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.U 85.

Freitag, den 14. April 1882.

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O Die Klagen über die Lage der nationalen Arbeit wollen nicht verstum­men. Die Schutzzölle haben zwar auf man­chen Gebieten eine Besserung hervorgerufen, obgleich ihre Wirkung ja erst von kurzer Dauer ist; andererseits ist es unzweifelhaft, daß die Lage eine noch viel schlimmere sein würde, wenn ihr diese Hilfe nicht zu Theil geworden wäre. Die Wunden, welche der Arbeit geschlagen waren, sind zu schwer, als daß an eine sofortige Heilung gedacht werden konnte. Der Freihandel war nur eine der Ursachen, welche den Niedergang der natio­nalen Arbeit herbeigeführt haben. Als die Hauptursache erscheint dem Reichsboten ,die Capitalbewegung, wie sie durch das Actien- weseu und das Börsenthum sich ausgebildet hat, welchem die liberale Gewerbe-Ordnung die Canäle gegraben und die Wege gebahnt hat/ „Als die Gewerbefreiheit eingeführt wurde", sagt das genannte konservative Blatt, „wurde alles dem Gesichtspunkte des Capital- gewinnes untergeordnet. Das Aktien-Gesetz und die schrankenlose Gewerbefreiheit wurden die Wünschelruthe, mit

das Capital an sich zog; die Actien-Gründ- uugen hatten nur den Zweck, die Actien als Mittel der Agiotage durch Baisse- und Hausse- Speculation im Börsenspiel auszubeuten. Die Arbeit wurde nur als Factor im Spiel der Capitalspeculation behandelt. Menschen, die von der Arbeit weder etwas verstanden, noch überhaupt ein Interesse an der Arbeit hatten, wurden die Herren der Arbeit, und die wirklichen Männer der Arbeit, die Bauern, Handwerker und kleinen Fabricanten, wurden von ihnen abhängig. Dem Volke wurden

Actien, Barletta-Loose, rumänische und amerikanische Papiere aufgeschwindelt, und die Herren der Börse machten mit dem baaren Gelde große Gewinne, während die Arbeit immer unrentabler wurde; das Capital häufte sich immer mehr in wenigen Händen und wurde der reellen Arbeit immer schwerer zugänglich". Der .Reichsbote' führt diesen Gedanken dann weiter folgendermaßen durch: „In dem vielgeschmähten Mittelalter war die Arbeit alles; nur sic hatte Anspruch aus Rentabilität. Das Capital konnte nur in der Arbeit rentabel werden, aber nicht ohne sie und neben ihr. Daher blühte die Arbeit; Handwerker und Bauern waren wohlhabend und waren die Herren der Zeit. Von dem Wohlstände der mittelalterlichen Bauern und Handwerker haben wir jetzt kaum noch einen Begriff. Nichts macht einen so wehmüthigen Eindruck, als wenn man jetzt bei festlichen Gelegenheiten die Auf­züge unserer Gewerke sieht. Und doch steckt in diesen großen Volkskreisen der Kern der Nation. Sinken sie ins Proletariat hinab, das lehrt die Geschichte der

alten Culturvölker unwidersprechlich — die Nation ihrem Untergang entgegen. Daß wir jetzt in dieser Gefahr stehen, ist unleug­bar, und diese Gefahr zu bekämpfen und zu überwinden, das ist die große Aufgabe der Staatskunst. Wie kann und muß das geschehen? Der Staat muß vor allem die Arbeit vor dem sie ausbeutenden und zer­setzenden Einffuß schützen. Mit dem neuen Zolltarif, welcher die übermächtige Concurrenz des Auslandes ab wehren soll, und mit dem Wuchergesetz haben wir diese Bahn beschritten;

aber leider sind wir seit zwei Jahren dabei stehen geblieben, und es ist für unsere ganze innere Sage verhänguißvoll, daß es nicht gelang, weitere Schritte zu thun. Als Haupt- hinderniß erwies sich der Culturkampf, weil, so lauge dieser nicht wenigstens in den Hauptpunkten beseitigt ist, die Regierung keine feste Majorität im Parlamente für solche Reformen findet; denn mit dem man- chesterlichen Siberalisnms können diese Re­formen nicht gemacht werden. Hoffentlich wird das bald anders! Als weiterer, unserer Ansicht nach wichtigster Schritt erscheint uns der, daß der Staat dem Börsenspiel mit aller Energie zu Leibe geht. Denn solange das Börseuspiel wie eine Schmarotzerpflanze die Arbeit aussaugt, ihr das Capital ent­zieht und es an einzelnen Stellen in unge­heuren Waffen anhäuft, ihm zu einer unver- hältnißmäßigen Rentabilität im Spiel ver­hilft, die von keiner Arbeit auch nur ent­fernt erreicht werden kann, sind alle anderen Maßregeln erfolglose Luftstreiche. Was der Staat vonMesem Spiel verbieten kann, muß bei schwerer Strafe verboten, und das kleb­rige muß mit procentualen Stempeln belegt werden. Erst unter der Voraussetzung eines besser geregelten Geldumlaufs wird auch die geplante und nothwendige corpo- ratiue Gestaltung unserer Gewerbe von Er­folg gekrönt sein. Auch hier muß das Hauptaugenmerk darauf gerichtet fein, dem ausbeutenden Einfluß der Spieler das Hand­werk zu legen. Dazu ist eine Reform des Actien-Gesetzes und der manchesterlichen ca- pitalistifchen Gewerbefreiheit nöthig, und auch bei diesen Reformen muß alles darauf

welcher die Börse dann geht

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelni van Sinit.

