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•ü 108* Donnerstag, den 11» Mai 1882.

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Zur Gotthardbahn-Eröffnrrng.

Entstehungsgeschichte der Bahn.

Der Gedanke, den Norden mit dem Süden Europa's auf dem directesten Wege durch einen Schienenweg zu verbinden, war schon frühe als Bedürfniß erkannt. Die Schwierig­keiten der Ausführung eines solchen Projects erschienen aber so unüberwindlich, daß die ernstliche Anhandnahme länger als ein Men­schenalter sich verzögerte. Der erste Tech­niker, der den Bau einer Alpenbahn und zwar über den Luckmanier anregte, war Oberst La Ricca in Chur. Für den Bau dieser Linie bildete stch in Turin im Jahre 1845 eine Gesellschaft, allein ihr Vorgehen erfreute sich keines günstigen Erfolges. An Stelle dieser ersten Gesellschaft trat eine andere (1853), welche sich zur Aufgabe gesetzt hatte,' zunächst die Linien Rorschach- Chur-Weesen-Rappersweil auszuführen und dann Hand an den Lukmanier zu legen. Die erwähnten Strecken wurden im Jahr 1862 vollendet, der angestrebte Alpenüber­gang aber verblieb auch jetzt im Stadium der Untersuchung und kam nicht zu Stande. Als im Jahr 1862 und 1863 die Luk­manierfreunde sich um Wiedererlangung der verlornen Concessionen bemühten, verweigerte der Canton Tessin die seinige und behielt sich über die Wahl des geeignetsten Alpen­übergangs freie Hand vor.

Rach Erlaß eines Expropriationsgesetzes (Mai 1850), womit die Hindernisse beseitigt wurden, welche bisanhin in der Schweiz dem Eisenbahnbau entgegen standen, wurde der schweizerische Bundesrath beauftragt,

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Clara.

(Bilder aus dem Leben einer Dienstmagd.) (Fortsetzung.)

Sie stürzte in's Haus, dessen Thüre offen stand und trat in die vordere Stube. Alles lag in derselben in wilder Unordnung. In einer hölzernen Wiege lag ein todtes Kind, über das eine zerrissene Arbeiterjacke gewor­fen worden. — Clara stutzte. Wieder drang ein ächzendes Stöhnen aus der Nebenkammer und zugleich hörte sie ein Rascheln, als ob Jemand im Stroh sich wälze. Eine eigen* thümliche Furcht befällt sie, doch tritt sie in die Kammer. In der dunkeln Kammer sieht sie einen großen, starken Mann in einer Bettlade liegen, in der sich nur Stroh, kein Bett und keine Decke befindet. Die geball­ten Hände streckt er weit von sich aus, zieht bald das eine Bein an den gewundenen Körper, bald das andere, während er das Erstere von sich abzuschnellen sucht, wendet sich bald auf diese Seite, bald aus die andere, bald streckt er sich aus den Rücken, während das entfärbte Angesicht in den schrecklichsten Verzerrungen zuckt, ein Paar eingefallene, kalte Augen sie anstieren und ein unverständ­liches Gemurmel das fortgesetzte Stöhnen unterbricht. Clara, an Jammerscenen ge-

ein Gutachten von Sachverständigen über die Entwickelung eines schweizerischen Eisen­bahnnetzes einzuholen. Er berief die Eng­länder Steffenson und Swinburne und stellte ihnen u. A. auch die Ausgabe, das Luk­manier - Project näher zu prüfen (7. Juni 1850). Richt nur mit Sardinien, sondern auch mit Preußen fanden um diese Zeit Verhandlungen statt über die Ausführung einer Alpenbahn. In dem bezüglichen Specialbericht der Vertreter Preußen's, Sardinien's und der Schwei; zieht Herr Ingenieur G. Koller auch den Gotthard in Berechnung und wir begegnen hier zum ersten Mal der Idee einer Alpenbahn über den Gotthard.

Dieser von Herrn Koller angeregte Ge­danke faßte in Basel und in der Central­schweiz rasch Wurzel und es erregte ein nicht geringes Aufsehen, als am 19. August 1853 in Lucern eine erste Konferenz statt­fand, welche von acht (Santonen in der Ab­sicht besucht war, sich zu einer gemeinsamen Ueberschienung des Gotthardpasses zu ver­einigen. Eine zweite größere Conferenz trat am 15. September 1860 zusammen, setzte ein Actionscomitö ein und war fest ent­schlossen, Alles einzusetzen, um den Gotthard- gedanken zu verwirklichen.

