Einzelbild herunterladen
 

Die -Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- uns Feiertag- ausgenommen. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

M der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die .tllustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg, auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

z* Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Es ist eine alte und löbliche Pflicht und Sitte, vor dein hl. Osterfeste den Judas auszutreiben, d. h. Alles in Ordnung zu bringen, den äußern und den inner» Men­schen; die Hausfrauen putzen das Haus, und jeder katholische Christ putzt sein Gewiffen und macht mit dem Himmel reine Bahn. In diesem Jahre ließen auch die Confer- vativen das Osterfest nicht herankommen, ohne ihre alte Schuld abgethan und dem C e n t r u m die Hand gereicht zu haben. Sie sahen ein, daß sie mit dem verkrachten Libe­ralismus keine Gemeinschaft halten konnten, und daß das Centrum ihr einziger und natürlicher Bundesgenosse ist, wenn sie über­haupt ihren Grundsätzen treu bleiben wollen. Diese Thatsache der Verbrüderung ist be­deutungsvoll ; sie ist der entschiedenste Wende­punkt im Kulturkämpfe; bedeutungsvoller als der aus dem Compromiß hervorgegangene neue Gesetzentwurf. Wie schnell arbeitet die politische Maschine! Als ich vor acht Tagen durch die politischen Jagdgründe streifte, da lagerte auf kirchlichem Gebiete noch ein dichter Nebel; da sah man nicht Weg noch Steg; da ahnte Niemand, daß die kirchenpolitische Vorlage, die in der Com­mission in Scherben gegangen war, noch vor den Ferien im Abgeordnetenhause zur zweiten und dritten Lesung kommen und in solcher Gestalt angenommen werden würde, wie sie seit dem 31. März vorliegt, — und heute muß ich mich schon fragen, ob ich auf die vielerörterte Angelegenheit noch zurück- kommen darf. Wir leben ja im Zeitalter

38

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung.)

Der Brief lautet:

„Mein Herr! Es gereicht mir zu be­sonderer Freude, durch diese Zeilen die Be- sorgniß schwinden zu machen, welche die so sehr lang entbehrte Nachricht über Ihren Herrn Sohn hervorgerufen haben wird. Er ist nach schwerer Krankheit nicht allein außer Gefahr, sondern hoffentlich bald so weit hergestellt, daß er Sie durch einen persön­lich geschriebenen Brief erfreuen kann.

Zur ferneren Beruhigung möge noch die Mittheilung beitragen, das er sich in dem Hause eines Freundes in Pflege befindet, welcher ihn nicht eher entlassen wird, bis die volle Blüthe der Gesundheit auf seine Wangen zurückgekehrt sein wird.

Sie werden sich erstaunt fragen, welche Freundesfamilie Sie in Feindesland besitzen? Ihre Menschenfreundlichkeit hat ihm einen treuen Freund gebracht.

Schreiber dieses ist niemand anders, als jener Louis Girat, der Jugendfreund des Capitains, an dem Sie christliche Barmher­zigkeit geübt haben. Ich danke dem Himmel, der Ihren Sohn unter mein Dach geführt

des Dampfes! Die Bekehrung der Conser- vativen, das Bündniß mit dem Centrum, die beiden Lesungen im Abgeordnetenhause, — Alles wickelte sich so schnell ab, daß wir schon vor der fertigen Thatsache standen, bevor Manche zu Athem gekommen waren und sich von ihrer Ueberraschung erholt hatten. Ich will nicht lang und breit unter­suchen, welche Ursachen die Conservativen zur Besinnung und Einkehr führten, es ge­nügt, daß die Einigung zu Stande kam, die Herr Stöcker als „die Morgenröthe des Friedens" bezeichnete, und die Herr Dr. Windthorst als die neuen Beweise „dämmern­der Gerechtigkeit" begrüßte; auf alle Fälle ist sie und das durch sie Erreichte eine wei­tere Etappe auf dem Wege zur endlichen Beileglmg des Streites. Wir wollen die goldene Mittelstraße wandeln, d. h. den Gesetzentwurf nicht überschätzen, nicht durch gar zu rosige Brillen sehen, oder auch nicht pessimistisch seinen Werth verkleinern. Dieser besteht freilich mehr in der Abwehr von Schlimmerem, als in der Schaffung von Gutem, aber trotzdem dürfen wir ein fröh­licheres, hoffnungsvolleres Ostern feiern, als wir vor Kurzem noch zu hoffen wagten. An die Stelle der Aussichtslosigkeit ist die Hoff­nungsfreudigkeit getreten ; sagen das Herren­haus und die Regierung Ja, so ist zwar nicht sehr viel, aber doch etwas erreicht worden. Das Culturexamen ist dann aufgehoben, das traurige Institut der Staatspfarrer ist beseitigt, die maige­setzlich abgesetzten Bischöfe gelten wieder als die rechtmäßigen Diöcesanoberen, so weit sie vom Könige begnadigt werden. Die gründliche hat, um an Ihm vergelten zu können, was Sie meinem theuren Freunde erzeigt haben. Ich nenne ihn jetzt mit großer Freude wieder so, da ich von Ihrem Herrn Sohn gehört habe, wie er durch Sie wieder auf den Weg des wahren Herzensfriedens zu­rückgeführt ist.

