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Freitag, den 17. März 1882.

Fuldaer Jeilung.

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i Der neue Coulifsen-Regent in Frankreich.

Gegen Ende des vorigen Jahres, als dein äußern Anschein nach die große Mehr­heit der neuen Kammer noch zu den Füßen des aufsteigenden Cäsar zu liegen schien, brachte die Londoner ,Times' eine Cor- respondenz aus Paris, welche die Lage in wesentlich anderein Lichte erscheinen ließ und die jetzt, nach dem Sturze des Minister- Präsidenten Gambetta von besonderem In­teresse ist. Der Berichterstatter bemerkte, es sei eine Täuschung zu glauben, daß Gainbetta die volle Herrschaft über eine sichere Mehrheit in der Kammer oder gar im Senate besitze, und wenn der Congreß zur Wahl eines Präsidenten der Republik zusaminenzutreten hätte, so würde nicht Gambetta der Mann sein, sondern er würde zwei mächtige Rivalen finden. Als solche nennt der Berichterstatter den Herrn Brifion und den General Chancy; ersterer, Nachfolger Gambetta's im Präsidium der Kammer und desien erklärter Gegner, wäre der Candidat der Linken, auf Chancy wür­den fich die Stimmen der Gemäßigten und der Rechten vereinigen. Der General war Botschafter beim russischen Hofe, bis Gam­betta sein Ministerium bildete und dem scandalösen Profesior Bert das Portefeuille des Cultus übertrug; einer solchen Regier­ung zu dienen, gestattete dem General, wie er offen erklärte, seine religiöse Ueberzeug- ung nicht. Der Berichterstatter lenkt aber die Aufmerksamkeit vor Allem auf Herrn Briffon, und es wird allerdings gut sein, sich diesen Namen zu merken. Denn allem

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Vorsichtig näherten sich zwei Personen und machten in einer Entfernung von zwan­zig Schritten an denr Graben halt.

„Es ist so, Bertram, wie der Knabe sagte," hörte ich mit gedämpfter Stimme sprechen. „Die verdammten Blauen sind im Dorfe. Wie gerne hätte ich dem Schurken, der unten an dem Stalle des alten Jean steht, ein paar Loth Blei zwischen die Rippen ge­sandt, wenn der Graf uns nicht allen Lärm verboten hätte. Wir werden den Hunden aber einen Empfang bereiten, worüber die Engel im Himmel sich freuen sollen."

„Ich hätte nicht geglaubt," hörte ich eine andere Stimme leise erwidern, „daß dieser äußerste Winkel bereits von den Blauen heimgesucht würde. Es scheint, daß die Unsrigen auf der anderen Seite Erfolg er­rungen haben. Auch der Graf hat dieses noch nicht erwartet, sonst würde er gewiß seine Gemahlin und das Töchterchen in Sicherheit gebracht haben."

„Hierin irrst Du sehr," sprach der an­dere, „ich habe es von dem Lieutenant erzählen hören, daß die Gräfin bestimmt

Anscheine nach wird auch das jetzige Ministerium seinen Coulissen-Regenten haben, nur keinen so persönlichen und vordring­lichen Streber, wie der aus dem Sattel geworfene war; auch wird der neue Regent hinter der Bühne nicht so fast sich selbst, als die Verkörperung einer mächtigen Ten­denz repräsentiren. Hören wir, wie sich die .Times' darüber ausdrückt: „Herr Briffon ist einer der wenigen Republicaner, deren stilles Gewicht niemals angefochten worden, einer jener Männer, deren Rathschläge fast gleich positiven Befehlen befolgt werden. Er verfügt über den großen und wachsenden Einfluß des Freimaurerthums; er ist der vorsichtige, ruhige Führer der Armee der Cxcommunicirten; er personificirt jene glühende Partei, welche dem Schweigen wie dem Donner des Vaticans gleich _ Trotz bietet. Von ihm allein hängen große Ab­stimmungen in der Kammer ab. Er ge­bietet in derselben über 200 Stimmen und selbst im Senat würden 70 Mitglieder von ihm die Parole nehmen. Als die neue Kammer zusammentrat, war Herr Brisson ihr wirklicher Präsident, und erst als er einwilligte, seine Wahl um einige Tage hinauszuschieben, konnte Gambetta seine interimistische Erwäh­lung erlangen. Es war keine einzige Stimme gegen ihn, und es würden nicht viele gegen ihn sein, wenn er das Freim aurerthum zur Präsidentschaft der Republik erheben will. Diejenigen, welche ihm zu folgen sich weigern, aber doch Gambetta's Gelangen zur obersten Gewalt fürchten, würden sich um den General Chancy gruppiren. Gegen einen solchen Fall soll nun Vorkehr getroffen erklärt habe, ihren Gemahl nicht verlassen zu wollen; doch laß uns nicht länger säumen."

