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Jfä 88. Dienstag, den 18. April 1882.

Mdm flS Jeitung.

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Vom Secretär des Comitä's zum Schutze kath. deutscher Auswanderer (St. Raphael- verein), Herrn Cahensly, kommt uns folgender Artikel mit der Bitte um Ver­öffentlichung zu:

Limburg a. d. Lahn, im April 1882.

Nach Amerika!

So ertönt der Ruf in Stadt und Land, in allen Gauen unseres deutschen Vater­landes. In früheren Jahren hatte die Aus­wanderung gewöhnlich in den Wintermona­ten ganz geringe Bedeutung; doch nahm nach Berichten aus Seehäfen dieses Jahr auch im Winter der Auswanderungsstrom, wenn auch in geschwächterem Verhältniß, unausgesetzt seinen Fortgang. Es belief sich nämlich die Zahl der Auswanderer in den 3 ersten Monaten d. I. über die nach­stehenden Häfen auf 64129 Personen gegen 56661 in demselben Zeitraum 1881, und

zwar wanderten aus:

über 1882 1881 1880 1879

a) Hamburg 27501 24635 7933 3087

b) Bremen 21254 20234

e) Antwerpen 10189 9172

d) Rotterdam 5185 2620

Sa. 64129 56661

Die Total - Einwanderung in de» Ver­einigten Staaten Nord-Amerika's war im Jahre'1881 eine so hohe, wie in keinem vorhergehenden Jahre, und zwar belief sich dieselbe nach Zollhaus - Aufnahmen auf 716828 Personen, wovon aus Deutschland kamen 248323; in New-York allein lande­ten 499638, worunter 204141 Deutsche, hiervon waren 5208 Bewohner der verei­nigten Staaten, so daß die Zahl der im Jahre 1881 in New-York angekomme-

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Meine Wünsche gipfeln nur in dem Einen Bestreben, mich Ihrer Liebe und der meines Vaters immer würdiger zu machen. Als meine fernere Pflicht erkenne ich, so lange ich lebe, für das Wohl Ihrer geliebten Enkelin zu sorgen. Ich will ihr Bruder, ihr Beschützer, ja ihr Sclave sein; aber niemals darf ich höhere Ansprüche an ihr Herz nmchen. — Die Tugenden, die meine edlen Vorfahren geübt haben, will ich mich bestreben, mein eigen zu machen. — Des­halb bitte ich, häufen Sie des Glückes nicht zuviel auf mich; ich habe schwer gefehlt, ich will auch büßen."

Betrübt aber mit hoher Befriedigung blickte der Edelmann auf feinen Neffen.

„Ein echter St. George," lispelte der Greis. Nach einer Pause fuhr er fort: „Ich ehre Deine edle Denkungsart, wenn­gleich es mir schmerzhaft ist, diesem Wunsche entsagen zu muffen. Ich wollte ja nur das Glück meiner Kinder befestigen."

„Sie sind so gütig gegen mich; auch die edle Comtefse liebt mich wie einen Bruder. Ich zweifle aber sehr, daß andere Gefühle für mich in ihrem Herzen Wurzel fassen

nen deutschen Einwohner 198933 beträgt. Nach den vorstehend mitgetheilten Zahlen dürfte in diesem Jahre die Zahl der deutschen Auswanderer noch eine größere werden.

Jeder Freund des Vaterlandes muß sich fragen, welches die Ursachen dieser großen Bewegung des Auswanderstromes nach den „Vereinigten Staaten" Nord - Amerika's sind? Im deutschen Reichstag ist dieser Gegenstand wiederholt erörtert worden und waren die Meinungen der Redner hierüber sehr getheilt.

Viele verlassen die Heimath in Folge der traurigen kirchlichen Verhältnisse oder wegen der hohen Steuern, die Meisten werden aber wohl zur Auswanderung veranlaßt durch die Berichte, welche über die günstigen Le­bens- und Arbeitsverhältnisse drüben, im Vergleich zu den hiesigen, an Freunde und Verwandte in Deutschland geschickt werden. Derartige Mittheilungen verbreiten sich rasch in der betreffenden Gegend und veranlassen ganze Familien, besonders aber junge Leute, welche, vom Militär zurückgekehrt, sich in ihre heimathlichen Verhältnisse nicht mehr finden können, oder solche, welche sich dem Militärdienst entziehen wollen, zur Aus­wanderung.

Allerdings hat Schreiber dieses wieder­holt in Erfahrung gebracht, daß solide, ge­wandte Arbeiter schon nach kurzer Zeit ihren bedürftigen Anverwandten Wechsel im Be­trage von einigen 100 Mark zur Unter­stützung gesandt haben, oder auch so viel verdienten, daß sie Schiffsbillete zur freien Ueberfahrt für Frau und Kind herübersen- könnten. Auch glaube ich bestimmt an­nehmen zu dürfen, daß ihr Herz nicht ganz frei mehr sein wird."

„Du machst mich erstaunen!"

