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Sonntag, den 9. April 1882.
Fuldaer
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& Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Vor dem überraschenden Umschwung, den die kirchenpolitische Frage nahm, trat natürlich alles Andere in den Hintergrund, und viel ist auch nicht passirt. Das Abgeordnetenhaus erledigte mit knapper Noth den Etat, brachte das Pensionsgesetz für die Wittwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten unter Dach und Fach, ließ den Stein des Reptilienfonds liegen und vertagte sich bis zum 18. d. M.
Traurig ist der Zwiespalt der Rechten in Bayern, — Herr v. Lutz hat natürlich den Gewinn davon, wenn die Herren Schels und Dr. Rittler nicht zusammenstimmen; aber man sollte unter den gegebenen Umständen das Erreichbare, nicht die Aufhebung des Cultusministeriums anstreben: alles Extreine ist vom Uebel. Erfreulich dagegen ist der Beschluß der Kammer, das simultane Lehrerseminar zu Bamberg in ein confessionell-katholisches umzuwandeln.
Sehr beklügenswerth sind die Vorgänge im Auslande, — überall Unruhen, revolutionäre Kundgebungen und Attentate. Daß die Radicalen in Italien die 600- jchrige Gedenkfeier der sicilianifchen Vesper in Palermo begehen, ist an sich nicht gefährlich; aber in dem öffentlichen Auftreten dieser Leute liegt überhaupt eine große Gefahr; mit Feuer und Pulver füllte man nicht spielen, zumal wo es allenthalben bis zum Explodiren gährt. Einen gewiffen Galgenhumor nimmt die Kundgebung in Palermo dadurch an, daß die Ermordung
der 24,000 Franzosen auf Sicilien den - ■ Jesuiten in die Schuhe geschoben wird; Schade nur, daß es vor 600 Jahren noch keinen hl. Ignatius und keine Jesuiten gab, sondern daß diese erst 220 Jahre später auftraten. Aber so kleine Mücken verschlucken die „gebildeten" Philister ohne Kopfschmerzen .... Allenthalben gährt es, sage ich. Sogar in der spanischen Provinz Catalonien gab es in Folge einer neuen Steuer eine Empörung, die einem Revolutionsanfange auf ein Haar glich und erst durch die Gewaltmaßregel des Belagerungszustandes gedämpft werden konnte. Und in Irland haben die Agrarattentate ein neues Capitel eröffnet, und eine orga- nisirte Mörderbande sucht das unglückliche Land heim. In Westmeath wurde eine Frau, in Dublin ein junger Mann, in Castle-Island ein Friedensrichter erschaffen und in Athlone das Magistratsgebäude in die Luft gesprengt. Welch' ein Licht wirft das auf die dortigen Zustände, auf welch' einem Vulcane steht das Land, — und Rußland.nicht minder, wo der General Strelnikoff in Odeffa erschaffen wurde. Die Nihilistenpest grassirt immer weiter, trotzdem die Attentäter schon gehenkt sind und auch der frühere Marineofficier Suchanoff erschaffen wurde. So lodern die ersten Feuer der Revolution in Osten und Westen Europas, in Irland, Frankreich, Italien, Spanien und Rußland auf; wehe, wenn die Flammen hoch auf und zusammenschlagen; dann wird auch Deutschland unter der versengenden Gluth leiden. — Anstatt nun der Gefahr mit den richtigen Mitteln
zu begegnen und die Völker zur Ordnung und zur Achtung vor der Autorität zurückzuführen, — was nur die Kirche kann, - bieten gewisse Staaten, namentlich Belgien und Frankreich, Alles auf, das Volk zu entchristlichen und die Jugend zu verwildern. Belgien gibt jährlich 28 Millionen für die confefsionslosen Staatsschulen aus, und in einem scandalösen Fastnachtsspectakel, der Lätare in Brüffel aufgeführt wurde und der in der gemeinsten Verhöbnung der katholischen Orden gipfelte, mußten sogar Schulkinder mitwirken. Frankreich hat jetzt Gott aus der Schule verbannt und will ihn aus dem Eide verbannen, und wenn die Bischöfe und Eltern sich zur Wehr setzen, daß die Kinder nicht als Atheisten erzogen werden, dann schreit die ,Köln. Ztg.', „die Clericalen leisten Unglaubliches, uni das Land für ihre Sache aufzuregen." Also wenn ich mein Kind nicht in- eine Schule schicken will^. wo es gelehrt wird, las Heiligste"'der Menschheit, die Religion, mit Füßen zu treten, dann bin ich ein Aufwiegler! Darf man sich da wundern, daß Gott- und Sittenlosigkeit, Verbrechen aller Art und die Revolution immer weiter um sich greifen? Das sociale und sittliche Ostern ist noch sehr fern!
