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Freitag, den 7. April 1882.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Tsnn- uio Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bcingerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Vie ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg, auswärts am Postschalter 25 Pfg., in’S Haus gebracht 40 Pfg. Inserat«: Die Petttzeile.oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

-nk- Die Vorgeschichte des Compro- misses zwischen Conservativen nnd

Centrum.

lieber die Vorgeschichte des „clerical- conservativen" Compromisses hatten wir bis­her nichts mitgetheilt, weil wir die in dieser Sache stattgehabten Verhandlungen als innere Fractionsangelegenheiten betrachteten und wir konnten uns desfallsiger Mittheilungen um so eher enthalten, als die darüber von der „liberalen" Preffe verbreiteten Nachrich­ten zwar mehrfach unrichtig, aber doch wie­der zu harmlos waren, als daß wir eine Widerlegung derselben für nothwendig halten konnten. Nachdem aber soeben das aner­kannte Organ der conservativen Fraction, die ,Krenzztg.', das Schweigen bricht und über die Geschichte des Compromiffes einen Bericht bringt, der nicht frei von Einsei­tigkeiten und Lücken ist, so würde längeres Schweigen darüber auf unserer Seite nicht mehr angebracht sein. — Die ,Kreuzztg.' führt zunächst ihren Lesern zu Gemüthe, daß die conservative Fraction von jeher bemüht gewesen sei, dem „Cultur- kampfe" ein Ende zu machen. Die Fraction habe das stets auf dem Wege der definitiven Abänderung der Maigesetze thun wollen, da indeß für dieses Ziel die Regierung nicht sofort zu gewinnen gewesen, so habe sie zu­nächst das Juligesetz als Uebergangsstadium bewilligt — freilich mit erheblichen Opfern an die Nationalliberalen, da das Centrum sich damals gänzlich ablehnend verhalten habe. Jetzt sei das aber anders geworden. Nunmehr habe das Centrum „in zwar sehr erfreulicher, aber nicht minder überraschender

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Kaum waren seine ersten Worte den Lippen entflohen, als Martin mit einem jähen Schrei aufsprang, seine Arme weit ausbreitete und mit dem Ausrufe: „Großer Gott, mein Sohn!" ohnmächtig zurücksank. Der Capitain stürzte zu seinen Füßen, um­schlang seine Kniee und rief mit herzzerrei­ßender Stimme: „O, mein Vater, theurer Vater! Siehe, hier ist Dein Kind! — O, ich komme zu Dir, verzeihe Deinem armen Sohne und segne ihn!"

Die durch den Marquis herbeigerufenen Diener brachten schleunigst Belebungsmittel, und bald schlug der Greis seine Augen auf. Suchend irrten sie umher, dann hasteten sie auf dem vor ihm Knieenden, er breitete seine Arme aus und schloß ihn an sein Herz. Der Vicomte, welcher bei dem Aufschrei Martins auf den Capitain zustürzte, wandte sich rasch ab und zog sich in eine Fenster­nische zurück. Mit verklärten Blicken schaute er bald auf seinen Sohn, bald auf Martin. „Vater im Himmel, ich danke Dir. Gerne gönne ich der treuen Seele, zuerst mein Kind an sein väterliches Herz zu ziehen."

Der Capitain hatte alles um sich her

Weise einen Theil der verlangten discretio- nären Gewalten bewilligt, die es zwei Jahre früher auf das Entschiedenste und grund­sätzlich perhorrescirte." Das sei schon aus den Sitzungen der kirchenpolitischen^ Com­mission klar geworden, daß wenn diesmal überhaupt etwas zu Stande zu bringen war, dies nur durch das Cent rum resp. die Polen und die Conservativen geschehen konnte. Fraglich sei es nur gewesen, ob das Cen­trum nicht auch Art. 4 der Vorlage, betr. das Einspruchsrecht des Staates, annehmen konnte, resp. ob, da das Centrum die Regel­ung dieser Angelegenheit dem . hl. Stuhle überlasten, dieser nicht zur Annahme des Artikels zu bewegen gewesen wäre. Es habe sich aber schon vor Wochen herausgestellt, daß alle Bemühungen v. Schlözers, den Papst für den Artikel zu gewinnen, in dem Maße er­folglos gewesen seien, daß in Folge dessen die ganzen Verhandlungen ins Stocken ge- rathen mußten. Es sei Herrn v. Schlözer sogar vom Papste mit Entschiedenheit be­deutet worden, daß erst die ganze Grund­lage des Art. 4 und auch des Art. 5 ge­ändert werden müßte, ehe sich der hl. Stuhl auf Verhandlungen über diesen Gegenstand einlassen könne. Man habe zwar die in Rom entstandene Spannung diesseits mög­lichst zu vertuschen gesucht; die conservative Fraction sei aber auf privatem Wege da­rüber zuverlässig unterrichtet gewesen. — Bei dieser Sachlage sollte der Centrumsan­trag auf Freigebung des Messelesens am 29. v. M. verhandelt werden. Da die Conservativen für denselben nicht stimmen konnten, so hätte das zu einem verschärften vergessen. Wie ein Kind an seine Mutter, schmiegte er sich an seinen Pflegevater an, seine Stirne und seine Augen mit Küssen bedeckend.

