77. Dienstag, den 4. April 1882.
Fuldaer SÄ Jeitung.
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-i- Wie steht's ttm den europäischen Frieden?
Fürst Bismarck hat, wie er selber sagte, jetzt keine Zeit, sich mit den inneren Angelegenheiten zu beschäftigen, er hat die Hände vollauf zu thun, um den europäischen Frieden vor Störungen zu bewahren. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß der Reichskanzler diese Worte hauptsächlich im Hinblick auf die in Rußland neuerdings in den Vordergrund tretenden panslavistischen Bestrebungen gesprochen hat. Mit jedem Tage mehren sich am Strande der Newa die agitatorischen Elemente, welche den Czaren- staat gegen Oesterreich und wohl auch gegen Deutschland hetzen. Wohl scheint der Czar noch diesen gewaltsam drängenden Elementen zu widerstreben, aber Rußland steht vor der Wahl, entweder einen gewaltigen inneren Kampf voll Blut und Zerstörung durch zu machen oder den nationalen Leidenschaften einen Abfluß nach Außen zu geben und es wird dem Czar schließlich nichts übrig bleiben, um seinen bedrohten Thron zu retten, als den Wünschen der panslavistischen Actions- Partei gerecht zu werden. Ja, die Dinge sind ernst, das fühlt man in Berlin, wie in Wien. Hier wie dort weiß man es zu würdigen, was es heißt, wenn die entfesselte slavische Macht gegen die abendländische Cul- tur losgelassen wird, um so mehr, als man auch nach dem Westen durchaus nicht gesichert ist. Wie Rußland, uni der Revolution im Innern zu entgehen, eine Ablenkung nach Außen versucht, so ist in Frank- re ich die „Revanche" die ultima ratio, um dem Lande einen Bürgerkrieg zu ersparen. " 34~
Durch Rächt zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Da die Fremde nicht wiederkehrte, so war das Ereigniß auf dem Hofe und in dem Dorfe bald vergessen. Aber nicht bei Martha. Ihr Gewissen machte ihr Vorwürfe, und eine gewisse Sehnsucht nach dem Kinde ließen sie keine Ruhe finden. Sie vertraute ihrem Pfarrer die Sorgen an, welche ihr Herz beunruhigten, und bat diesen, ihr behilflich zu sein, einen Dienst bei uns zu erhalten. Elternlos, hatte sie nichts, was sie an die Heimath feffelte.
Die Pflege der beiden Kinder wurde meiner guten Frau etwas schwer, und mit Vergnügen nahnien wir daher eines Tages ein wackeres Mädchen in unseren Dienst, welches durch ein Schreiben ihres Pfarrers auf's wärmste empfohlen wurde. So kam Martha in unser Haus.
Weil ich Ihre Erregung bei meiner Mittheilung befürchtete, habe ich die beiden Frauen mit einigen Aufträgen für Ihre Abreise zur Stadt geschickt. Die Mutter ist von allem unterrichtet. Ich hoffe es nur, als Bitte aussprechen zu dürfen, daß kein Blick und keine Aeußerung gegen unsere Tochter irgend etwas von unserer Unter«
Gambetta trat vom Schauplatze ab, weil er durch die allzu plumpe und vorschnelle Befriedigung seines Ehrgeizes sich momentan unmöglich machte, aber der Abenteurer glaubt seine Rolle nicht ausgespielt, er lauert auf den Moment, wo es ihm ermöglicht wird, sich wieder auf den höchsten Punkt zu schwingen und durch eine große Action Frankreichs Geschick an das seinige zu ketten. Der Sieg des Gambettismus hat den Krieg gegen Deutschland zur Folge, das ist für einsichtige Politiker keine Frage; Gambetta kann nur durch eine solche Action sich in Frankreich zum Herrn der Situation machen und der Mann ist gewiffenlos genug, zur Befriedigung seines Ehrgeizes seine Nation in einen Kampf zu stürzen, der für dieselbe verhängnißvoll werden kann. Wir glauben, daß man in Rußland diese Eventualität in den Calcül zieht und daß man Oesterreich angreist, während Deutschland mit Frankreich engagirt ist. Man täusche sich nicht, Europa steht vor einer Krise; die ganze Entwicklung der Dinge führt zu einem Duell auf Tod und Leben zwischen Deutschland und Frankreich und zu einem nicht minder gefährlichen 'Kampfe zwischen Oesterreich und Rußland.
