aus dem Hause sowohl von Herrn Eller als von Leuten, die in den Laden traten, sixirt, sodaß es gelang, denselben später festzunehmen und der Polizei zu übergeben, nachdem man festgestellt hatte, daß mit dem Eindringling auch eine Knaben-Taschenuhr aus dem Eller'- fchen Hause verschwunden war.
— Als gestern Nachmittag 5 Uhr der Locomotivführer eines Güterzuges der Frank- fur-Bebraer Eisenbahn auf der hiesigen Station die Maschine zur Abfahrt anziehen ließ, erlitt letztere eine Kesiel-Explosion. Führer und Heizer kamen glücklicherweise mit einen: unwillkürlichen Heißwasserbad davon, die de- fecte Maschine wurde rasch durch eine andere ersetzt, sodaß der Zug ohne erhebliche Verspätung abfahren konnte.
— Der „Wetterprophet" Mathieu de la Drome kündigt „schönes Wetter" an für die Zeit vom 10 — 25. Mai; nur am 12. und am 14. Mai soll im nördlichen Europa das trockene Wetter durch kurze Regengüsse unterbrochen werden. In den Morgenstunden soll es immer ziemlich kalt werden. Vom 25. Mai bis 1. Juni veränderliches Wetter.
— Der Communallandtaq hat die Wahl eines Landesdirectors auf morgen anberaumt. Die Führung des Landesdirectoriums bis bis zur Uebernahme desselben seitens noch zu wählenden Landesdirectors ist Herrn Landesrath Schneider übertragen worden.
— Die Frage der Landesdirector-Wahl wirft in den Casseler Blättern viel Staub auf. Die liberalen Organe befürworten die Wahl des Communallandtagspräsidenten Herrn von Milchling, gen. Schutzbar; die conservativen Blätter dagegen treten für Herrn v. Hundelshausen ein. Der Ton, in welchem die Agitation auf beiden Seiten betrieben wird, ist vielfach ein sehr erregter. Wir meinen, die Mitglieder des Communallandtags werden sich durch diesen in letzter Stunde mit so viel Erregung inscenirten Federkrieg nicht aus ihrer Ruhe bringen fassen, sondern bei der Abgabe ihrer Stimmen ihrer eigenen Einsicht folgen. Wir wollen zur Orien- tirung unserer Leser nur bemerken, daß Herr von Milchling im 70. Lebensjahre steht und auf dem Gebiete der Religion den Anschauungen der Liberalen huldigt, während Herrn von Hundelshausen, der noch im kräftigsten Mannesalter steht, eine echt conservative Gesinnung auszeichnet.
— Dem Strafanstalts-Jnspector und Rendanten Stiegel zu Cassel ist der Rothe Adlerorden vierter Classe verliehen worden.
— Vom 1. April 1882 bis 31. März 1883 besteht die Königl. wissenschaftliche Prüfungscommission für die Provinz Hessen- Nassau in Marburg aus folgenden ordentlichen Mitgliedern: Dr. Varrentrapp, Professor (mittlere und neue Geschichte), zugleich Director der Commission, Dr. Lucae, Professor (Deutsch), Dr. Caesar, Professor (classische Philologie), Dr. Bormann, Profesior (alte Geschichte), Dr. Heß, Professor (Mathematik), Dr. Stengel, Professor (Englisch und Französisch), Dr. Ranke, Profesior (evangelische Theologie und Hebräisch), Dr. Rein, Profesior (Geographie), Dr. Cohen, Professor (Philosophie und Pädagogik), Dr. Melde, Professor (Physik), Dr. Wigand, Profesior (Botanik), Dr. Greeff, Hwfesior (Zoologie), Dr. Dunker, Professor (Mineralogie), Dr. Zincke, Profesior(Chemie).
