Einzelbild herunterladen
 

Jü 113. Mittwoch, den 17. Mai 1882.

Fuldaer

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint t it glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die Mustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

gh. Der Papst und Italien.

Vor Kurzem ist die „römische Frage" wieder in Fluß gekommen, nachdem sie elf Jahre diplomatisch geschlafen hatte. Wir sagen „diplomatisch", denn int Herzen aller Katholiken war sie stets wach geblieben, ja war sie niemals eine Frage, sondern ein durch die einfachsten Sittlichkeitsnormen selbstverständliches Axiom. So lange die Sache nach ihrem Eigenthümer schreit, so lange schreit das ewige Rom nach seinem einzig legitimen und einzig möglichen Be­herrscher, nach seinem Papst-König.

Die Auferstehung der „römischen Frage" begann mit zwei sensationellen Broschüren, von denen die eine in französischer, die an­dere unter obigem Titel in italienischer Sprache geschrieben ist; auf den Inhalt der letzteren wollen wir hier näher eingehen.

Statt der Conciliation (Versöhnung) des Papstes mit Revolutions-Italien, wie sie von Curci und den Gemäßigtliberalen vorgeschlagen wird, räth die Schrift zu einer Re conciliation, d. h. zur Wiederher­stellung einer landesherrlichen Souveränität des Papstes über Rom und nächste Umge­gend und zur Verlegung der italienischen Hauptstadt außerhalb des päpstlichen Ge­bietes, so daß ein „souveräner Papst int souveränen Italien" wohne. Für volle Wiederherstellung des früheren Kirchenstaates tritt sie nicht ein. Die Broschüre will also Jedermann genügen: sie wünscht den Papst unabhängig von Italien und umgekehrt; sie ist der italienischen Einheit freundlich gesinnt und befürwortet keine Wiederher­stellung der Throne von Neapel, Toskana,

Zum Glück geboren. 2

Original-Erzählung von A. Linden. (Fortsetzung.)

Ich erwartete natürlich, daß er dadurch in Verlegenheit kommen und wegsehen werde; aber Gott bewahre! Im Gegentheil schien ihm nun das Lachen anzukommen. Er stand sogar auf, stellte sich kerzengrade vor mich hin und fragte so zuthunlich wie mein Ta­schenmesser :

„Um Vergebung, ist Ihr Name nicht August Beutler?"

Ich schlug erst die Beine und dann die Arme übereinander, sah ihn so durchbohrend an, wie ein neuer Korkzieher, und antwor­tete so beißend wie spanischer Pfeffer:

„Es trifft zu, mein Herr!"

„Aus Haideleben gebürtig?" examinirte er weiter.

Nun wurde ich aber bissig, wie ein auf den Schwanz getretener Bullenbeißer und entgegnete, indem ich die Hände so tief als möglich in die Hosentasche versenkte und ein Paar Fäuste darin machte:

„Ja Herr! Aus Haideleben; darf ich nun aber auch wiffen, was Sie das Alles angeht?"

„Ei, ereifere Dich nur nicht Pechfinke!" rief er lachend; „kennst Du denn den Glücks­pilz nicht mehr?" Und damit nahm er mich beim Kopfe und drückte mich so ge-

Modena und Parma, geht folgerichtig noch über den Züricher Frieden von 1859 hi­naus, welcher einen Bund der selbstständi­gen italienischen Staaten unter dem Vor­sitze des Papstes anstrebte. Der Verfaffer entschuldigt den Zwiespalt zwischen Papst- thum und Königthum mit dem Streite zwi­schen Religion und Civilgewalt, Staat und Kirche, der bis zu den Uranfängen der Kirche hinaufreiche; aus demselben suche in Italien der politische Radicalismus Nu­tzen für seine Zerstörungspläne zu ziehen. Aber ebendaselbst drehe sich der Kampf noch um Höheres: der Papst war Souverän ge­rade in seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Weltkirche, und diese Stellung ist ihm heute noch zur vollen geistlichen Regierung nothwendig; deshalb schließt die Herabwür­digung des Papstes zum Unterthan des Königs eine Vergewaltigung der ganzen katholischen Kirche des Erdballs ein. Vor diesem allgemeinen Rechte müsse sich selbst ein italienisches Spe­cialrecht, wenn ein solches je existirte, beu­gen, umsomehr, da die Päpste in allen Jahrhunderten» die wärmsten Patrioten für Italien gewesen. Hierauf kritisirt der Ver­fasser die verschiedenen Vorschläge für die „römische Frage", indem er die Jtalianis- simi in drei Kategorien theilt: 1. Die Gemäßigten (Curci und parlamentarische Reckte) fordern vom Papste die Anerken­nung des jetzigen Zustandes als einer voll­brachten Thatsache, ein Grundsatz, der vom Heiligen Stuhle nie könne anerkannt wer­den, und der jeden Gerichtshof überflüssig mache. 2. Die Radicalen wollen nicht waltig an sich, daß mir, dem Eingeweichten, die Thränen am ganzen Leibe herunterliefen.