Deutsches Reich.
-nk- Berlin, 7. April. Nunmehr hat auch das ,Journal de Rome' zum „Com- promiß" Stellung genommen. Das römische Blatt, welches die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses mit ein-
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Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Das kleine Jägerbataillon, welches aus den Reserven gebildet worden war, erhielt den Befehl, zur Unterstützung des Lützow'- schen Corps auszurücken und nach deffen Vereinigung mit St. Priest die Fühlung mit der schlesischen Armee zu unterhalten. Die Officiere des Bataillons, unter welchen sich der Lieutenant Krause befand, saßen in einer Bauernstube des kleinen Weilers Viellet in lebhafter Unterhaltung. Emsig studirten sie die Karten und Pläne des Operationsfeldes. Sie waren sich alle der ehrenvollen Aufgabe bewußt, welche durch diesen Befehl ihnen übertragen war: ein kleines Häuflein, welches auf keine Unterstützung rechnen durste, allein auf seine Tapferkeit und Ausdauer in dem vollständig infurgirten Lande angewiesen.
Als die Mitternachtsstunde angebrochen war, trat die kleine Colonne den Marsch in größter Stille an. Sorgfältig wurden die Hauptstraßen vermieden; auf dem aufgeweichten Boden der schlechten Wege, durch Schluchten, über einsame Waldpfade ging der Marsch nur langsam vorwärts. Am
zweiten Tage wurden die Vorposten der Lützow'schen Abtheilung erreicht.
Der kleine Weiler, in welchem die ermatteten Truppen Quartier bezogen, war, wie die meisten, die sie auf dem Marsche berührt hatten, wie ausgestorben. Alte Leute und Kinder schienen die einzigen Bewohner zu sein. Bestrebten diese sich auch, den Aufforderungen der Truppen entgegen zu kommen und sie nach Kräften zu befriedigen, so offenbarte sich doch in dem Verhalten der Leute ein entschieden feindseliger Geist, der die Soldaten zur größten Wachsamkeit und Vorsicht mahnte. Das Lützow'sche Corps hatte manchen harten Strauß mit den aufständischen Bauern ausgefochten, in den letzten Tagen jedoch hatte sich kein Feind mehr gezeigt.
In dem Kriegsrathe, den der tapfere Major am nächsten Morgen nun versammelte, wurde nun beschlossen, gemäß der vom Hauptquartier erhaltenen Ordre den Marsch auf Rheims vereint änzutreten, die angekommene Abtheilung sollte jedoch nach dem ersten Tagemarsche Standquartier nehmen, die Verbindung mit dem abrückenden Corps unterhalten und die aufständischen Bauern in Schach halten.
Der Marsch durch das Gebirge war für die braven Soldaten ein sehr mühsamer.
Die Seitenpatrouillen stießen auf so große Terrainschwierigkeiten und verloren so oft die Fühlung mit der Colonne, daß das Gros der kleinen Armee in's Stocken gerieth. Als der Führer nach stundenlangem beschwerlichem Marsche rasten ließ, war noch keine Spur eines Feindes entdeckt worden, selbst von der Spitze ging die Meldung ein, daß nichts Verdächtiges aufgestoßen sei.
Von der Höhe des Bergrückens, auf welchem die Truppen gerastet hatten, zog sich eine vielfach gewundene Schlucht nach der südlichen Abdachung hin. Der größte Theil der Hauptcolonne war durch die Windungen des engen Pfades bereits dem Gesichtskreise der Arrieregarde entschwunden, als bei der rechten Seitenpatrouille mehrere rasch aufeinander folgende Schüsse sielen.
Kaum hatte der Coinmandeur einer kleinen Abtheilung Befehl ertheilt, nach dieser Seite Unterstützung zu bringen, als die Scene plötzlich eine andere Gestalt annahm. Die Spitze war eben an eine Stelle des Weges angelangt, wo der gewundene Pfad beinahe einen Halbkreis bildete, als sie von den umliegenden Höhen mit einem Kugelregen überschüttet wurden. Sie warf sich schnell au den Rand der Schlucht und zog sich aus das Gros zurück.
In demselben Augenblicke erfolgte von