w. Bieber, 5. Mai. Am Feste Kreuzerfindung beging die hiesige Pfarrgemeinde die erhebende Feier einer Kreuzeinweihung. Die feierliche Einweihung des steinernen, vor wenigen Tagen auf dem neuen Todtenhofe errichteten Crucifixes wurde kraft bischöflichen Auftrages von Herrn Dechant K l e e s p i e ß
in Orb vorgenommen. Dieser Act war für die Katholiken des Biebergrundes um so denkwürdiger, als damit auch die vollständige Umgestaltung der früheren Pfarrei Burgberg in die katholische Pfarrei Bieber nunmehr ihren Abschluß gefunden hat. Es war im Jahre 1852, als der Grundstein zur hiesigen katholischen Kirche gelegt wurde. Am 8 September 1854 wurde dieselbe einge- weiht. Nachdem schon Ende der 40er Jahre Pfarrer wie Lehrer den einsamen Burgberg, der erste in Folge eines nächtlichen Raub-Einbruchesin's Pfarrhaus, verlassen und sich in Bieber ansässig gemacht hatten, wurde dahier im Jahre 1863 ein Pfarr- Schulhaus angekauft. Die so beschwerliche Leichenbestattung auf den Todten- hof am Burgberg dauerte jedoch noch fort bis zum Jahre 1876, wo derselbe polizeilich geschlossen und dafür der neue Todtenhof unmittelbar neben der Pfarrkirche in Bieber angelegt wurde. Zur Krönung des ganzen Werkes fehlten nur noch die Mittel zur Beschaffung eines schönen Kreuzes auf den neuen Todtenhof; doch Dank der Opferwilligkeit der Parochianen, wie auch insbesondere Dank der namhaften Beiträge gewisser Wohl- thäter, wurden auch diese aufgebracht. — So steht denn das Kreuz, von Bildhauer Herbst in Würzburg allen Anforderungen der Technik, wie der Kunst entsprechend ausgeführt, da, wie Herr Dechant Kleespieß in seiner vortrefflichen Einweihungsrede hervorhob, als ein Denkmal der Wohl- thätigkeit, eine Frucht des Kulturkampfes, als ein Gegenstand der Erbauung für die lebenden, und des Trostes für die abgestorbenen Gläubigen.
Obwohl das neue Kreuz der hiesigen Gegend nunmehr gewiffermaßen ein katholisches Gepräge aufdrückt, so muß doch rühmend hervorgehoben werden, daß bei der Aufrichtung des Kreuzes auch die evangelische Bevölkerung hilfreich mit Hand angelegt, daß dieselbe an der Einweihungsfeier brüderlich theilgenommen, und dadurch das friedliche Nebeneinanderwohnen beider Con- fessionen aufs Neue bethätigt hat.
* Baumbach, 5. Mai. Gestern Abend entluden sich heftige Gewitter über die hiesige Gegend, welche von mächtigen Regengüssen begleitet waren. In starken Strömen floß das Wasser durch die niedrig liegenden Straßen und riß starke Baumstücke und Steine mit sich fort. Der angerichtet?* *' Schaden ist nicht so bedeutend. — Auch in Rotenburg soll das Gewitter stark gehaust haben. Ein Blitz schlug in ein Haus ein riß die Decke herunter, fuhr von da in den Stall und tödtete daselbst ein Schwein; eine hier sich befindende Kuh wurde schwer verletzt. (Hess. Morgenztg.)
* Das .Leipziger Tagebl/ bringt in der Beilage vom 10. März einen längeren Artikel unter: „Geschästsv erkehr", dem wir in Kürzerem Folgendes entnehmen: Die so oft wechselnde Mode in der Damenkleidung, in Möbelbezügen?c., verursacht denen nicht unbedeutende Ausgaben, die ohne Weiteres durch Neuanschaffungen folgen wollen. Wer dies nicht kann oder nicht mag und auch „getragene oder sonst benutzte, noch gute Stoffe" auf's Neue verwenden will, den machen wir auf bie gebiege* neu Lei st ungen der Thüringer Kunstfärberei und chemischen Reinigung in Königsee aufmerksam, (bekanntlich auch in Fulda durch Fr. Marie Höfling vertreten, welche Anstalt bei der angewandten Sorgfalt und dem Verständniß in der Behandlung der verschiedensten Gegenstände durch „reine und moderne Farben" und durch „solide Appretur" die ihr anvertrauten Stoffe rc. so her
zustellen versteht, daß sie die „nochmalige Benutzung" wirklich gestatten, und dadurch das wirthschaftlich so wichtige Umfärben und Reinigen immer mehr wieder in Aufnahme bringt.