Das „Bischen Herzegowina" im Jahre 1876 gab den Anlaß zu dem mörderischen russisch-türkischen Kriege und die eben inscenirte zweite Auflage der herzegowinischen Erhebung scheint den schon so langem der Lust schwebenden Conflict zwischen Oesterreich und Rußland, dessen erste Ursache schon vom Krimkriege her datirt, zum Ausbruche bringen zu sollen. Viele Anzeichen deuten darauf hin, redung verräth. Noch ist fie meine Tochter, ich will den Frieden meines guten Kindes nicht gestört sehen.
Welch' großen Schmerz es mir auch bereiten wird, wenn ich mein gutes Kind verlieren sollte, so bin ich aber mit Freuden bereit, der Erbin von Chateaulaine zu ihrem Rechte zu verhelfen, wenn es Ihnen gelingen sollte, dies zur Geltung zu bringen. Gottes Vorsehung, die sich uns so auffallend gezeigt hat, wird auch ferner Alles zum Besten führen."
Schweigend und tief gerührt reichte der Krieger dem Förster die Hand.
Nie war dem Corporal auf seinen Kriegsfahrten der Abschied so schwer geworden. Keines der lustigen Liedchen kam über seine Lippen, als er das Pferd anschirrte und den Wagen, zur Abfahrt bereit, vorführte. Ernst bewegt umstand die Familie den Capi- tain. Noch ein Händedruck, ein kurzes Dankeswort, und der Capitain wandte sich zum Wagen. Schon hatte er den Fuß auf den Tritt desselben gesetzt, als er sich noch einmal umwandte, die Hand der weinenden Lina ehrfurchtsvoll an seine Lippen drückte und sich dann in den Wagen warf.
Ein Schlag der Peitsche und fort flog das leichte Gefähr. An der Waldesecke blickte der Scheidende noch einmal auf das
daß Rußland den Aufstand in der Herzegowina unterstützt hat und vielleicht noch unterstützt, und dadurch Oesterreich zwingen will, bedeutende Truppenmassen zur Niederhaltung desselben zu concentriren. Wäre Oesterreich einmal da unten am Balkan gehörig festgehalten und Serbien und Montenegro mit in die Sache verwickelt, dann würde Rußland aus seiner jetzigen Zweideutigkeit hervortreten und gegen Oesterreich offen demonstriren. Und es würde dies nicht allein thun, das annexionslüsterne Italien, das seine „Jrredenta" jetzt einstweilen in Skat legte, weil es nicht wagte, allein Oesterreichs gerechtem Zorne entgegenzutreten und zur Zeit die begehrliche Hand nach Triest und Südtyrol auszustrecken, würde im Momente, da Rußlands Truppen gegen Oesterreich marschirten, nicht zögern, die Gelegenheit auszunützen und sich gleichfalls auf das angegriffene Oesterreich zu stürzen. Das feige Italien der Revolution hat bisher stets nur im Bunde mit anderen Mächten sich an Oesterreich vergriffen, 1859 an Frankreichs Seite, 1866 gemeinsam mit Preußen und, wenn gewisse Pläne in Erfüllung gehen, demnächst mit Rußland. Das macht die Situation gefährlich, denn ein Krieg gegen Rußland und Italien ist für Oesterreich gerade so gefährlich, als ein Doppelkrieg Rußlands und Frankreichs gegen Deutschland.
Wohl verfügen Deutschland wie Oesterreich über starke Heere und werden dieselben auch ihre Schuldigkeit thun, aber bei so gewaltigen Völkerkämpfen verbürgt die Zahl der Soldaten oder ihre Tüchtigkeit nicht freundliche Forsthaus zurück. Ein Gruß mit der Hand, — die wehenden Tücher der Frauen — und fort ging es der Heimath zu.
13. Capitel.
Erquickend drangen die belebenden Strahlen der Frühlingssonne durch die hohen Bogenfenster in das Gemach. Würzige Blumendüfte erfüllten den weiten Raum. Saftiges Grün, durchwebt mit knospenden Blumen, umrahmten das Geländer der Terrasse, vor welcher ein Panorama von blühenden Obstbäumen und herrlichen, im frischen Grün prangenden Wäldern sich ausbreitete.
An einem mit Briefen und Schriften bedeckten Schreibpult saß der Marquis de St. George, eine Ehrfurcht gebietende hohe Gestalt, die nur das Alter gebeugt hatte. Er versiegelte den eben beendigten Brief und übergab denselben dem harrenden Reitknechte, als sein alter Kammerdiener eintrat und ihm auf einer Platte von Vermaille ein Schreiben überreichte. Der Diener zog sich ehrerbietig bis zum Eingänge zurück, iudeß der Marquis den Brief von allen Seiten besah.
„Von wem überbracht, Francois?
„Es sind zwei Reiter abgestiegen. Ein Cavallerieofficier und sein Diener.
„Ein Officier des Corsen, oder trägt er die weiße Cocarde? Doch gleichviel, führe