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Sonntag, den 2. April 1882.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 31. März. Der kirchenpo- litlsche Gesetzentwurf ist in der vom Cent­rum und den Conservativen vereinbarten Fassung, die wir in Nr. 74 d. Bl. unver­kürzt mitgetheilt haben, heute in 3. Lesung bei namentlicher Abstimmung mit 228 gegen 130 Stimmen angenommen worden. Die vorausgegangene Debatte förderte nichts Neues zu Tage, als den A n g r i f f des „wilden" Abg. Cremer auf das Centrum, speciell auf den Führer desselben, Herrn Dr. Windthorst, dem er vorwarf, seinen Grundsätzen untreu geworden zu sein. Die Fortschrittler sind selbstverständlich auch er­bost auf das Centrum, weil es mit den Conservativen geht. Drastisch waren Stöcker's Ausführungen, der das Bünd- niß zwischen den Conservativen und der Centrurnsfraction „das Morgenroth des künftigen Friedens" nennt. Ferner zeigt Stöcker in einer wenig scharfsinnigen Weise, daß er unter dem „Frieden" schließlich ver­steht, die Katholiken hätten sich gegen die Angriffe der evangelischen Gelehrtenwelt nicht zu mucks««, indem er es -heftig tadelt, daß neulich von katholischer Seite wegen des Profeffors Schlottrnan in Halle, speciell wegen deffen Schrift „der neue Crasnius" Beschwerde erhoben worden sei. „Wir hier in Berlin sind protestantisch bis auf den Knochen", ruft St. aus, „und doch herrscht hier kirchlicher Friede". Der Abg. Dr. Windth orst führt aus, indem er vor- ausfchickt, Schweigen sei heute goldener als Reden, er wolle nicht auf alle Angriffe ant- worten, die man auf das Centrum gemacht

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Die unruhigen Zeiten gestatteten mir keine unifangreichen Nachforschungen und da das kleine Kind unter der sorgsamen Pflege meiner Frau zu einem prächtigen Mädchen heranwuchs, und der liebe Gott uns keine Kinder mehr bescheerte, so betrachteten wir Lina als unser eignes Kind. Niemand aus der ganzen Welt, mit Ausnahme unserer guten Martha, weiß, daß sie nicht unsere Tochter ist, selbst Carl hält sie für seine Schwester. Sie sind der Erste, der hiervon Kenntniß erhält.

Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte der Krieger den Worten des Försters gelauscht. Er erhob sich und durchschritt in heftiger Bewegung das Zimmer. Krampfhaft ar­beitete seine Brust, er drückte die brennende gegen das Fenster und verharrte lange, wie in stillem Gebete, in derselben Stellung.

„Guter Gott im Himmel," hörte der Förster ihn leise sprechen, „es würde der Gnade zuviel sein, diese Güte habe ich wahr­lich nicht verdient."

Ruhig nahm er wieder seinen Platz ein und blickte forschend in das Auge des För­sters, indem er sagte: „Gestatten Sie mir

habe, dazu werde sich später Gelegenheit bieten; daß das Centrum seinen Grund­sätzen untreu geworden, sei eine objective Verlänmdnng; das Centrum erstrebe die Erringung der kirchlichen Freiheit und prüfe alle dieses Ziel betreffenden Wege ohne vorgefaßtes Urtheil; es acceptire auch jedes Mittel, das uns dem vorgesteckten Ziele näher bringt. Das Pensions- und Wittwengesetz wird in dritter Lesung defini- fiv angenommen, ebenso in zweiter Lesung die Packhofvorlage. Nächste Sitz. Dienstag, 18. April.

— Der Landtag von Meiningen be­schäftigt sich mit einem Volksschulgesetz. Die Schule soll der politischen Gemeinde als gemeinschaftliche Ortsschule für alle Religionsbekenntnisse dienen. Will eine im Herzogthum anerkannte Religionsgemeinde für ihre Kinder neben der gemeinschaftlichen Ortsschule eine eigene Volksschule unter­halten, so ist ihr dies unbenommen, sie hat es aber auf eigene Kosten zu thun. Die Schulaufsicht führt in erster Instanz der Ortsschulvorstand, an gegliederten Schulen her Rector, in zweiter , der Kreisschulin- spector, in dritter das Ministeriumden Religionsunterricht beaufsichtigt der Geistliche.

* Osnabrück, 30. März. Eben geht uns die freudige Kunde zu, daß durch Allerhöch­sten Erlaß vom 24. März unser Hochwür­digster Bischof Dr. Bernard Höting nun­mehr auch die landesherrliche Anerkennung gefunden hat. Dem Vernehmen nach wird die betreffende Urkunde dem Hochwürdigsten Bischöfe durch den Herrn Oberpräsidenten von Hannover bei Gelegenheit seiner An- eine Frage. Bot die Kleidung des Kindes keinen Anhaltspunkt für seine Herkunft?"

