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JI2» 98. Sonnabend, den 29. April 1882.

Fuldm Jeilung.

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Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Mit geradezu traurigen Gefühlen und Ohnmachtsanwandlungen muffen die bay­rischen Abgeordneten an ihr Tagewerk herantreten, denn Alles, was sie ausbauen, reißen die Reichsräthe grundsätzlich nieder, z. B. den Beschluß bezüglich der Tegern- sce'er Erklärung, des Schullehrer-Seminars in Bainberg, des confessionellen Geschichts­unterrichts re. Da sinkt doch der ganze Parlamentarismus zur Posse herab und ist die pure Zeit- und Kraftvergeudung. Mit ernsten Sachen soll man keinen Ulk treiben, aber die Herren Reichsräthe in München scheinen die Possenspiele zu lieben. — Recht wehmüthig sitzen die Liberalen im öster­reichischen Äbgeordnetenhause auf ihren Stühlen und stoßen „verfassungstreue" Schmerzensschreie aus. Die Linke hat einen gewaltigen Riß, ähnlich der Hahnenthorburg in Köln, und Alles kleistern und kleben hilft Nichts. Das Kölner Hahnenthor ließ sich stützen, aber für die österreichische Linke ist ! kein Kraut gewachsen; sie fälltauseinander.

Einstweilen kann sie ihren Schmerz von den ’' Wogen kühlen lassen, die der Wiener Ring- lheaterproceß über's Land wirft; der Di­rector Jauner (mit I nicht mit G geschrie­ben) ist natürlich so unschuldig wie Pilatus.

Am schlauesten handeln dieitalienischen Deputirten; sie wollen nicht, umsonst berathen, sich nicht abquälen und zanken, — sie kommen einfach nicht, selbst bei den wichtigsten Vorlagen. Italien steckt doch einmal im Sumpfe, denken sie, und wir reißen's nicht heraus. Ja, Italien sitzt

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Clara.

(Bilder aus dem Leben einer Dienstmagd.) lÄoryetzung.)

Clara's Herz war so voll von der Unge­wißheit in Betreff ihres alten Onkels, den sie gar nicht persönlich kannte, von dem sie im Grunde nur dunkle Kunde hatte und dessen Adresse nur eine alte Tradition von ihrer seligen Mutter war, daß es sie für den Augenblick schon tröstete, als die Alte ihr ein Unterkommen für die Nacht ver­sprach, woran sich die Hoffnung knüpfte, Morgen ihren Onkel ausfragen zu können. „Gott wird Euch Eure Gütigkeit lohnen!" versetzte Clara und schickte sich an, mit der Alten zu gehen. Sie gingen niiteinander, aber nicht in die Stadt, das war der Alten v noch nicht gelegen, obwohl der Abend schon mächtig einbrach, und die Stadtleute allge­mach dem Thore zuwanderten. Die Spazier- } gange wurden leer, selbst in den Gärten wurde es trotz der Musik stiller, die Buden waren schon verschwunden. Die Alte hatte allerlei Zeug im Korbe, was sie feil bot, L Kämme, Nadeln, Zahnstocher, Cigarren, kleine Bänder, Feuerzeug u. dgl. Sie begann mit s Clara noch einen Gang durch die Baum- s gänge, obschon es Niemanden einfallen konnte,

tief darin; die Caffen sind leer, trotzdem sie all' die Kirchengüter verschlungen haben, und das verarmte, ausgesogene Volk hat den Hungertyphus! Das ist das Ende der glorreichen revolutionären Wirthschaft, die das im Großen betrieben hat, was die Bri- : ganten auf der Insel Sicilien im Einzelnen treiben, nämlich rauben und plündern. Wer kann es den Spitzbuben bei Palermo ver­argen, wenn sie einen Bankdirector weg­geschleppt haben?

