Redner schützten Schädigungen von Handel und Verkehr vor; allein der Referent, Abg. Graf Richard Clam-Martinitz, nahm allen diesen Vorwänden in einer sachlichen ruhigen Rede schon vorher den Boden weg. Er betonte, wie es nothwendig sei, daß der Staat mit der Sonntagsruhe den Bürgern mit gutem Beispiel vorangehe und daß es dein vielbeschäftigten Postpersonale wohl zu gönnen sei, wenn es den Sonntag frei habe, um den Pflichten gegen Gott und die Familie nachzukommen.
• Wien, 14. März. Officiell wird aus Ragusa vom 13. ds. gemeldet: Die Insurgenten griffen am 11. d. M. das Jägerbataillon am Zagwosduk an, wurden aber zurückgeschlagen und verloren 50 Mann. Sie ließen Todte auf dem Kampfplatze zurück. Der Verlust der Truppen betrug 1 Officier und 2 Mann tobt, 2 verwundet. Am 11. ds. griffen auch Insurgenten die Truppen bei Pecovac an, wurden aber gleichfalls mit Verlust zurückgeschlagen. Der Verlust der Unsrigen betrug 7 Verwundete. — Eine Feldtelegraphenstation wurde in Crkoice am 12. ds. eröffnet.
Belgien.
* Brüssel, 12. März. Daß unsere Liberalen es mit Verdächtigungen gegen Geistliche nicht allzu genau nehmen, ist bekannt; folgender Fall dürfte jedoch in letzter Zeit vereinzelt dastehen: Vor etlichen Wochen überlieferte die ganze Geusenpresse einen Vicar von Tourbout der öffentlichen Verachtung wegen „grausenerregender Unsittlichkeit". Es wurde auch noch hinzugefügt, daß derselbe in der päpstlichen Armee gedient habe. Der Vicar wurde festgenommen, und ehe noch das Verdict gesprochen war, wurde er von der Preffe mit Schmähungen überhäuft. Vor einigen Tagen kam die Sache vor Gericht, vor welchem die beiden Ankläger nach der ,Germ? erklärten, daß Nichts von dem wahr sei, was sie gegen den Geistlichen ausgesagt hätten, daß ihre vor dem Untersuchungsrichter gemachten Dispositionen Lügen und Verleumdungen wären, und daß einige Geusen sie zu der falschen Anklage gedrängt hätten. Natürlich wird sich die Verfolgung nun gegen die Letzteren wenden, wenn auch nur, um ihnen zu zeigen, daß der Geistliche durch seine Soutane nicht den Schutz des bürgerlichen Gesetzes verliert.
und nun warf sich die ganze Armee auf den tapfern l'Ebboe und besiegte ihn bei Chollet. Charette kämpfte noch glücklich und schlug an demselben Tage, an dem l'Ebbse besiegt wurde, die Conventsarmee bei Lachelle. Die Vendoer zogen sich mehr der Küste zu und wurden endlich am 12. und 13. December auf den Gefilden von Mons total geschlagen. — Der Widerstand war gebrochen; die tapferen Bauern kämpften nur nocb in kleineren Truppen. Der Wohlfahrtsausschuß sandte in alle Provinzen Deputirte, in deren Gefolge die Guillotine ihren Rundgang hielt. Kein Alter, kein Geschlecht wurde geschont; Schlöffer und Dörfer zerstört und alle Royalisten mit Feuer und Schwert vernichtet. — Stromweise floß das Blut; es wurde kein Krieg mehr geführt, es war nur ein Morden. Die versprengten Royalisten, die auf keine Schonung mehr rechnen dursten, kämpften einzeln, in kleinen Haufen, ver- theidigten ihr Haus, ihr Dorf bis auf den letzten Mann. — Pardon kannte man nicht; der Kampf hörte nur mit dem Letzten auf, und die lodernden Flammen des Hofes oder des Schlosses verkündeten, daß kein Kämpfer mehr am Leben sei. —
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo ich hoffen durfte, meinen Todtfeind in meine Gewalt zu bekommen. Durch ein Decret
Frankreich.
* Paris, 13. März. Die Republik hat fast gleichzeitig zwei Niederlagen erlitten, indem der französische Controleur Bligni- sres in Aegypten das Feld räumen mußte, und ferner dadurch, daß bei der am Sonntag stattgefundenen Ersatzwahl von 5 Deputaten zwei Monarchisten siegten. Die ägyptische Militärpartei, welche jetzt das Staatsruder führt, ist entschieden franzosenfeindlich.