Die beiden Männer stiegen in den Graben; eine Minute noch hörte ich ihre Schritte, dann war alles still. — In größter Stille zog ich mich zurück, berief die Führer des Detachements und gab den Befehl, beim ersten Morgengrauen das Schloß im Sturm zu nehmen, die Anführer zu schonen und lebend in unsere Gewalt zu bringen. Bei Todes­strafe verbot ich, ein Weib zu tobten.

Alles um mich her lag in tiefem Schlafe; vergebens versuchte ich auch etwas zu ruhen. Meine Aufregung ließ mich keine Ruhe finden. Heiß pochte mein Herz bei dem Gedanken, daß ich nun bald dem von mir in den Tod gehaßten Mann gegenüber stehen werde. Mit wilder Wollust malte ich mir das Bild aus, ihn gefesselt zu meinen Füßen, sein Weib, sein Kind in meiner Gewalt zu sehen. Endlich — endlich — am Ziel!

Es mochte gegen fünf Uhr morgens sein, als Flintenschüffe und wüstes Getümmel mich vom Lager aufschnellen machten. Den blanken Säbel in der Faust, stürzte ich hinaus. Geschrei und wllde Flüche der Kämpfenden, das Stöhnen der Verwundeten scholl mir entgegen. Die Royalisten hatten das Dorf umgangen und uns im Rücken überfallen.

Laut ertönte die Stimme des Anführers;

werden. Gambetta will nicht eine heimlich feindselige Mehrheit regieren, sondern eine compacte und ergebene Mehrheit, und da­rum will er das Listenscrutinium haben, und dasselbe sobald als möglich bei der jetzigen Kammer herausschlagen."

Es läßt sich nicht verkennen, daß auf diesem Tableau der Hergang beim Sturz des Ministeriums Gambetta sich deutlich her­vorhebt. Aber auch auf das neue Cabinet und die Zukunft der „wahren Republik" in Frankreich eröffnet es eine weite Per­spective. Um Principien handelt es sich bei diesen Kämpfen unter den „wahren Repu- blicanern" überhaupt nicht, fondern nur um persönliche Jntereffen. Gambetta war der Logenpartei zu einrissig, zu unberechenbar und darum zu gefährlich, deshalb mußte er beseitigt werden; ein persönliches Regiment eines Einzigen, der sich der Nation als homme necessaire ausdringt, ist auch nicht im Geschmack der Loge, sie will Diener und keine Herren!

Gambetta leibt und lebt im mehr oder weni­ger verschwiegenen Herzen für die Revanche, und er setzt voraus, daß die Revanche auch die glühende Sehnsucht des französischen Volkes sei, wenn es auch die Stunde gedul­dig abwarten wolle. Irrt er hierin nicht, so kann er die Nation mit Recht anklagen, daß sie ihn unverantwortlicher Weise nicht verstanden und begriffen habe, denn sonst hätte sie ihn unmöglich fallen lassen können. Darum hat er auch noch den Tag vor seinem Sturze Jedermann versichert, daß sein Erfolg außer Zweifel stehe. Wenige Stunden da­rauf war nach dem Ausdrucke, mit welchem nur einmal hatte ich diese Stimme gehört, doch gleich erkannte ich sie wieder. — Er war's. — Schnell sammelte ich einen Haufen unserer ohne Ordnung kämpfenden Krieger und stürzte auf die Feinde. Die Dunkelheit ließ kaum unterscheiden, ob Freund oder Feind sich gegenüberstand. - Ein furchtbares Gemetzel entspann sich. — Plötzlich über­tönte eine Stimme, die meine Glieder fast erstarren machte, das Geschrei der Kämpfen­den. ■ - „Heran, meine Braven, keinen Par­don den blauen Hunden; schützet unfern theuren Grafen"! — Es war die meines Jugendfreundes, welcher uns mit einem kleinen Trupp in den Rücken fiel. Nach wenigen Augenblicken war kein Republikaner mehr auf den Füßen, ein furchtbarer Stoß warf mich zu Boden.

Der schrille Ton einer Pfeife erscholl, wiederholte sich auf mehreren Puncten, und als ich nach einiger Zeit im Stande war, mich mit schmerzenden Gliedern aufzuraffen, war das Gewühl des Kampfes verstummt. — Schrecklich war die Wuth der Soldaten als der anbrechende Tag uns die Opfer des Ueberfalls erkennen ließ. Ueber dreißig Tobte ober Schwerverwunbete lagen umher. Die einzige Schilbwache, welche wir im Rücken bes Dorfes aufgestellt hatten, lag burch einen Stich ins Herz getöbtet am