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JH 69.

Freitag, den 24. März 1882

Fuldaer

Zeitung.

* Der religionslose Elementar­unterricht in Frankreich.

(Aus der ,Germania'.)

Die französischen Republicaner kennen den Spruch: Wem die Schule gehört, dem ge­hört die Zukunft! Deshalb concentriren sich alle ihre Bestrebungen darauf, die Schule der Kirche, in welcher sie die entschiedenste Gegnerin der Revolution erblicken, zu ent­reißen. Mit zäher Ausdauer und mit heuch­lerischer Mäßigung geht man schrittweise auf dieses Ziel los. Man erstrebt die Mono- polisirung des Unterrichts in der Hand des Staates, der seinerseits religionslos sein feil, angeblich der Gewissensfreiheit wegen, und also auch nur einen religionslosen Unterricht in seinen Schulen dulden kann.

Auf diesem durchaus verwerflichen Grund­sätze basirt das von dem Culturkämpfer Jules Ferry ausgearbeitete Elementar­unterrichtsgesetz. Dasselbe enthält drei Hauptpunkte: es will den öffentlichen Unter­richt 1) unentgeltlich, 2) obligatorisch und 3) vollständig religionslos machen. Daneben bleibt der Privatunterricht im Hause erlaubt, doch müssen sich die Privatschüler alljährlich über ihre Fortschritte durch ein officielles Examen ausweisen. Die Deputirtenkammer nahm dieses Gesetz unter heftigem Wider­spruch der Katholiken an. Auch der Senat gab im vorigen Sommer dem Entwurf seine Zustimmung, nahm jedoch drei Aenderungen darin vor: die Lehrer sollten verpflichtet sein, „Pflichten gegen Gott und das Vater­land" zu lehren; den Geistlichen sämmtlicher Confessionen sollte an einein bestimmten Tage das Schullocal für den Religionsunterricht

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Linn.

(Fortsetzung.)

„Der edle Marquis weilt in stiller, Ein­samkeit ailf seinem Schlosse. Von seinen Kindern ist ihm nur die jüngste Tochter ge­blieben, welche dem Grafen Bciancourt ver­mählt ist. — Als die Revolution ihn zwang, sein Vaterland zu verlassen, vermählte er seine liebe Tochter Melanie dem Grafen Chateaulaine, welcher mit seiner jungen Gattin in seine Heimath zog. Der Vicomte, der mit der innigsten Liebe an seiner Schwester hing und seine Kräfte dem Vaterlande weihen wollte, begleitete die Neuvermählten. Die beiden Helden fielen in den Kämpfen der Vendee. Der Vicomte bei Chollet und der Graf nach ruhmvoller Vertheidigung seines Schlosses, als er sein Weib und Kind durch schleunige Flucht zu retten suchte. Es gelang der jungen Frau zwar zu entfliehen, doch hat man niemals mehr eine Nachricht über Mutter und Kind erhalten. — Der Marquis gelangte glücklich in's Ausland. Sein jüngster Sohn Henri, der stets eine schwächliche Gesundheit hatte, starb während des Exils in Münster.

Als die Zeitverhältnisse es gestatteten, kehrte die edle Familie zurück und kurze

eingeräumt werden, und Schüler, die Privat­unterricht genießen, sollten erst im 10. Jahre eine Prüfung bestehen. Die Deputirten, an welche der modificirte Entwurf zurückging, lehnten jedoch jede Aenderung ab, und die Regierung trat nun an den Senat mit dem Ansinnen heran, seine eigenen Beschlüsse zu annulliren.

Der Senat war inzwischen durch den Sieg der Republicaner bei der Wahl vom 8. Januar ein anderer geworden; er hatte eine republicanische, oder was ziemlich das­selbe ist, eine freidenkerische, atheistische Majorität erhalten. Mit einer Mehrheit von 50—70 Stimmen verwirft der Senat seine früheren Beschlüsse; bereits 13 Artikel, darunter die entscheidenden, sind in der Fassung der Deputirten angenommen worden.

Die republicanische Majorität hat also das höchste Wesen proscribirt, den Religions­unterricht nicht nur aus dem Schulprogramm und den gewöhnlichen Schulstunden, sondern auch aus dem Schullocale ausgewiesen. Ver­geblich bot Jules Simon seine ganze Be- redtsamkeit auf, um wenigstens den allge­meinen Gottesbegriff als Lehrgegenstand fest­zuhalten. Doch die Majorität stimmte seine Forderung nieder. Wir bedauern die Ab­lehnung des Amendements Jules Simon durchaus nicht; im Gegentheil, die Annahme desselben wäre in jeder Beziehung gefährlich gewesen. Dieser philosophische Unterricht in einem unbestimmten deistischen Allerweltsbe­griff von „Gott" ohne sittliche Kraft und Consequenz hätte die Ideen der Kinder ver­wirrt und dem Jndifferentismus Thür und Thor geöffnet, er hätte unwissende, gleichgil- Zeit nachher führte dec Graf Bciancourt die ihm bereits in der Verbannung Verlobte heim. Die Gesundheit der edlen Marquise war bei der Rückkehr vollständig zerrüttet. Nach kurzer Zeit erlöste ein sanfter Tod die Dulderin von ihren Leiden.

