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Donnerstag, den 4 Mai 1882.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- un» Feiertage ausgenoninlnr. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Brmgerlohn in Fulda 1 Mark und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg.. auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Psg. Die illustrieren Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg. auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Ptg. Inserate: Die Petit,eile.oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

m. Ein bischöfliches Hirtenwort über die kathol. Tagespreise.

Der Hochw. Herr Bischof Gilmour von Cleveland hat in der verflossenen Fastenzeit in einem Hirtenbriefe feinen Diöcesanen den Werth der kathol. Presse eindringlich an's Herz gelegt. Der Bischof fagt u. A.: „In Folge von Mittellosigkeit und Unkenntniß des Werthes der Presse sind die Katholiken mit ihrer Presse hinter Anderen zurückge­blieben. Hie und da haben Priester oder opferwillige Laien etwas zur Gründung einer kathol. Zeitung gethan. aber bis jetzt ist viel zu wenig geschehen. Man hat zwar an der kathol. Presse viel auszusetzen gehabt, aber man hat nichts gethan, sie besser zu machen. Es ist viel leichter, ein Blatt zu kritisiren und zu tadeln, als ein besseres zu gründen und zu erhalten. Wir behaupten nicht zu viel, wenn wir sagen, daß die kathol. Presse in Amerika nicht genug unterstützt wird. Es wäre nicht zu viel, für jeden Kreis ein eigenes Organ zu haben, noch wäre es zu viel verlangt, wenn man von den wohlhabenden Katholiken forderte, frei­gebig zur Gründung eines Blattes beizu­steuern und zur Unterstützung desselben sollte auch aus den Kirchen-Revenüen ein Zuschuß gegeben werden. Wer mit dem Zeitungs­wesen vertraut ist, weiß, daß es große Aus­lagen verursacht; aber gute Blätter sind auch das Geld werth, das sie kosten. Ein kathol. Blatt soll kein Gebetbuch sein; es müssen in demselben alle Tagesfragen, weltliche, politische wie religiöse, besprochen werden. Ohne beleidigend zu fein, muß dasselbe fest und furchtlos vorgehen, sonst

ist es werthlos. Der Unglaube greift kühn an, und warum sollte es die Wahrheit nicht thun. Männlicher Muth findet überall und stets Achtung, Feigheit aber Verachtung. Aus Mangel an gehöriger Unterstützung hat die kathol. Presse sich nicht zu der Stellung erschwingen können, die ihr gebührt. Es scheint da immer ein Kopfschütteln zu herr­schen, wenn ein Mal Einer frank und frei die Wahrheit sagt. Unterstützt die Presse durch Abonn eni ent und In­serate, so daß Talent und Tüchtigkeit für sie gewonnen werden können, und bald wird es nicht mehr an Zeitschriften und Zeitungen zur Vertheidigung unserer Sache fehlen. Wollen wir eine starke Presse haben, so müssen wir dieselbe durch Wort und That weit mehr unterstützen, wie bisher."

Was hier der amerikanische Oberhirte sagt, paßt mit geringen Abänderungen ailch für unsere Verhältnisse; denn noch immer gibt es auch bei uns noch viele Katholiken, welche ihre Pflichten gegen die kath. Presse nicht erkennen, ja sogar die kirchen- und christusfeindliche Presse mit Abonnement und Inserate unterstützen. Wie kann es aber ein Katholik mit feinem Gewissen vereinbaren, eine Zeitung, eine Zeitschrift in die Hand zu nehmen, welche gegen seine Religion, gegen seinen Gott und Herrn offen und versteckt vorgehen, deren Tendenz es ist, alles ihm Erwürdige und Heilige in den Koth zu ziehen? Wie kann ein Katholik auf eine Zeitung abonniren, die täglich sein Inner­stes empören muß, wie also mit seinem Gelde dazu beitragen, daß solch' eine läster­liche Presse verbreitet wird? Wie kann ein

Elara.

(Silber aus dem Leben einer Dienstmagd.) (Fortsetzung.)

'Diit dem Fuße stieß Max die Zimmerthüre auf. „Alte hinein, und schaff' mir das Mädchen, oder ich breche Dir den Hals!" rief er noch mal. „Was wollt Ihr mit dem Mädchen?" kreischte die Alte, die sich gefangen sah und nicht recht raupte, raie sie sich helfen sollte. „Ich will sie zur Polizei führen und Dich dabei holen lassen", spottete Star, „damit Du Rechenschaft ablegst, daß Du fremde Mädchen beherbergst." Die Alte gerietst in nicht geringe Roth von wegen der Polizei, denn es war ihr strengstens verboten worden, irgend Jemanden zu beherbergen. „Nun, nun," kreischt sie fort, „ich weiß, daß Ihr mich verderben wollt! Seid nur zufrieden, ich will Euch das Mädchen ja holen!" und sie sah sich in der Stube um. Clara kam erschrocken aus dem Kämmerchen. Star ließ seine blitzenden Augen über das Mädchen streifen. „Also das ist das Land­mädchen, nichtsnutzige Kanaille!" rief Max entrüstet; „hast Du sie schon ausstasfirt? der Teufel steckt in Dir alten Hexe!" „Ich bin ganz unschuldig," warf die Alte ein, „die Jungfer hat sich gestern Abend vor

