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JKi 110. Sonnabend, den 13. Mai 1882.

II

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i. Das consessionelle Moment in der panslavistischen Bewegung.

Als Skobeleff seine berüchtigten Reden gehalten hatte, deren Kernpunkt stets der Satz war: ,,der Deutsche ist der Feind", kamen übereinstimmende Nachrichten aus Paris wie aus Genf, daß an diesen Orten, wo man mit der russischen Gesellschaft durch deren zahlreiche Vertretung ausgezeichnete Fühlung besitzt, die fraglichen Gesinnungen schon längst kein Geheimniß gewesen seien. Und die Massen des Volkes? Man sagt freilich, dieselben seien in Rußland für politische Anschauungen ganz unempfänglich. Aber wenn auch der jüngste Krieg gegen die Türkei darin nichts geändert und die Mas­sen nicht aufgerüttelt hätte, so gibt es doch eine Saite, die int russischen Volke stets wiederklingt. In ihr beruht die Stärke der altrnssischen Partei; sobald sie * diese Saite anspielt, ist sie wirkliche Volkspartei. Auch darauf hat General Skobeleff hinge­deutet.

In seinen Unterredungen mit dem Pariser Corrcspondenten der .Daily News' hat er insbesondere den griechisch-orthodoxen Gegen­satz zu Oesterreich hervorgehoben. Durch die Politik Oesterreichs, des sog. „klericalen Oesterreichs", in Bosnien und der Herzego­wina will er zu seinem Auftreten veranlaßt worden sein, und diesen „militärischen Kleri- calismus" nicht zu dulden, sagte er, sei ganz Rußland entschlossen. Er klagt Oesterreich nicht nur der Absicht an, daß es diese Pro­vinzen annexiren und von da aus die künf­tige Beherrschung aller Slaven auf der Halb­insel ennöglichen wolle, sondern er bezüchtigt

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Clara.

(Silber aus dem Leben einer Dienstmagd.) (Fortsetzung.)

V.

Das Ende.

In der Mitte des Septembers brach die Krankheit auch in dem Hause Clara's aus, nachdem sie in der unmittelbaren Nachbar­schaft schon mehrere Opfer hinweggerasst. Die „Armenkrankheit", wie man die Cholera an­fänglich frevelhaft genug benannte, hatte auch den Weg in die Wohnungen der Reichen gefunden. Mehrere Personen waren fast zu­gleich befallen worden. Jetzt hatte man die Krankenpflegerin selbst nöthig, denn von allen den vornehmen Freunden und Freundinnen ließ sich keine Seele blicken. Nicht alle reichen Leute sind dazumal so gewesen, auch unter ihnen gab es ehrenwerthe, löbliche Ausnah­men, aber was mit dem Hause Clara's zu­sammenhing, wollte um der Freundschaft willen das Leben nicht wagen. Clara ord­nete an, was zu beobachten war, und was die hinzugerufenen Aerzte vorschrieben, das befolgte sie pünktlich. Tag und Nacht wan­delte sie zwischen den Kranken, sie ganz allein, denn Niemand verstand sich ja so gut darauf, wie sie. Als die ärgste Gefahr

es insbesondere der katholischen Propaganda. „Oesterreich", sagte er, „erhielt nur die Pflegschaft über die zwei slavischen Pro­vinzen; es hat dort kein Recht weder für Aushebung von Rekruten, noch für Ein­mischung in die Neligionsverhältnisse des Volkes. Aber Oesterreich hat daselbst eine klericale Propaganda eingesetzt, indem es die aus Frankreich vertriebenen Jesuiten mit offenen Armen aufnahin; es verkleidete dieselben als griechische Popen, welche die Bauern ihrer Religion entfremden sollten. — Von Mohamed befreit zu sein, um vom heiligen römischen Reich unterdrückt zu werden, sei unerträglich."

Nun hat man zwar bis dahin im Westen von einer katholischen Propaganda in Bos­nien und der Herzegowina kein Sterbens­wörtchen gehört. Aber Hrn. Skobeleffs Aeußerungen waren auch nur das Echo aus den täglichen Hetzereien der altrussischen Presse. Diese Partei sieht das orthodoxe Bekenntniß als die providentiell verfügte Slaven-Religion an, und hat bekanntlich auch die Czechen . geradezu aufgefoxdert, zum griechischen Schisma überzutreten, wenn sie als ächte Slaven anerkannt sein wollten. Der glühende Haß gegen die Polen ent­stammt gleichfalls dieser Quelle. Thalsache ist auch allerdings, daß die Jnsurrection in Bosnien und der Herzogewina fast aus­schließlich von der griechisch-orthodoxen Be­völkerung ausgegangen ist und unterhalten wurde, während die Moslims sich verhält- nißmäßig wenig betheiligten oder bald zu­rückzogen, die an Zahl geringere und durch­schnittlich ärmere Bevölkerung katholischen vorüber war, wollte sie ihre gewohnten Wanderungen wieder sortsetzen. Man hielt sie mit Gewalt fest, denn, inan hielt sich für rathlos, wenn sie aus |t>em Hause ge­lassen würde. So trug sie denn weiter an der Gefahr und Sorge. Während sie indeß die Freude hatte, Genesende zu pflegen, schlug das Nebel plötzlich auch in sie ein und warf sie schnell darnieder. Sie hatte kauin so viel Zeit, ihre Sachen in noth- dürftige Ordnung zu bringen und darüber zu Gunsten bestimmter Armen zu verfügen, als sie auch schon die ganze Heftigkeit der Krankheit in sich empfand.

