Jü 113. Mittwoch, den 17. Mai 1882.
Fuldaer
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gh. Der Papst und Italien.
Vor Kurzem ist die „römische Frage" wieder in Fluß gekommen, nachdem sie elf Jahre diplomatisch geschlafen hatte. Wir sagen „diplomatisch", denn int Herzen aller Katholiken war sie stets wach geblieben, ja war sie niemals eine Frage, sondern ein durch die einfachsten Sittlichkeitsnormen selbstverständliches Axiom. So lange die Sache nach ihrem Eigenthümer schreit, so lange schreit das ewige Rom nach seinem einzig legitimen und einzig möglichen Beherrscher, nach seinem Papst-König.
Die Auferstehung der „römischen Frage" begann mit zwei sensationellen Broschüren, von denen die eine in französischer, die andere unter obigem Titel in italienischer Sprache geschrieben ist; auf den Inhalt der letzteren wollen wir hier näher eingehen.
Statt der Conciliation (Versöhnung) des Papstes mit Revolutions-Italien, wie sie von Curci und den Gemäßigtliberalen vorgeschlagen wird, räth die Schrift zu einer Re conciliation, d. h. zur Wiederherstellung einer landesherrlichen Souveränität des Papstes über Rom und nächste Umgegend und zur Verlegung der italienischen Hauptstadt außerhalb des päpstlichen Gebietes, so daß ein „souveräner Papst int souveränen Italien" wohne. Für volle Wiederherstellung des früheren Kirchenstaates tritt sie nicht ein. Die Broschüre will also Jedermann genügen: sie wünscht den Papst unabhängig von Italien und umgekehrt; sie ist der italienischen Einheit freundlich gesinnt und befürwortet keine Wiederherstellung der Throne von Neapel, Toskana,
Zum Glück geboren. 2
Original-Erzählung von A. Linden. (Fortsetzung.)
Ich erwartete natürlich, daß er dadurch in Verlegenheit kommen und wegsehen werde; aber Gott bewahre! Im Gegentheil schien ihm nun das Lachen anzukommen. Er stand sogar auf, stellte sich kerzengrade vor mich hin und fragte so zuthunlich wie mein Taschenmesser :
„Um Vergebung, ist Ihr Name nicht August Beutler?"
Ich schlug erst die Beine und dann die Arme übereinander, sah ihn so durchbohrend an, wie ein neuer Korkzieher, und antwortete so beißend wie spanischer Pfeffer:
„Es trifft zu, mein Herr!"
„Aus Haideleben gebürtig?" examinirte er weiter.
Nun wurde ich aber bissig, wie ein auf den Schwanz getretener Bullenbeißer und entgegnete, indem ich die Hände so tief als möglich in die Hosentasche versenkte und ein Paar Fäuste darin machte:
„Ja Herr! Aus Haideleben; darf ich nun aber auch wiffen, was Sie das Alles angeht?"
„Ei, ereifere Dich nur nicht Pechfinke!" rief er lachend; „kennst Du denn den Glückspilz nicht mehr?" Und damit nahm er mich beim Kopfe und drückte mich so ge-
Modena und Parma, geht folgerichtig noch über den Züricher Frieden von 1859 hinaus, welcher einen Bund der selbstständigen italienischen Staaten unter dem Vorsitze des Papstes anstrebte. Der Verfaffer entschuldigt den Zwiespalt zwischen Papst- thum und Königthum mit dem Streite zwischen Religion und Civilgewalt, Staat und Kirche, der bis zu den Uranfängen der Kirche hinaufreiche; aus demselben suche in Italien der politische Radicalismus Nutzen für seine Zerstörungspläne zu ziehen. Aber ebendaselbst drehe sich der Kampf noch um Höheres: der Papst war Souverän gerade in seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Weltkirche, und diese Stellung ist ihm heute noch zur vollen geistlichen Regierung nothwendig; deshalb schließt die Herabwürdigung des Papstes zum Unterthan des Königs eine Vergewaltigung der ganzen katholischen Kirche des Erdballs ein. Vor diesem allgemeinen Rechte müsse sich selbst ein italienisches Specialrecht, wenn ein solches je existirte, beugen, umsomehr, da die Päpste in allen Jahrhunderten» die wärmsten Patrioten für Italien gewesen. Hierauf kritisirt der Verfasser die verschiedenen Vorschläge für die „römische Frage", indem er die Jtalianis- simi in drei Kategorien theilt: 1. Die Gemäßigten (Curci und parlamentarische Reckte) fordern vom Papste die Anerkennung des jetzigen Zustandes als einer vollbrachten Thatsache, ein Grundsatz, der vom Heiligen Stuhle nie könne anerkannt werden, und der jeden Gerichtshof überflüssig mache. 2. Die Radicalen wollen nicht waltig an sich, daß mir, dem Eingeweichten, die Thränen am ganzen Leibe herunterliefen.
