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72. Mittwoch, den 29. März 1882.

Fuldaer Ä Jeilung.

« Db Gambetta wieder komme»» wird?

Noch immer zupft die Zeitungs-Presse die Blätter der Blume aus : „ja er kommt wieder, nein er kommt nicht wieder!" Wir möchten die Frage.anders stellen und lieber untersuchen, als was er wieder kommen wird, wenn er von Neuem kommt? Das ist die Frage, welche durch die Zustände und Lage Frank­reichs und Europas überhaupt allerdings nahe gelegt scheint. Wir möchten nun be­haupten: wenn er wieder k. mmt, so wird es gewiß nicht als nochinaliger Minister­präsident^ sein.

Ein Pariser Correspondent der .Allge­meinen , Zeitung' in Augsburg sprach in dieser unter dem 31. Januar d. I. unge­fähr die Gedanken aus: Gambetta sei zu früh ans Ruder gekommen, und es sei ein Glück ftir ihn, daß er abgeworfen wurde, ehe er sich völlig verbraucht hatte, wie -alle anderem republicanischen Minister sich verbraucht haben oder verbrauchen werden; die Zeit unb .Stunde werde kommen, wo Frankreich emsieht, daß es keinen anderen Mann gibt als Gambetta, und daß es keine Möglichkeit gibt, ihn zu ersetzen. Diese Stunde hat GaMbetta selbst wiederholt an- gedeutet. In der Debatte über die heim­liche Waffenlieferung nach Griechenland im Februar v. I. sagte er: „Ich brauche nicht zu sagen, ob ich eine Politik habe und ob biefelbe abweicht von der der Regierung; ich habe meine Ansichten über die aus­wärtigen AngelegenheitLN; aber ich kann warten." Die Unanne^nlichkeiten, die er sich und Anderen durch seine starke Re-

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Durch Nacht zum Licht.

Origimrl-NoveLe von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Unverwandt schaute Martin in das erregte Antlitz des Edelmannes. Lange Zeit ver­ging, ohne daß ein Laut über seine Lippen kam. Zu wiederholten Malen untersuchte er jeden einzelnen Theil der Kleidung. Plötz­lich sprang er auf. Als ob die Helle des Zimmers ihm nicht genüge, eilte er, ein Cachemirtuch in der Hand, zum Fenster. Der kräftige Mann zitterte, convnlsivisch griff er nach einem Halt und brach auf einem Stuhl zusammen. Martin eilte auf ihn zu, ihn zu unterstützen.

Wie aus einem Traum erwachend, öffnete der Vicomte seine Augen. Als sein Blick auf seinen treuen Diener fiel, verklärten sich seine Züge; er breitete seine Arme aus und zog den bestürzten Martin an seine Brust. Wer vermag die Gefühle zu schildern, die die Herzen der beiden Männer bewegten?

„Treue Seele," sprach endlich der Edel­mann, seine Arme noch immer um den Hals des alten Schiffers geschlungen, „ja es war mein Knabe. — Retter meines Sohnes! womit soll ich Dir lohnen? — Sieh her! Dieses Tuch schlang meine unvergeß­liche Gattin unserem Kleinen in jener schreck-

vanche-Rede in Cherbourg bereitet hatte, luden ihn freilich zur Vorsicht ein; aber es war doch immer leicht zu errathen, was er mit obigen Worten und ähnlichen Andeut­ungen meinte. Auch hat er in der ange­führten Kammerrede verständlich genug ge­sagt, was er von Frankreich erwarte, um seine auswärtige Politik geltend zu machen. „Er werde," fügte er bei, „in seiner Zu­rückhaltung verharren bis zu dem Tage, wo das Land ihn auf klare Weise auf- fordem würde, eine andere Rolle zu er­füllen."

Es ist zweifellos: Gambetta sieht sich für prädestinirt an, noch einmal so auftreten zu können wie in der Zeit vor zwölf Jahren, wo er sich von Thiers den Titel des „rasenden Narren" verdient hat. Im Grunde ist es auch nichts Anderes als seine kriegerische Thätigkeit von dazumal, was ihm seinen Nimbus vor dem Lande ver- schaft hat. Wenn die Lage einmal reif würde zur Revanche, dann wäre es mehr als wahrscheinlich, daß er mit unwidersteh­licher Macht wiederkäme als Feuerbrand, und zwar nicht so fast als verfassungs­mäßiger Präsident der Republik, sondern als Dictator, dem sich Alles für den einen Zweck unterwerfen und blindlings zu Ge­bote stellen müßte. Vorbereitungen hat er seither schon getroffen. Seit dem Berliner Congreß hat er unaufhörlich hinter dem Rücken der Minister und auf eigene Faust heimliche Ränke gesponnen mit England und Rußland, mit Griechenland und den italienischen Bewegungsmännern, Alles um die Stunde zu beschleunigen, wo er die lichen Nacht um den Hals. Obgleich vierzig Jahre dahin geschwunden sind, so ist mir jede Einzelheit dieser Katastrophe so uuverwischt im Gedächtniß, als ob erst wenige Monde verflossen seien. Aber lange Zeit brauchte mein alter Kopf, dieses wieder zu erkennen. Dieses Tuch stickte die Theure während der Ueberfahrt. Jetzt ist kein Zweifel mehr möglich, guter bester Martin. Aber nun erzähle mir von unserem Kinde."