Neuer, entsetzlicher Schreck theilte sich den nun noch gesunden Hausbewohnern mit, die nicht wenig in Verlegenheit geriethen, was mit ihr anzufangen, da der Arzt erklärte, sie werde wohl schwerlich des Nebels Meister werden. Man rieth hin und her, was zu thun, während man ihre Pflege gerade in den entschiedensten Monienten, nämlich beim Ausbruch des Nebels versäumte. Das End­resultat ging dahin, sie in's Hospital bringen zu lasten, wo sie ja gute Pflege finden werde. Doch that man noch das Eine, daß man sie im eigenen Hause mit den h. Sterbesacramenten versehen ließ und glaubte, damit auch das Aeußerste gethan zu haben. Clara war in Alles ergeben. Der Tod war

Glaubens aber treu auf Seite Oesterreichs stand. Unter diesen Umständen ist es selbst­verständlich nicht zu vermeiden, daß die Maßregeln zur Bändigung des Aufruhrs vorwiegend auf die orthodoxe Bevölkerung treffen, und die russischen Hetzer somit um Stoff zur Betreibung ihres Geschäfts nicht verlegen sein werden.

Aus Allem geht hervor, daß gerade durch das Vordringen Oesterreichs in den Balcan- ländern der Gegensatz zu Rußland ein schlechthin unversöhnlicher werden mußte und geworden ist. Er ist nicht nur ein politischer und nationaler, sondern auch ein religiöser, denn im Orient läßt sich die Nationali­tät von der Religion nicht trennen, und der schismatische Haß ist ärger als der Fanatismus des Islam. Bei einer derar­tigen Entgegenstellung kann aber der nächste beste Zufall zur Explosion führen, und wenn der Zusammenstoß erfolgt, so wird der Urheber daraus nicht nur einen Ratzenkampf, sondern auch einen Religionskrieg machen. Wir wollen nicht fragen, ob Fürst Bismarck wohl an solche Folgen gedacht hat, als er vor zwanzig Jahren Oesterreich den perem- torischen Rath gab, „seinen Schwerpunkt nach Osten zu verlegen." Jnterestanter wäre die Frage, was er sich wohl zu der jetzigen Lage denkt. Soll aber der Welt­frieden wirklich erhalten und für denselben noch irgend etwas Anderes als hohle Phrasen vorgekehrt werden, so könnte und müßte Eines unbedingt geschehen: die preeäre Stel­lung Oesterreichs in den ehemaligen Pascha liks muß eine solide Basis erhalten; das europäische Mandat zum Polizeidienst in ihr willkommen aus der Hand Gottes, ihr Herz war noch selig in den entsetzlichsten Schmerzen. In furchtbar leidendem Zustande wurde sie in den Tragkorb gelegt und langte halbtodt im Hospital an.

Aus allen Stadtvierteln strömten an dem Tage wieder auffallend viele Kranke nach dieser Jammer- und Troststätte. Die zur Aufnahme der Cholerakranken hergerichteten Räume waren fast ganz besetzt, sowohl auf der Männerseite, als auf jener der weiblichen Kranken. Hier war die Cholera in ihren verschiedensten Stadien und Erscheinungs­weisen zu schauen, hier floß der bitterste Jammer wie in einein Saminelbrunnen zu­sammen, hielt der Tod seine reichste Ernte. Als Clara in dem mittleren Krankensaale, worin die Gefährlichsten lagen, niedergefetzt wurde, brachte man zugleich eine Mutter mit zwei Kindern in den Saal. Als man die Decke aufhob, war das int linken Arm der Mutter bereits gestorben. Die Frau lag in heftigen Krämpfen, ließ sich das tobte Kind mechanisch aus dem Arm nehmen, ohne auch nur darnach umzusehen und gab das noch lebende eben so gleichglltig der Ordens­schwester, die es liebevoll auf den Arm nahm und in ein bereitetes Bettchen trug. Und doch war diese Mutter stets eine zärtliche Mutter geivesen. Drei Tobte Jagen, im