„Pechfinke! Glückspilz!" • - Bei diesen Worten waren mir die Schuppen von den Augen gefallen und die Erinnerung an selige Jugendzeit, that sich vor mir auf wie ein Scheunenthor so groß. Das waren ja die Spitznamen, welche ich und einer meiner liebsten Jugendfreunde in unserer Vater­stadt geführt hatten, ich — weil mir Alles verkehrt, er — weil ihm Alles für voll hinausging. Ich hatte plötzlich allen Aerger und Groll vergessen und drückte ihn hoch­erfreut an mich.

Endlich schob ich ihn von mir und schrie dem eben vorbeischießenden Kellner in die Ohren:

„Eine Flasche Johannisberger und zwei Gläser!"

„Gleich, mein Herr!" rief dieser ganz erschrocken und flog davon. Zwei Minuten später kam der Johannisberger und wir stießen fröhlich mit dem spielenden Naß an.

„Du hast Dich aber gewaltig verändert. Aber wie lange ist es auch, daß wir uns nicht gesehen haben! Laß sehen — ja acht­zehn Jahre werden es sein. Ich hätte Dich wahrhaftig nicht wiedererkannt!"

„In achtzehn Jahren wird auch der Mensch fast dreimal umgeknetet," antwor­tete er, „und ich würde Dich wahrscheinlich

allein die weltliche, sondern auch die geistliche Macht des Papstes vernich­ten ; mit ihnen ist eine Discussion un­möglich. 3. Die liberalen Ro­yalisten glauben die Lösung des Streites im Garantiegesetze gefunden zu haben; dieses aber sei ungenügend, wie die Erfahrung zeige. — Ebenso werden hierauf die Katholiken in drei Claffen getheilt. 1. Die Ungeduldigen wünschen eine bewaff­nete Intervention, jedoch könne eine wahrer Katholik einen Krieg nicht fordern, um der Kirche den Frieden zu geben; ohnehin wür­den nach Abzug der fremden Truppen die Verschwörungen von vorne beginnen. 2. Die Versöhnlichen behaupten, die Vorsehung habe Rom zur Hauptstadt Italiens vorher­bestimmt und in ihrem unergründlichen Rathsch lusse die Wegnahme der ewigen Stadt durch die Piemontesen zugelassen, also müsse der Papst sich diesem Weltplane beugen. Da aber eine Versöhnung dieser Art nicht möglich sei, so bleibe 3. nur die Wieder­aussöhnung übrig, d. h. man müsse an den Papst sich mit der Erklärung wenden, er solle frei im freien Italien sein, ihm und dem Königreiche solle, die Souveränität ge­sichert werden. Anderseits müßte der Papst der Gefangene Italiens und Italien der Gefangene des Papstes bleiben. „Denn keine Macht, heißt es, wird mit Italien.eine Allianz abschließen können ohne die begrün­dete Furcht, sich dadurch diejenigen ihrer eigenen Unterthanen zu entfremden, welche die katholische Mehr- oder Minderheit in ihrem Lande bilden." Sonach lautet der Wahlspruch des Verfassers: „Der souveräne ebensowenig erkannt haben, hätte ich nicht vorhin Dein maliiöses Unglück mit ange­sehen. Da stieg mir aber eine Ahnung auf. Soviel Pech auf einmal konnte nur ein Mensch auf Erden haben, und dieser Eine mußte mein lieber Pechfinke sein. Deshalb machte ich mich sofort auf die Beine, um mich zu überzeugen, ob meine Ahnung Recht habe. Und siehe da, sie hatte Recht. Aber wie, wo und wovon lebst Du denn eigentlich, alter Freund?"

„Wieich lebe?" entgegneteich, „nun, da­von hast Du ja vorhin eine Probe gesehen, ich effe jetzt das Brod trocken, damit es mir nur nicht auf die geschmierte Seite fallen kann. Ich habe immer noch mein vermaledeites Pech. Wo ich lebe? auf meinem Gute Bräunlitz, welches ich vor längerer Zeit gekauft habe, und der Ertrag meiner Oekonomie ist mehr als ausreichend, um mir zu schaffen, wovon ich lebe. Herr­licher Viehstand dort! Meine Ochsen und Schafe brüllen und blöcken, daß es eine wahre Lust ist. Und Du?"

„Ich bin wohlbestallter Profeffor hier ge­worden, ansässiger Bürger und die Dach­rinne, welche Dir den Kopf wusch, ist ein Anhängsel meines Hauses."

„Schöne Eroberungen, die Tu an dem Hause mit der Dachrinne und der Staat