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man in Berlin die sehr beifällig aufgenom- ntene Nachricht von seinem Sturze begleitete, „ein Unruhestifter weniger auf der Welt!" Ob jedoch diese Bemerkung so ganz zutreffend sei, wird erst die Zukunft lehren müssen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 15. März. Der permanente Ausschuß des Volkswirthschaftsraths berieth die Krankencaffenvorlage und nahm den Antrag an, wonach auch die in der Land- und Forstwirthschaft beständig beschäftigten Arbeiter zu versichern sind.

-- Abgeordnetenhaus. 34. Sitzung vom 15. März. Das Mandat des Abg. Bernards (Centr.) wird für erloschen erklärt in Folge der Ernennung desselben zum Oberlandesgerichtsrath. Die 2. Berath- ung des Etats des Cultusministeriums wird fortgesetzt beim Capitel „Universitäten". Der Cultusminister dankt zunächst dem Abg. R e i ch e n s p e r g e r für das warme Interesse, das er gestern für die studirende Jugend durch seine Vorschläge zur Erneuerung des rechten Geistes an den Universitäten bekun­det habe. „Ich wünsche, daß seine Worte besonders bei den Eltern, Vormündern und Studenten selbst aufmerksames Ohr finden mögen." Herr Reichensperger hatte nämlich gestern in recht herzlichen Worten auf die überhandnehmende Faullenzerei hingewiesen, welche an unseren Universitäten eingerissen ist. Der Herr Minister wendet sich nun eigentlich gegen Dr. Reichensperger; die Ferien seien nicht zu lang; die Zwischen­prüfungen seien nicht in allen Facultäten zu empfehlen; die Vorträge der Profefforen müßten freilich, wie das Reichensperger her­vorhob, lebendig und anregend sein; die Mensur sei nicht abzuschaffen, sie sei der letzte Rest der deutschen Ritterlichkeit. Dr. Virchow polemisirt heftig gegen Dr. Windthorst, der gestern namentlich behauptet hatte, daß bei Beförderung der Privatdo- centen manchmal parteiisch seitens der vor­gesetzten Professoren gehandelt werde.

Abg. Dr. Windthorst erkennt Herrn Virchow als eine große Autorität auf dem Gebiete des Universitätswesens an, kann aber doch von dem gestern Gesagten nichts zurücknehmen. Sein großes Interesse für das Bestehen der Universitäten, den Schulen deutschen Denkens, habe ihn zu seinem Ur-

Boden. Ein ebenso großer Verlust waren die Pferde unserer kleinen Cavallerie - Abtheil- ung. Sie waren entweder versprengt oder entführt; die beiden wachehabenden Caval- leristen getödtet. Von den Angreifenden waren nur drei geblieben, unter welchemsich ein Knabe von 15 Jahren befand.

Das Rachegeschrei der Soldaten wurde immer stärker. Mit Ungestüm verlangten sie gegen das Aristocratennest geführt zu werden. Es bedurfte der größten Energie, die Disciplin so lange aufrecht zu erhalten, um die Vorbereitungen zum Kampfe zu treffen. — Der Angriff erfolgte von drei Seiten. Während die stärkste Abtheilung, welche ich führte, den Haupteingang forciren sollte, war eine andere bestimmt, an dem Seitenflügel einzudringen, und der Rest be­auftragt, die Parkmauer zu gewinnen und den Belagerten in den Rücken zu fallen.

Das Signal zum Angriff erscholl. Die Todtenstille, die bis dahin in dem Schlosse geherrscht hatte, wurde durch eine volle Salve unterbrochen, als wir uns auf Schußweite genähert hatten. Aus jeder Mauerspalte, aus jedem Thürmchen, hinter jedem Vorsprung schleuderten Feuerstrahlen den Tod in unsere Reihen. Noch hatten wir keinen Feind ge­sehen, obgleich jede Minute unsere Reihen lichtete. (Forts, folgt.)