(Fortsetzung.)

„Herr Vicomte," sprach der Verwalter bestürzt. „Louis, soll ich Dir zürnen! willst Du diese frohe Stunde mir trüben, auf welche ich mich während der ganzen Reise so gefreut habe? Soll ich nicht mehr mit offenem Vertrauen auf meinen besten Freund blicken dürfen? Deine Hand her, mit dem Versprechen, daß das Glück, wel­ches der Himmel mir so unverdient beschie- den, keine Veränderung zwischen uns her­vorbringen darf. Das Gleiche hoffe ich von Ihnen, mein lieber Carl, erwarten zu dürfen."

Ein Händedruck der Männer besiegelte das erneuerte Freundschastsbündniß.

Der Capitain theilte nun die merkwür­digen Umstände, welche zur Entdeckung seiner Herkunft geführt hatten, und das Fest der Wiedervereinigung mit. Dann fuhr er fort: „Als Du nun, lieber Louis, in Deinem letzten Schreiben an meinen Onkel mit« theiltest, daß Du durch einen bei Dir krank liegenden deutschen Ofsicier Nachricht über mich erhalten hättest, da litt es mich nicht länger zu Hause. Sehr gerne gab mein guter Onkel mir sofort die Erlaubniß,

hierher zu reifen. Sobald Sie nun die Anstrengungen der Reise ertragen können, gebe ich Ihnen das Geleit nach Deutschland. Sie wissen, daß eine wichtige Angelegenheit mich ohnehin dahin führt, lieber Carl. Ihren theuren Eltern habe ich bereits von Allem Kenntniß gegeben."

„Möge der liebe Gott Ihren Nachforsch­ungen Erfolg geben, und Sie das Kind Ihrer Cousine aufsinden."

„Hören Sie, guter Carl! Ich führe Sie heute von einer lleberrafdjung in die andere. Ich brauche keine Nachforschungen mehr an­zustellen. Ich hatte bereits vor meiner Ab­reise aus Deutschland die vollgültigsten Be­weise über das Dasein des Kindes. Noch mehr; ich habe die Tochter meiner unver­geßlichen Cousine schon gesehen, mit ihr ge­redet. Noch ahnt die edle Jungfrau nicht, welchem Stamme sie entsprossen ist; noch hält sie die edlen Leute, die sie als Find­ling aufgenommen und wie ihr eigenes Kind erzogen haben, für ihre Eltern. — Stolz auf diese Tochter dürfen Sie fein, da alle Tugenden eines Weibes sich bei ihr vereinigen."

„Eine schwere Ausgabe wartet meiner," fuhr der Capitain bewegt fort. „Sehen Sie, ich habe hundertmal ohne Zittern dem Tod in's Auge geschaut, jetzt aber erfüllt banges

Zagen mein Herz, wo ich störend in das schöne Familienleben der guten Menschen eingreifen muß, die Tochter von dem Herzen der guten Eltern, des lieben Bruders zu entführen. — Wollen Sie mir Ihren Bei­stand zu diesem schweren Gange zusagen?"

„Ich? — An meiner Bereitwilligkeit dürfen Sie nicht zweifeln. Wie aber sollte ich Ihnen hierin nützlich fein können?"

„Von sehr großem Nutzen, thenrer Carl!" fuhr der Capitain schüchtern fort, seinen Arm um die Schultern seines Freundes legend. „Ihre holde Schwester ist das Kind meiner theuren Cousine."

„Nicht möglich!" rief der junge Krieger erbleichend. „Niemals habe ich von meinen Eltern etwas darüber gehört."

„Und doch ist es die lautere Wahrheit. Die Beweise lieferte Ihr Vater mir selbst. War ich ohnehin dem edlen Manne schon zu ewigem Danke verpflichtet, so erfüllte innigste Hochachtung gegen ihn mein Herz, als ich sah, wie er, wenn auch mit bluten­dem Herzen bereit war, fein Kleinod denen zurückzugeben, die von Gott ein Anrecht darauf haben. — Bester Carl! Hätten Sie jetzt bei meiner Abreise den ehrwürdigen Marquis, meinen theuren Onkel, gesehen, der die Tage zählt, bis er das Kind seiner so heiß geliebten Tochter an fein Herz