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Sonnabend, den 18. März 1882.

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Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Kriegsbefürchtungen, Culturkampf, Ver­staatlichungssucht und revolutionäre Gähr- ungen, das sind die vier Achsen, um welche die öffentliche Discussion sich dreht. „® ibfS Krieg?" Diese Frage hat in den letzten Wochen auf tausenden Lippen geschwebt, und kein Mund hat ein entschiedenes Nein ant­worten können. Ich glaube zwar nicht, daß der große europäische Krieg, der gleichsam in der Lust liegt, so bald zum Ausbruch kommen wird, aber daß manche Staaten aufeinanderplatzen werden und daß das Ende des 19. Jahrhunderts vielfach andere Staa­tengebilde, als die gegenwärtigen sehen wird, scheint zweifellos. Das neue Königreich Ser­bien wird freilich das europäische Gleichge­wicht nicht stören, aber die Panslavisten und die Franzosen sind die Krakehler und Stö­renfriede, „und selbst der Beste kann nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nach­bar nicht gefällt." In Rußland muß es sich jetzt entscheiden, wer Herr im Lande ist: ob der Czar oder Jgnatieff und seine Partei. Am Jahrestage der Ermordung seines Vaters ist Alexander III. von Gat­schina nach Petersburg zurückgekehrt, und wenn er auch den Bomben der Nihilisten zu entgehen sich bemüht, wird er, was viel­leicht für ihn, seine Dynastie und den Frie­den Europa'tz ebenso schlimm ist, nicht den Ränken und Lockungen der Panslavisten zum Opfer fallen? Skobeleff weilt schon über 14 Tage in der russischen Hauptstadt, aber daß feine Brandreden durch einen kalten Wasserstrahl abgekühlt worden seien, hören

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

In demselben Augenblick, wo ich mit meiner Abtheilung mich in den Graben stürzte, riß eine Kugel mir den Hut vom Kopfe. Wie Katzen kletterten die Krieger die steile Bösch­ung hinan und bald dröhnten die Axtschläge auf die Ketten der Zugbrücke, welche endlich unter einem donnernden „vive la republique“ niedersank. Nach furchtbarer Anstrengung fiel das Thor endlich in Trümmer, und der Strom ergoß sich in den Schloßhof. Die Salve, die uns empfing, streckte noch Manchen nieder. Hinter einer aus Wagen und Acker- geräthen gebildeten Barricade fiel Schuß auf Schuß. — Wir würden einen schweren Stand gehabt haben, wenn nicht in diesem Augenblicke die zweite Abtheilung einen kleinen Rest der Vertheidiger vor sich hertreibend, zu unserer Hilfe herbeigeeilt wäre. In wenigen Minuten war die Barricade erstürmt und jetzt erst konnte ich die Zahl der Ver­theidiger übersehen. — Ein wildes Gemetzel begann. Bajonet, Beil, Pice und Sense wütheten gegen einander. Der lange Degen des Grafen streckte manchen nieder. Unsere Uebermacht brach bald den Widerstand, und der Rest der Kämpfer zog sich fechtend in

wir nicht. Neben der russischen Frage, steht die türkische. und ägyptische ungelöst, und wenn auch der Aufstand in Südosten Europa's in den letzten Zügen zu liegen scheint, so ist das Pulver in Europa noch lange nicht in die Pulverkammer zurück­gestellt.

Internationaler Krieg — internationaler Culturkampf! Sogar der scandalöse Mord- proceß Peltzer in Belgien, dessen Schand- that die Liberalen den Jesuiten in die Schuhe zu schieben trachteten, hat einen culturkämpferischen Beigeschmack, fällt aber mit Centnerlast auf die liberale Partei zu­rück. Da haben wir die Früchte der mo­dernen „Cultur," die über Gott und Ge­wissen hohnlachend hinweggeht; Ehebruch und Mord sind das Ende vom Liede! — Flott wird auch in Frankreich Cultur ge­kämpft. Mit dem obligatorischen Elemen­tarunterrichte soll die Jugend entchristlicht werden, und vergebens beschwor am 11. d. Jules Simon den Senat, die Pflichten gegen Gott nicht hintanzusetzen. Mit der AushebnW des Concordates, wenn es dazu kommt, soll die Kirche völlig rechtlos ge­macht und ihr auch noch die geringen Ein­künfte entzogen werden, welche der Staat für die confiscirten Kirchengüter zahlt. Mit den „Reformen" kommt das Cabinet Frey- cinet nicht voran, aber im Culturkampf geht's lustig weiter. Es ist schon soweit gekommen, daß ein Geschworener des Assisen- hofes, der den Eid verweigerte, den Eid ohne die Worte „vor Gott" ablegen durfte. Was hat aber ein Eid ohne die Anrufung Gottes zu bedeuten? Er ist leerer Schall, das Schloß zurück. — Jetzt wogte der Einzel­kampf von Treppe zu Treppe, von Zimmer zu Zimmer. — Bis jetzt war es mir nicht gelungen mit dem Grafen handgemein zu werden. Ich sah ihn mit einem Paar Be­gleitern raschen Laufs in einen Corridor der ersten Etage eindringen. — „Der darf uns nicht entgehen," rief ich einem alten Sergeanten zu, der in meiner Nähe war, und eilte ihm nach.

