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Jtl 73.

Donnerstag, den 30. März 1882.

Fuidser EW Jrilueg.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda fa der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg , auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petttzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 28. März. Die ,Frkf.Ztg.' läßt sich von hier telegraphiren: „Windt- horst verzichtete für morgen auf die Be- rathung seines Antrages bezüglich Freigeb- ung des Messelesens und Aufhebung des Sperrgesetzes, weil weitere Compromißver- handlungen zwischen dem Centruin und den Conservativen über die Kirchenvorlage an­gebahnt worden sind." Andererseits meldet dasselbe Blatt, alle Nachrichten stimmten darin überein, daß die Mission des Herrn v. Schlözer in Rom gescheitert sei. Ist dieselbe wirklich „gescheitert", so bezog sie sich jedenfalls auf das Princip der discretionären Gewalt, dem Papst Leo, das Oberhaupt der katholischen Kirche, schon wegen der Consequenzen, die in anderen Staaten gezogen würden, niemals zustimmen kann. - Das Ministerium beschloß angeb­lich, die Anträge Windthorst bezüglich Freigebung des M«ss»tason» «vS Mi>s(,<>s>»na des Sperrgesetzes zu bekämpfen.

— Abgeordnetenhaus. 43. Sitz, vom 28. März. Bei Berathung des CultuS- etats hebt Rickert hervor, daß Lehrer Nemnann wegen feiner. Unterschrift unter dem secessionistischen Wahlaufruf mit 20 M. Geldbuße bestraft worden ist. Cultus- minister Goßler theilt mit, daß dieser Lehrer schon inehrfach wegen Medicinal- Pfuscherei und Unterschlagung bestraft sei. Nach dem Schlußsatz des kaiserlichen Er­lasses dürfen Beamte der jeweiligen Re­gierung keine Opposition inachen und sich nicht an oppositionellen Agitationen gegen die Regierung betheiligen. Im obigen " ” "lö

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Linn.

(Fortsetzung.)

Wo mein Theuerstes auf dem Spiele stand, wollte ich keinem Anderen diesen Ehrenposten überlassen. Wie soll ich Dir die nun folgende schreckliche Stunde beschrei­ben! Bald auf den Kämmen der klafter­hohen Wogen, dann in bodenlosen Abgrund hinabgeschleudert, wurde jede Minute zu einer Stunde. Dichte Finsterniß umgab uns. - Plötzlich drang ein markerschütternder Schrei an mein Ohr; wie von einer Bogen­sehne abgeschnellt, wurde ich von meinem Sitze durch die Luft geschleudert, um im nächsten Augenblicke von den Wellen ver­schlungen zu werden. Unser Boot mußte auf ein Riff angestoßen sein. - Als ich von einer Woge an die Oberfläche gewor­fen wurde, stieß ich an einen Gegenstand an, welchen ich krampfhaft umklammerte. Der Allmächtige hatte ein Stück eines Mastes mir zur Rettung gesandt. Meine Besinnung war zurückgekehrt. Die nun folgenden Stun­den zu beschreiben, mußt Du mir erlaßen. — Wie lange ich als eine Beute der Wel­len umhergeworfen wurde, weiß ich nicht. Meine Kräfte waren erschöpft. Ich sah nur

Wahlaufruf liegt eine Oppositiov gegen die Regierung. Unter einem liberalen Ministe­rium würde man den Beamten bestrafen, der einen conservativen Wahlaufruf unter­schreibt. Richter! Wenn nun ein ver­schwommenes Ministerium an das Ruder kommt, was soll dann werden? Dieses System führt zur Degradation des Beamten- thums und zur Parteiregierung. Cremer fordert die Regierung auf, mit Absetzungen vorzugehen. Alle liberalen Beamten müssen entfernt, jede parlamentarische Regierung muffe abgeschafft und ein starkes kaiserliches Regiment geschaffen werden. Die dritte Berathung des Etats wird beendet und das Etatsgesetz fast einstimmig angenommen. Darauf wird die Novelle zum Pensionsge­setz der Staatsbeamten unverändert nach den Beschlüssen der Commission ange­nommen. Nächste Sitzung morgen. (An­trag Dirichlet den Welfenfonds betreffend.) , . .Der Bundesrath hat beschlossen,

daß die frsscyen uno genVuiium

Cichorien Nr. 233 des statistischen Waaren- verzeichniffes in das Berzeichniß derjenigen Massengüter^ auf welche die Bestimmung im § 11, Absatz 2, Ziffer 3 des Gesetzes über die Statistik des Waarenverkehrs mit dem Auslande Anwendung findet, aufzu­nehmen seien. — Die Unterrichtscommission beschloß heute mit 10 gegen 9 Stimmen, die Petition von 36 Katholiken aus Tilsit, welche beantragen, die dort seit 1878 be­stehende Simultanschule wieder in eine ka­tholische Schule umzuwandeln, der Staats­regierung zur Berücksichtigung zu über» weisen; in Folge dieses Beschlusses wurde noch den Anbruch des jungen Tages, befahl meine Seele dem Herrn und umschlang mit äußerster Anstrengung das Holz. Mein Bewußtsein schwand.

