auf korporative genossenschaftliche Verbände begründet, ferner obligatorischeKranken- versicherung und Abänderung der Gewerbeordnung. Bezüglich der Steuerreform betont die Rede das Bedürfniß der Abschaffung drückender direkter Landessteuern, namentlich der Coimnunalsteueraufschläge. Die Bundesregierungen seien von diesem Bedürfniß überzeugt und beantragen deshalb Erhöhung der Reichseinnahmen. Hierbei stehe der Tabak in erster Linie, nur über die Form der Besteuerung seien die Ansichten verschieden. Die Mehrheit der Regierungen sei für das Monopol; erst wenn die Zustimmung der Volksvertretung hierzu nicht erfolge, würde man zu anderen Vorschlägen übergehen; wenn aber höhere Reichseinnah- inen in keiner Form bewilligt würden, müßte die Regierung mit Bedauern und zum Schmerze des Kaisers für jetzt auf eine Steuerreform verzichten. Die Rede kündigt weitereine Tarifänderung betreffend die Mühlenindustrie und einen deutschbrasilianischen Consularvertrag an. Die auswärtigen Verhältnisse fahren in jeder Richtung fort, das Vertrauen auf die Dauer der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu rechtfertigen, welche die Botschaft vom 17. November bezeugte.
— Der Namensaufruf im Reichstag ergab die Anwesenheit von 199 Mitgliedern. Der Reichstag ist sonach beschlußfähig. Die Präsidentenwahl findet morgen 2 Uhr, Nachmittags, statt. Die Gewerbeordnungsnovelle und das Tabakmonopolgesetz sind bereits dem Reichstag zugegangen.
— In der unter dem Vorsitz des Staatsministers von Boetticher am 26. April gehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolliarifge- setzes vom 15. Juli 1879, mit einigen, von den Ausschüssen beantragten, nicht we- sentlichen Abänderungen die Zustimmung ertheilt. Durch diese Beschlußfassung wurde eine auf Zollerhöhung für Asbestpappen bezügliche Eingabe von der Versammlung für erledigt erachtet. Der am 10. Januar d. I. unterzeichnete Consularvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Brasilien wurde unverändert angenommen. Schließlich wählte die Versammlung mehrere Comnüssorien für die Reichstagsberathungen über den Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Lüfte gehoben zu werden, oder wieder tief in die Erde zu sinken und vermochte kaum der Alten Schritt zu halten. Man gelangte endlich an eine breite, hellerleuchtete Straße, über welche viele Leute spazieren gingen. Quer setzte die Alte hinüber, indem sie ihre Begleiterin ein paar Schritte hinter sich ließ, und beeilte sich, ein anderes Gäßchen zu erreichen, das neben einem Fleischerhause in ein anderes Stadtviertel führte. Clara war verwundert über das Helle Licht und schaute mit Neugier nach einer Gaslaterne, die an der Ecke des Fleischerhauses brannte. Der volle Strahl des wunderlichen Lichtes fiel in ihr von bangem Roth übergossenes Gesicht. „Max!" rief eine Stimme im Laden. Clara hörte nichts mehr, denn die Alte war stehen geblieben und zog nun mit einiger Eile das Landmädchen in das Gäßchen hinein. In den Laden des Fleischerhauses hinein sprang aber währenddem ein junger, kräftiger Bursch mit aufgestreiften Hemdärineln, eine weiße, blutbefleckte Schürze auf der linken Hüfte aufgesteckt, und fragte, was zu thun? „Das alte Donnerwetter aus der Flirgasse, eine wohlbekannte Freundin, flüsterte die wohlbeleibte Fleischersfrau dem Burschen zu, hat so eben ein armes Bauernmädchen, dem man die Unschuld vom Gesicht lesen kann, hier vorbei geführt. Lauf ihr doch mal nach,
Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879 und über den Consularvertrag mit Brasilien.
— Der Bundesrath nahm in seiner gestrigen Sitzung die Novelle zum Zolltarif unverändert an, bis auf die Position Dachschiefer, welcher nach der Vorlage von 50 Pfg. auf 3 M. per 100 Kilogramm erhöht werden sollte. Diese Position wurde nur auf 1 M. erhöht. Zur Annahme gelangte ferner der mit Brasilien abgeschlossene Consularvertrag. — Wie man hört, wird das Gesetz über die Unfallversicherung am Montag in den zuständigen Ausschüssen be- rathen werden. — Das Staats-Ministerium hat dahin beschlossen, daß die Kreisordnung für Hannover in dieser Session noch zur Erledigung kommen soll.
— Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in seiner 54. Sitzung nur Petitionen von untergeordneter Bedeutung und vertagte sich bis übermorgen.
— Fürst Bismarck wird für Sonnabend, den 29. April, hier erwartet.
— Der kirchenpolitische Gesetzentwurf wird am nächsten Montag im Herren Hause und Donnerstag, den 4. Mai, im Abgeordnetenhause zur Verhandlung und voraussichtlich zur Annahme gelangen.
— Bekanntlich hat das Abgeordnetenhaus bei der Berathung über die zur Linderung des oberschlesischen Nothstandes geschehenen Schritte die königliche Regierung aufgefordert, die Regulirung der Oder sich angelegen sein zu lassen. Sicherem Vernehmen nach bereitet das landwirthschaftliche Ministerium zur Zeit schon eifrig die Schritte vor, welche nothwendig sind, um dieser Aufforderung nachzukommen. Es soll in der Absicht des Ministers liegen, für einzelne zu regulirende Stroinstrecken Pläne auf Staatskosten aufstellen zu lassen und über deren Ausführung dann mit den Interessenten in kommissarische Verhandlungen zu treten.
