Sonnabend, den 20. Mai 1882.
o^rhaet Qethina' erfcfieint t äa lid&, Sonn- unb dkeiertaae auAaenommen» Man ixbonnirt gegen Vorausbezahlung zu AuIba in der ®n>ei>itionJ8uttertnar!t Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonuMentspreisbettägtausschttsßllchBrmgerlohninFu^a l»ar t unb 50 Pfa., mit Brinaerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark unb 50 PsS" ms Haus gebracht I M. SO Pfg. Die ,iUufairten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 PfS '«,swärts am Postschalter 2a Pfg-, ms H°us gebracht 40 Pfg- Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg-; bet Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
-n. Heber das Leichenverbrennen
Wir ersehen aus der Geschichte aller Völker, daß eine zweifache Art der Todten- Bestattung in Hebung war, die Beerdigung und die Verbrennung der Leichen. Das Verbrennen treffen wir bei Völkern an, die auf einer niederen Stufe der Bildung stehen oder von einem höheren Grade der Bildung in den Abgrund der Barbarei versunken sind; das Begraben hingegen ist ein Zeichen nicht nur von höherer Bildung, sondern von großer Religiösitat. Bei den gebildetsten Völkern des Alterthums, den Griechen und Römern, war die Beerdigung der Todten von Anfang an in Gebrauch und nur in den Zeiten der größten Korruption fand mehr die Verbrennung statt. Wenn deshalb unsere Neuheiden für das Verbrennen der Leichen sich begeistern, so legt das ein trauriges Zeugniß ab für ihren religiös - sittlichen Zustand und die Stufe der Bildung, auf der sie stehen.
Es steht also fest, daß das Heidenthnm mehr für das Verbrennen der Leichen ist, während das Christenthum sich die Beerdigung ausschließlich angeeignet hat. Das Verbrennen ist gleich Zerstören, den Leichnam durch eigenes Zuthnn vernichten. Dieß treffen wir bei Völkern an, welche den menschlichen Leib wenig achten, das Andenken an die Verstorbenen nicht hoch schätzen. Bei manchen Ungläubigen unserer Zeit kommt noch der Haß gegen das Christenthum bei dieser Anschauung zum Vorschein, indem sie nämlich glauben, mit dem Tode sei Alles aus, der Mensch kehre in das Nichts zurück. Nicht selten soll diese
3um Glück geboren. 4
Original - Erzählung von A. Linb en. (Fortsetzung.)
„Professor Dr. Gustav Reinhold" stand auf einer glashell polirten Mesingplatte ein- gravirt. Jetzt war ich endlich vor der rechten Schmiede angekommen und konnte nicht mehr fehl gehen. Ich klingelte und ein Dienstmädchen öffnete; meine Frage: „Ob Professor Reinhold zu Hause sei?" bejahte sie und öffnete mir die Thüre des Wohnzimmers.
Eine blühende, junge Dame, dein Anschein nach kaum zwanzig Jahre alt, mit einer Fülle glänzender, dunkelblonder Locken um das Gesicht, erhob sich bei meinem Eintritt vom Sopha rmd trat mir mit einem an- muthigen Lächeln einen Schritt entgegen. Ich schien sie bei dem Unterricht eines allerliebsten kleinen Engels — einem Mädchen von ungefähr sieben Jahren, unterbrochen zu haben; denn sie nahm demselben ein Buch aus der Hand, schlug es zu und legte es auf einen Seitentisch, und das Alles mit natürlicher, ungesuchter Grazie.
„Wahrscheinlich die Gouvernante," dachte ich und sann auf eine passende Anrede, denn ich mußte doch wenigstens einem liebenswürdigen weiblichen Wesen gegenüber etwas Verbindliches sagen und war auf eine solche Begegnung auch gar nicht vorbereitet.
Begeisterung für die Verbrennung der Leichen auch ein feindseliges Gebühren sein gegen die katholische Kirche mit ihren erbaulichen Leichenfeierlichkeiten; bisweilen ist es auch eine gewisse dummstolze Verachtung gegen jeden Menschen, der an die Göttlichkeit und Wahrhaftigkeit der heiligen Schrift und an eine geoffenbarte Religion glaubt.
Was hingegen die Beerdigung der Todten anlangt, so legt der Mensch nicht zerstörend seine Hand an den Verstorbenen, sondern übergibt ihn der Erde, von der er genommen ist und zu der er wieder zurückkehrt, wie Gottes Wort und die heilige Schrift es bezeugt. Das Grab ist demnach die von Gott angewiesene Ruhestätte, die schon unsere Vorfahren mit dem schönen Namen „Gottesacker" benannten. Des Christen sterbliche Ueberreste werden hier gleichsam ausgesäet, um als Ernte Gottes zu reifen. Gott, der Schöpfer über Leben und Tod, läßt den Menschen nach einer von ihm bestimmten Zeit dahin sterben, der verwesliche Leib wird wie ein Samenkorn in die Erde gelegt, aus welcher er unverweslich am jüngsten Tage durch Gottes Allmacht erstehen wird. Neben dem Namen „Gottesacker" finden sich auch die Bezeichnungen: „Friedhof" (Freithof, d. i. geschützter, eingefriedigter Raum) und „Kirchhof". Es war nämlich die Ruhestätte der Todten früher immer bei der Kirche, in der Nähe des im Sacramente verborgenen Gottes; dort legte man die Leiber der Verstorbenen hin, damit sie wie Schafe um ihren Hirten schlummern, bis die Posaune des jüngsten Tages sie zum Gerichte rufen wird.
