gehendster Sorgfalt verfolgt und in den letzten Tagen mehr als tausend Mark für telegraphische Berichte über die kirchenpolitischen Debatten aufgewandt hat, bringt über den „Cvmpromiß" einen Leitartikel, der zunächst eine Vergleichung der Regierungsvorlage mit den vom Centrum und den Conservativen vereinbarten Beschlüssen enthält. Der Verfasser erklärt sich mit jedem einzelnen der letzteren einverstanden und kommt dann zu folgendem Gesammtergebniß: „Wir betrachten den Compromiß als einen ersten Schritt zu weiteren Verständigungen. Denn das bisher Erreichte genügt noch nicht; man muß zu einem definitiven Frieden kommen und in diesem Sinne bitten wir das Centrum und die Conservativen, ihr gemeinschaftlich begonnenes Werk durch eine endgiltige organische Revision der Maigesetze zu krönen."
— Der Kaiser machte heute Nachmittags mit der Kaiserin eine Spazierfahrt.
— Der Herr Bischof v. Culm, Johannes v. d. Marwitz, wird am 20 d. M. sein 87. Lebensjahr vollenden. Da der Weihbischof Herr Georg Jeschke im vorigen Jahre gestorben ist, so ruht die ganze Last der Diöcesanverwaltung und der bischöflichen Functionen auf den Schultern des 87jähr. Greises, dem nur noch 3 Domherrn zur Seite stehen. Wie nöthig die Ernennung eines Weihbischofs oder Coadjutors ist, erhellt daraus von selbst. Das Gerücht, daß der Domherr Wien in Marienburg (Diöcese Ermland) dazu designirt sei, wird von officiösen Blättern als unbegründet bezeichnet, und das wohl mit Recht, da die Muttersprache von drei Vierteln der 600,000 Angehörigen der Diöcese die polnische ist, und Domherr Wien unseres Wissens polnisch nicht spricht.
— Es heißt, daß Fürst Bismarck einen längeren Urlaub bis zum Herbst zu nehmen beabsichtigt, inzwischen aber auf kurze Zeit hierher kommen wird.
— Rach dem .Tageblatt' wurde auf der vierten Station diesseits Moskau (Nikvlai- bahn) eine aus dem Keller des Stationsgebäudes bis unter den gewöhnlichen Halteplatz der Züge auf den Perron führende Mine entdeckt. Dort und in Moskau wurden 80 Personen verhaftet.
— Dem .Hannov. Courier' wird von Berlin geschrieben: „Den wiederholten Ge- allen Seiten der Angriff auf die Schlangenlinie der Preußen. Von den Höhen herab schleuderten die hinter jedem Baum sund Felsen hervorbrechenden Feuerstrahlen den Tod in die Reihen der Soldaten. Der umsichtige und entschlossene Führer verkannte keinen Augenblick die Gefahr, in die er sich befand. Indem er einen Theil der Truppen zum Angriff auf den gegenüber liegenden Bergrücken führte, erhielten zwei fernere Ab- theilungen den Befehl, die seitwärts liegenden Höhen zu nehmen, die Feinde zurückzuwerfen und den Vormarsch zu forciren.
In der schlimmsten Lage befand sich die kleine, von dem Lieutenant Krause geführte Arrieregarde. Bei dem unerwarteten Angriff geriethen die wenigen Munitions- und Bagagewagen durch den engen Weg in einander, da einzelne Thiere erschossen wurden, und bildeten eine Baricade, die als Ver- theidigungsmittel gedient haben würde, wenn der Angriff nicht von allen Seiten erfolgt wäre. So aber sah die kleine Schaar sich von den Uebrigen getrennt und von einem weit überlegenen, in geschützten Positionen befindlichen Feind umringt. Da das Vertheidigen der Bagage nur den Tod Aller herbeigeführt haben würde, und ein Zurückweichen die kleine Schaar auch der Vernichtung preisgegeben hätte, so führte der Lieute-
rüchten von diplomatischen Verhandlungen über die staatliche Zukunft des Großherzog- thums Luxemburg und nun gar über dessen Einverleibung in den Verband des deutschen Reiches liegt gewiß nicht das geringste Thatsächliche zu Grunde. Von orten» tirter Stelle wird indessen darauf aufmerksam gemacht, daß diese französisch-belgischen Sensationsnachrichten vielleicht als der mißverstandene Reflex anderweiter Vorgänge aufzufassen seien. Luxemburg gehört, obwohl politisch selbstständig, zum deutschen Zollgebiet, und es ist klar, daß bei dieser Zwitterstellung cs für das Ländchen von der höchsten Bedeutung sein müßte, wenn das Tabakmonopol, welches dort bislang nicht bestand, bei uns eingeführt würde, denn wegen der wirthfchaftlichen Abhängigkeit von Deutschland würde auch Luxemburg das Monopol in einem solchen Falle kaum vermeiden können. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß das Cabinet im Haag, von Sorge über diese Eventualität erfüllt, eine entsprechende Meinungsäußerung des Fürsten Bismarck, und wenn möglich, eine beruhigende Zusage zu veranlassen versucht habe.
— Nach der ,Post' ist die Einberufung des Reichstags auf den 27. April beabsichtigt. — Officiös wird geschrieben: „Auch bei der bevorstehenden Berathung der Kirchenvorlage im Herrenhause soll die Regierung beabsichtigten, dieselbe Haltung anzunehmen, wie im Abgeordnetenhause, d. h. lediglich die ursprüngliche Regierungsvorlage zu vertreten und keinerlei andere Directive für Annahme des einen oder des anderen Compromißvorschlages zu geben.
