Einzelbild herunterladen
 

M 68.

Donnerstag, den 23. März 1882.

Fuldaer 331 Jeitung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn-- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark mid 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die Mustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petttzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1882 der Fuldaer Zeitung^ bitten wir un­gesäumt zu abonniren.

Tie .Auldaer Zeitung^ erscheint an allen Werktagen mit dem Da­tum des folgenden Tages und tostet vterteljävrtich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Postschaltern Mk 1.50. In's Saus gebracht: in Kulda Mk- 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermaßen eine ent­schieden katholische; aus dem «ebtete der Politik ist ihr Stand­punkt der des Centrums, sie tritt ein für Thron und Altar; auf wirthschaftlichrm Gebiete geht sie rücksichtslos gegen Wua-erer und HalsabfLneider vor und bringt belehrende und anregende Artikel für die landwirthschafttreiirende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Provineial-Nachrichten von einigem Juieresie. Cours- und Marktberichte. Familiennach rich­ten re. Inserate stnden durch vie ,Fuld. Stg/ die wirksamste Ver­breitung.

3C Mit Beginn des neuen Guarlais wird jeder Lamstags-Ar. eine Beilage re­ligiösen Anhalt« gratis beigegeden.

Neue hinzutretende Abonnenten er­halten vom Tage .der Bestellung bis zum 1. April die Zeitung gratis.

27"

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung.)

10. Capitel.

In tiefster Ruhe lag Bucht und Küste. Leise kosend plättscherten die Wellen an den Strand. Das silberne Licht des Mondes zog glänzende Streifen über die Fluth und zeichnete die gigantischen Felsen in dunklen Tiefen an den Horizont. Allmählich ver- schwand das Licht in den Fluthen und tiefes Dunkel lag auf Meer und Strand.

Aus einer steilen Felsenrinne stieg ein Mann zu den; Strande hinab. Der leise und trotz der Dunkelheit sichere Tritt ließ den Uferbewohner erkennen. — Auf einer Felsenkante inachte er Halt und richtete seinen Blick auf das Meer. Geraume Zeit verharrte er unbeweglich in derselben Stellung, dann zog er unter seiner Jacke eine Laterne her­vor, welche er einige Fuß unter seinem Stande auf einen Felsenvorsprung nieder­setzte. Das kleine Licht warf einen glänzen­den zitternden Streifen auf die zu seinen Füßen ausgebreitete Wafferfläche.

Langsan; stieg der einsame Wanderer zuin Strande hernieder und lehnte sich an einen Felsen an.

gh. Die Realie» in der Elemen- tarschnle.

Die königliche Regierung zu Düsseldorf hat am 26. November v. I. eine Verfüg­ung erlassen, in welcher eine Beschränkung des realistischen Lehrstoffes für die Volks­schulen angeordnet wird. Bemerkenswerth ist die Erklärung der Regierung, daß ihre Räche in den Schulen „Ausschreitungen" gefunden, „welche den neuerdings der Volksschule geinachten Vorwurf einer Ueberschüttung der Schüler mit realistischem Stoff als nicht ganz unbegründet erfcheinen lassen." Daher veranlaßt sie die Schul- infpectoren, „gegenüber der hin und wie­der zu Tage tretenden einseitigen Bevorzug­ung des realistischen Unterrichtes mit be­sonderer Sorgfalt darauf zu halten, daß die Hauptlehrgegenstände Religion, Mutter­sprache und Rechnen die hervorragende Stellung im Volksschul-Lehrplan überall behaupten und dabei der Gesang, und zwar auch der volksthümliche, die erforderliche Berücksichtigung finde. Insbesondere wer­den die Herren Kreisschulinspectoren in dieser Hinsicht ihr Augenmerk auf die jüngeren Lehrer zu richten haben, da er­fahrungsgemäß dieselben nur zu leicht ver­sucht sind, gerade auf dem Gebiete des Realunterrichtes die Kenntnisse, welche sie zu ihrer eigenen Ausbildung im Seminar sich angeeignet haben, in derselben Aus­dehnung auch in die Volksschule zu über­tragen." Diese Verfügung ward allent­halben beifällig ausgenommen; denn der Uebelstand, daß die Kinder ob „der Ueber­schüttung mit realistischem Stoffe" Religion,