* (Die Lungentuberculose.) Die Untersuchungen des Dr. Koch über die Lungentuberculose werden allgemein in der medicinischen Welt besprochen. Dr. Koch hat nämlich gefunden, daß die Tuberculose von gewissen Pilsen herrührt, die sich in der Lunge festgesetzt haben. Die Tragweite dieser Koch'schen Untersuchungen erhellt wohl am deutlichsten aus dem Umstande, daß sie geeignet ist, eine vollständige Umwälzung nicht allein in Bezug auf die Behandlung der Kranken in den Hospitälern, die Anordnung der Brunnencuren herbeizuführen, sondern daß sie auch direct auf die Gesetzgebung einwirken muß, indem sowohl der Impfzwang als auch die Schlachtordnung auf Voraussetzungen beruhen, welche durch diese Untersuchungen als nicht mehr zutreffend erachtet werden können. Da die Uebertragbarkeit der Tuberkel-Bacillen eine äußerst leichte ist und sie sich allerdings nur an geschützten Stellen im Körper sehr langsam zwar, aber mit ziemlicher Sicherheit weiter entwickeln, da diese Parasiten ferner auch in unseren HauSthieren vorkommen, was neuerdings bei Hühnern nachgewiesen — beim Iiindvieh unter dem Namen Perlseuche schon längst bekannt ist, so wird eine um so größere Vorsicht beim Genüsse des Fleisches dieser Thiere absolut nothwendig werden. Vollauf zu billigen wird eS sein, wenn größere Strenge gegen daS auS Amerika kommende Fleisch angewendet wird. Die Sputa (Auswurf der Kranken) sind die Träger des ansteckenden GifteS, da diese selbst nach achtwöchentlichem Trocknen daS ViruS noch intact enthielten und noch sehr ansteckungsfähig waren, so liegt auf der Hand, daß unter solchen Verhältnissen daS ganze Heilverfahren gegen diese Krankheit eine Umgestaltung wird erfahren müssen. Es wird die Frage zu entscheiden sein, ob man einen derartigen Patienten fernerhin in Krankenhäusern oder selbst in Privatverhältniffen mit anderen zu- sainmen im Verkehr, besonders des Nachts im selben Zimmer wird schlafen lassen können? Eine weitere Frage wird die sein, ob bei Behandlung derartiger Kranken der Aufenthalt im Freien vorzuziehen sein wird? Nützen unter den gegebenen Verhältnissen die Brunnen- und Molkencuren; oder schaden sie nicht gar? — bevorzugte man doch schon in den letzten Jahren viele Brunnenorte mehr ihrer klimatischen Verhältnisse halber als wegen des Werthes ihrer Wässer. Sicherlich werden in diesem Augenblicke schon auf allen Versuchsstationen Forschungen angestellt, auf welche Weise diesen Feinden des Menschen begegnet, wie diese Parasiten zerstört oder in ihrer Weiterentwickelung im Organismus gehindert werden können. Daß auch nach gesetzgeberischer Richtung eine bedeutsame Aenderung bestehender Vorschriften nicht ausbleiben kann, liegt auf der Hand. Wer kann nach Constatirung der so leichten Uebertragbarkeit des Krankheitsstoffes noch für die Impfung resp. Wiederimpfung der Pocken von Arm zu Arm eintreten? Es liegt nahe, daß man und zwar bei der Gefährlichkeit der Sache recht bald auf gesetzlichem Wege daß Uebertragen von Pockenlymphe vom Menschen zum Menschen verbieten und daß in Zukunft nur von Thieren und zwar von nach ebfolgter Autopsie als vollständig gesund ebkannten Thieren Lymphe zum Impfen und zur Revaccination genommen werden darf.
Gemeinnütziges.
* Gurk en bau. Die Hauptregel ist: Man ziehe ben Gurkenfamen möglichst selbst unb lasse solche brei Jahre, bauen ein Jahr wenigstens auf Papier ausgebreitet in trockenen Räumen liegen. Ferner ist wesentlich für bas Gebeihen selbst bei ungünstigeren Witterungsverhältnisien bie Bobenbeschaffen- heit unb ber Dünger. Man werfe iin Herbst 30 (Zentimeter tiefe, 15—20 (Zentimeter breite Graben auf, lasse bie Erbe ben Winter hindurch liegen, bamit dieselbe ordentlich burchsriert unb bünge im Frühjahre folgendermaßen: Ein Compost, zu gleichen Theilen aus guter Erbe unb Pferdebünger (nicht Kuhdünger) bestehend, wirb alsbann 10 (Zentimeter von ber herausgeworfenen Erbe, bann wieder 5 (Zentimeter Compost unb ber Rest mit Erde zugedeckt, lieber dieses streue man 1 (Zentimeter hoch Gerberlohe; und wo diese nicht zu beschaffen, Sägespäne, als sicheres Schutzmittel selbst gegen leichte Fröste und anhaltendes kühles Wetter.