„Ich habe Ihnen bereits erzählt, welch' innige Zuneigung die Familie, in welcher die Comtesse ausgewachsen ist? verbindet. Bis zur Zeit, wo Melanie über ihre Her­kunft unterrichtet wurde, sah sie in dem Sohne des Försters nur den geliebten Bruder. Die wenigen Wochen, die ich vor der Ab­reise in der lieben Familie verlebte, zeigten mir überzeugend, daß bei dem jungen Officier eine andere Zuneigung zu der früheren Schwester Platz genommen hatte. Er ist viel zu edel, um je durch ein Zeichen seine tiefe Neigung zu verrathen. Ich habe sie aber erkannt. Aus diesem Grunde lehnte er auch so entschieden ab, uns zu begleiten. Melanies Gefühle wurden durch den Wechsel der Umstände so sehr in Anspruch genommen, daß sie sich bis jetzt darüber keine Rechen­schaft gegeben haben wird. Ich bin aber überzeugt, daß, so bald irgend ein Er- eigniß die Frage ihres Herzens berührt, auch sie sich ihrer Liebe bewußt werden wird. Ihre Opferwilligkeit und Liebe zu Ihnen würden sie vielleicht bestimmen, sich Ihrem Wunsche zu fügen, selbst wenn sie auch das Glück ihres Lebens dabei opferte."

den konnten. Günstige Berichte verbrei­ten sich bekanntlich sehr rasch; aber schlechte Nachrichten werden verheimlicht. Dem Ein­sender liegen einige derartige Originalbe­richte aus Nord-Amerika von jungen, in den besten Jahren stehenden Männern vor und lauten dieselben im Auszug, wie folgt:

„Chicago, 16. Januar 1882.

Liebe Eltern! Ich habe jetzt gerade schöne Zeit, Euch zu benachrichtigen, wie es mir und meinen anderen Kameraden aus Dehrn geht. Ich bin be reits 5 Wochen ohne Arbeit und weiß auch nicht, ob ich solche in diesem Winter erhalte, denn es ist jetzt sehr schlecht hier. In derselben Lage, wie ich, sind hier viele Hunderte, darunter befinden sich auch Mehrere aus Dehrn.

gez. N. N. aus Dehrn." „Philadelphia, 8. Januar 1882.

Liebe Mutter! Es ist hier noch schlechter, wie in Deutschland, denn Alles ist sehr themr; mit 1 Dollar kommt man hier nicht weiter, als mit 1 Mark bei Euch. Es kostet z. B. ein Buschel Kar löffeln (ca. 60 Pfd.) !>/, Dollar. Fleisch und Brod ist ebenso theuer, wie in Deutschland, und Kleider kosten hier sehr viel Geld. Bei dem Bauer, bei welchem ich Knecht war, hatte ich nicht 10, sondern 5 Dollar Lohn, doch muhte ich Kraitkheits halber hier in's Hospital. Seitdem ich hergestellt bin, halte ich mich bei dem Schwager des „Schnei der" auf, einem armen Mann, welcher, so lange ich bei ihm bin, nichts verdient hat. Es sind Tau sende hier, die keine Arbeit haben. Wenn ich wüßte, daß ich Geld von Hause bekommen könnte, so würde ich heimkehren, doch ist dies eigentlich zu schimpf lich. Alles, was von hier so verlockend geschrieben wird, ist nur Lüge. Hier kann sich Niemand em porarbeiten, er muß dann besonderes Glück haben, oder er müßte viel Geld besitzen, um weiter im Inneren Land ankaufen zu können. Wäre ich zu Hause geblieben, dann könnten wir jetzt Alle gut leben. Wenn Ihr mir Geld schicken wollt, so sagt es Niemand. gez. N. N. aus Niedertiefenbach."

Ohne Zweifel wandert eine große Anzahl ohne genügenden Grund und ohne die nö-

Der Marquis stützte das Haupt in die Hand und schien in tiefem Sinnen verloren. Endlich erhob er sich und sprach:

„Lassen wir diese Angelegenheit ruhen. Sehr gerne möchte ich den jungen Officier kennen lernen. Glaubst Du wohl, daß die Bitten eines dem Grabe nahe stehenden Greises ihn veranlassen würden, uns zu besuchen?"

„Ich glaube nicht, daß er einen Augen­blick zögern wird, dem Großvater seiner theuren Schwester diesen Liebesdienst zu er­weisen."

„Dann bitte ihn in meinem Namen dar­um und füge hinzu, daß meine Kräfte es nicht gestatten, persönlich die Einladung zu vollziehen. Ich werde Herrn Girat benach­richtigen lassen, ihn in Rheims zu empfangen und hierher zu begleiten.

17. Capitel.

Die Kräfte des Kranken nahmen lang­sam, aber sichtlich ab. Ein reger Wetteifer beseelte alle Glieder der Familie, den alten Herrn zu pflegen und zu erheitern. Vor allen anderen war es Melanie, welche mit zartem Frauensinn verstand, jeden Wunsch des Kranken zu eratheu und alle jene kleinen Bequemlichkeiten zu ersinnen, welche so wohlthuend auf das Gemüth des Leiden­den wirken. Ein Lächeln der innigsten Zufrie-