Einzelbild herunterladen
 

JH 65

(^nnntnn h?n 19, Möir 1882.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen Man abonnirt gegen Vorausbezahlung »11 Fulda fa der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis betragt ausschließlich Brmgerlohnln Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 PlS- ms Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 2:> Pfg., ms Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1882 der ,Fuldaer Zeitung^ bitte« wir un­gesäumt zu abonniren.

Tie Fuldaer Zeitung^ erscheint an allen Werktage« mit drm Da­tum des folgeuden Tages und kastel vierteljährlich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Poftschaltern Mk. 1.50. An's Haus gebracht: in Fnlda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der , Fuldaer Zeitung^ ist anerkanniermatzrn eine ent­schieden katholische; auf dem Bediele der Politik ist ihr Stand­punkt der des Centrums, ste tritt ein für Thron und Altar; auf wirthschaftlichem Gebiete geht sie räckstchtslos gegen Wuarerer und HalsabsLneider vor und bringt belehrende und enregeude Artikel für die landwirthfchafttrei sende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- uud Provineial- Nachrichten »o« einigem Interesse. Cours- und Marktberichte. Familiennach rich­te« re. Inserate finden durch ,ie ,Fuld. Stg.' die wirksamste Ver­breitung.

3C Mit Beginn des neuen ©uariale wird jeder Zamslags-Ar. eine Beilage re­ligiösen Inhalt« gratis beigegeben.

30* Neue hiesige Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis zuin 1. April die Zeitung gratis.

Durch Nacht zum Licht. 20

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Die gespannten Pistolen in der Hand brachen wir blitzschnell hervor. Schüsse empfingen uns, auch wir gaben Feuer. Das Pferd des Reiters bäumte sich hoch auf und warf denselben ab, über welchen wir gleich herfielen, ihn zu fefieln. Röchelnd lag derselbe am Boden, er schien schwer verwundet zu sein. — Ich sprang auf und vernahm das Rollen des schon in einiger (Entfernung sich befindenden Wagens. — Der Soldat lag mit durchschossener Brust am Boden. Mit schwacher Stimme konnte er mir nur mittheilen, daß er von dem Führer des Gefahres, in welchem zwei Frauen sich befänden, niedergeschossen wor­den sei. Nachdem ich die Verwundeten zum Lager hatte bringen lassen, befahl ich den Chirurgen zu rufen. Dieser, welcher nach der anstrengenden Arbeit des Tages in tiefem Schlafe lag, wetterte und fluchte, daß seine Hilfe in Anspruch genommen werden sollte.

„Die Mühe hättet Ihr mir ersparen können," sprach der Heilkünstler verdrießlich, nachdem er den Soldaten untersucht hatte, „der arme Kerl wird keine Flinte mehr losdrücken. Der nächste Morgen findet ihn als Leiche; und für den Bauer da wird es

Deuifches Reich.

A Berlin, 17. März. In der gestern abgehaltenen General - Versammlung zur Gründung des Vereins der „Hessen- Nassauer" waren ca. 20 Herren erschienen, deren Charakter und Stellung für ein Zu­standekommen des Vereins bürgt. Ein Statutenentwurf, basirend auf denen der „Ostpreußen", wurde durchberathen und mit einigen wesentlichen Veränderungen an­genommen. Darauf erklärten 19 der An­wesenden ihren Beitritt durch Unterschrift. Professoren, Künstler, Schriftsteller und Kaufleute; alle Stände waren vertreten. Zum Schluß gab ein Faux-pas des Aus­schusses resp. des Vorsitzenden Anlaß zu einer erregten Debatte, in der die Op­ponenten entschieden Sieger blieben. Herr Rüger hatte gegen das Votum der ersten Versammlung einen Herrn C. H. in den Ausschuß ausgenommen und versuchte mühsam, seinen Schritts zu rechtfertigen. Eine große Anzahl der gestern Anwesenden hat sich unter der Hand ge­einigt, Herrn Professor E. (Eichler?) aus Cassel zum Präsidenten zu wählen, sodaß für R. keine Aussicht da ist. Die nächste Versammlung findet Donnerstag den 23. er. statt. Tagesordnung: „Geschäftsordnung und Wahl des Präsidenten." Seltsamer Weise hatte der „Ausschuß" unter Führ­ung des Dr. Carl Rüger sämmtliche hessische Abgeordnete eingeladen, nur Herrn Fr. Koch, den Abgeordneten für Fulda, nicht.

— Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen 35, Sitzung die 2. Be­gleich sein, ob ihn draußen die Wölfe fres­sen, oder er hier von den Raben angehackt werden wird." — Gleichgiltig wandte er sich, fein Lager wieder auszusuchen.

