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zimmer des Kaisers traf die Deputation den Fürsten Bismarck an."

— Der Kaiser verlieh dem Minister Maybachdas Grcchcomthurkreuz des hohen- zollern'schen Hausordens, den Herren Lucius und Bötticher den Stern zum rochen Adler zweiter Claffe mit Eichenlaub, Herrn Goßler den rothen Adlerorden zweiter Classe mit Eichenlaub; der Frau Minister Delbrück, der Frau Gräfin Wartens­leben zu Winkowsy und der Frau Com- mercienrath Herz die erste Classe der zweiten Abtheilung des Louisenordens mit der Jahres­zahl 1865. Polizeipräsident Madai wurde zum Wirklichen Geheimen Oberregierungs­rath mit dem Range eines Raths erster Elaste ernannt.

— Aus Petersburg wird der .National­zeitung' depeschirt: „Der Generalstab er­kannte die Unmöglichkeit jedes Offensivkrieges an und beschloß dagegen, gegen eine mög­liche Invasion energische Vorkehrungen zu treffen, Warschau und die westlich gelegenen Festungen zu fortiftciren. — Der,Vossischen' wird aus Petersburg gemeldet: „Die ,Nowoje Wremja' erfährt, der Sultan komme im Frühjahr nach Petersburg. — Das Regiment der Garde-Grenadiere zu Pferde gibt dem General Scobeleff ein großartiges Galadiner." — Die ,Kreuzzeitung' schreibt: „Es bestätigt sich durchaus, daß in der Skobeleff'schen Angelegenheit ein directer Schritt in Petersburg von keiner Seite ge­schehen ist. Dagegen wurde mit Recht volles Gewicht auf die durch diesen Anlaß bewirkte Enthüllung der Zustände in den russischen Regierungskreisen gelegt. Es ist kein Ge- heimniß mehr, daß unser Hof wie unsere Staatsmänner in der Skobeleff'schen Affaire von vornherein besonders die traurige Be­stätigung aller der Nachrichten erkannten, welche über den russischen Hof schon vorher hier verbreitet waren, und daß sie Anstand nahmen, die Schwierigkeiten, in denen der jetzige Kaiser sich befindet, durch eine dip­lomatische Intervention noch zu vermehren. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Feinde der kaiserlichen Familie schon bis in deren Umgebung vorgedrungen sind, und es ist wenig Hoffnung zur Konsolidation int In­nern wie zur Wiedergewinnung einer ver­trauensvollen Stellitng nach Außen vorhan­den, wenn es nicht gelingt, dem Zwiespalt in den obersten Regionen der Regierung mit Energie ein Ende zu machen."

Montenegro.

* Einem Bericht aus Cetünje vom 15. März zufolge hat Fürst Nikita kürzlich in einer Versammlung von Officieren der Bri­gade Katunska, welche an der dalmatinischen Grenze liegt, folgende Ansprache gehalten: „Bevor wir aufbrechen, muß ich Euch sagen, daß die Crivoscianer unter Waffen stehen und daß sie ihren Widerstand gegen Oester­reich mit ihrer Niederlage zu büßen haben werden. Wehe Demjenigen, der es wagen sollte, den Crivoscianern Hilfe zu leisten. Wir müssen in Frieden mit der österreichi­schen Regierung leben, die uns bei vielen Gelegenheiten schon Proben ihrer Freund­schaft gegeben hat. Wenn die Familien der Crivoscianer kommen und Zuflucht bei Euch erbitten, nehmet sie herzlich auf, aber die kämpfenden Crivoscianer müßt Ihr ent­waffnen und nach Oesterreich zurückschicken. Ich empfehle Euch, diesen meinen Befehlen zu gehorchen, denn wir brauchen Frieden und Ruhe."

Provineielles und Locales.

* Fulda, 23. März. Das .Journal de Rome' bringt die Mittheilung, der hl. Vater werde in dem bevorstehenden geheimen Consistorium für Deutschland als Bischöfe prä- conisiren dieHerren: „Höting für Osnabrück,

Drobe für Paderborn, Herzog für Breslau und Kopp für Fulda." Da unser Hochw. Herr Bischof im geheimen Consistorium vom 18. Nov. 1881 präconisirt worden ist, kann die Mittheilung des römischen Blattes nicht ganz richtig fein. Vielleicht, daß Se. Heiligkeit unseren Hochw. Herrn Bischof noch einmal nennt, um auf die vollzogene Thatsache der Besetzung unseres Bischöflichen Stuhles hinzuweisen.