— Den Directoren der höheren Unterrichtsanstalten sind die veränderten Lehrpläne, die bereits für das beginnende Unterrichtsjahr in Kraft treten, zugesandt. Die Instruction besteht aus einer Denkschrift, welche die Grundsätze der Reform enthält, nebst einer Anlage, welche die specielle Anwendung auf die Stunden und Pensenvertheil- ung der verschiedenen Fächer in den verschiedenen Anstalten erörtert. Nach der Denkschrift zerfallen in Zukunft unsere höheren Unterrichtsanstalten in folgende Kategorien: die humanistischen Gymnasien bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der Beginn des Unterrichts int Griechischen von Quarta nach Tertia verlegt wird; die Realschulen erster nant rasch entschlossen seine Leute den südlichen Bergrücken hinan, um auf diese Weise eine Vereinigung mit den Haupttruppen zu erreichen. Tief grub er die Sporen in die Weichen seines Pferdes und sprengte den steilen Berg hinan. Mit gewohnter Ausdauer und Todesverachtung folgten die Soldaten ihrem braven Führer gegen den überlegenen Feind.
Die Tapferkeit des kleinen Häufleins war vergebens; es schmolz immer mehr und mehr zusammen. Plötzlich bäumte sich das Roß des Führers hoch auf und stürzte. Als ob der Fall des wackern Officiers das Signal zum allgemeinen Hervorbrechen der Feinde gegeben hätte, sah die tapfere Schaar sich plötzlich von einer großen Anzahl Bauern umzingelt. Ein kurzes Handgemenge entspann sich. Der Lieutenant, welchem es schnell gelungen war, sich von dem Pferde zu befreien, wurde von zwei Bauern hart bedrängt. Ein wohlgezielter Schuß befreite ihn von dem einen Gegner, der Kolben des anderen schwebte schon über seinem Haupte, als ein wuchtiger Hieb über das Gesicht des Feindes auch diesen niederwarf. Ein rascher Blick gab ihm die Ueberzeugung, daß die Position verloren, die meisten Soldaten gefallen oder gefangen waren. Dem Selbsterhaltungstriebe folgend, eilte er mit
Ordnung, welche in den Claflen bis Quarta incl. dasselbe Lehrpensum zu absolviren haben, heißen in Zukunft Realgymnasien; die Realschulen zweiter Ordnung, denen die beiden Oberclassen der Realschulen erster Ordnung fehlen, heißen in Zukunft Realprogymnasien; die bisherige lateinlose neunclassige Gewerbeschule einfach Realschule. Zwischen diesen und der Volksschule stehen noch die höheren Bürgerschulen etwa in dem Grade unserer bisherigen Mittelschulen. Die größte Schwierigkeit für die Reform vermuthet die Denkschrift in dem bevorstehenden Schuljahre von der Ersetzung des griechischen Unterrichts in den Quarten der Gymnasien durch den erweiterten Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern. Sie gibt deshalb die Befugniß, daß die Directoren diese Reform, falls dieselbe nicht sofort durchführbar sein sollte, mit Erlaubniß des Provincialschul- collegiums bis zu einem Jahre hinausschieben können. Aus der Besprechung des Lehrstoffes für die einzelnen Unterrichtsanstalten hebe ich hervor, daß der specielle Unterricht in der deutschen Grammatik getrennt von der Sectüre angeordnet wird, und daß die Seetüre mitteldeutscher Dichtungen int Urtexte als unnütz zurückgewiesen wird. — Der.Reichsanzeiger' publicirt die vom Bundesrathe festgestellten Grundsätze für die Besetzung der Subalternen- und Unterbeamteizstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militäranwärtern.
— Eine Elberfelder Correspondenz der ,Essener Ztg.' signalisirt eine Neuorganisation der königlichen Eisenbahn-Directionen anläßlich der weitern Verstaatlichung von Eisenbahn-Unternehmungen. Es bestehe die Absicht, der in Elberfeld zu belassenden Direction der Bergisch-Märkischen Eisenbahn einen größern Bahnkreis durch Hinzunahme des ganzen bisher unter mehreren Direktionen stehenden rheinisch-westfälischen Judustriebezirks zuzuweisen, ihr dagegen durch Abgabe der linksrheinischen Strecken der Bergisch-Märkischen Eisenbahn an die königliche Eisenbahn-Direc- tion (linksrheinisch) zu Köln Entlastung zu gewähren. Diese letztere Direction würde dann sämmtliche linksrheinische Strecken umfassen, mit Ausnahme des auf der linken Rheinseite Gelegenen Theils der Venlo-Hamburger Linie, die an eine in Münster neu zu errichtende Direction übergehen wird, der auch ein Theil westfälischer Bahnen von der
Aufbietung aller Kräfte aufwärts. Kugeln umwirrten ihn; er hatte eben die Höhe des Bergrückens erreicht und sprang über einen ihm den Weg versperrenden Baumstamm, als ein heftiger Schmerz an der linken Schulter ihn niederwarf. Er erhob sich schnell und setzte unaufhaltsam auf der anderen Seite seine Flucht fort.
Eine Viertelstunde mochte er in anstrengendem Laufen thalwärts geeilt fein, als die Erschöpfung ihn zwang, sich etwas Ruhe zu gönnen. Er sah sich von keinem Feinde verfolgt und kauerte hinter einer knorrigen Buche nieder. Trotzdem der ganze Körper in Schweiß gebadet war, zwang ihn das unaufhörlich in seine Hand herabtröpfelnde Blut, nach seiner Verwundung zu sehen. Ein Streifschuß hatte eine tiefe Fleischwunde in die linke Schulter gerissen, die er nvth- bürftig verband.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* (Aus der Jnstructionsstunde.) Lieutenant: „Wie schreibt man Signal?" — Rekrut: „Signal wird nicht geschrieb'n, Signal wird geblas'n!"