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Sonnabend, den 1. April 1882.

Fuldgrr WD Jeitung.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 30. März. Im Abgeord­netenhause fand die zweite Lesung der Kirchenvorlage statt. Cuny erklärt Namens der Nationalliberalen, daß sie nie­mals den Bischofsartikel annehmen werden. Bemerkenswerth sei, daß für die Annahme des conservativen Compromisses die Stimmen der Polen ausschlaggebend sind. Vom Papst liegt nichts vor, daß er sich zur Anzeigepflicht bekenne. — Windt- horst: Daß die Polen ausschlaggebend sind, zeugt von ihrer Macht in Preußen. Wir danken den Conservativen für den Compromiß, trotzdem dieselben viel zu wünschen übrig lassen. Wir stimmen für die discretionären Vollmachten im Art. 1. (Hört.) Wir bewilligen dieselben bis zum 1. April 1883 und zwingen damit die Re­gierung im nächsten Jahre neue Vorschläge zu machen. An unserem Standpunkt gegen die Maigesetze halten wir fest.

Goetting (nationalliberal). Gegen den Compromiß. Der Papst hätte noch gar keine Concession an den Staat gemacht.

Cultusininister G o ß l e r: Meine Aufgabe ist, Vortheile für den Staat zu erreichen und zu sorgen für die Jntereffen der Katho­liken. Den Standpunkt „do ut des“ per- horrescire ich. Er freut sich, daß Windt- horst jetzt auch anerkennt, wie man durch discretionäre Vollmachten allinählig auf an­gemessene Zustände komme. Die Bewillig­ung dieser Vollmachten bis zum 1. April 1883 ist eine viel zu kurze — das wäre sehr gefährlich, alljährlich die Kirchenverhält-

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung.)

Der Corporal fuhr einen bequemen Ein­spänner in den Hof; mit raschein Kenner­blick musterte der Capitain das leichte kräftige Roß und bedeutete dem Diener, Alles zur morgigen Abreise bereit zu machen. In Gedanken durchschritt er den Hof; noch einmal zogen die wechselvollen Bilder seines Lebens an seiner Seele vorüber. Der Förster führte ihn in den kleinen Erker des Wohn­zimmers, durch dessen Fenster die Frühlings­sonne ihre belebenden Strahlen hinein sandte.

„Ich habe den heutigen Tag, mein lieber Kapitain, dazu bestimmt, Ihnen Mittheil­ungen zu machen, die, wenn Sie früher davon Kenntniß erhalten hätten, Sie zur Abreise veranlaßt haben könnten, bevor Ihre Gesundheit vollständig gekräftigt war. Dieser und andere Gründe, die Sie erfahren werden, veranlaßten mich, in letzter Stunde erst hierüber zu reden.

Sie haben keine Ahnung davon, mit welcher Spannung ich der Erzählung ihres Lebens gefolgt bin. Den Gedanken, uns von Ihren Schicksalen Kenntniß zu geben, erachte ich als eine Gnade Gottes, zur Be­lohnung ihrer Umkehr zum Guten.

nisse neu zu regeln. — Hammerstein (cons.) bemerkt, daß seit dem Beginn des Culturkampfs kein so bedeutungsvoller Act geschehen sei als die Kirchenvorlage; mit Hilfe des Centrums werdemansie durchbringen. Rauchhaupt wendet sich sehr scharf gegen die Kirchenpolitik der Freiconservativen. Zedlitz replicirt. Art. 1 (Erneuerung der discretionären Vollmachten des Juligesetzes bis zum 1. April 1883) wird angenommen. Gegen Art. 2 (Bischofsparagraph) nach dem Compromißantrag spricht Virchow, dafür Windth orst. Der Cultusminister ist gegen die zweite Hälfte des Antrags, wonach nicht­begnadigte Bischöfe nur für unfähig zur Bekleidung des Amtes zu erklären sind. Paragraph 2 des Compromißantrags wird mit 212 gegen 169 Stimmen angenommen (dagegen stimmen geschlossen Nationalli­berale , Fortschritt, Secessionisten und Freiconservative). Art. 3 (Abschaffung des Culturexamens) wird mit 228 gegen 142 Stimmen angenommen, ebenso 3 a (Ab­schaffung der Staatspfarrer.) Art. 4 und 5 werden, letzterer fast einstimmig, abgelehnt. Der Cultusminister erklärt, daß, da nach der Constellation wenig Hoffnung vor­handen sei, für Art. 4 und 5 eine Majorität zu finden, die Regierung mit den Thatsachen rechnen müffe. Nächste Sitzung morgen. (Dritte Lesung der Kirchenvorlage.)

— Das Herrenhaus nahm gestern die Pensionsgesetz-Novelle in der Fassung des Abgeordnetenhauses an.