dem Thore an mich gehangen, da sie gar nicht wußte, wo sie bleiben sollte. Sie konnte doch nicht auf der Straße schlafen." Max hörte nicht auf die Alte, sondern sah sich das weinende Landkind an, das kein Wort hervorbringen konnte. Ein tiefes Er­barmen ergriff den Burschen. Er sah wohl, daß dieses arme Kind in seiner Unschuld dem alten Weibe in die Hände gefallen war, aber fein Zorn, den er darüber gegen die Alte ausließ, hatte auch noch andere Gründe. Er haßte das alte Weib aus Grund feines heftigen Herzens, weil sie ihm noch jüngst aus Rache Stänkereien mit seiner Braut ge­macht hatte. Er ergriff deshalb gern die Gelegenheit, es der Alten in seiner Weise entgelten zu lassen, wo nur ein Schein von Recht war. Jetzt aber meinte er, um des Landmädchens willen, dürste er feinem Zorn noch mehr freien Laus lassen. Er wandte sich gegen die Alte und ballte ihr die Faust in's Gesicht. Seine kräftigen Muskeln zitter­ten vor Zorn. „Jetzt habe ich Dich, alte Hexe, im Garne," bornierte er sie an, „jetzt will ich auch noch ein anderes Hühnchen mit Dir rupfen und mein Müthchen an Dir kühlen!" und er ergriff einen Stuhl und hob ihn in die Höhe; „damit schlag ich Dich zu­sammen, wenn Du jetzt nicht niederkniest und Deine Schuld mit der Rosalia bekennst!"

Katholik solchen Zeitungen Inserate zuwen­den und so abermals dieselben mit seinem Gelde unterstützen? Wie vermag er sich im Richterstuhle der Buße zu verantworten mit Bezug auf die Sünden gegen den Glauben, da er sich stets der Gefahr aus­fetzt, denselben zu verlieren durch Preßer­zeugnisse, welche von der Religion in der übelsten Weise sprechen, ohne auch nur die Fundanientalwahrheiten zu wissen, geschweige zu verstehen! Oder wäre es in den Augen solcher Katholiken keine Sünde, täglich eine solche gottes- und religionslästerische Presse in Händen zu haben? Verstehen es denn so manche Katholiken es noch nicht, daß Ehre und Gewissen es ihnen strenge ver­bieten, auch nur ihre Hand nach solchen Quellentrüber freimaurerischer Glaubens­hetzer oder eines verflachenden Jndifferentis- mus auszustrecken.

Wo sind die Gründe, welche auch in et­was stichhaltig wären, um ein solches Vor­gehen zu entschuldigen, denn rechtfertigen ist nun und nimmer möglich Awa. die Ma- nichfaltigkeil Hes,Inhaltes: Katholik, lies nur* genau die Zeitungen Demer Farbe-,- ihr Inhalt ist -mindestens eben so reich, als der jener liberalen! Etwa die Schnelligkeit der Nachrichten: Katholik, bringen die katholischen Blätter dieselben nicht wenigstens eben so schnell? Etwa ihre Verbreitung: Katholik, wie manche liberale Zeitung hat nicht so viele Abonnenten, als die Zeitungen, welche Deinen Gott und seine Wahrheiten hochhal­ten ! Etwa die Handelsnachrichten: Katholik, nimm Du nur getrost die katholischen Tages­blätter zur Hand und sei versichert, Du Die Alte erbebte bei dem Wort vor dem Grimm des Burschen, sie fiel auf die Knie und gestand, daß sie der Rosalia die Karte gelegt und sie ungerecht wider ihn gehetzt habe. „Wo ist der Ring, den Du ihr abge­nommen?" Die Alte wollte von einem Ringe nichts wissen. Der erhobene Stuhl und die krampfhaft geballte Faust des Metzgers er­zwang endlich die Wahrheit. Die Alte rutschte nach dein Tische, schloß die Schub­lade auf und holte den Ring hervor. „Da ist er," kreischte sie, „aber sie hat mir ihn ja freiwillig gegeben." „Was gegeben," schrie Max, „der Teufel lügt in Dir! Hast Du, alte Hexe, nicht gesagt, Du wolltest Zauberei damit treiben, damit ich für die vorgegebene Untreue gequält würde?" Und indem er den Ring nahm, holte er aus, als ob er den Stuhl auf ihr niederschmettern wollte. Die Alte ließ sich zur Erde fallen. Clara, die ein Unglück fürchtete, sprang hin­zu und griff nach dem geschwungenen Stuhl. Star lachte aus vollem Halse. „Also der Teufel kann Dich nicht einmal vor meinem Zorne retten?" lachte er die Alte aus und schob sie mit dem Fuße fort. „Du sollst Dein Lebenlang vor mir zittern, Alte, und deshalb laffe ich Dich heute am Leben. Wenn Du mich von Weitem siehst, sollst Du schon erschrecken!"