„Nicht im mindesten, denn es war eine Kleidung, wie die Landleute sie tragen."

„Doch erinnern Sie sich des Tages, wann Sie das Kind gefunden haben?"

„Daß ich den Tag nicht vergessen habe, an welchem der liebe Gott uns unsere Lina sandte, bedarf wohl keiner Frage. Es war der 19. März 1794."

„Es kann nicht anders fein; am 19. fanden Sie das Kind, und am 16. starrte ich verzweifelnd auf das Antlitz der dahin­geschiedenen Dulderin, die ich in sündhafter Liebe zu besitzen gestrebt hatte und die ich heute wie eine Heilige verehre. Wenn mir noch der geringste Zweifel bliebe, so würde die Aehnlichkeit ihrer Tochter mit der Hingeschiedenen mir denselben heben. Niemals werde ich den Augenblick vergessen, wo der Himmel mir nach schwerer Krank­heit das Bewußtsein wiederschenkte und ich glaubte Melanie an meinem Lager zu sehen! Ja, sie war es in der Person ihres Kindes. Die Tochter der Gemordeten an dem Lager des Mörders, dem sie das Leben gerettet! — Mit welchen Gefühlen soll ich vor die edle Jungfrau hintreten? — Scham und Reue treiben mich von hinnen."

„Ruhig, mein lieber Freund," sprach be-

wesenheit in Osnabrück am 3. April per­sönlich überreicht werden. (Osn. V.)

• München, 31. März. Der Finanz­ausschuß der Abgeordnetenkammer hat die Berathung des Etats des Staats-Ministeriums der Justiz erledigt. Der Ausschuß beantragt in der Hauptsache statt der postulirten Ge- sammtausgaben von 12,899,173 Mk. nur 12,628,558 Mk. zu bewilligen; ferner fei dem Vorbehalte der Staatsregierung in den Erläuterungen zum Etat, bei etwaigen Er­übrigungen die geschäftsleitenden Oberamts­richter an Amtsgerichten mit vier oder fünf Richtern zu Ober - Landesgerichtsräthen und ältere Amtsrichter in größeren Städten unter Belastung in ihrer Geschäftssparte zu Ober- Amtsrichtern zu befördern, nicht beizustimmen, endlich sei an Se. Majestät den König die Bitte zu richten: „Allerhöchstdieselben wollen anzuordnen geruhen, daß die Oberlandes­gerichte und Landgerichte auf eine den dermaligen Geschäftsverhältnisten ent­sprechende Zahl vermindert werden."

Italien.

* Rom, 31. März. In dem gestrigen Colstistorium verkündete Sr. Heiligkeit die mittels Breves erfolgten Ernennungen der Herren Höting zum Bischof von Osna­brück, Herzog zum Fürstbischof von Bres­lau und Drobe zum Bischof von Pader- born.

Griechenland.

* Athen, 30. März. Das der Kammer vorgelegte Budget für 1882 beziffert die Einnahme auf 66 Millionen (davon ent­fallen 8 auf die neuen Provinzen), die Ausgaben auf 77 Millionen. — Eine wegt der Förster. „Es läßt sich nicht ver­kennen, daß das Zusanimentreffen von Zeit und Ort, und die Aehnlichkeit der Personen starke Gründe für Ihre Vermnthungen sind. Müßte ich jedoch auf diese allein mich stützen, so würde ich Ihnen keine Mittheilungen ge­macht haben. Erst seit kurzer Zeit besitze ich vollgiltige Beweise, daß mein gutes Kind die Tochter der unglücklichen Gräfin ist.

Als Sie uns Ihre Schicksale mitgetheilt hatten, erhielt auch unsere Martha hiervon Kenntniß. Die treue Seele ist beinahe zwanzig Jahre in unserem Dienst. Wie Sie gesehen, gilt sie uns mehr denn Diene­rin, sie zählt wegen ihrer langjährigen Treue und Anhänglichkeit zur Familie. Seit dieser Zeit fanden wir nun oft die gute Martha traurig und betrübt. Da das ganze Haus mit der innigsten Theilnahme an der Guten hing, so drang meine Frau in sie, uns den Grund ihres Kummers mitzutheilen. Hören Sie!

Martha stammt ans der Nähe des Dörf­chens, worin die edle Gräfin Chateaulaine ihre letzte Zuflucht fand. Sie half auf dem Fronhofe bei dringender Arbeit aus. Die mit­leidige Bäuerin bestimmte sie, die kranke junge Frau und das Kind zu pflegen. Da sie der französischen Sprache gänzlich un­kundig war, so blieben ihr die Unterredungen