kommen konnte. Meine Eitelkeit war das Gängelband, an welchem sie mich geschickt zu führen wußte; und jetzt — wo ich dem Schwabenalter näher gerückt bin, finde ich es unbegreiflich, wie ein gelehrter Doctor - - welcher beim Examen die erste Censur erhalten hatte — dennoch ein so großer Esel hat sein können. Genug', ich hatte das Brett vor'm Kopfe und verlor es selbst dann noch nicht gleich, als sich zu der Anbeter-
Auch Deutschland habe die 1871 eroberten Provinzen in gewaltiger Weise befestigt. Nun sei es aber eine Regel der Strategie, ein Hinderniß, das man nicht bewältigen kann, zu umgehen. Deutschland und Frankreich könnten über eine Armee von je 300,000 Mann verfügen, um den Gegner durch ein neutrales Land in der Flanke anzugreifen, ohne sich in der Front zu schwächen. Das neutrale Angriffsterrain sei dann Belgien oder die Schweiz. Die Gewißheit, daß ein Angriff auf Belgien England herausfordern würde, schütze dieses Land, abgesehen davon, daß hier ein Angriff auch nach anderen Richtungen wenig Sinn hätte. Die Schweiz hingegen befinde sich in einer viel ungünstigeren Lage. Durch den Jura könne eine französische Armee von 200,000 Mann auf fünfzehn guten Straßen und 9 Eisenbahnlinien hervorbrechen, mit Festungen ersten Ranges im Rücken, und nach sechs Tagesmärschen könne sie bei Schaffhausen am Rhein sein. Alle Anzeichen ließen darauf schließen, daß Frankreich sich des Jura als einer Offensivbasis zu bedienen gedenke und und im Kriegsfälle sofort in die Schweiz einrücken werde. Deutschland würde aber alsdann den Gegner nicht an seiner Grenze erwarten, sondern ihm entgegen gehen. Die beiden Gegner träfen sich also im Schweizerlande, welches, arm an Befestigungen, aber reich an Kunststraßen und Eisenbahnen, nicht einmal Zeit hätte, seine Armee zu versammeln. Ist aber, so urtheilt der englische Politiker weiter, die Schweiz einmal erobert, so wird sie ihre Unabhängigkeit nicht wieder erlangen, sondern sie wird einfach unter ihr schaar Augustens ein junger, schöner, und was jedenfalls das Wichtigste war, reicher polnischer Edelmann — dessen Namen mir wieder entfallen ist, gesellte und von Augusten offenbar ausgezeichnet wurde. Ich bemerkte das wohl, aber that, als ob ich es nicht bemerkte, weil ich es für eine von ihren coketten Launen hielt; doch wurmte es mich iin Stillen, denn es verletzte meine Eitelkeit, und diese war, wie ich später fand, die hauptsächlichste Grundlage meiner Leidenschaft.
Während der Sommermonate hatte Auguste mit ihrer Mutter, welche das würdige Vorbild der Tochter war, eine Sommerwohnung in einem etwa eine halbe Stunde von hier entfernten Dorfe bezogen, welches hinter dem Birkenwäldchen gelegen ist, das Du von hier erblicken kannst. Der Pole hatte sich dort ebenfalls förmlich häuslich niedergelassen, und ich nahm täglich den anderthalbstündigen Weg entweder zwischen die Beine, oder trabte auf einem Miethgaule hinaus. Der Weg führte vor meinem Häuschen vorbei und durch jenes Birkenwäldchen; dort war es, wo mir endlich die Binde von den Augen genommen wurde.
Ich hatte mich eines schönen Nachmittags zeitiger, als dies gewöhnlich der Fall war, aufgemacht, um meinen Frohndienst anzu-
vier großen Nachbarn vertheilt. Unsere Zeit steht unter dem Einflüsse der etnogra- phischen Zusammengehörigkeit der Völker. Die Annexion von Schleswig-Holstein und Elsaß-Lothringen durch Deutschland, von Savoyen und Nizza durch Frankreich, von der Lombardei und Venedig durch Italien, sowie die panslavistischen Umtriebe in Rußland fließen insgesammt aus dieser Theorie. Auch die Theilung der Schweiz wird sich leicht und genau unter diese Theorie einreihen. Deutsch-Graubündten, das Ober- mallis, die katholische Centralschweiz und das St. Galli'sche Rheinthal fallen an Oesterreich. Deutschland erhält: Schaffhausen, Thurgau, Aargau, Zürich, Nord- St. Gallen, Basel, Solothurn, Bern mit Erweiterung bis zum Gotthard-Tunnel, welches Unternehmen die deutsche Regierung nur in Aussicht auf den einstigen Besitz des Nordstückes der Bahn so stark subventionirt hat. Italien nimmt Jtal- ienisch-Graubündten und das Tessin, und kommt so an den Südausgang des Gott- Hard-Tunnels, zu dessen Herstellung es gleichfalls sehr stark mitgewirkt. Der französische Berner-Jura, das französische Unterwallis bis auf den Simplon und alle französischen westlichen Kaytone gehen in den Besitz Frankreichs über, welches dadurch die Sim- plonbahn erhält, für die es eine starke Subvention auszuwerfen int Begriffe steht. — Ein solcher Theilungsmodus wird alle Nachbarn der Schweiz zufrieden stellen. Auch die entfernteren Länder, wie Rußland und Spanien, werden ohne Bedauern einen Staat verschwinden sehen, von welchem fast immer der Anlaß zu ihren inneren Unruhen treten. Der Tag war heiß und die Sonne brannte sengend auf meinen Scheitel. Ich war daher heilfroh, als ich das Birkenwäldchen erreicht hatte; ich lenkte hier von der staubigen Chaussee ab und bummelte etwas abgespannt durch das dichte Gebüsch. Inmitten desselben zur Seite der Straße hat irgend ein wohlwollender Menschenfreund eine halbrunde Steinbank errichten und dicht mit Jasminsträuchen umpflanzen lassen. In der Nähe dieser Bank war ich, als ich plötzlich in einiger Entfernung Frauenstimmen zu hören glaubte. Mein glücklicher Jnstinct sagte mir, daß die Inhaberinnen derselben jedenfalls auf der Bank Pofto fassen würden, und nahm daher ohne bestimmte Absicht und nur in Erwartung eines möglichen Abenteuers hinter den Jäsmin- sträuchern Platz; ich streckte mich ganz behaglich auf das duftende Haidekraut hin, und dachte, die Landstraße im Auge zu behalten.
Bald erblickte ich denn auch ein paar Damengewänder und erkannte bald darauf an den Stimmen — denn die Gesichter konnte ich nicht sehen, Auguste mit ihrer Mutter. Nun beharrte ich aber um so mehr in meinem Versteck, denn das mußte eine herrliche Überraschung abgeben. Die wurde es denn auch, nur daß es nicht bei einer einseitigen blieb, sondern eine gegenseitige