„Pechfinke! Glückspilz!" • - Bei diesen Worten waren mir die Schuppen von den Augen gefallen und die Erinnerung an selige Jugendzeit, that sich vor mir auf wie ein Scheunenthor so groß. Das waren ja die Spitznamen, welche ich und einer meiner liebsten Jugendfreunde in unserer Vaterstadt geführt hatten, ich — weil mir Alles verkehrt, er — weil ihm Alles für voll hinausging. Ich hatte plötzlich allen Aerger und Groll vergessen und drückte ihn hocherfreut an mich.
Endlich schob ich ihn von mir und schrie dem eben vorbeischießenden Kellner in die Ohren:
„Eine Flasche Johannisberger und zwei Gläser!"
„Gleich, mein Herr!" rief dieser ganz erschrocken und flog davon. Zwei Minuten später kam der Johannisberger und wir stießen fröhlich mit dem spielenden Naß an.
„Du hast Dich aber gewaltig verändert. Aber wie lange ist es auch, daß wir uns nicht gesehen haben! Laß sehen — ja achtzehn Jahre werden es sein. Ich hätte Dich wahrhaftig nicht wiedererkannt!"
„In achtzehn Jahren wird auch der Mensch fast dreimal umgeknetet," antwortete er, „und ich würde Dich wahrscheinlich
allein die weltliche, sondern auch die geistliche Macht des Papstes vernichten ; mit ihnen ist eine Discussion unmöglich. 3. Die liberalen Royalisten glauben die Lösung des Streites im Garantiegesetze gefunden zu haben; dieses aber sei ungenügend, wie die Erfahrung zeige. — Ebenso werden hierauf die Katholiken in drei Claffen getheilt. 1. Die Ungeduldigen wünschen eine bewaffnete Intervention, jedoch könne eine wahrer Katholik einen Krieg nicht fordern, um der Kirche den Frieden zu geben; ohnehin würden nach Abzug der fremden Truppen die Verschwörungen von vorne beginnen. 2. Die Versöhnlichen behaupten, die Vorsehung habe Rom zur Hauptstadt Italiens vorherbestimmt und in ihrem unergründlichen Rathsch lusse die Wegnahme der ewigen Stadt durch die Piemontesen zugelassen, also müsse der Papst sich diesem Weltplane beugen. Da aber eine Versöhnung dieser Art nicht möglich sei, so bleibe 3. nur die Wiederaussöhnung übrig, d. h. man müsse an den Papst sich mit der Erklärung wenden, er solle frei im freien Italien sein, ihm und dem Königreiche solle, die Souveränität gesichert werden. Anderseits müßte der Papst der Gefangene Italiens und Italien der Gefangene des Papstes bleiben. „Denn keine Macht, heißt es, wird mit Italien.eine Allianz abschließen können ohne die begründete Furcht, sich dadurch diejenigen ihrer eigenen Unterthanen zu entfremden, welche die katholische Mehr- oder Minderheit in ihrem Lande bilden." Sonach lautet der Wahlspruch des Verfassers: „Der souveräne ebensowenig erkannt haben, hätte ich nicht vorhin Dein maliiöses Unglück mit angesehen. Da stieg mir aber eine Ahnung auf. Soviel Pech auf einmal konnte nur ein Mensch auf Erden haben, und dieser Eine mußte mein lieber Pechfinke sein. Deshalb machte ich mich sofort auf die Beine, um mich zu überzeugen, ob meine Ahnung Recht habe. Und siehe da, sie hatte Recht. Aber wie, wo und wovon lebst Du denn eigentlich, alter Freund?"
„Wieich lebe?" entgegneteich, „nun, davon hast Du ja vorhin eine Probe gesehen, ich effe jetzt das Brod trocken, damit es mir nur nicht auf die geschmierte Seite fallen kann. Ich habe immer noch mein vermaledeites Pech. Wo ich lebe? auf meinem Gute Bräunlitz, welches ich vor längerer Zeit gekauft habe, und der Ertrag meiner Oekonomie ist mehr als ausreichend, um mir zu schaffen, wovon ich lebe. Herrlicher Viehstand dort! Meine Ochsen und Schafe brüllen und blöcken, daß es eine wahre Lust ist. Und Du?"
„Ich bin wohlbestallter Profeffor hier geworden, ansässiger Bürger und die Dachrinne, welche Dir den Kopf wusch, ist ein Anhängsel meines Hauses."
„Schöne Eroberungen, die Tu an dem Hause mit der Dachrinne und der Staat