— Die Localschulinspection über die hie­sigen katholischen Volksschulen betreffend, hat die Königl. Regierung zu Caffel die frühere Ordnung wiederhergestellt, wonach der Herr Dompfarrer die beiden dompfarrlichen Schulen und der Herr Stadtpfarrer die beiden stadt- pfarrlichen als Localschulinspector zu beauf­sichtigen hat.

— Heute begann dahier unter dem Vor­sitze des Herrn Provincialschulraths Dr. Rumpel die mündliche Maturitätsprüfung von sieben Externen, die dem hiesigen Gym­nasium zur Prüfung überwiesen worden sind.

— Am 20. d. M. Nachmittags zwischen 3—4 Uhr war in dem Näucherschornstein des MetzgeLmeisters und Wurstfabricanten Nikolaus Joseph Kramer (Firma I. I. Kramer) dahier, Kanalstr. 351/52 im Hinter­gebäude Lit. C. ein Schornsteinbrand ent­standen, der mit Hilfe der Nachbarn bald gelöscht wurde, so daß das Gebäude unbe­schädigt blieb. Dagegen sind die zum Räuchern im fraglichen Schornstein aufge­hängt gewesenen Fleisch- und Wurstwaaren im Gewicht von ca. 7 Gentner größtentheils durch den Brand vernichtet. (Krsbl.)

Vor etwa vier Wochen wurde von einem Acker des Hofguts Riesig ein zu demselben gehöriger eiserner Pflug nebst Gestell entfernt. Alsbald stellte der Eigen- thümer, Herr Döbel, über den Verbleib des Pfluges Nachforschungen an, welche auch nach langem vergeblichen Suchen endlich mit Erfolg gekrönt waren. Er entdeckte nämlich den Pflug auf einem in der Fuldaer Ge­markung gelegenen Acker. Aus die Anfrage bei dem Eigenthümer dieses Ackers, wie der Pflug dorthin gekommen sei, erhielt er die Antwort, ein Taglöhner habe den Pflug als Pfand für ein Darlehen von 7 M. hinter­lassen. Der betreffende „Taglöhner" jedoch, welcher kurz hierauf von Herrn Döbel in Gegenwart eines Gensdarmen zur Rede ge­stellt wurde, gab an, er habe den Pflug an den jetzigen Besitzer für 7 M. ver­kauft, halte sich auch für berechtigt zu diesem Schritte. Sollte hier Diebstahl und Hehlerei vom Gerichte gefunden werden, so würde es schwere Strafe absetzen.

* Hersfeld, 20. März. Gestern Nach­mittag gegen 4 Uhr wurde unsere Stadt durch Feuerlärm in nicht geringe Aufregung versetzt. Wie sich alsbald herausstellte, war im städtischen Walde — Forstorte Giegen- berg — Feuer ausgebrochen, welches jedoch durch energisches Eingreifen einer Anzahl junger Leute alsbald gelöscht wurde. Ueber die Ursache des Brandes verlautet noch nichts Bestimmtes: man glaubt jedoch, daß dasselbe durch hiesige Schulknaben angelegt worden ist.

Eingesandt.

Der sogenannte Mühlgraben mit seinen Ausläufern, dem Löhersgraben, dem Lein­webers- und Wollwebersgraben, beanspruchte zu allen Zeiten das öffentliche Jntereffe der Bürger Fnlda's, weil eine ganze Reihe von Industriellen aus ihn hingewiesen sind und ganze Stadttheile ihr Fließwasser von ihm empfangen. Um so mehr muß die Bürgerschaft darüber wachen, daß nicht von Einzelnen das Wasser so verdorben wird, daß Tausende darunter zu leiden haben. Was wollen viele mit einem in­digoblauen, schmutzigen Wasser anfangen, wie es neulich der bekannte Herr H. ge­