— Die Eisenbahncommission nahm das Gesetz über die wirthschaftlichen Garantien bei der Eisenbahn-Verstaatlichung mit neun

gegen sechs Stimmen an. Betreffs des Tarifwesens gelangte folgender Antrag zur Annahme: „Bis zur reichsgesetzlichen Regel­ung des Eisenbahntarifwesens bedürfen die Erhöhungen der für die einzelnen Classen des Gütertarifscheines zur Zeit bestehenden Normaltransportgebühren, soweit sie nicht zum Zweck der Herstellung einer Gleichmäßig­keit der Tarife oder in der Folge Aender- ungen des Tarifschemas vorgenommen werden, der Zustimmung des Landtags durch Special­gesetz 98."

-- Der König hat denMinisterialdirec- tor im Ministerium des Innern, Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath Herrfurth zum Unter-Staatssecretär im Ministerium des Innern ernannt.

— lieber eine Frühjahrsreise des Kaisers sind laut Versicherung der ,Prov.-Corr.' auch bis jetzt noch keine Bestimmungen ge­troffen.

— Am 29. März verstarb Hierselbst im St. Hedwigs Krankenhause der Landtags­abgeordnete Anton Gajewski, Bürgermeister zu Wartenburg in Ostpreußen, int Alter von 65 Jahren, nach kaum einwöchentlichem Krankenlager. Der Verstorbene war seit 1870 Vertreter des Wahlkreises Allenstein- Röffel und gehörte der Centrumsfraction an, zu deren Vorstandsmitgliedern er zählte. Seinen Fractionsgenossen ein lieber Freund und allen Mitgliedern des Abgeordneten­hauses ein hochgeschätzter College zeichnete sich der Verewigte durch herzliches, offenes Wesen und große Geschäftskenntniß, nament­lich in communalen und provinciellen An­gelegenheiten aus.

Wie ich Ihnen schon mittheilte, gehören die Besitzungen, deren Forstverwaltung mir obliegt, dem Grafen Waltersdorf. Das Stammgut der gräflichen Familie, Schloß Lichtenfels, liegt an der Grenze ihres Vater­landes. Dort wurde ich geboren. Mein Vater war, roie ich, Förster bei dem Grafen. Nach seinem Tode trat ich in seine Stelle. Die Familie hatte viele Verbindungen in Frankreich, da die Großmutter des Grafen eine geborene Gräfin Chateaulaine war. Als junger Jägerbursche habe ich den seligen Grafen einmal auf einer Reise zu seinen Verwandten begleitet. Sie mögen ermessen, welche Gefühle mich bewegten, als Ihre Erzählung mir das schöne Schloß wieder m Erinnerung brachte."

„Und Sie, edler Mann, haben den Frevler nicht sofort von Ihrer Schwelle verbannt, der so viel Unheil über die gebracht hat, die in Ihrer Verehrung so hoch stehen? — Hätte ich dem Drange meines Herzens doch nicht gefolgt und mein Elend in meiner Brust verschlossen! Sie können, Sie dürfen mich nicht mehr achten und lieben!"

Schmerzlich bewegt bedeckte er fein Antlitz mit der Hand.

„Der Himmel hat verziehen und ich sollte es nicht als eine Fügung Gottes be­trachten, die Sie unter mein Dach geführt

hat? Doch nun hören Sie mich ruhig an- Die Revolution Frankreichs bedrohte alle Länder. Die Völker rüsteten sich, das Un­geheuer nieder zu werfen. Mein edler Herr trat unter die Fahne Oesterreichs und führte seine Gemahlin und seine Kinder nach Wien. — Schloß Lichtenfels war verödet. Der Verwalter, wenige Knechte und wir bildeten den Hausstand.

Zahlreiche Schaaren Emigrirter über­schritten die Grenze. Nach Befehl des Grafen wurde jeder gastfrei aufgenommen und bewirthet. In der allgemeinen Auf­regung traf ein Brief des Grafen ein, worin er mich beorderte die Försterei des hiesigen Besitzes schleunigst anzutreten, da der hiesige Förster gestorben war. Es war mir an­genehm, meine junge Frau mit dem kleinen Söhnchen der bedrohten Gegend entführen zu können. Unsere Vorbereitungen waren bald getroffen, da wir nur Sachen für unsere persönlichen Bedürfnisse einzupacken hatten; die Hauseinrichtung gehört zur Försterei.

Wir hatten die zweite Tagereise beinahe vollendet, als durch einen starken L>loß auf dem holperigen Waldwege ein Wagenrad Schaden litt. Mit Mühe brachte ich das Fuhrwerk bis zu einer allein gelegenen Wald­hütte, deren Bewohner mir bereitwillig bei-