— Die ,Provincial-Corresp/ schreibt: Die große Mehrheit, womit der Bundesrath sich für Einbringung der Monopolvorlage im Reichstag erklärte, darf als ein neuer Beweis gelten, daß das Monopol, seitdein Bismarck dasselbe im allgemeinen Interesse des Reiches ins Auge faßte, von einer immer wachsenden Zahl von Regierungen in seinen großen Vorzügen erkannt ist. Hoffentlich werden sich diese Vorzüge Max, und siehe zu, wo sie mit dem armen Kinde bleibt. Das nichtsnutzige Weib!" eiferte sie, während der Metzgerbursch eine graue Jacke, die auf dem Haustock lag, anzog, die weiße Schürze abriß und unter einem derben Fluch und der Drohung, wenn er die Alte erwischte, ihr den Hals umzudrehen, in das Gäßchen eilte.
Die Alte hatte bereits einen bedeutenden Vorsprung und war eben nicht weit mehr von ihrer Wohnung entfernt. Diese lag in einer abgelegenen, stillen Gasse, durch welche Abends selten Leute gingen, ein kleines, baufälliges Häuschen, an dem sie eben angelangt waren, als Max die Gasse hinunter eilte. Er sah noch, wie die Alte die Thüre öffnete, und das Mädchen hineinschob; als er selbst an der Thüre stand, war sie bereits von innen wohl verschlossen und verriegelt. Er blieb eine Weile stehen und maß mit seinen Blicken das Häuschen, als ob er Lust gehabt hätte, dasselbe entweder zu stürmen oder über den Haufen zu werfen, bedachte sich dann eine Weile und wanderte etwas verdrießlich, aber nur, weil er einen andern Plan gefaßt hatte, der ihm besser schien, als jetzt Lärm machen, wieder nach Hause.
„Nun, kommst du allein?" war die Frage der Metzgersfrau, die harrend an der Thüre ihres Ladens stand und Max so ruhig da-
auch bei weiterer Berathung immer allgemeinere Anerkennung im deutschen Volke erwerben.
— Daß die ,Nordd. Allg. Ztg.' fortfährt, die Anzeichen der gegen Deutschland gerichteten Strömung in Rußland ihren Lesern zu beschreiben, ist nicht geeignet, die Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens zu stärken. Heute erzählt das Blatt, daß ein russischer Rekrut auf die Frage, wer der innere und der äußere Feind Rußlands sei, geantwortet habe: „Der innere Feind sind die Juden und die Deutschen, der äußere die Türken, Engländer und andere Ungläubige."
* München, 26. April. Die Kammer der Abgeordneten lehnte sämmtliche von der Reichsrathskammer wieder eingestellten Positionen in den Etats aller Ministerien, sowie alle Dispositionsfonds und den Namens des Gesammtministeriums gemachten Vorschlag des Finanzministers ab, die Summe aller Dispositionsfonds (45,000 M.) als „Unterstützungen" in, den Staatshaushalt einzusetzen. Heute findet eine Abendsitzung statt.
* Mannheim, 26. April. Heute Mittag ist ein großer Brand in der Zeughauskaserne ausgebrochen, in Folge dessen ein großer Vorrath an Ausrüstungsgegenständen zu Grunde ging. Das Dach und der vierte Stock sind gänzlich ausgebrannt.
Oesterreich-Ungarn.
* Wien, 27. April. Der Reichsfinanz- minister Slavy hat seine Entlassung genommen. Der Widerstand, den die Ungarn der Höhe des für die neuen Provinzen geforderten außerordentlichen Credits entgegensetzten, habe seinen längstgehegten Wunsch zum Entschlüsse gereift.
Italien.
* Rom, 26. April. Laut dem Berichte des ,Osservatore Romano' vom 25. d. über den Empfang des Herrn von Schlözer hat Leo XIII. dem Gesandten gegenüber die Hoffnung auf die Erreichung des gewünschten religösen Friedens ausgedrückt. Das Blatt schreibt: „ed esprimeva la viva fi- ducia ehe questi nuovi rapporti sieno per condurre alla desiderata pace reli- giosa.1- (und er drückte sein lebhaftes Vertrauen aus, daß diese Beziehungen zu dem ersehnten religiösen Frieden führen mürben.] Die ,Ag. Hav.' und die .Agenzia Stefani' her kommen sah. „Ist Dir die Alte schon entwischt?" „Will das Nest schon ausheben," erwiederte Max, in dem der Zorn aufkochte, „ich hab mich besonnen. Mit der alten Hexe habe ich noch einen Vogel zu rupfen, und diese Gelegenheit soll Alles ausmachen. Einstweilen laß ich sie mit dem Bauernmädchen in ihrer Höhle sitzen. Bis ich komme, wird sie es nicht verderben. Seht, und er drohte mit beiden Fäusten herum, den Hals könnte ich der Alten umdrehen." „Das ist wohl wegen Deiner Rosalia?" neckte die Hausfrau. „Ja, das ist's, heute bin ich hinter die Hexerei gekommen, und der Teufel, der siebenfach in dem alten Weibe steckt, hat's angezettelt." „Mach nur fein Unglück!" mahnte die gutmüthige Frau und ging an's Geschäft. Max aber stand mit verkrämpten Armen an der Hausthüre und freute sich auf den kommenden Tag. Eine bessere Gelegenheit mit der Alten konnte ihm nicht kommen. (Forts, folgt.)
Bermischt-s.
* (Die zärtliche Tochter.) „Du scheinst verstimmt, liebe Emma." — „Ach, ja, denke Dir, mein Mädchen ist plötzlich aus dem Dienst gegangen, und nun muß meine alte Mutter die ganze Arbeit thun und mit ihrem Rhellmatismns in den Gliedern das Geschirr waschen!"