Martin theilte nun die Lebensgeschichte seines Pflegesohnes, welche unseren freund­lichen Lesern aus der Erzählung des Capi- tains bekannt ist, dem horchendem Vicomte mit.

Louis Girot hatte nach der Niederwerf­ung der Vendee endlich wieder seine Heimath erreicht. Sobald die Zeitverhältniffe es ihm gestatteten, besuchte er auch den Freund seines Vaters in der Hoffnung, dort Nach­richt Über seinen Jugendgespielen zu erhalten. Um dem guten Manne keinen neuen Schmerz zu bereiten, verschwieg er sowohl das letzte Zusammentreffen in der Vendee, als auch die Ursache, wodurch der Unglückliche zu dem unseligen Schritte getrieben worden war. Vater Martin konnte daher nur über den durch Louis erfahrenen letzten Ferien-Aufent­halt auf dem Schlöffe berichten.

„Seit dieser Zeit," so schloß der brave

Rachefahne aufpflanzen könnte. Wiederholt ist es unter Freycinet und Barthelmy wegen seiner internationalen Schliche zum Eclat gekommen. Darum hat er es aber auch mit dem großen Capital und der Börse verdorben, die Friede und Ruhe wollen, um ihre Geschäfte zu machen; und wir glauben deswegen sagen zu dürfen: die Bourgeosie wird ihn nicht zurückrufen und mit ihrem guten Willen wird er nicht wieder kommen, wenn er kommt.

Er hat seine Politik mit dem Namen des „Opportunismus" belegt und seine Anhänger in den ihm ergebenen Fractionen haben sich als „Opportunisten" bezeichnet. Er wollte sagen: wir dürfen jetzt noch nicht auftreten, wie wir gerne möchten und auf­treten würden, wenn uns nicht die dringend­sten Rücksichten davon abriethen, um nicht einerseits das Ausland uns zu früh auf den Hals zu ziehen, und anderseits die mächtige Bourgeosie, welche um ihrer ma­teriellen Interessen willen Ruhe um jeden Preis will, kopfscheu zu machen. Nur in­sofern war Gambetta Bourgeosie-Politiker. Die Bourgeosie hat ihn jetzt abgeworfen, und die natürliche Folge dürfte sein, daß er ihr gegenüber den Opportunismus fallen läßt. So mag er allerdings zur Verlegen­heit für jedes fernere Ministerium aus der Bourgeosie werden, wenn man ihm auch nicht die Absicht zuschreiben will, nunmehr als Oppositions-Mann jedem Cabinet das Leben zu entleiben, wie er bisher als Couliffen-Regent Eines nach dem anderen ein- und wieder abgesetzt hat. Er selber aber wird gewiß auch kein Ministerium mehr Schiffer seinen Bericht, „fehlt mir jede Nach­richt über ihn. Jahre lang wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben. Als aber die Zu­stände geordneter, Napoleon Kaiser wurde, die Emigrirten endlich zurückkehrten sind auch da noch keine Nachricht über mei — Ihren Sohn zu mir gelangte, durfte ich nicht mehr hoffen.

Ich habe dem Herrn auch dieses Opfer gebracht. Heute bricht die alte, vernarbte Wunde wieder auf. Heute stehe ich vor meinem edlen Herrn und muß mich als schlechter Verwalter des mir anvertrauten Gutes anklagen. — Können Sie, gnädiger Herr, werden^ Sie mir verzeihen? Habe ich gesündigt, so sündigte ich aus zu großer Liebe."

„Braver, edler Mann," sprach der Vicomte gerührt; „Du hast mehr als Deine Schuldig­keit gethan, und mich Dir zu ewigem Danke verpflichtet. War der Diener Martin mir werth, so nimmt der Steuermann Marseaux, der Pfleger und Erzieher meines Sohnes, nun den ersten Platz in meinem Herzen ein. Wie in den Tagen unserer Jugend, so wirst Du auch jetzt mit mir vereinigt bleiben. Wo ich weile, da wird auch mein treuer Martin fein."

Als der Abend die beiden Männer am traulichen Kaminfeuer vereinigte, Hub der