Martin hatte endlich seine Fassung wieder- genommen. Er zog seinen Sohn an seine Seite. „Gayon, welch' eine Gnade des Himmels für mich, noch in letzter Stunde! Wie habe ich erwarten können, Dich noch einmal an mein Herz zu drücken? Aber, armer Sohn, Du trägst den Arm in einer Binde? kannst Du ihn nicht gebrauchen?"

„Nein, mein lieber Vater; doch nenne mich nicht arm. Ich ruhe ja wieder an Deinem Herzen, und für den Verlust meines Armes habe ich ein Kleinod eingetauscht, welches ich für alle Schätze der Welt nicht hergebe. Denn höre —"

„Gatzon!" ertönte die Stimme des Mar­quis, welcher mit stillem Entzücken kein Auge von den Beiden verwandte.

Als Gatzon sich zu dem Marquis wandte, fiel Martins Blick auf den Vicomte, der noch immer von seinem Standpunkte aus auf die Glücklichen schaute. — Jetzt erhob er sich, ergriff die Hand seines Sohnes, und ihn dem Vicomte entgegen führend, sprach er mit feierlicher Stimme: „Mein Sohn! Du erinnerst Dich jener Stunde auf dem Mausohr, wo ich Dir mittheilte, daß ich

Conflicte zwischen ihnen und dem Centrum geführt, zu einem Conflict, den man den „bereits schadenfrohen liberalen Blättern" nicht gönnen durfte. So schritten denn die Conservativen, denen hier die „Führerschaft" zugefallen war, zu der „entschlossenen Ini­tiative", mit dem Centrum zu verhandeln, dessen Führer vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Fraction alsbald in den Compromiß einwilligten. Nunmehr erst wurde von dem Abkommen die Regierung in Kenntniß ge­setzt, die sich bis heute, wenn auch nicht in völlig zustimmender, so doch auch nicht in völlig verneinender Haltung verhält. — So die ,Kreuzztg.'. Der Leser hat schon von selbst herausgemerkt, daß hier Alles ledig­lich zur größeren Ehre der conservativen Partei geschrieben ist. Wenn die Conser­vativen wirklich so sehr von ihrer „Führer­schaft" bei der Beendigung des Cultur- kampfs durchdrungen sind, wenn sie so gänzlich unabhängig sind von der Regierung, warum haben sie dann die ganze dreijährige Legislaturperiode, in der sie mit dem Gentrum und den Polen die Majorität hatten, vor­übergehen lassen, ohne auch nur ein einziges Mal eine „entschlossene Initiative" hinsicht­lich der Abstellung des „Kulturkampfes" zu zeigen? — Hätten sie die „erheblichen Opfer", die sie beim Juligesetz den Natio­nalliberalen brachten, nach der entgegenge­setzten Richtung dem Centrum gebracht, so würde das Centrum schon damals das so umgeformte Gesetz, aus welchem alle gefähr­lichen discretionären Gewalten und kirchen- feindlichen Bestimmungen entfernt gewesen wären, angenommen haben. Ist es also nur Dein Pflegevater sei. Der liebe Mott hat es gefügt, Deinen Vater aufzufinden. Jetzt darf ich mit Simeon ausrufen: Herr, nimm Deinen Diener zu Dir. Siehe, mein Sohn, wie gnädig der Himmel Dir ist. Dieser hochedle Herr ist Dein Vater. Mit innigstem Danke gegen Gott, gebe ich das mir anvertraute Pfand zurück."

Versuchen wir nicht, das Glück der so schwer geprüften Männer auszumalen. — Der Capitain ruhte bald an dem Herzen des einen, bald an dem der anderen Glück­lichen.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich das frohe Ereigniß unter den Schloßbewohnern. Zwischen den dröhnenden Böllerschüssen er­tönte der unaufhörliche Jubelruf der Diener­schaft.

Eine Scene erfolgte jetzt, die man wohl malen, aber nicht beschreiben kann. Alle Etiquette war vergessen. — Beamte und Dienerschaft, allen Anderen voraus der treue Corpora! stürmten in den Saal, Ihre Glück­wünsche darzubringen. Der alte Francois weinte wie ein Kind und küßte die Hand des Vicomtes und seines Sohnes. Der alte Martin wurde beinahe erdrückt durch Lieb­kosungen. Jubelgeschrei und Freuderufen wollten kein Ende nehmen.

Der Marquis, welcher überglücklich lange