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Donnerstag, den 6. April 1882.
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+ Die Postsparkassen in Oesterreich.
Die Einmüthigkeit, mit welcher die Regierungsvorlage betr. die Einführung der Postsparcassen im österreichischen Abgeordnetenhause votirt wurde, war nach den keineswegs erquicklichen Vorgängen, die sich daselbst anläßlich der Wahlreform-Anträge abgespielt, ein erfreulicher Beweis für die Richtigkeit der Ansicht, daß das allgemeine Interesse Parteirücksichten in den Hintergrund drängt, und daß es Fragen gibt, zu deren Lösung auch die heftigste Opposition schreiten muß, wenn sie nicht selbst ihr Ab- fagungsurtheil unterfertigen will. Das erhebende Schauspiel, die sich sonst befehdenden Parteien für einen Augenblick zu einer segensreichen, gemeinsamen Arbeit geeint zu sehen, wird uns im Wiener Hause der Abgeordneten allerdings nur selten geboten, allein, daß es denn doch überhaupt möglich ist, nationalen und persönlichen Hader und Groll unter bestimmten Umständen für einige Augenblicke zu bannen, das ist's, was uns mit der freudigen Hoffnung erfüllt, daß es dieser Regierung noch des Oefteren gelingen wird, die Parteien des Hauses zu gemein- sanien und einträchtigen, die Interessen der Bevölkerung fördernden Arbeiten zu vereinigen.
Gewiß wird nicht bald eine Frage von so eminent praktischen Consequenzen für die Bevölkerung des Reiches im Abgeordnetenhause zur Sprache gelangen, als es das Postsparcaffengesetz ist und die segensreiche Wirkung, die dieses Gesetz zur unmittelbaren Folge haben wird, dürfte gar bald allenthalben zu Tage treten. Die Einrichtung,
die dem Aermsten die Möglichkeit gibt, irgend ein Ersparniß und wäre es das geringste, fruchtbringend und für jeden Augenblick rückzahlbar anzulegen, wird gewiß von der Bevölkerung als eine zeitgemäße und überaus ersprießliche mit Freuden begrüßt werden, wie denn auch das Gesetz, eine lobenswerthe Anlehnung an fremde Muster (England) mit unseren Verhältnissen entsprechenden Abänderungen, allen Anforder- derungen entspricht, die an eine derartige, der Bevölkerung des flachen Landes heute gänzlich fremde Institution gestellt werden können. Die Bestimmungen, daß die Postanstalten selbst die kleinsten Beträge anzunehmen und zu verzinsen verpflichtet sind, daß jeder wo immer angelegte Sparbetrag an was immer für einem anderen Orte zur Auszahlung gelangen kann, sie sichern den Postsparcassen eine baldige Popularität und Prosperität und der Umstand, daß die bei diesen Anstalten angelegten Beträge nur mit drei Procenten verzinst, werden, schützen die bereits im Lande bestehenden Sparcassen vor Ausfällen in Folge einer etwaigen Ableitung entsprechender Einlagen. Die Entwicklung sparsamer Charaktere wird durch die Einführung der Postsparcassen jedenfalls mäch- tig gefördert werden und die Heranziehung eines Geschlechtes von Sparern wird dem Staate selbst gewiß nur zum Segen gereichen. Der eigentliche Zweck der Postsparcassen ist, auch den unbeinittelsten Leuten Gelegenheit zu geben, ihre etwa ersparten Kreuzer fruchtbringend anzulegen und in den ärmeren Claffen des Volkes die Sparsamkeit anzuregen. Wir können die Vorlage
deshalb nur begrüßen und glauben, daß nun auch Deutschland sich bald zur Einführung dieser ebenso praktischen, als wirth- schaftlichen Institutionen entschließen wird.
Deutsche Reisch.
* Berlin, 4. April. Der heutige ,Staats-Anzeiger' macht bekannt:
„Se. Majestät der König haben Aller- gnädigst geruht: den bisherigen Gesandten in Washington, Wirklichen Geheimen Rath Dr. v. Schlözer zu Allerhöchstihrem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei dem päpstlichen Stuhle zu er- nennen." "
— Der Kaiser nahm nach einer recht gut verbrachten Nacht heute wieder die gewöhnlichen Vorträge entgegen und arbeitete Nachmittags mit dem Chef des Militärca- binets, General Albedyll.
— Der Oberpräsident der Provinz Hannover, Herr v. Leipziger, hat gestern dem neuen Bischöfe von Osnabrück die staatliche Anerkennungsurkunde überreicht.