Sie kam mir jedoch zuvor, ehe ich mit meiner Anrede zu Stande kam.
„Herr Gutsbesitzer Beutler, wenn ich nicht irre?" wandte sie sich halb fragend an mich und ihr Lächeln zeigte einen leichten Anflug von Schalkhaftigkeit.
Verwünschtes Pech! Sie hatte also die Scene unter der fatalen Dachrinne auch mit angesehen, denn wie konnte sie sonst wissen, wer ich war? — Es kribbelte mir int Halse, wie ein Ameisenhaufen; ich kämpfte jedoch die widerwärtige Empfindung nieder und entgegnete mit einer leichten Verbeugung:
„Und Ihr ergebener Diener, mein Fräulein? — Professor Reinhold ist ein Jugendfreund von mir, dessen Einladung ich hierher gefolgt bin."
„Sie werden ihm sehr willkommen sein", versetzte sie; „ich eile, ihn von Ihrem Besuch zu unterrichten."
Als sie hinaus war, ärgerte ich mich, daß ich sie so geschwind hatte entkommen lassen. Hätte ich dem Gespräch nicht eine so alberne Wendung gegeben, so hätte ich die Unterhaltung noch ein paar Minuten fortsetzen können, und die Professorin sah ich dann noch früh genug. Ich fühlte überhaupt gar kein so starkes Verlangen mehr nach ihrer Bekanntschaft, seitdem ich dieses Geschöpf gesehen hatte. Ich war selber
Die Christen gaben dem Begraben vor dem Verbrennen den Vorzug. Besonders hatten die ersten Christen eine Abneigung gegen das Verbrennen der Leichen. Die Märtprer-Aeten schildern uns den Schmerz, welcher ihnen bereitet wurde, wenn die Leiber der heldenmüthigen Mitchristen verbrannt und dadurch ihnen entrissen wurden. Auf der anderen Seite ersehen wir aus ihnen, mit welcher Ehrfurcht und liebevollen Sorgfalt sie die Leichname jener beerdigten, welche ihnen überlassen wurden. In der That, es muß sich das sittliche Gefühl des Menschen empören, wenn der Körper eines thenren Anverwandten oder Bekannten vor seinen Augen verbrannt wird, und nur ein rohes Gemüth kann sich weiden an dem aussteigenden Rauche eines Scheiterhaufens, der unter seiner Asche den Leib eines Menschen birgt.
Der Grund, warum wir Christen die Leiber der Verstorbenen in Ehren halten, liegt in der Achtung, die wir den Hingeschiedenen zollen, und in der Siebe, welche die Lebenden eines Sinnes und Herzens macht und noch über das Grab hinausgeht. „Denn die Liebe ist stärker als der Tod." Der Christ hat Achtung vor dem Leib des Menschen, weil er in demselben das Meisterwerk der göttlichen Allmacht und Weisheit ehrt. In ihm ehrt er auch jenen Leib, den Jesus Christus, der Sohn Gottes, der selbst einen menschlichen Leib angenommen, geheiligt und durch fein heiliges Blut rein gewaschen hat. Er ehrt ihn als Tempel und Werkzeug des heiligen Geistes, dessen sich dieser zu allem Guten bedient hat. Diese Ansicht über die auch Junggeselle und hatte meine häusliche Einsamkeit oft schmerzlich empfunden. Ich war zwar schon 36 Jahre alt, aber doch nicht ganz übel; Gutsbesitzer, — reich, wer kann da wissen? -- Wahrhaftig, ich brütete über Heirathsgedanken.
Reinhold trat ein und begrüßte mich mit ungeheuchelter, herzlicher Freude. Wir setzten uns zusammen auf's Sopha und er fragte nach Diesem und Jenem; ich war jedoch nur mit halben Gedanken bei dem Gespräch und bin wirklich nicht sicher, ob ich nicht ein paar Mal ganz verkehrte Antworten gegeben habe, denn ich konnte die liebliche Erscheinung gar nicht aus dem Gedächtniß los werden. Eben war ich im Begriff, meinen Freund nach ihr zu fragen, als sie selbst wieder hereintrat und ein Frühstück servirte.
Reinhold erhob sich, nahm sie bei der Hand und so vor mich hintretend, sprach er mit komischem Pathos.
„Ich habe die Ehre, dein Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf und zu Bräunlitz, Herrn Beutler, hiermit meine ehr- und tugendsame Hausfrau vorzustellen und bitte, ihr in Huld und Gnaden gewogen zu sein."
Ich saß da, wie ein Kind, dem eben eine näschige Katze das Butterbrod aus der Hand genommen hat, ganz perplex. Die Schafs-