Der Graf, die nacheilenden Schritte hörend, machte kehrt und richtete kaltblütig seine Pistole auf uns. Der Schuß krachte und der Sergant stürzte zu Boden. Einer der beiden Begleiter schloß die am Ende des Corridors befindliche Thüre auf, hinter welcher der Graf mit demselben verschwand, während der andere, das gezückte Schwert in der Faust, sich gegen mich wandte.

Unsere Blicke trafen sich; wie von einer plötzlichen Erstarrung befallen, standen wir regungslos einander gegenüber.

„Gayon, Unglücklicher! Du an der Spitze- dieser Horde?"

Jetzt erst erkannte ich in dem Bauern meinen Freund.

„Gib mir Raum, oder ich tobte Dich; ich muß den Zertreter meines Glückes zu meinen Füßen sehen."

„Armer, armer Freund!" sprach Louis

leere Form. Gerade auf dem Glauben an Gott beruht die Heiligkeit des Eides und das ganze Gerichtsverfahren; streicht jman Gott, dann fällt Alles zusammen. Da lobe ich mir die Engländer, die keinen Gottesleugner mehr zum Parlamente zulaffen wollen; jedes Mitglied des Ober- und des Unterhauses soll feierlich erklären, daß es an Gott, den Allmächtigen, glaube. Ein Volk, das diese Basis verloren hat, ist ein Volk von Nihilisten in des Wortes ganzer Bedeutung. Und wurzeln die Kämpfe, denen wir im bayerischen Parlamente be­gegnen, nicht ebenfalls im Kampfe des Libe­ralismus gegen die Kirche? Dem „stillen" Culturkämpfer v. Lutz sagte die Rechte: „Geh!" und er sagte: „Ich bleibe." Wo Wasser und Feuer sich mengt, da gibt's Dämpfe und Kämpfe. Ein Ende dieses Widerstreites ist nicht abzusehen, denn was die zweite Kammer beschließt, verwirft regel­mäßig die erste, wie jetzt den Antrag betr. die Simultanschulen, und die Annahme der Tegernsee'r Erklärung wird Herrn v. Lutz schwerlich umstimmeu. So wogt-das «uf und ab und erzielt wird Nichts, denn Herr v. Lutz pocht auf sein Zeugniß, das könig­liche Handschreiben. Uebrigens hat König Ludwig auch ein Schreiben erlassen, das uns mit Genugthuung erfüllt: er hat der General-Oberin des Mutterhauses der Barm­herzigen Schwestern anläßlich ihres 50jäh- rigen Wirkens seine vollste Anerkennung ihrer segensreichen Thätigkeit aussprechen lasten. Das können sich die Klosterstürmer ins Tagebuch schreiben. • In Oesterreich ebenfalls spitzt sich der heiße Kampf zwischen mit trauriger Stimme. „Jetzt erkenne ich Dein Leiden. Willst Du den Freund tobten und auch diese Blutschuld noch auf Dich laden, so vollführe den Frevel; ich bin zu sterben bereit. — Mein Schwert werde ich nicht gegen Dich erheben; meine Hand soll nicht das Werkzeug sein. Dich mitten in den Sünden vor den Richterstuhl des Allmächtigen zu stellen. Das aber sage ich Dir, wenn es auch mein letztes Wort auf Erden sein sollte, nur über meine Leiche dringst Du hier ein."

Dichter Rauch begann den Corridor zu füllen.

„Fliehe, Unglücklicher" rief Louis mit starker Stimme. „Das Schloß ist in Brand gesteckt. Verweile keinen Augenblick, wenn Du nicht Dein Grab unter den Trümmern finden willst. Fliehe, armer Freund und gedenke Deiner unsterblichen Seele und Deines armen Vaters!"

Mild ruhte sein Auge in alter Freundes­liebe auf mir. — Eine Secunde lang stand ich unbeweglich da; dann eilte ich wie mit Furien gepeitscht, dem Ausgange zu.

Freudengeschrei empfing mich, da man mich bereits als gefallen betrachtet hatte. Der Kampf war vorüber. Die Plünderer trugen ihren Raub zusammen, indessen die Flammen immer weiter um sich griffen.