— „Station Canossa! Alles aussteigen!" In diesen Ruf bricht der fortschrittliche Waschzettel wegen der Annahme des Antrages v. Rauchhaupt aus, der Waschzettel derselben Partei, welche dem Centrum alles Mögliche angeboten hat, theils durch den Mund des Herrn Eugen Richter, theils in noch weitergehender Weise durch die.Volkszeitung.' Man kann sich angesichts dieses Umschlags der Witterung in der fortschrittlichen Athmosphäre des Gedankens nicht leicht erwehren, daß das ganze Ideal der Fortschrittspartei nichts Anderes war, als
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Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Der Edelmann blickte erstaunt auf den Sprecher.
„Ga-on, was hast Du mir zu sagen?"
„Ich erwähnte eben die Möglichkeit, daß das Kind der edlen Gräfin noch lebe. Wenn die göttliche Vorsehung sich nun meiner bedient hätte, Ihnen Nachrichten über Ihre theure Enkelin bringen zu können?"
„Du hast mir doch berichtet, daß Deine Nachforschungen erfolglos geblieben seien."
Damals ja. Jetzt aber kann ich Ihnen die frohe Gewißheit geben, daß die edle Jungfrau lebt."
„Sie lebt?! Die Gräfin, das Kind meiner theuern Melanie, lebt ?! Warum hast Du diese frohe Botschaft mir so lange vorenthalten?"
„Verzeihung, theurer Herr! Ich wollte das unverdiente Glück, Ihnen diese Nachricht überbringen zu können, nicht dazu benutzen, mir Ihre Verzeihung zu erwirken. Meine Schuld mußte ich bekennen, ohne jede Entschuldigung. Jede Buße, die Sie mir auferlegten, wollte ich demüthig annehmen und dann erst Ihnen die Freudenbotschaft überbringen."
„Braver, edler Mann, von meinem Gaxon durfte ich nichts Anderes erwarten. Komme an das Herz Deines Vaters, ausgetilgt ist jede Schuld. Von dieser Stunde an bist Du wieder mein lieber, theurer Ga^on."
Er drückte den Knopf der Glocke; der alte Franxois erschien auf der Schwelle.
„Der Herr Capitain beehrt uns mit längerem Besuche; laß gleich die Zimmer für ihn Herrichten."
Mit einer tiefen Verbeugung entfernte sich der überraschte Diener.
„Gnädiger Herr, diese Güte —
„Schweige und höre meinen Befehl! Du wirst über Deine Vergangenheit, so weit sie sck uldvoll ist, nicht mehr reden. Gegen niemand ; auch nicht gegen Deinen guten Vater. Er soll morgen seinen Sohn voll und ganz an sein Herz schließen. Das ist die Buße, die ich Dir auferlege. — Der Marquis de St. George kennt keinen Widerspruch und Ungehorsam.
„Herr Marquis," rief der Capitain, indem er die Hand des Edelmannes an fein Herz drückte, „jetzt bin ich überzeugt, daß der Himmel mir verziehen hat."
Lautlos hörte der Edelmann nun den Bericht des Capitains bezüglich feiner wiedergefundenen Enkelin. Immer strahlender wurde fein Blick. Als der Erzähler geendet,
rief er freudig aus: „Wunderbar sind doch die Wege Gottes. Vertrauen wir auf ihn und fein ewiges Walten. Wir wollen nun die Ankunft unserer lieben Gäste erwarten und dann das Fernere beschließen."
Lustig flatterten die Fahnen und Stan- . barten von den Zinnen des Schlosses. Laubgewinde schmückten den Vorhof. Das stolze Wappen des Hauses, welches in Stein gemeißelt, über dem hochgewölbten Eingang prangte, war von Epheukränzen umschlungen. Der Hausmeister und die Dienerschaft in. Gala-Livree eilten geschäftig hin und her. Eben verkündete der Schlag der Schloßuhr die eitfte Stunde, als ein Reiter auf schaumbedecktem Rosse in den Hof sprengte und dem Hausmeister Bericht erstattete. Dieser eilte in das Schloß und einige Zeit nachher erschien der Marquis in dem Vestibüle. Auf seinem einfachen Kleide glänzte der Orden des heiligen Ludwig. Die Domestiken und Jäger bildeten Spalier. Einige Minuten lautlose Stille und man hörte das Rollen eines herannahenden Wagens, vor welchem die beiden Leibjäger des Marquis einhersprengten. Böllerschüsse ertönten und eine elegante leichte Calesche fuhr unter dem Jubelruf der versammelten Dienerschaft auf den Schloßhof. Gewandt öffnete ein Diener den Schlag und ehrfurchtsvoll reichte der