theile veranlaßt, da er dieselben degeneriren sehe. Die Worte des Ministers hätten ihn nur theilweise befriedigt, wenn auch die Studenten demselben einen urkräftigen Salamander reiben würden. (Heiterkeit.) Seine (Redners) Aeußerungen über die Anstellung katholischer Professoren schienen, wie erwartet, Anstoß erregt zu haben, müßten aber aufrecht erhalten bleiben. Die Theologen sollten Diener der Kirche, der sie angehören, heranbilden; sollten sie das nicht, brauchte man die verschiedenen theologischen- Faeultäten überhaupt nicht. So lange sie bestehen, müßten sie ihrem Glauben auch wirk­lich angehören und darüber könne nicht der Minister, sondern nur die Kirchengemeinde ur- theilen: darum sei die Forderung der Synode sehr berechtigt, so viel Vertrauen auch der Minister persönlich verdiene. Personen könn­ten Institutionen nicht ersetzen. Die Empfind­lichkeit des Herrn Virchow bei Angriffen auf die Köperschaft, der er angehört, sei psycho­logisch interessant; er habe gesprochen, wie ein ausgeprägter Regierungscommissar. (Heiter­keit) und das mache ihm alle Ehre. Er sehe jetzt Alles rosiger an, als es zu der Zeit war, wo er Privatdoeent gewesen. Er möge aber auch über die nachstrebenden jüngeren Kräfte milder urtheilen, über die kein objec- tives Urtheil in den Facultäten zu herrschen scheine, (Abg. Virchow: Es ist kein Schein vorhanden!) also wirklich herrsche, (Heiter­keit.) Die Forderung, die Facultäten sollten nicht so maßgebend sein, beruhe aus eigener Erfahrung. Es sei allerdings die Universität auch zu hören, ein Vorschlagsrecht dürfe sie aber nicht haben. Die Herren kämpften immer gegen Zünfte, aber die Professoren hätten lebhaft für die Universitätszünstelei ge­sprochen.

— Der Kaiser theilte am 13. d. M. dem russischen Militärbevollmächtigten D o l g o - r uki mit, daß er ein Handschreiben des Czaren erhalten, welches ihn auf’s Tiefste gerührt habe. — Nach einer Petersburger Mittheilung der ,Germania' steht durch die Initiative Jgnatieff's eine Aussöhnung mit dem Papst bevor. Der Gesandte Butenieff erhielt Instructionen hierzu. Verbannte rus­sische Geistliche kehren nach Petersburg zurück, die Hirtenbriefe russischer Bischöfe werden im Voraus der Censur nicht unterzogen. — Die .Germania' bezeichnet den fortschritt­lichen Unterantrag zum Antrag des Centrums als einen bedeutsameren Fortschritt gegenüber der einfachen Ablehnung. - - Die Berlin- Anhalter Bahn soll nach der Vorlage am 1. Juni in Staatsbesitz übergeben. — Die Eisen- bahncommission nahm in zweiter Lesung die Errichtung eines Landeseisenbahnraths an.

— Der Ausschuß des Volkswirthschafts­raths nahm mit allen gegen fünf Stimmen die Novelle zur Gewerbe-Ordnung fast un­verändert an. Die Berathung über die Subhastationsordnung wurde vertagt.

— Die Commision zur Vorberathung der Novelle zum Pensionsgesetz beschloß die Aen- derung, wonach zum § 1 des Pensionsge­setzes die Bestimmung ausgenommen wurde, daß ein nichtrichterlicher Beamter nach Vol­lendung des 65. Lebensjahres nach seiner Anhörung mit Pension in den Ruhestand versetzt werden kann, ebenso als wenn er seine Pensionirung selbst beantragt hätte. Entsprechend wurde aber auch dem nichtrich­terlichen Beamten mit derselben Altersgrenze das Recht zugestanden, auch ohne den Nach­weis der Invalidität mit Pension in den Ruhestand zu treten.

— Zum Wittwengesetz wurde folgende Resolution des Abg. Schmidt (Stettin) mit allen gegen 1 Stimme angenommen: „Die Staatsregierung zu ersuchen, sobald die Finanzlage dies erlaube, das Gesetz auch auf die Lehrer an den höheren Schulen aus­

zudehnen, welche als mittelbare Beamte nicht von demselben berührt werden. Letztere sind in's Pensionsgesetz eingeschlossen." Ferner gelangte noch eine Resolution des Abg. Vogd zur Annahme betreffs der Hinter­bliebenen von Beamten, welche im Dienste getödtet werden und in Folge einer im Dienste erhaltenen Verwundung sterben.

