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Jtl 96.

Donnerstag, den 27. April 1882.

Fuldaer Zeitung.

Die ,9hilbaer Zeitung erscheint täglich, F)NN- UN» Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährlich; NbonnemmtSpreis beträgt ausschaeßlKh Brmgerlohn mFuwa 1 Mark und 50 Pfg., mit Brinaerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei dm Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 MS-ins H?us gebracht 1 M. SO Pfg. Die .illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg, auswärts am Postschatter 2oPfg.. ms Haus gebracht 40 Ptg. Inserate: Die Petitzeile^vder deren Raum 15 Pfg.. sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Nordamerikanische Union.

(Schluß.)

Die ungefähr 7 Millionen Katholiken der Vereinigten Staaten werden von 14 Erzbischöfen und 55 Bischöfen regiert. Die Zahl der Geistlichen beläuft sich auf 6402. Dieselben versehen 5856 Kirchen, 961 Ca­pellen, 1723 Stationen. Vorhanden sind 28 Seminare, 79 Collegien, 511 Akade­mien, 2385 Pfarrschulen, welche von 423,383 Schülern besucht werden. Es bestehen 249 Vincenz-Vereine, welche aus 14 Staa­ten und 20 Diöcesen vertheilt sind. Sie zählen 6000 active Mitglieder, welche jähr­lich ungefähr 15,000 arme Familien be­suchen und 6—700,000 Frs. Almosen ver­teilen. Selbst Protestanten lassen Almosen durch die Hände dieser Vereine gehen, da Arme nach Bedürfniß, ohne Unterschied der Religion, hier Unterstützung finden. Die Stadt Newyork gibt jährlich an den dort­igen St. Vincenz-Verein, 150,000 Frs. und die Behörden der Stadt erlauben den Ka- tholiken, daß sie in den Hospitälern und Gefängnisien Katechismusunterricht erthei- len. Davon könnten unsere Culturkämpfer lernen!

Das F r e i m a u r e r t h u in ist in Ainerika stark ausgebreitet und gut organisirt. Die Logen aller großen Städte sind Prachtbau­ten, und werden auch zu sonstigen Zwecken, großen Versammlungen ic., vermiethet, so daß es nicht selten vorkommt, daß die Mit­glieder der Vincenz-Vereine die Logen mie- then, wenn sie zu einem Concerte oder Feste ein großes Local nöthig haben. Die amerikanischen Freiinaurer sind auch lange

Clara.

(Silber aus hem Leben einer Dienstmagd.)

I.

Es war an einem Frühmorgen des Juni. Vor einer Stunde hat der Nachtwächter zum letzten Male die Runde gemacht, nochmals drei Uhr ausgerufen und die Straße ver­lassen. Heilbach, ein Grenzdorf der Eifel, liegt noch in süßer, seliger Ruhe, umwoben von duftigen Nebeln, die der vorüberrauschen­den Roer entsteigen. Hie und da bellt ein Hund, die Hähne haben ihre Morgenwacht schon ausgerufen, hüben und drüben schlüpft ein Vogel aus seinem Versteck, mährend die Frühlingskönigin schon längst chre herrlichen Lieder in den erwachenden Tag gesungen. Die Höhen um Heilbach leuchten schon im Morgenroth, das Thal gleicht im Nebel einem weiten Gebirgssee, aus dem nur die Kirchthurmspitze keck emporragt. Lange dauert die Ruhe da unten gewiß nicht, denn das Landvolk hat den unverdrossenen Wäch- .ter in seiner Nähe, den herausfordernden Hahn, der nimmer schweigt, wenn seine Zeit gekommen und pünktlicher ist, wie die Dorf­uhr mit sammt dem Nachtwächter, welche ost Beide um die Wette schlafen. An der andern Seite des Flusses knarren auch schon

nicht so schlimm, wie die französischen und bel­gischen, da sie noch ein höchstes Wesen an­erkennen und demselben nicht offen den Krieg erklären. Jndeß als Gegengewicht gegen den freiniaurerischen Einfluß haben die Ka­tholiken die „Gesellschaft der katho­lischen Jugend" gegründet, welche ihren Hauptsitz zu Richmond in Virginien hat. Der Verein zählt bereits über 100 Zweig­vereine, ist verbreitet in allen Staaten und größeren Städten der Union. Als im Jahre 1880 zu Washingten die Generalversamm­lung des Vereins stattfand, empfing der Präsident das Comitä mit der größten Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.