„Ich wünsche aber auch zu wissen, wie es mit dem Bauer steht; es liegt mir viel daran, ihn soweit hergestellt zu sehen, daß er zur Besinnung kommt und reden kann, und deshalb, Meister, verlange ich, daß Ihr ihn sorgfältig verbindet."

Verdrießlich roanbte sich der Chirurg nun zu diesem. Das Licht der Fackel fiel grell auf die große stattliche Gestalt des Bauern, dessen graues Wamms und Gesicht von Blut überströmt war. Seine Rechte hing schlaff am Körper herunter, während die festverschlossene Linke auf feiner Brust ruhte.

Der Wundarzt reinigte das Gesicht und untersuchte den Verwundeten. Eine Kugel war in die obere Brust gedrungen, hatte die Lunge verletzt und eine starke innere Verblutung herbeigeführt. Zitternd, keines Wortes fähig, starrte ich aus den Verwun­deten. Als der Wundarzt, den Verband anzulegen, das Wamms des Bauern ent­fernte, glänzte auf seiner Brust ein finger­langes goldenes Kreuz von kostbarer Arbeit.

„Oho!" rief der Chirurg; „machen wir doch noch etwas Beute bei dem Bauern. Wir wollen doch auch das Wamms unter»

rathung über den Cultnsetat fort. Es handelte sich in der Discussion zunächst um die Bewilligung eines Dispositionsfonds zur Durchführung neuer Lehrpläne an höheren Lehranstalten. Der Abg. Dr. Perger mo- tiöirte seinen Antrag, diese Forderung zur Zeit abzulehnen, weil weder über den Inhalt der neuen Lehrpläne, noch über den erforder­lichen finaneiellen Aufwand ausreichende Mittheilungen vorliegen. Die neue Ein­richtung werde das humanistische Element in Gymnasien schwächen und durch die Ver­mehrung des humanistischen Unterrichts an Realschulen wenig erreichen. Diese Be­denken versuchte der Regierungseommissar Dr. Bonitz zu widerlegen. Der Abg. Sarrazin wandte sich gegen die neun« elassigen lateinlosen Schulen, die von ihrem Schöpfer, Herrn Wehr e npfennig, vertheidigt wurden. Einen breiteren Fluß nahm die Debatte, als der Abg. Dr. Löwe die Frage der Berechtigung der Realschulen erörterte. Der Cultusm inister betonte die Schwierigkeit, die Berechtigungsfrage zu entscheiden, und erinnerte sowohl an die Gut­achten für die Realschulen und an die noch zahlreicheren gegen die weitere Berechtigung derselben. Der Minister erklätte am Schluß, daß er beiden Kategorien von Anstalten des größte Wohlwollen, entgegenbringen werde, daß er es aber für jetzt ablehne, die Berech­tigungsfrage zu entscheiden. Der Abg. Dr. Perger hob nochmals die hohe Bedeutung der humanistischen Bildung für das gefammte nationale geistige Leben hervor und erinnerte, daß die besten Männer der Nation ihre Bildung den humanistischen Anstalten verdanken.

suchen; vielleicht birgt dieses auch noch Schätze."

„Rührt nichts an!" rief ich aufs heftigste erregt, „und verbindet den Verwundeten."

Staunend schaute der Heilkünstler in mein strenges Gesicht und erwiderte: „Die Mühe könnte ich sparen; der Bauer macht doch die Reise mit dem da gemeinschaftlich. Die Beiden werden hierbei wohl bessere Freunde werden, als sie es im Leben waren."

„Verbindet ihn und lasset es nicht an Sorge für feine Herstellung fehlen. Ich befehle es."

Mürrisch legte er den Verband an, und durchschnitt die Schnur an welcher das Kreuz hing.

„Her damit!" rief ich, es ihm aus der Hand reißend, ich habe Euch bereits gesagt, Nichts von diesem anzurühren. Hier sind zwei Louis als Ersatz für die Beute und schickt mir gleich das alte Weib zur Pflege für die Beiden."

Brummend verließ er das Gemach.

Welche Gefühle mein Inneres durch­kreuzten, als ich meinen Todfeind bleich, dem Tode nahe, da liegen sah, kann ich nicht beschreiben. Wild stürmten meine Gedanken durcheinander. Die Freude, meinen Feind dem Tode versallen zu sehen, stritt mit dem Verlangen, ihn zum Leben zurückzurufen und mich an seinen Qualen zu weiden.

(Fortsetzung folgt)