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Haus in gesunder Lage und unter günstigen Bedingungen miethen; der Besitzer will aber auf ein Jahr, — so lange läuft der mit Vorkaufsrecht abgeschlossene Miethvertrag, — sich das Recht vorbehalten, ab und zu nach dem Dache, dem Kamine rc. zu sehen. Soll ich nun wegen dieser kleinen Belästigung das bessere Haus im Stich lassen, in dem dumpfen wohnen bleiben und sterben?

Wir setzen uns nun nicht „hoch und stolz zu Roß," wie die Liberalen sagen, sondern wir nehmen dankbar das Erzielte an und hoffen, daß die katholische Kirche den letzten Charfreitag im Grabe der Maigesetze erlebt hat und daß sie glorreich auferstehen wird zur freien und ungehinderten Entfaltung ihrer segensreichen Mission. Osterglocken läuten ja bald das Alleluja, — warum sollen unsere Herzen nicht einstimmen in den hehren Sang und Klang? . . . Aber die armen Liberalen! Die haben solche Schmerzen, daß sie mir leid thun, und meine Feinde kann ich nicht einmal leiden sehen. Die liberalen Blätter jammern nämlich, als hätten sie Strychnin im Leibe. Sie überbieten sich förmlich in Maßlosig­keiten und Uebertreibungen, gleich als sei für Deutschland ein zweites Jena gekommen. Im Traume fällt ihnen die Canossasäule auf die Rase, und am Tage ballen sie die Fäuste und drohen mit dem „entschiedensten Widerstande." Brr, wie muthig und nie­derschmetternd ! Doch der Telegraph meldet, Fürst Bismarck befinde sich ganz wohl! Es ist aber auch zu hart; das erhoffte Bünd- niß der Nationalliberalen mit den Conser- vativen, die „große Mittelpartei", ist in die Brüche gegangen, und selbst der Be­schluß hat nichts geholfen, den die in Frei­burg unter Herrn Hubert Reinkens ver­sammelten Altkatholiken faßten: den Kanzler aufzufordern, mit den Protestanten energisch Front gegen Rom zu machen! Statt dessen haben wir einen neuen Ge­sandten in Rom, sechs neue Bischöfe, — auch die Besetzung des erzbischöflichen Stuhles in Freiburg steht unmittelbar be­vor, — und zwei liberale Beamte, der Oberpräsident v. Horn und der Director Engel in Berlin, sind unfreiwillig aus dem Staatsdienste getreten.

Allen Liberalen voran jammert das rheinische ,Weltblatt', das die deutsche Fahne von Bismarck „unrühmlich gefällt" Mahnung an Schwarzenberg, alle nahe stehenden Corps zu ihm stoßen zu lassen, uni Napoleon mit einem Schlage zu ver­nichten. Dieser sandte ihm 50,000 Mann, und ohne die Ankunft Docks abzuwarten, griff Blücher an und warf nach hartnäckiger Gegenwehr den Feind zurück. Wenige Tage nachher erzwang auch Dork auf seinem Vor­marsch durch ein siegreiches Gefecht die Ueber- gabe von Chalons.

Napoleon hatte bereits seinem Unterhändler in Chatillon den Befehl zugehen lassen, sich nachgiebig zu zeigen. Als aber die im Schloß zu Brienne mit Schwarzenberg und Blücher vereinigten Monarchen bei der Schwierigkeit große Truppenmassen auf einem Punkte zu vereinigen, beschlossen, die böhmische Armee von der schlesischen zu trennen, änderte er seinen Entschluß, da er hoffen durfte, die kleine schlesische Armee zu vernichten.