— Die Fraction der Fortschrittspartei bringt durch den Abg. Grünhagen folgenden Unterantrag zu dem Anträge Windthorst und Genoffen [cfr. Nr. 58 der ,Fuld. Ztg.Z betr. die Straffreiheit des Sacramentespen- dens und des Messelesens: „Die . Nr. 2, wonach den Strafbestimmungen des'Gesetzes vom 12. Mai 1873 über die kirchliche Dis- ciplinargewalt und die Errichtung des kirch­lichen Gerichtshofes das Spenden der Sacra- mente und das Messelesen nicht unterliegt, zu streichen: am Schluffe des Antrages aber, hinter den Worten: „Unterliegt das Spenden der Sacrarnente und das Meffelesen nicht" hinzuzusetzen: sofern Diejenigen, welche diese geistlichen Handlungen vornehmen sich im Besitze des deutschen Staatsbürgerrechts, der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und den Nachweis ihrer wissenschaftlichen Vorbildung nach den Vorschriften der Gesetze vom 9. und 11. Mai 1873 zu führen vermögen."

— Die ,Provincial-Correspondenz' sagt in Betreff einer katholischen Partei, welche lieber mit der Fortschrittspartei auf Tren­nung der Kirche vom Staate hinarbeite, als sich der bisherigen Kirchenpolitik fügen wolle, es könne dahingestellt bleiben, ob die katholische Kirche ein solches mit ihren Grundsätzen unvereinbartes Verhalten billigen wolle, es leuchte aber ein, wie verkehrt in jeder Beziehung die Hoffnungen der Katho­liken auf das Emporkommen einer Partei­gruppe (des Fortschritts) wären, welche sich von jeher als entschiedene Widersacherin der Kirche erwiesen habe. Die katholische Partei könne allerdings auch so ihre jetzige Machtstellung im Staate bekunden, aber es wäre die Macht der Zerstörung und Zer­trümmerung, nicht die Macht zum Erbauen. Es sei kaum anzunehmen, daß unter den Trümmern die Keime kirchlichen und sitt­lichen Lebens sprießen würden. Nicht po­litische Berechnung, nicht zorniges Aufwallen, sondern nur Weisheit und Mäßigung könnten den wahren dauernden Frieden er­reichen lassen. — An anderer Stelle schreibt die.Korrespondenz,' über die parla­mentarischen Arbeiten des Frühjahrs seien feste Bestimmungen noch nicht getroffen, es bestehe aber die Absicht, die Landtagsbe- rathungen zu Ostern auf längere Zeit zu unterbrechen und gegen Mitte April den Reichstag einzuberufen, neben welchem der Landtag später die nothwendigsten Aufgaben erledigen würde.

* Stuttgart, 15. März. Die Central­stelle für Landwirthschaft sprach sich mit 17 gegen 1 Stimme für das Tabaksmonopol und zugleich für Vermehrung der württem- bergischen Tabakbaubezirke aus.

Rußland.

* Petersburg, 15. März. Der Kaiser traf am Sonntag Abend in Peters­burg ein. Er war seit Freitag der ,Frks. Ztg.' zufolge in Zarskoje-Selo bei dem Großfürsten Wladimir, dessen Kind getauft wurde. Er kam nicht per Bahn, sondern mit einem Wagen nach Petersburg und stieg im Winterpalais ein. Es wird übrigens erzählt, daß der Kaiser bereits am 20. Februar auf kurze Zeit zu Fuß nach Petersburg ge­kommen war und nur von Wenigen erkannt worden sei. Diesmal kam er in Begleitung der Kaiserin. Des Convoei wurde kurz vor­der Stadt entlaffen. Alle Straßen, auch die in entgegengesetzter Richtung waren dicht mit Soldaten besetzt. In der Festungskirche