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g. Die jetzige Situation in Frank­reich.

In der Erklärung, mit der das Ministe­rium Freycinet-Say-Ferry am 31. Januar er. vor die Kammern trat, findet sich nichts von Zuversicht und hochtrabenden Plänen. Man fühlt deutlich die allgemeine Verlegen­heit, Enttäuschung und Ermattung heraus, die dem Sturz Gambettas gefolgt ist. Das merkwürdige Schriftstück gesteht, daß das neue Ministeriuni inmitten einer schwierigen Lage habe gebildet werden müssen. Es herrsche ein großes Bedürfniß des materiellen wie des geistigen Friedens nach innen wie nach außen. Die Noth- wendigkeit.der Beruhigung bedinge auch die Verschiebung der Verfassungsänderung, welche ohnedies erst nach mehreren Jahren in Wirksamkeit zu treten hätte. Der Haupt­nachdruck wird auf die wirthschaftlichen Fragen gelegt, denn „die Nationen leben nicht blos vou Politik, sondern durch Ge­schäfte und Arbeit." Wegen der financiellen Lage dürfe weder an die Umwandlung der Rente, noch an neue Anleihen und Ver- staatlichung der Eisenbahnen gedacht werden. Der „beispiellose wirthschaftliche Aufschwung" der Republik ist dadurch in das richtige 42~

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Schluß.)

18. Capitel.

Noch einmal entfalteten die stolzen Adler Napoleons ihre Schwingen, um wiederum den Siegesflug über Europa zu beginnen. Nach kurzein Fluge warf sie die Ausdauer der Britten und die Tapferkeit der Deut­schen bei Waterloo für immer zu Boden. Der neue Marquis de St. George konnte nach wenigen Monden von den gastlichen Gestaden Englands zu seiner Heimath, welche er bei dem Vorrücken Napoleons gezwungen war, zu verlassen, wieder zurückkehren.

Sein Sohn war nach der Abreise der Neuvermählten sofort nach dem Schauplatz seiner traurigen Vergangenheit geeilt. Dort, wo er vor zwanzig Jahren die Royalisten bekämpft, wollte er jetzt unter dem Herzog von Bourbon in die Reihen der Verthei- diger des Königthums treten. War er auch der Fädigkeit beraubt, seine» linken Arni zu gebrauchen, so fühlte er sich doch wieder hinlänglich gekräftigt, eine Colonne Roya­listen zum Kampfe zu führen.

Angespornt durch die Thätigkeit seines Vaters und unterstützt durch die Erfahrungen seines Jungendfreundes, widmete sich der

Licht gesetzt. Während der letzten Jahre sind über zwei Milliarden Schulden gemacht worden, und die schwebende Schuld ist um eine weitere Milliarde gestiegen. Die vom Ministerium Gambetta beabsichtigte, an sich berechtigte Umwandlung der Rente würde dem Staate eine Zinserleichterung von 30 bis 40 Millionen verschaffen, dagegen den Credit des Staates sowie den allgemeinen financiellen Verhältnissen schaden. Bei der ebenfalls beabsichtigten Verstaatlichung der Bahnen würde, in Folge der eigenthttm- lichen Sachlage, der Staat eine neue Schul­denlast von drei Milliarden übernehmen müssen, ohne daß ihm die entsprechende Gegenleistung dafür zukäme. Ueberdies war schon zehn Tage vorher der große Börsen­krach ausgebrochen, welcher ganz Frankreich erschütterte und weitum in Europa ver­spürt wurde.

Frankreich befindet sich daher zur Zeit unter dem Drucke eines doppelten Krachs. Die Republik hat alle ihre bedeutenden Männer aufgebraucht, der angesehenste unter ihnen, Gambetta, ist unter Hohngelüchter gefallen' nachdem er alle aus ihn gesetzten Hoffnungen zu Schanden gemacht hatte. Auf wirthschaftlichem Gebiete ist der von allen Vernünftigen längst vorausgesagte Rückschlag eingetreten, dessen weitere Wirk­ungen auch jetzt nur noch für einige Zeit zurückzuhalten sein werden. Das Ministe­rium Freycinet-Say hat die Ahnung, daß jede weitere Verschlimmerung der sinanciellen Krisis auch die Stellung der Republik ver­schlimmern muffe. Der Börsenkrach bleibt immer der Vorläufer des Sturzes des

politischen Systems, unter dem er ausge­brochen ist.