Nach dem Abmarsch Schwarzenbergs rückte Blücher vor. Unbegreiflicher Weise hatte auch er seine Truppen in mehrere Abtheil- ungen, die getrennt operiren sollten, einge- theilt. Napoleon fiel nun über die einzelnen Corps her, und nur die unerschütterliche Tapferkeit und Todesverachtung der abge­härteten Krieger retteten Blücher vor schmäh­licher Niederlage. Der Muth der Tapferen war aber nicht gebrochen. Von Hunger er­

sieht, und das den 30. und 31. März „schwere Unglückstage" nennt. Waren es denn etwa Glückstage für Deutschland, edle Kölnerin, als die Maigesetze zu Stande kamen, als die Bischöfe in die Gefängnisse geführt wurden, als der Gründungsschwindel Tausende von Existenzen vernichtete? Waren diese Tage, frage ich, die der Liberalismus auf dem Gewissen hat, glück­bringend für's Land? Hat der Liberalismus überhaupt dem Reiche Glück gebracht? Alle Tage, so lange er am Ruder war, waren „schwere Unglückstage", — die Zu­stände auf politischem, religiösem, socialem und wirthschaftlichem Gebiete beweisen es. Aber was will man von einem Blatte ver­langen, das so gemein und unverschämt ist, zu sagen, der Elephant Jumbo, der bisher in London war und jetzt nach New- Dork gebracht wird, habe „Leo XIIL an Schalkhaftigkeit noch übertroffen"?! Den höchsten Priester der katholischen Kirche mit einem Vieh zu vergleichen! Pfui! Wie würde die Kölnerin zetern, wenn man auch nur den simpelsten Juden mit einem Thier vergliche, etwa mit einem Fuchse, einer Hyäne, einem Vampyr, und der Stellvertreter Gottes auf Erden, der edle, fromme, gelehrte Greis in Rom, soll nicht an Jumbo reichen! Da sprechen die Libe­ralen oft von „ultramontanen Hetzblättern"; wer hetzt und schimpft und beleidigt denn immer fort und in der maßlosesten Weise? Als der .Kladderadatsch am 2. v. M. seine 2000. Nummer herausgab, stand im Jn- haltsverzeichniß: „Wunder über Wunder in Lourdes. Auftreten der Louise Lateau. Ihr Verhältniß zu Paul Majunke. Be­lästigung der Pflaumen-, Pappeln- und Ahorn-Bäume durch Erscheinungen. Gleich­zeitiges Erscheinen der Wurzel-Reblaus. Um­sichgreifen der Flatter- und Wallfahrten. Martin der Schlaue von Paderborn." Und da beklagen sich die Juden, wenn sie ge­legentlich in die Schranken zurückgewiesen werden! Ich habe absichtlich, so lange die Antisemiten-Bewegung im Gange war, kein Wort über die Juden verloren, aber solche Flegeleien fordern heraus und bringen das Blut in Wallung.

Deutsche Reisch.

* Berlin, 6. April. Eine halboffi- ciöse Correspondenz erklärt die Nachricht, schöpft, ohne genügende Kleidung, mit zer­rissenen Schuhen hielten die Truppen Stand.

Napoleons Uebermuth stieg wieder, er erließ Proclamationen an das Volk und rief alle waffenfähigen Männer zur Befrei­ung des Vaterlandes auf. In ganzen Schaaren erhoben sich die bis dahin theil- nahmslosen Bauern. Entweder fanden die hungernden Soldaten das Dorf verlassen, Vieh und Lebensmittel weggeführt, oder sie mußten sich das Nachtquartier erobern. Niedergeschlagenheit bemächtigte sich der bis dahin tadellosen Armee, die Disciplin be­gann sich zu lockern, der kühne Führer war augenkrank und schimpfte in seiner derben Weise über die Federfuchser des Haupt­quartiers.

So war der Stand der Dinge, als das kleine Corps, welches auf dem Marsche noch einige Verstärkung erhalten hatte, sich dem eigentlichen Kriegsschauplatz näherte. Der Vormarsch ging nur langsam, da überall bewaffnete Bauernschaaren sich ihnen ent­gegen stellten. Mit dem Terrain und allen Schlupfwinkeln vertraut, erschienen sie plötz­lich und brachten den Truppen manchen empfindlichen Verlust bei, um eben so rasch zu verschwinden, wenn sie dem anrückenden Feinde nicht gewachsen waren.

