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Deutsches Reich.
* Berlin, 7. Mai. Abqeordneten- haus 60. Sitz, vom 6. Mai. Zweite Lesung des Verwendungsgesetzes. Ricker bittet § 1 abzulehnen, wenigstens aus dein- selben den Passus zu streichen, in welchem auf neu zu bewilligende Reichssteuern hingewiesen wird. Minister Putt kam er: Daß die Vorlage hier diese ablehnende Haltung erfahren hat, ist für die Regierung sehr unerfreulich. Richtig sei, daß dieses Gesetz nicht nur die Bewilligung des Tabakmonopols, sondern auch weiterer indirecter Steuern zur Voraussetzung hat (hört!). Der dunkelste Punkt in unseren Zuständen ist das Communalsteuerwesen. Den Communen muß die Befugniß der Einführung der communalen Schlachtsteuer eingeräuint werden. Wird dieses Gesetz angenommen, so würde Berlin 26 pCt. seiner Communalsteuern sparen. Allein die Schlachtsteuer würde Berlin 5 Millionen einbringen. In rheinischen Städten würde Ersparniß an Communalsteuern bis 32 pCt. eintreten. Der Grund- fshler war der, daß den Commnnen zu viele solcher Aufgaben aufgeladen wurden, welche der Staat zu tragen hat. (Sehr wahr.) Andererseits hat man den Com- munen durch allerlei Beschränkungen die Einnahmen abgegraben. In unseren Gemeinden herrscht eine financielle Agonie. Viele Communen muffen ihre Deficits durch Anleihen decken. Zur Besserung solcher Zustände muß endlich Hand angelegt werden. Dieses Gesetz entlastet 54 pCt. der gesummten Bevölkerung von der Klaffensteuer. Die Regierung würde die Ablehnung des
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Clara.
(Silber aus dem Leben einer Dienstmagd.) (Fortsetzung.)
Gegen die Mitte des Sommers 1849 brach, wie bekannt, auch am Rhein in verschiedenen Städten die Cholera aus, jene geheimnißvolle, entsetzliche Krankheit, die nun schon seit mehr als 20 Jahren Europa bald hier bald dort mit steigender und sinkender Heftigkeit heimgesucht und noch immer tiefer sich einzunisten scheint. In den gesundesten und ungesundesten Gegenden bricht sie aus, in großen Städten zumeist, aber auch das flache Land bleibt nicht verschont. Kein Alter, keine Lebensweise, keine Körperconstitution gewährt sicheren Schutz, wie auch trotz allem Anpreisen sich noch Niemand gefunden, der den rechten Grund der Krankheit erforscht hat, und die verlässigsten Heilmittel anzugeben wüßte. Die meiste Gefahr droht indeß der ärmern Volksclasse, die in großen Städten oft schauderhaft eng zn- sammenwohnt, maßlose Unreinlichkeit pflegt, eine ungeregelte Lebensweise führt und gewöhnlich eine Menge Laster mit sich herumschleppt, welche wenigstens für die Krankheit empfänglich machen. Sobald sich die Krankheit an einem Orte zeigt, werden die meisten
Gesetzes bedauern. Sie will den Zuständen ein Ende machen, in welchen man dem Volke statt des Brodes ein Stein ungewisser Versprechungen geben will. Abg. von H a m m e r st e i n erklärt Namens der Conservativen, daß dieselben nach der Ablehnung der Commissionsüberweisung jetzt pure für das Gesetz stimmen werden. (Lachen links.) Grummbrecht gegen die Vorlage. Abg. v. Huene (Centrum) gegen die Vorlage, weil alle, die für dieselbe stimmen, zugleich für das Monopol sich erklären. Der Fmanzminister Bitter plaidirt für die Annahme des Gesetzes gegen welches Meyer (Arnswalde) sich wendet. Abg. Richter: Die Conservativen, die für das Gesetz oottren, wollen damit ihr Einverständniß mit dem Monopol bezeugen. (Ruse rechts: Ja, nein!) Ich habe Sie nur provociren wollen; dieser gemischte Chor ist sehr bezeichnend. Die Motive des Monopols besagen ausdrücklich, daß die Erträge des Monopols nicht allein an die Einzelstaaten vertheilt, sondern auch zur Erhöhung der Besoldungen der Reichs- functionäre verwendet werden sollen. Die Erhöhung der Ofsiciersgehälte ist die Consequenz des Monopols. Die Lockspeisen der Verwendungsgesetze verfangen nicht mehr bei der Bevölkerung. Abg. v. Ludwig beantragt das Gesetz an die Commission zurückzuweisen, was abgelehnt wird. Ebenso wird der zum Paragraph 1 gestellte Antrag der Freiconservativen abgelehnt. Darauf wird Paragraph 1 der Regierungsvorlage gegen die Stimmen der Conservativen und der Majorität der Freiconservativen abgelehnt. Nach Ablehnung des § 2 erklärt der Finanz-