Eilen wir jetzt von Rom und aus dem Lande der Menschen- und Klosterräuber nach Belgien und Frankreich. Werden die Katholiken in diesen beiden Ländern, wo der Atheismus, die Loge den wahren Hexen- sabbath feiern, endlich durch Unglück klug und einig werden? Werden sie in Belgien, statt sich als Gemäßigte und Ultramontane zu befehden, jetzt bei den Wahlen als rö­mische Katholiken zusammen gehen? Und werden sie in Frankreich, statt über for­melle Fragen und rein politische Sonder­interessen zu stolpern, sich verbünden gegen das gottlose Schulgesetz und ähnliche Zwangs­gesetze, in welche der Unglaube die Gewissen schnüren will? Wir wollen's hoffen; die Bischöfe haben den Weg gezeigt, und das Volk muß ihn wandeln. Hätte Frankreich ein Centrum wie wir, es wäre dort nie so weit gekommen; über kleinlichen Nörgeleien übersah man das Große, und jetzt hat der Atheismus seine Netze über die Royalisten, Bonapartisten und Republicaner geworfen. Manchen sind die Augen aufgegangen, das haben die jüngsten Gemeinderathswahlen be­wiesen, aber bergehoch liegt der Unrath, im Dunkeln noch bei ihr zu kaufen, doch hatte sie mit allerlei Leuten noch zu wis- peln. Clara verstand nichts davon, dachte aber auch nur an ihren Onkel. Daß die Alte seinen Namen so bedeutsam wiederholt hatte, fiel ihr erst später ein. „Habt Ihr den Onkel vielleicht gekannt?" versetzte diese, die mittlerweile erfahren, daß Clara aus Heilbach, dem Grenzdorfe der Eifel fei und leicht bei ihr gefunden hatte, wie unbekannt sie mit dem Stadtleben nnd der großen Welt war. „Aber wenn ich mich recht ent­sinne, dann ist der Meister Schmid, der früher auf dem alten Teichgraben wohnte, bereits vor mehreren Jahren gestorben. Ich wohnte damals in der Nachbarschaft und weiß noch recht gut, 'wie er todtkrank ins Hospital gebracht wurde, weil zu Hause Niemand war, der ihn pflegen konnte. Und aus dem Spital ist er auch nicht wieder heraus gekommen, als daß man '.ihn wahr­scheinlich auf den Kirchhof gebracht. Ich bin bang, Jungfer, Sie werden sich wohl vergeb­lich umhören." Clara begann heftig zu weinen. „Nun Jungfer, weinen Sie nicht, Sie ist jung und wohlgestalt und wird auch ohne Ihren Onkel einen guten Dienst finden und sich Freude machen können. Dafür will ich gleich morgen sorgen. Zudem wollen wir uns morgen noch bestimmter über das

und Jahrzehnte machen nicht gut, was in einigen Jahren gesündigt und vernachlässigt worden ist. — In England hat Glad­stone plötzlich milde Saiten gegen die Iren aufgezogen, was aber auch nicht viel helfen wird, und der Sultan muß stramme Saiten gegen Aegypten aufziehen, wenn am Nil nicht Alles drunter und drüber gehen soll.

Deutsches Reich.

-r- Berlin, 27. April. Der Verein der „Hessen-Nassauer" hat, obwohl erst ein paar Wochen alt, doch schon ein vielbeweg­tes Leben durchgemacht. Den Lesern der .Fuldaer Zeitung' wird dieser Satz sofort klar sein, wenn ich ihnen mittheile, daß schon nicht mehr Herr Professor Eichler, son­dern Herr Baumeister Kimpel den Vor­sitz führt, und daß der ursprüngliche Mit­begründer des Vereins Herr C. Rüger nicht einmal mehr Mitglied desselben ist. Hoffentlich werden dem jungen Vereine neue Auflage« von jenen Scenen, die sich in den letzten Wochen.abspielten, erspart. Gegen­wärtig beginnt in seinen, Schooße ein neues rühriges Leben. Er zählt 33 Mitglieder. In der gestrigen Versammlung wurde be­schlossen, allen landsmännischen Zeitungen kurze Vereinsberichte zukommen zu lassen.

— Der Reichstag wurde heute 21/* Uhr im Sitzungssaals durch den Vertreter des Reichskanzlers, Staatssecretär v. Böt­ticher, eröffnet. Die Eröffnungsrede er­wähnt unter Bezugnahme auf die Kaiserliche Botschaft vom November als Vorlagen: Die Unfallversicherung, welche nunmehr

Schicksal Ihres Onkels erkundigen, wenn es Ihr Recht ist." Und sie zog das Mädchen noch länger durch das Gehölz herum. Erst als es völlig Nacht geworden, schickte sie sich an, in die Stadt hinein zu gehen, da sie, wie sie sagte, nun wohl nichts mehr ver­kaufen könne. Clara folgte ihr mit schwerem Herzen und müden Schritten.

Kaum waren die Beiden unter dem Thore weggegangen, als die Alte gleich links um­bog und dem inneren Wall entlang ging. Kleinere Wirthshäuser standen dort, in denen reges Leben war. Vor den Thüren trieb sich allerlei Gesindel herum, das mit wüstem Gelärm und Gesang die Straßen erfüllte, Clara, die von dem Allem nichts begriff, von dem eigenthümlichen Getöse der inneren Stadt unangenehm aufgeschreckt war, hatte nur auf die voraufwandelnde Alte Acht zu haben, damit sie dieselbe nicht aus den Augen verlöre. Dadurch hatte sie auch nicht mal Zeit, einen Blick um sich zu werfen und auf das Kichern und Gelächter zu hören, was ihnen folgte. Die Alte schlug dann ein paar kleinere, dunkle Seitengäßchen ein und grüßte da und dort die Frauenzimmer, die an der Thüre standen. Auch Clara grüßte. Man ließ sie schnell passiren, obschon ein nie gekanntes Grausen über die arme Clara kam. Bei jedem Schritte glaubte sie in die