Bliebe das Ministerium Herr der Lage, dann wäre das Schlimmste wohl abzuwen­den. Aber unter dieser Republik handelt es sich weder um das Gemeimvohl, noch um Ueberzeugungen und Grundsätze, son­dern einfach um Befriedigung der persön­lichen Herrsch- und Habsucht. Deshalb wird, trotz des allgemeinen Bedürfnisses nach Ruhe und Frieden, der Tanz von Neuem losgehen. Gambetta hat auch so- sort den Kampf gegen seine Nachfolger auf­genommen. Als Minister hatte er, bei Beginn der Gesetzgebungsperiode, die Neu­bildung der einzelnen Gruppen der Linken verhindert, weil er glaubte, die Mehrheit um so fester in der Hand zu haben. Nach­dem er gefallen war, stellte er sofort die Gruppe „republicanische Vereinigung" wie­der her, um mit derselben den Kampf zu führen. Seine früheren Minister bildeten eine Art Club; sie halten regelmäßige Sitz­ungen, um die gegen die neue Regierung zu unternehmenden Schritte festzustellen. Namentlich brachten Pie nacheinander die „Neformgesetze", welche sie als Minister den Kammern vorenthalten hatten, als Jnitia- tiv-Anträge ein. Gambetta selbst übernahm wiederum persönlich die Leitung seiner „R^publique frangaise“, mit welcher er allen Regierungen so arg zugesetzt und den Stuhl vor die Thüre gesetzt hatte, wenn sie sich ihm nicht fügen wollten. Zahlreiche Abgeordnete, die meisten republicanischen Comitv's in den Provinzen schwören auf seine Fahne, denn sie hoffen durch Gam-

Capitain nach dem Sturze Napoleons mit ganzer Kraft der Aufbesserung der durch die Schreckenszeit sehr heruntergekommenen Besitzungen seines Hauses. — Er kannte kein anderes Bestreben, als die Lebenslage der beiden ehrwürdigen Greise zu erheitern und zu verschönern.

Der Marquis verlebte nun nach dem wechselvollen, unsteten Leben, vereint mit seinem Sohne und Vater Martin, Tage der ungetrübten Ruhe und des Glückes. Nur ein Kummer warf seine trüben Schat­ten auf den sonnigen Pfad des Edelmannes. Er sah sein altes Geschlecht ohne Erben. Jede Andeutung, die er seinem Sohne machte, sich eine Lebensgefährtin unter den Töchtern des Landes zu suchen, wurde von demselben freundlich, aber entschieden zurückgewiesen. Er wollte seine Liebe, die der Vater so lange entbehrt, nur diesem allein ganz und ungetheilt entgegen bringen.

Endlich gab er dem Drängen seines Vaters nach und führte eine Waise aus altadeligem Ge­schlechte, die in der Schreckenszeit Familie und Vermögen verloren hatte, als seine Gattin heim.

* * *

Jahre sind vergangen. Die freundliche Maisonne bescheint das aus den Trümmern neuerstandene Schloß in der Vendee. Auf der mit Blumenduft gefüllten und von

frischem Grün umrahmten Terrasse sitzt eine junge schöne Frau. Es ist Melanie an der Seite ihrer Mutter. Die noch rüstige Martha hält auf ihrem Schooße das kleine Töchterchen. Zwei frische blonde Buben spielen mit Ball und Steckenpferd auf dem Kiesplatze.

,"on dem Laubgange des Gartens her wurden Schritte hörbar. „Papa, lieber Großpapa," jubelten die Helle» Kinderstim- men der Knaben, welche den Ankommenden entgegen hüpften.

„Mein lieber, herziger Godefroi," rief der Förster und nahm seinen kleinen Enkel auf die Arme, während Arthur an der Seite seines Vaters, welcher einen Brief in der Hand trug, auf seinem Pferdchen einherritt.

„Was bringst Du Gutes, lieber Carl?" fragte Melanie.

„Eine Freuden- und Trauerbotschaft ver­einigt, doch überwiegt erstere die letztere."

„Hört was unser Gagon uns mittheilt: Meine Theuren!

Am 14. d. beschenkte meine liebe Felice mich mit einem prächtigen Knaben. Die Freude meines guten, geliebten Vaters kann ich nicht beschreiben. Wenn es möglich wäre, daß jemand glücklicher sein könnte, als ich, so würde ich sagen, daß er es sei. -■ Als