Das Jahr 1863 sah diese Verbindung sich erweitern. Am 28. September 1863 hatten sich 15 ©antone, sowie schweizerische Central- und Nordostbahn zu einer lieber* einkunft vereinigt für Anftrebung einer Gotthardbahn. Die Uebereinkunft wurde auch dem Bundesrathe mit dem Ansinnen vorgelegt, die Regierungen von Italien, wöhnt, erschrickt einen Augenblick, ein kaltes Grausen überläuft sie, doch hat sie sich schnell wieder gesammelt. Ihren leeren Korb wirft sie in die Ecke, reißt die alte Schürze vom Fenster, damit Licht in die Dunkelheit komme, und springt dann zu dem Kranken, dem ein kalter Schweiß auf der Stirne perlt und dessen Athem fo eisig sie anweht. „Guter Freund", ruft sie, indem sie sich zu ihm neigt, „was soll ich für Euch thun?" Einen Augenblick läßt her wüthende Krampf nach. „Trinken, trinken," stöhnt der Arme, „ich verschmachte vor Durst!" Clara eilte in alle Winkel und sucht vergeblich nach Wasser, ergreift dann einen Krug und springt über die Straße nach dem Brunnen. Im Nu ist sie wieder da und reicht dem Lechzenden einen Trunk, aber wenig. Sie weiß, daß viel Wasser schadet. „Habt Ihr keinen Thee im Hause?" fragt sie. „Doch im Schranke draußen, aber es nutzt ja nichts! Gebt mir nur Wasser!" Eine Nachbarsfrau hatte Clara vom Brunnen in das Nebenhaus eilen sehen und kam ihr gleich nach, um zu sehen, was es hier gäbe. „Ach, der Franz also auch," rief sie beim Eintreten aus, „barmherziger Gott im Himmel, welch' ein Leid sucht die Menschen heim!" „Habt Ihr kochend Wasser ?" fragte Clara. „Ja, kann's auf der Stelle Herrichten." „Da habt Ihr Thee und nun

Baden, Württemberg, Bayern und England davon zu unterrichten und die süddeutschen Staaten und Italien zu Unterhandlungen für eine Gotthardbahn einzuladen.

Gegenüber der Gotthardvereinigung fan­den sich alsbald zwei andere Cantonsgrup- pen in oppositionellem Geiste zusammen: die Lukmaniercantone Bünden, St. Gallen, Appenzell, Glarus und die Simploncantone Wallis, Waadt und Genf. Sie verlangten vollständige Neutralität von der Bundes­regierung und proteftirten gegen jede Be­vorzugung des Gotthard.

Dem ungeachtet wurden nunmehr von der Gotthardvereinigung weitere Untersuchungen in technischer und commercieller Beziehung geflogen. Das Resultat derselben waren das Expertenproject und technische Gutachten der Herren Bekh und Gerwig, sowie das commercielle Gutachten und die Rentabili­tätsberechnung von Koller, Schmidlin und Stoll i), über welche Arbeiten man auch nur eine Stimme der Anerkennung ver­nommen $tte.

In Italien arbeitete gleichzeitig eine große durch den Baumeister Jacini einge­setzte Alpenbahncommission, die nach Prüfung aller vorliegenden Alpenbahnprojecte mit 11 gegen 3 Stimmen dem Gotthardprojecte den Vorzug gab. Hinwieder fehlte es nicht an

’) Bergt, das im Jahr 1880 im Verlag von K. I. Wyß in Bern erschienene Werk von Tr. Won- ner. Archivar der Gotthardbahn, „Geschichte der Begründungdes Gotthardunternehmens", S. 88 u. ff.

Dem Buche ist eine prachtvolle Ueberstchtskarte des ganzen Bahngebietes von Zug bis Como und Pino, im Maßstabe von 1: 100,000, als Separat­beilage beigegeben. Preis Mk. 9.

schnell einen Tops voll. Schickt Jemand nach dem Arzte, gleich schnell, vielleicht ist noch Hilfe möglich!" Die Frau ging, es auszurichten. Clara steht wieder beim Kranken. „Ist kein Geistlicher bei Euch ge­wesen?" fragte sie den Kranken, der von neuen Krampfanfällen ergriffen, sich eben wieder durch's Stroh wälzte und dann in stürzendem Erbrechen das genossene Wasser von sich gab. Er winkte Nein. Dann rief er in abgebrochenen Lauten: „Heute Morgen — die Frau — im Spital gestorben, die­sen Mittag das — Kind - tobt. - Vor einer Stunde habe ich — die Krankheit — gefühlt — es kam Niemand — holt schnell den Pastor, — ich bin ein verlorener Mann." Er konnte nicht weiter. Bald kam die "Nach­barin mit dem Thee. Clara eilte in mög­licher Hast zum Pfarrhaufe. Eben war der Geistliche von einem Krankenbesuch zurück­gekehrt, erschöpft und traurig saß er im Lehnstuhl. „Schnell, schnell, Herr Pastor," rief Clara zum Zimmer hinein, „auf dem Graben liegt ein Mann am Sterben; Nr. 16 zu ebener Erde." Kaum erkannte der Pfarrer die Gestalt, denn schon war sie wieder weg. Der Geistliche ging mit raschen Schritten zur Kirche. Währenddeiii hat Clara das Zimmer etwas gereinigt und her- gerichtet, ein Licht angezündet, Wasser in