An Bord eines Jndienfahrers erwachte ich. Das Stück Treibholz war am Morgen, wo der Sturm sich gelegt hatte, in unmit­telbare Nähe des Schiffes gekommen; ein Matrose hatte den Verunglückten gesehen, und so wurde ich gerettet. Tagelang hatte ich noch ohne Bewußtsein gelegen, um zu neuen Qualen zu erwachen. Mein thenres Weib und mein Kind hatte ich verloren. Die sorgsamste Pflege, die mir zn Theil wurde, konnte die Krankheit, welche die Er­schöpfung und die Bekümmerniß um den Verlust meiner Lieben herbeiführte, nicht aufhalten. Ein heftiges Fieber befiel mich. Schwach, kaum dem Tode entronnen, landete ich in Indien.

Sobald meine Kräfte es mir gestatteten, sandte ich dem General Nachricht über den Schiffbruch und meine wunderbare Rettung.

Kaum genesen, bestieg ich ein L>chiff, welches mich nach Amerika znrückbrmgen sollte. Wie sehnte ich mich, an dem Herzen des edlen Mannes meinen Schmerz auszu­schütten. — Eine glückliche Fahrt, liebens­würdige Officiere, die Alles aufboten, mich zu erheitern, ließen mich mit wiederherge-

über die Petition des Tilsiter Magistrats, die Simultanschule aufrecht zu halten, zur Tagesordnung übergegangen.

— Von der am Sonnabend beim Staats- secretär v. Bötticher stattgehabten Soiree wird jetzt bekannt, daß der Reichskanzler überden das Monopol ablehnenden Beschluß des Volkswirthschaftsraths durchaus nicht erzürnt gewesen, sondern hervorgehoben habe, der Volkswirthschaftsrath habe damit seine Selbstständigkeit bethätigt und werde dadurch an Bedeutung für die Zukunft nur gewinnen; die Meinungen darüber, ob der Tabakmo­nopol-Entwurf dem Reichstage schon in der Frühjahrssession vorgelegt werden soll, gehen trotz der Bestimmtheit, mit welcher die Offi- ciöfen die Vorlage ankündigen, sehr weit auseinander, ja Fürst Bismarck selber dürfte hierüber noch keine definitive Bestimmung getroffen haben.

— Nach einer Mittheilung des ,D. M.-Bl/ hat der Kaiser an seinem Geburtstage zum glieder des Bundesraths zur GratuiKkoü im Palais empfangen. Der Kaiser drückte bei dieser Gelegenheit die besondere Freude aus, welche er empfinde, wenn er die Glück­wünsche der Repräsentanten des Reichs und der Fürsten entgegennehme. „Meine Herren", sagte der Monarch, „das' Kind ist zwar noch sehr jung, aber ich hoffe, daß es sich noch sehr kräftigen wird!" Die Mitglieder, des Bundesraths waren freudig überrascht von der geistigen und körperlichen Frische, welche der Kaiser an diesem ihn so an­strengenden Tage zu bekunden vermochte.

— Es steht jetzt fest, daß das Abgeord- stellter Gesundheit die Küste meines neuen Vaterlandes begrüßen.

Den General sah ich nicht wieder. — Eine kurze, schwere Krankheit hatte ihn hinwegge­rafft. Der Inhalt seines Testamentes gab mir den Beweis, mit welcher Liebe der theure Verstorbene mir zugethan war. Ich erhielt nicht allein die Hälfte seines Ver­mögens, sondern sein Vertrauen bestimmte auch mich zum Vormunde seines minder­jährigen Sohnes.

Ich nahm meinen Abi' ->i und widmete mich ganz den Verpfl' .gen, die der edle Mann mir auferl' alte.

Die Vereinigt».. Staaten hatten ihre Unabhängigkeit erklärt. Nachdem ich meine nothwendigen Anordnungen getroffen hatte, trat ich unter der Fahne des hochherzigen Washington. Die Beschreibung des Freiheits­krieges gehört nicht zu meiner Erzählung, doch darf ich ohne Stolz sagen, daß der Oberst St. George sich der persönlichen Zu­neigung des edlen Befreiers erfreute. — Nach Beendigung des Krieges fand ich die weitläufigen Besitzungen in großer Unord­nung. Es bedurfte manches Jahr ange­strengter Thätigkeit, sie wieder in den früheren, blühenden Zustand zu bringen. Dazu nahm die Theilnahme an der Constituirung meines neuen Vaterlandes meine Zeit und Thätigkeit