Die katholischen Missionäre erreichten unter einigen Jndianerftämmen große Er­folge, hatten aber bei andern, protestanti­schen Missionären anvertranten Stämmen, keinen Zutritt. Der „Gesellschaft der ka­tholischen Jugend" ist es durch ihre Be­mühungen jetzt gelungen, die volle Freiheit aller Confessionen rücksichtlich der Bekehrung der Indianer durchzusetzen. Die Protestan­ten geben sich nicht genug Mühe mit der Bekehrung der Indianer, den Katholiken in- deß ist es in vielen Districten gelungen, aus den Indianern gute Christen und Acker­bauern zu machen. Die Indianer werden auch in den Handwerken unterichtet, und die Handarbeit, welche einst den Kriegern des Waldes als Schande galt, wird jetzt mit Lust und Liebe verrichtet. Zahlreiche Schulen nehmen die indianischen Knaben und Mädchen auf, welche nicht nur in Le­sen und Schreiben, sondern auch in Muster- wirthschaften zu Landwirthen ausgebildet die Lastwagen und das Peitschenknallen der Fuhrleute wirft sein Echo den entfernteren Thalwindungen zu, die Höhen hinauf in den sonst so ruhigen, friedlichen Morgen. Wäh­rend dem wanderte aus einer der ärmsten Hütten des Dorfes ein junges Mädchen von ungefähr 18 Jahren die Gasse hinauf, nach den östlichen Hügeln zu. An der Haus- thüre hat es sich von ein paar alten Leuten verabschiedet, die ihm wehmüthig die Hand gedrückt und als es ihnen den Rücken ge­wandt, ein paar große Thränen von den durchfurchten Backen gewischt haben. Das Mädchen ist wohlgebaut, ärmlich aber rein­lich gekleidet und zwar nach der Landesweise in dem Tuchleibchen, einem flannellenen Rock, den Kopf mit einem bunten Tuch umbunden, an den Füßen ein paar schwere, nägelbe­schlagene Schuhe. Sie trug in der rechten Hand einen Reisestecken, unter dem linken Arm einen Pack, welchen sie in ein baum­wollenes Tuch gebunden. Alleni Anschein nach war sie auf der Auswanderung begriffen. Als sie hinter den Hecken und Obstgärten her aus dem Nebel des Thales den Fuß­steig betrat, welcher in schlängelnden Wind­ungen nach der Höhe führt, hob sich vom fernen Rhein her die Tageslenchte Gottes über dem Horizont und spiegelte sich in ruhiger, freundlicher Majestät an jedem der

werden. Die Furcht vor den Jesuiten stört nicht den Schlaf der Amerikaner, wie in Deutschland den Schlaf der Liberalen. Die Jesuiten besitzen überall prachtvolle Collegien und blühende Universitäten. In San Francisco besuchen 700 Studenten ihre Vorlesungen; sie besitzen eines der voll­ständigsten physikalischen und chemischen Ca- binette und eine der reichsten Naturalien­sammlungen. Zu Georgetown bei Washing­ton , einige Schritte von dem Congreß- (Parlaments-) Gebäude, bildet ihre Uni­versität die besten Aerzte, Advocaten und Theologen aus. Dasselbe Ergebniß erzie­len die Jesuiten überall, wo sie auch wir­ken. Aus Deutschland sind sie vertrieben, und ein Glück, — denn würden sie, wie in Washington, neben dem Parlament in Ber­lin wohnen, dann möchten wir die Angst der Liberalen sehen!

Deutsches Reich.

* Berlin, 25. April. Der Reichskanz­ler (i. V. v. Bötticher) erläßt folgende Be­kanntmachung ;

Mit Bezugnahme auf die in Nr. 9 des .Reichs­gesetzblattes, verkündete kaiserliche Verordnung vom 14. d. M., durch welche der Reichstag berufen ist, am 27. April d. I. in Berlin zusammen zu tre­ten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Er­öffnung des Reichstages an diesem Tage um 2 Uhr Nachmittags im Sitzungssaale des Neichstags- gebäudes, Leipzigerstraße Nr. 4, stattfinden wird. Die weiteren Mittheilungen über die Eröffnungs­sitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstages am 26. April in den Stunden von 9 Uhr Mor­gens bis 8 Uhr Abends und am 27. April Vor­mittags von 8 Uhr ab. In diesem Bureau werden auch die Einlaßkarten für Zuschauer ausgegeden roerden.

unzähligen Thautropfen, die an jedem Blatt, an Baum und Strauch, an jedem Grashalm und an jeder Blüthe hängen. Da öffnete sich die ganze Natur mit geheimer Wonne dem Lichtmeer, das die Erde überströmt, kein Lüftchen weht, kein Blatt regt sich, nur der Lerchen-Chor wirbelt sein Danklied in die Lüfte und tausenderlei Stimmen von Fern und Nah fallen ein, ein Preislied dem Herrn zu singen, der mit Licht und Duft und Blüthe wieder die Erde bedeckt hat und unendliches Leben geweckt aus dem erwach­ten Schoos derselben. Eine Ahnung von der Glückseligkeit des Paradieses durchschauert den einsamen Pilger in Mitte der duftenden, leuchtenden, jubelnden Natur; seine längst entschwundene Pracht scheint in solcher Mor­genstunde aus ihr herauszublitzen, sein ewig junges Leben sich abzuspiegeln in der Frische, die aus jedem Geschöpfe athmet. Unsere Pilgerin aber schien für all die Pracht, die sie umgab, keine offenen Sinne zu haben. Das Kopftuch über das Gesicht gezogen wandelte sie schweigend zur Höhe und blickte auch nicht ein einziges Mal nach dem Dorfe um, nicht um sich her, nicht zur Höhe auf, die bereits in goldenem Sonnenlichte funkelte, sondern sah still vor sich hin, auch als das friedliche Dörfchen mit dem Kirchthurme hin­ter ihr allmählig versunken, als ob sie sich