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M 104.

Sonnabend, den 6. Mai 1882.

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Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- uno Feiertage ausgenommen.

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und EO $fü., mit Brinqerlohn 1 M. 70 Pfg., vuLnürts tci den Postämtern: 6ei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg" ms Haus gebracht 1 M. so Pfg. Die -illustrirNen Sonntaasblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 2o Pfg-, tn s H°us gebracht 40 Pfg.

Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Am 1. April denkt Alles an die Unsitte, harmlose Leute in den April zu schicken; am 1. Mai denkt Alles an Frühlingslüfte, Blumendüfte, milde Sonne und Herzens­wonne. In diesem Jahr fing der Wonne­monat nicht übel an: Das Herrenhaus hat den Compromiß der Conservativen mit dem Centrum bezüglich der kirchenpoli­tischen Vorlage gutgeheißen, der Cultus- minister hat seine Zustimmung ertheilt, und foniit unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß das Gesetz, welches zwar „nur ein Schritt auf dem Wege der Umkehr zu den früheren segensreichen Verhältnissen ist," zu Stande kommen wird. Der Hocuspocus einiger Blätter, als habe Fürst Bismarck dem Compromisse als theilnahmloser Zu­schauer gegenüber gestanden, als habe er bei einer der wichtigsten Angelegenheiten die Hände in den Schooß gelegt, während er sich sonst um weit unbedeutendere Dinge be­kümmert, ist also gründlich Lügen gestraft.^ »ülttd es- ifi wahrlich an der Zeit, daß'Staat und Kirche sich nähern und dem heillosen Wirrwarr ein Ende gemacht wird. Dieser Tage schrieb ein katholisches Blatt, als es die Zahl der verwaisten Pfarreien aufzählte: „Die Seelsorge-Verhältnisse werden immer unerträglicher; dem Unglauben und dem Sittenverderbniß kann nur durch die freie Wirksamkeit der Kirche, inbesondere durch eine regelmäßige geordnete Pastoration ge­steuert werden." Wie viel Jammer und wie viel Wahrheit liegt in diesen schlichten Worten ! Von einer „freien Wirksamkeit der

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Clara.

(Bilder aus dem Leben einer Dienstmagd.) (Fortsetzung.)

Der Verkehr mit der Arinuth hatte das Herz des schlichten Landmädchens mit einer nie gekannten Kraft der Aufopferung erfüllt und gestärkt. In der wahren Aufopferung liegt aber eine wunderbare, von wenigen Menschen leider gekannte Quelle von Herzens­freude. In ihr, der christlichen Aufopferung, wird die Gottesseligkeit empfunden und bricht der Himmel gleichsam mit seiner Freude durch. Das ist die wahre Herzenssreude. Aber auch sie sagt auf Erden nie, es ist genug. Gott hat einen wunderbaren Segen in die christliche Hingebung gelegt, der sich immer reicher entfaltet, wie das Menschen- herz sich vollkommener aufopfert. Ihr ge­nußsüchtigen, selbstsüchtigen Menschenkinder wißt davon leider nichts, gar nichts! Ihr steht verblüfft oder zweifelnd dabei, und was einfach und klar ist, wie der lichte Himmel, das ist euch ein unauflösliches Räthsel. Clara hätte Alles geben können, was sie be­saß, und bedauerte nur immer, nicht noch mehr thun zu können, als sie that. Die geputzten Fräulein des Hauses, die so er­schrecklich viel Geld kosteten, nichts thaten,

Kirche" sind wir freilich noch weit entfernt, aber wir sind doch auf dem Wege der Besserung. Der Reichskanzler ist kein idea­ler Schwärmer, kein Fanatiker, sondern ein Realpolitiker, und da er einsah, daß sein Kampf gegen die katholische Kirche keinen Nutzen, sondern nur Schaden bringt, verließ er den Kriegspfad, um auf die Friedens­fährte zu gelangen. Wer hätte vor Jahren, als die preußischen Bischöfe und viele hundert Priester in die Gefängnisse wanderten, ahnen sollen, daß es heute schon „zum guten Tone" gehören werde, keine Culturpaukerei zu treiben? Die Zeit ist in Deutschland zwar noch nicht vorüber, daß man den Pa­triotismus über die Religiosität stellt, aber Kirche und Religion haben doch aufgehört, das Aschenbrödel zu sein, und der wilde Parteihader hat einem Gefühle der Gerech­tigkeit und Billigkeit Platz gemacht. Dies zeigten auch die Verhandlungen des Herren- haufes, in welchem der Compromiß nur von drei Rednern bekämpft wurde. Der Eine hielt die Form des Begnadigungsrechtes seiner ' „preußischen Ueberzeugung" nach für staats­rechtlich unzulässig; der Andere, der ä la Epnern die confessionellenGegensätze aufrührte, sah schaudernd die Bischöfe als „Triumpha­toren" zurückkehren und das Princip der Maigesetze als falsch gebranntmarkt, und der Dritte sah sogar das stolze Staatsschiff Preußen seine Flagge vor dem Vatican streichen! Die gläubigen Mitglieder des hohen Hauses erblickten dagegen in der Vor­lage nur eine Abschlagszahlung, der eine organische Revision der Maigesetze und die Wiederherstellung der gestrichenen Verfas- aber auch nie von Herzen froh waren, und keinen Begriff von der wahren, christlichen Aufopferung hatten, preßten ihr oft Thränen aus, und plagte sie dieselben immerfort mit ihrer Bettelei, um ihnen doch mit Gewalt die Wonne des Wohlthuns beizubringen. Arme Clara, das Geben an sich hat keine Freude, sondern nur die Freude mit der man gibt, erzeugt die Freude wieder, wie der warme Sonnenstrahl Wärme gibt und weckt!