Ihr lieber Sohn übersendet Ihnen durch mich die herzlichsten Grüße.

Indem ich bitte, meine achtungsvollste Em­pfehlung damit zu vereinigen, verbleibe ich

Ihr ergebenster Diener Louis Girat".

Belle-violette p. Rheims.

Als Lina die Vorlesung beendete, glänzten Freudenthränen in Aller Augen.

Die Mutter faltete die Hände in ein­ander und sprach: „Dem lieben Gott ewigen Dank, wir sehen hieraus, wie unendlich gut er uns ist und welchen Segen er uns für die Pflege des Fremden bescheert. Sein Name sei ewig gepriesen!"

Um unfern freundlichen Lesern Aufklärung zu geben, durch welche Veranlassung der junge Officier Aufnahme bei dem Herrn Girot gefunden hatte, müssen wir in unserer Erzählung etwas zurückgreifen.

Die Abtheilung, welcher sich anzuschließen der junge Krieger Ordre hatte, bestand aus den verschiedensten Truppentheilen. Den

Revision der Maigesetze ist und bleibt die Forderung des Centrums, und die Conser­vativen haben sie jetzt auch feierlich auf ihr Programm geschrieben, so daß wir ohne Furcht, ja mit einer gewissen Zuver­sicht, auf die redlichen Absichten der Regier­ung bauend, in die Zukunft schauen dürfen. Der übergelaufene Abg. Cremer glaubte nun dem Centrum den Vorwurf der Jncon- sequenz machen zu sollen, und Herr Eugen Richter wiederholte dies am 1. April in Köln. Erstens steht dieser Vorwurf dem Herrn Cremer sehr schlecht an, und zweitens gibt es zwischen discretionären Vollmachten einen großen Unterschied: es gibt solche, welche das Wesen der Kirche verändern, und solche, welche sie zugestehen kann, ohne an ihrer Verfassung und ihrer sittlich-dog­matischen Aufgabe Schaden zu leiden. Wird nicht in jedem Concordate ein gewisses Maß discretionärer Vollmachten den Regierungen von der Kirche zugestanden? Sollte das Centrum im gegebenen Falle die Hand der Conservativen, die ein unerwartet weites Entgegenkommen an den Tag legten, kalt zurückstoßen? Es gibt auch eine Consequenz, die man E i g e n f i n n nennt! Hier handelte es sich um einen Pact von so hoher und weittragender Bedeutung, daß die Bedenken gegen die kleine, auf nur ein Jahr gereichte Dosis discretionärer Vollmachten vor höheren Erwägungen zurücktreten mußten. Ich will die Sache an einem Gleichniß klar zu machen suchen. Angenommen, ich wohne in einem Hause, das sehr ungesund gelegen ist, und der Arzt sagt mir „ziehen Sie aus, sonst sterben Sie". Ich kann nun ein luftiges

Stamm bildeten ein paar schwache Bataillone Infanterie. Der größte Theil bestand aus Reconvalescenten, kleine Abtheilungen Ca- vallerie, Infanterie und Genie in buntem Durcheinander. Ihre Bestimmung war, sich dem Blücher'schen Corps anzuschließen. Dem greifen Marschall „Vorwärts" war die schwerste Aufgabe in diesem Feldzuge ertheilt worden, da er die Ordre hatte, auf dem kürzesten Wege auf Paris vorzudringen. Ein solcher Befehl konnte auch nur einem Corps zugetheilt werden, worin ein seltener Geist hoher Ehre und Disciplin herrschte, voll Vertrauen auf feinen Führer..

Der Marschall Marmont, der bestimmt war, die vordringenden Preußen aufzuhalten, fühlte sich zu schwach und zog sich zurück. Ohne sich mit der Belagerung der auf seinem Wege liegenden Festungen aufzuhalten, wandte sich Blücher bei Metz seitwärts, um eine Vereinigung mit der großen Armee Schwarzenbergs zu suchen. Napoleon hatte die sich vor Schwarzenberg und Blücher zurückziehenden Corps bei Chalons vereinigt und griff Blücher bei Brienne mit lieber» macht an.

Blücher zog sich am anderen Tage zurück und forderte York, welcher seitwärts von Metz operirte, zum schleunigen Vormarsch auf. Gleichzeitig schickte er die dringendste