„Wo nur der alte George bleiben mag," sprach er zu sich selbst. „Die Nacht ist be­reits weit fortgeschritten, noch immer höre ich nichts. Wenn ihnen nur kein Unglück zugestoßen ist. Vier Nächte harre ich ver­gebens auf seine Rückkehr. — Von den beiden Herzenswünschen meines Lebens schien wenigstens einer sich verwirklichen zu wollen. Mein armes Kind wiederzusehen, darf ich nicht mehr hoffen. Und doch vergeht feit länger als zwanzig Jahren kein Tag, wo dieser Wunsch nicht vor meine Seele tritt. Gibt der liebe Gott mir nun die Gnade, noch einmal in das Antlitz meines Wohl- thäters zu schauen, so will ich gerne mein altes Haupt zur Ruhe legen. Jedoch Alles, wie Gott es fügt, der in so mancher Trüb­sal mich aufrecht erhalten hat. — Aber so ist das arme Menschenherz; bis zum letz­ten Athemzuge klannnert es sich an den schwächsten Halm der Hoffnung an."

Plötzlich erbeb er sich rasch; das Haupt weit vorgebeugt, lauschte er lange regungs­los und preßte seine Hände gegen die Brust.

„Ruhig, armes altes Herz; du schlägst ja nicht in eines Knaben Brust. Faffe dich, wenn auch die letzte Hoffnung schwindet."

An sein Ohr mußte ein kaum vernehmbares Geränfch gedrungen sein, denn wie im Tact bewegte er seine Hand auf und ab. Das

Lesen, Schreiben und Rechnen, also den eigentlichen Lehrstoff für die Elementar­schulen, nicht mehr ordentlich erlernen, wird allgemein empfunden. Würde man in der Elementarschule sich auf das beschränken, was deren Zweck ist: Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen, so wäre auch ein achtjähriger Schulzwang unnöthig, weil man zur Erlernung dieser Gegenstände nicht int Allgemeinen acht Jahre braucht. Nun aber, wo diese lange Zeit allgemein vorgeschrieben, sucht man dieselbe mit anderen höheren Lehrgegenständen auszufüllen, und unsere ganze Zeitrichtung treibt zu den realistischen Fächern und der Liberalismus fördert solches aus allen Kräften, da er die Reli­gion durch die „exacten Wissenschaften" zu ersetzen sucht. So werden die Kinder mit „realistischem Stoffe überschüttet", und lernen nicht jene nothwendigen Dinge, die der eigentliche Lehrstoff der Elementarschule sind. Das Volk aber weiß kaum mehr die Comlnunallasten für Schulzwecke aufzu­bringen. Wäre es da nicht beffer, mit dem achtjährigen Schulzwang und dem so kostspieligen Humbug, der sich daran haftet, aufzuräumen? Sollte man da nicht daran denken, das noch gegenwärtig für Rhein­preußen giftige Gesetz, die königliche Cabi- netsordre vom 14. Mai 1825, welche weder Minister, noch Regierung, noch Schulin- speetoren aufheben können, auszuführen ? Nach diesem Gesetze ist nicht eine bestimmte Schulzeit vorgeschrieben, sondern der Seelsorger hat darüber zu befinden, ob ein Kind die zu feinem Stande nothwendigen Kenntnisse be­sitze und darum aus der Schule zu entlassen scharfe Ohr des Seemannes hatte ferne Ruderschläge vernommen; jetzt wurden sie fchon deutlicher, und nach Verlauf einer Viertelstunde nahte ein Boot der Küste. — Noch einmal warf das Licht der Laterne seine Strahlen über die Wasserfläche, dann deckte tiefe Finsterniß das Ufer. — Der kurze Schrei einer Seemöve scholl vom Wasser herüber, dem das melangolische Gekrächze eines Käuzchens antwortete. Jetzt knirschte der ufersand unter einem sich anlegenden Boote und zwei Männer näherten sich vor­sichtig dem Felsen, hinter welchem der späte Wanderer sich zuzückgezogen hatte.

„George?" scholl es gedämpft vom Felsen.

„Gelungen trotz allen Kreuzern und Duanen", lautete die Antwort.

Der Zweite der Angekommenen trat näher und reichte schweigend seine Hand dem Schiffer, die dieser ehrerbietig an seine Lippen führte. Einen Augenblick ruhten die Blicke der beiden Männer trotz der Dunkelheit auf­einander, dann schloß der Fremde den alten Schiffer in seine Arme. Vorsichtig führten die beiden Männer ihn den steilen Felsen­pfad hinan und bald öffnete der Alte die Thüre seines Hauses. — George stellte das Gepäck des Fremden hin und wollte sich entfernen.

„Haft guter Mann," sprach der Fremde.