sehen hat ? Allein was ist dieses gegen das Schauspiel, das nicht nur mir, sondern Hunderten heute der Mühlgraben um 11 Uhr Morgens bot. Der ganze Spiegel der Fulda war in nächster Nähe der Stadt mit einer öligen, stark nach Petroleum riechenden Flüssigkeit bedeckt, die in allen Farben schillernd eiligen Laufes über den Wellen dahinflnthete. Jeder, der dies sah, meinte, es sei auf der Straße ein Petro- leumfaß geborsten und entleere sich in die Fulda. Aber bald belehrte mich ein Bürger eines andern. Es ist das Theerivasser der Gas­anstalt der neuen Müller'schen Fabrik, sagte er, und der Augenschein zeigte mir, daß er Recht hatte. Rathlos standen die Färber an dem Mühlgraben, denn wehe ihnen, wenn sie ihr Garn in die schmutzigen öligen Fluthen tauchten, wehe Denen, welche das Oel nicht sofort gewahrend, ihre Kessel mit dieser Brühe füllten! Die Bewohner der Löhers- straße, der Königsstraße bis zum Abtsthor, der Canalstraße, sie alle fragten: Woher der Petroleumsgeftank? Ich frage und mit mir fragt die ganze Stadt: Darf ein Industrieller solche Ueberrefte in den Mühl­graben führen? Kann ein städtisches Bade- Haus noch existiren, wenn solche Stoffe in die öffentlichen Gewässer geführt werden dürfen? Ist es nicht Pflicht der städtischen Behörde, hier sofort energisch einzutreten?

Fulda, 22. März.F.

Vermischtes.

* Aus Bern, 18. März, erhält die ,N.Z.Z.' folgende Meldung: Gestern gegen 4 Uhr holte ein Frauenzimmer den 7jährigen Knaben Vürki-Marcuard aus der Lerberschule ab, unter Vorgeben, seine Mutter warte auf dem Waisenhansplatz auf ihn, um mit ihm spazieren zu fahren; dort wurde er in eine Droschke gebracht, die fuhr davon. Es heißt, in der Nähe des Zieglerspitals sei dieselbe von beiden verlassen worden. Abends erhielt Bürki durch einen Dienstmann einen Brief mit der Anzeige, daß der Knabe gut aufgehoben sei, daß er denselben aber nicht mehr lebend antreffen werde, wenn er nicht 50,000 Fr. in der Nähe des Weyermanns- hauses niederlege. Bis jetzt waren alle Nachforschungen fruchtlos.__

Gemeinnütziges.

* (Ostereier billig zu färben.) Zum Färben der Ostereier, ohne die schäd­liche Anilinfarbe, gebraucht man zu

Grün: einen Ausguß von frischer Rog­gensaat; Gelb: 1) Abkochung von Zwie- belschaalen; 2) Abkochung von Gelbholz mit Soda; Roth: Abkochung von Roth- holz mit etwas Alaun; Schwärzlich: Abkochung von Blauholz mit etwas Alaun.

Briefkasten

-t. hier. Haben Sie noch ein paar Tage Ge­duld! Wir werden das „Broschürchen": „Die St.- Bonifatiuskirche in Horas bei Fulda" unverkürzt zum Abdruck bringen. Freundlichen Gruß!

An den „Kritiker". Wenn Sie die feige Maske der Anonymität ablegen wollten, würden Sie eine vernichtende Metakritik erfahren und sich von der Wahrheit des Satzes überzeugen: in medio virtus.

Für die Abgebrannten in Hilders: Ungenannt 3 Mk. — 1 Mk. — D. K. 10 Mk.

Mailänder 10 Frcs.-Loose. Am 18. März gezogene Serien 4919 1273 1999 1407 2877 2334 1097 6472 3533 5331 207 3653 6287 5068 625 330 4346 453 4487 2126 6986 445 7030 3477 5143. — Hauptpreise: Serie 6287 Nr. 17 50,000 Fr., S. 6287 Nr. 2 1000 Fr., S. 336 Nr. 11 500 Fr., S. 2126 Nr. 63, S. 5331 Nr. 31, S. 6472 Nr. 3, S. 1097 Nr. 22 und S. 6472 Nr. 40 je 100 Fr. _____

Meteorolog. Beobachtungen d. Station Julia

Dat.

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