Das stolze Schloß Ihrer Väter war nun verödet. Der so schwer geprüfte Marquis wandelt einsam in seinen Hallen und ver- meidet fast jeden Umgang mit den Men­schen. So lange der alte Herr Girot lebte, erhielt ich regelmäßig Nachricht. Sein Sohn, der Nachfolger seines Vaters in der Ver­waltung, vergißt auch den alten Martin nicht. Da aber die Verwaltung der durch die Revolution und den Krieg schwer ge­schädigten Güter ihn sehr in Anspruch nimmt, so darf ich nicht oft auf Briefe rechnen.

„Ja, einsam, ein entlaubter Stamm! Einsam kehre auch ich zurück. Der kräftige Baum des Hauses St. George ist seiner ■ Zweige und Blüthen beraubt und stirbt ab. Zwei Greise sind die letzten ihres Stammes, und nach wenigen Jahren vielleicht flattert zum letztenmal das stolze Banner derer von St. George in Trauerfarben über den Zin­nen unseres Schlosses 1 Unglückselige Zwie­tracht, die die Brüder trennte.

Hätte ich die Schwingen eines Vogels, hinzueilen zu dem Bruder, den ich trotz

tige Eltern in Schluminer gewiegt und ge­täuscht und den zahlreichen, vom Materialis­mus und Naturalismus angefressenen offi- ciellen Lehrern, die dem Atheisten Bert Zu­stimmungsadressen eingesandt haben, eine Handhabe zur Verbreitung ihrer Jrrthümer geboten. Daraus erklärt es sich auch, daß kein Redner von der katholischen Rechten für das Amendement auf der Tribüne eintrat.

Sehr charakteristisch nnd bedauerlich ist es, daß man den Dienern der Religion die Schullocale zum Ertheilen des confessionellen Religionsunterrichts entzogen hat. Der Senat hat sich durch den Beschluß nicht nur für die Verweltlichung des vom Lehrer ertheilten Unterrichts ausgesprochen, sondern für die Verweltlichung der Schule selbst. Er stellt damit die Schule als eine reine Unterrichtsanstalt hin, die mit der Religion überhaupt nichts zu schaffen hat und so darf denn der Geistliche nicht einmal am Sonntage in dem Schullocale erscheinen, um die Jugend in den Wahrheiten der Religion zu unterrichten. Es ist das^aller- dings eine Folge des Satzes: Die schule ist allein Staatsanstalt. Doch von Seiten des Staates liegt darin so lange eine Tyrannei gegen die Gemeinden, als diese für die Schulgebäude aufzukommen haben, und eine Inhumanität gegen die Schul­jugend, da sich in vielen kleinen Gemeinden für den Religionsunterricht kein Local auf­treiben lassen wird, das den sanitären An­forderungen entspricht. Doch auch diese Bestimmung hat ihr Gutes: sie wird selbst dem Landvolke, das die Regierung bisher durch materielle Vortheile geködert hat, die seiner Vorurtheile immer geliebt habe. Aber der Commodore, der unter Englands Flagge sein Vaterland bekämpft hat, darf noch nicht wagen, sich jit zeigen und muß als schlich­ter Schiffer sich noch verborgen halten. — Wenn aber nicht alle Anzeichen trügen, so geht die Herrschaft des Corsen ihrem Ende entgegen, und werde ich wohl nicht gezwungen sein, die Gastfreundschaft meines guten Mar­tin allzulang in Anspruch zu nehmen."

„Reden Sie doch nicht so, gnädiger Herr. Es ist dieses ja das einzige Glück, was ich noch erhoffen konnte, um welches ich so oft den lieben Gott gebeten habe. — Ich kann Ihnen auch die frohe Mittheilung machen, daß Ihr erlauchter Bruder Sie mit offenen Armen empfangen wird. Die Nachrichten, die Louis mir hierüber gemacht hat, berech­tigen mich zu diefer Annahme."

„Du wirst mir wohl einen zuverlässigen Boten angeben können. Heute noch werde ich meinem Bruder von meiner glücklichen Landung Kenntniß geben", erwiderte der Vicomte.

„Ich werde den Schwiegersohn des alten George damit betrauen, Ihren Brief zu überbringen; bei seltener Treue besitzt er auch genügende Schlauheit. — Aber dürste ich auch bitten, gnädiger Herr, mir über I"; Leben Mittheilungen zu machen und