Menschen von einer unerklärbaren Unruhe und Furcht befallen, welche sich steigert, wie der Tod mehr und mehr Opfer fordert. Die Angst bereitet der Krankheit selbst den Weg. Glücklich, wer diese Furcht, jedweden Ekel in ihrer Nähe überwinden kann, es ist der beste Schutz. Die Krankheit selbst hebt in den verschiedensten Erscheinungen an, bald mit einer lang voraufgehenden Uebelkeit, mit Schwere und Trägheit in den Gliedern, bald mit einer leichten Unbequemlichkeit im Unterleib, meist und besonders, wenn sie in vollem Ausbruch begriffen ist, mit plötzlichen, heftigen Zufällen, wodurch die Kräfte zusehends schwinden und die eigentliche Cholera wie der Blitz einschlägt. Dann wird der Körper wie von innerm Krampf zerrieben und sind die Schmerzen oft fürchterlich. Der Geist bleibt dabei immer wach und gesund, wenn die Krankheit binnen zwei, drei Stunden tobtet, oder auch, wenn ein voller Tag und mehr zwischen die Entwickelung des Nebels fällt. Nur wenn der Typhus sich dabei einstellt, was seltener geschieht, bleibt der Geist oft längere, oft kürzere Zeit, wie in das Meer feiner Leiden untergetaucht und verliert jede Kenntniß der Außenwelt. Noch hat die eigentliche Cholera das Eigenthüm- liche, daß sie den Menschen fast plötzlich von den Verbindungen mit der sinnlichen
minifter, daß die Regierung auf die weitere Berathnng des Gesetzes keinen Werth mehr [ege. Der Präsident Köller schlägt vor, ihn zu bevollmächtigen, die nächste Sitzung anzuberaumen. Windthorst und Schorlen: er protestiren gegen das Zusammentagen des Reichstages und Landtages. Das Haus ertheilt dem Präsidenten die gewünschte Vollmacht.
— Reichstag. Sitz.v.6.Mai. Richter beantragt die Auszählung des Hauses, welche die Anwesenheit von nur 160 Mitglieder ergibt. Das Haus ist also beschlußunfähig. Wöllwarth bemerkt, daß einige Collegen mit Absicht nicht in den Saal getreten feien; er habe einige Abgeordnete aufgefordert, in den Saal zu gehen, dies fei aber abgelehnt worden. Rickert: Solche Insinuation fei unerhört. Wöllwarth: Er habe den Abg. Mayer ersucht, in den Saal zu gehen, was dieser aber verweigert habe. Nächste Sitzung Montag. (Fortsetzung der Debatte über die Gewerbeordnungsnovelle und erste und zweite Lesung der Zolltarifnovelle.)
— Jas Herrenhaus beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der höchst wichtigen Angelegenheit der systematischen Ausschlachtungen von Bauerngrundstücken, die Gras Sch lieben durch eine Interpellation zur Sprache brachte. Der Interpellant brachte in Bezug auf den Gegenstand haarsträubende Belege vor und bewies, in welcher Weise die neuere Gesetzgebung wesentlich mit dazu beigetragen hat, die Lage des Bauernstandes zu verschlimmern. Mit dem Wuchergesetz sei ein Anfang zur Hebung des Bauernstandes gemacht worden, allein weil die
Welt abreißt und ihn fast gleichgiltig macht gegen Alles, was ihm sonst lieb und werth erschienen. Der Mensch in seinem hilflosen Zustande, bei klarem Geiste, eingewickelt in die entsetzlichsten Schmerzen findet sich allein mit seinem Gott, ein eigenthümliches Gericht bei Lebzeiten.
Noch bevor die Cholera die Stadt erreichte, in der unsere Clara diente, war der Schrecken ihr als Quatiermacher vorausgeeilt und hatte an Hütten und Palästen angeklopft. Man hatte ihm nur zu bereit das fatale „Herein" zugerufen. Vorbereitungen traf Jeder in seiner Weise, nur die ärmere Classe ließ kommen, was sich nicht abwenden ließ, ohne etwas dagegen thun zu können, noch auch zu wollen. Eine ängstliche Erwartung spannte die Gemüther und hielt selbst die sonst Herzhaften gefangen. Schon sollte in dieser ober jener Straße bie Krankheit sich gezeigt haben, ba unb bart Einer ihr erlegen sein; das Gerücht trug vergrößernd den Verdacht als Wahrheit in alle Stadtquartiere. Wer mit Fug und Schick Urlaub nehmen kannte, ging auf's Land; schon begannen recht eigentlich Wanderzüge der Furchtsamen, noch bevor das Nebel sich in seiner schrecklichen Wirklichkeit gezeigt hatte. Es ließ indeß nicht lange auf sich warten. ’JJiitten unter der Armuth schlug es sein schreckliches Lager