Eines Sonntags Nachmittags wurde der Oberin des Hospitals zu X. eine Jungfer gemeldet, welche sie zu sprechen wünsche. Auf ihren Wink wurde durch eine Ordens­schwester Clara in das Zimnier der Oberin geführt. Diese saß in ihrer schwarzen Ordens­tracht im Lehnsessel, auf dem Tische neben ihr stand ein Crucifix, lagen mehrere Bücher; das Zimmer war sonst anständig, nicht reich meublirt. Clara näherte sich mit leisem Beben der ernsten Klosterfrau und stotterte ihren Gruß: „Gelobt sei Jesus Christus!" „In Ewigkeit. Amen!" war die Antwort. „Was wünschen Sie?" fragte die Oberin. Clara blickte auf und bat mit flehender Stimme um die Aufnahme in den Orden. „Wo sind Sie her?" „Aus Heilbach in der Eifel." Die Oberin schwieg eine Weile und musterte das verlegene Mädchen. „Hat Sie

sungsparagraphen folgen müsse. Selbst Herr Kleist erklärte, der Kirche müsse das alte Recht und der frühere Einfluß zu­rückgegeben werden. Freiherr von Durand faßte den Stier bei den Hörnern, indem er ausführte, es sei nicht Aufgabe, gegen die katholischen Kirche anzukämpfen, vielmehr hätten die christlichen Bekenntnisse gegen den gemeinsamen Feind, die materialistische Welt­anschauung der Neuzeit, Front zu machen. Der Staat solle nicht nach den Grenzen zwischen Staat und Kirche suchen, sondern sich auf den Boden des positiven Christen- thums stellen. Auch der Cultusminister erklärte sich für die Vorlage, obwohl die Regierung „ernste und erhebliche Bedenken" gegen den verstümmelten Entwurf habe. Gottlob, der 1. Mai hat den 31. März nicht desavouirt, und wir erfreuen uns, so unvollkommen das Erreichte an sich auch ist, daß wir so weit wenigstens gekommen sind. Der Culturkampf stürmte gleich einem hitzigen Fieber per Dampf in's Land und schleicht jetzt langsam davon, — aber er geht doch; ja er geht trotz des Deutschen Vereins mit seinen Denuncianten und Schnüff­lern, mit seinen Pflegern der „Gesinnungs­tüchtigkeit" und Vaticanstürmern. Auch in Baden findet der seit 1868 verwaiste erz- bischöfliche Stuhl in Freiburg in der Per­son des Domcapitulars Dr. Orbin endlich wieder seine würdige Besetzung.

In deinselben Maße nun. wie die katho­lische Kirche wieder zu Ansehen und Ehren kommt, geht es mit dem Altkatholicis- nrus bergab. Es Hilsts Nichts, daß Herr Hubert Reinkens in Wiesbaden das „vati- Vermögen?" fragte die Oberin weiter. Clara schüttelte mit dem Kopfe. Diese unerwar­tete Frage durchschnitt ihr das Herz; ihr Angesicht entfärbte sich. „Die Einrichtung des Klosters", fuhr die Oberin begütigend fort, „macht einiges Vermögen von Seiten der Eintretenden nothwendig. Wir dürfen von dieser Anordnung nicht abgehen, als nur in ganz außerordentlichen Fällen. Hat Sie keine Verwandte? Was thut Sie jetzt?" Clara erzählte in der Kürze ihre Geschichte, wie auch, wo sie seitdem in Dienst stehe. Daran knüpfte sie nochmal die Bitte, sie doch um Gotteswillen in den Orden aufzu­nehmen. Die Oberin bedauerte, ihr jetzt nicht helfen zu können, sie wolle sehen, was sie in Zukunft für sie thun könne. Während dem würde sie sich genauer nach ihrem Be­tragen und nach ihren Verhältnissen erkun­digen. Clara ging mit schmerzlichen Ge­fühlen nach Hause, hoffte und harrte auf Nachricht, aber ein ganzes Jahr verging, und es war gar keine Nachfrage nach ihr angestellt worden. Daß ihre Armuth ein Hinderniß sein sollte, sich dem Dienste der Armuth zu weihen, schmerzte sie am meisten. Doch hielt sie ihr Vorhaben in ihrer Um­gebung geheim. Nachdem ein Jahr verflos­sen, meldete sie sich auf's Neue im Kloster und legte der Oberin ihren ganzen, verdien-