Blücher lag krank in Laon. Gneisenau

daß die bayerische Regierung gegen das Monopol sich erftärt als Erfindung.

— lieber das Befinden des Kaisers schreibt der,Reichs- und Staats-Anz.': „Se.Majestät der Kaiser und König haben die regelmäßigen Vorträge entgegengenommen, sind jedoch von der Unpäßlichkeit der letzten Tage noch nicht so weit wieder hergestellt, um bei dem schar­fen Ostwinde das Zimmer wieder verlassen zu können."

— Die ,Rordd. Allg. Ztg.' veröffentlicht ein Schreiben des Stellvertreters des Reichs­kanzlers an den Bundesrath, wonach die in § 3 der Geschäftsordnung vorgesehenen so­genannten Ministersitzungen des Bundesraths über wichtigere Entwürfe für die bevor­stehende Reichstagssession in der mit dem 16. April beginnenden Woche ihren Anfang nehmen.

- Nach der .Nationalztg.' zweifle man in hochstehenden Kreisen noch immer am Zusammentritt des Reichstags im Frühjahr. Der Reichskanzler, der sich in Friedrichsruh nicht erholt hat, halte sich von allen Geschäf­ten zurück.

— Der älteste Kirchenfürst Deutschlands, der Bischof von Straßburg, Dr. Andreas Räß, feiert heute seinen 89. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters erfreut sich der Kirchensürft noch der besten Gesundheit und Geistesfrische. f

— Der Bundesrath hat beschlossen, baß in den für die Verzollung maßgebenden Tarasätzen die nachstehend ersichtlichen Aender- ungen einzutreten haben: Tarifsätze: — Be­nennung der Gegenstände, — Art der Um­schließung, — Tarasätze. — Procente des Bruttogewichts — bisher — künftig. Baum­wollgarn zweidrähtiges, roh — Fässer und Kisten — 18 — 14; mehrfach ge­zwirnter, auch accomodirter Nähfaden — Kisten — 18 — 16; desgleichen — Ballen — 7 — 3; grobe Eisenwaaren, abgeschliffen u. s. w. —, sofern dieselben in Schraubenbolzen, Holzschrauben, Stiften, Nägeln, bestehen, — Fässer und Kisten — 10 — 8; Korkstopfen, — Ballen — 9—5, unplattirtes Messingblech, — 13 — 8; Butter, auch künstliche — Kübel von hartem Holz und Fässer — 16 — 13; Fleisch, aus­geschlachtetes u. s. w. — Ballen, — 6 — 3; Papiertapeten, — Kisten, - 16 — 25; desgleichen — Ballen — 6 — 4; Seide und Floretseide, gefärbt, — Ballen — führte das Commando, welches verstärkt durch die Armee Bülow's jetzt wieder int Stande war, offensiv vorzugehen. Napoleon griff das vereinigte Corps an, ohne daß eine Entscheidung erfolgte, und blieb in feiner Stellung. In der darauf folgenden Nacht überfielen Dork und Kleist den ent­fernt stehenden rechten Flügel der Franzosen und rieben das ganze Marmont'sche Corps auf. Napoleon trotzte noch zwei Tage in dersel­ben Stellung und zog dann ab, um sich auf die getrennten Corps der böhmischen Armee zn werfen.

Es würde ein Leichtes gewesen fein, hier schon die Entscheidung herbeizuführen, wenn Schwarzenberg gleichzeitig eingegriffen hätte, durch fein Zaudern mißtrauisch gemacht, rief Blücher die schon zur Verfolgung des Mar- mont'schen Corps abgesandten Preußen zurück. Der Sieg erfüllte die Brust der Krieger wieder mit neuem Muthe.

Um eine Verbindung mit den südlich stehenden Russen und Oesterreichern zu un­terhalten, wurde im Hauptquartier beschloßen, das Lützow'sche Freicorps zu St. Priest stoßen zu lassen, welcher in Rheims stand.

(Fortsetzung folgt.)