Rußland.
* Großes Aufsehen erregt ein Artikel des in Genf erscheinenden russischen Blattes ,Wolnoje Slowo', worin ein Petersburger Brief eines Führers der constitutionellen Partei mitgetheilt wird. Derselbe erklärt, daß die Partei aus ihrer bisherigen Reserve heraustreten und energisch für Erlaß einer Verfassung als der einzig möglichen Rettung Rußlands aus den inneren Wirren wirken wolle.
Amerika.
* Panama, 13.März. Aus Costarico wird gemeldet: ein Erdbeben zerstörte Ala- juela, Sanramon, Grecia, Heredia. Mehrere Tausend Menschen von Alajuela sind tobt; die überlebenden sind obdachlos.
Provincielles und Locales.
x. Fulda, 15. März. Laut Verfügung König!. Regierung zu Wiesbaden — cfr. ,Fuld. Ztg.' Nr. 60 unter „Provincielles und Locales" — ist während der Fastenzeit, mit Ausnahme des Geburtstages Sr. Majestät, jedes Tanzvergnügen untersagt. Ob für den Regierungsbezirk Cassel eine ähnliche Verfügung erlassen sei, wissen wir nicht, aber das wissen wir aus eigener Erfahrung, daß das alljährlich, auch heuer wieder, während der Fastenzeit auf dem hiesigen Viehmarkt inscenirte Caroussel- Vergnügen, den Tanzbelustigungen gegenübergestellt, noch weit lärmender, noch viel gefährlicher für die Sittlichkeit und daher noch viel unpassender ist. Welch' einen Spectakel vollführt da die lärmende Jugend, welche Schreimusik die allbekannte Schlüchterner Caroufsel - Drehorgel! Und dieses Vergnügen ist durchaus nicht so unschuldig, wie es scheint. Gelegentlich desselben ist zur Abendzeit schon der größte Unfug an geeignetem Orte, wie ihn die Umgebung des Viehmarktes bietet, getrieben worden! Ferner: Wie Viele versäumen des Wohlfahrtsausschusses war auch der Bürger Laroche als Deputirter beauftragt, in allen Provinzen der Republik, die Feinde derselben zu verhaften und sie vor das Revolutions-Tribunal zu stellen, ihre Güter einzuziehen, und jeder Bürger und die bewaffnete Macht waren aufgesordert, ihm hilfreiche Hand zu leisten.
Trotz des heftigen Winters trieb ich die mir zur Verfügung gestellte Colonne, aus einer Abtheilung Infanterie und einem Piquet Cavallerie bestehend, vorwärts, den Stammsitz des Grasen zu erreichen. Gelang es mir nicht, ihn hier zu finden, so durfte ich doch erwarten, Nachricht über seinen Aufenthalt zu erlangen. Der kurze Januartag neigte sich zu Ende, als wir nach einem beschwerlichen Marsche das Dorf erreichten, welches am Fuße des Hügels liegt, worauf das Schloß steht. Die kleine Spähertruppe, die ich ausgesandt hatte, kehrte mit der Meldung zurück, daß in dem kleinen Dorfe kein lebendes Wesen zu entdecken sei. — Nach eingebrochener Dunkelheit ließ ich die Soldaten in größter Stille einrücken und in den äußersten Gehöften Quartier nehmen. Die Posten wurden ausgestellt und bald lag alles in tiefster Ruhe. Ich beneidete die rohen Krieger, die jetzt ruhig um das Feuer gelagert, schliefen. Unruhe und Rache
über die Drehorgel am Viehmarkt den sonntäglichen Nachmittagsgottesdienst? . Wie viele schwänzen die Fastenpredigt im Dome, oder zur anderen Jahreszeit die Vieruhrpredigt? Wie Viele endlich tragen, um „Caroussel zu fahren", ihre letzten Pfennige auf das Viehmarkt! Wie Viele holen sich dafür obendrein noch eine gründliche Erkältung! Einsender dieses glaubt daher, ganz im Sinne der Wünsche einer hohen Staatsregierung zu handeln, welche jetzt mehr als je Religion und Sittlichkeit zu schützen und Armuth fern zu halten bestrebt ist, wenn er die Hoffnung ausspricht, man wtrde auch den Caroussel-Unfug während der hl. Fastenzeit ferner nicht mehr gestatten.
— Das Wohnhaus Nr. 108 am Steinweg ist um den Kaufpreis von 15,500 M. in den Besitz des Schuhmachers Damian Günther übergegangen.
— Vorgestern ist in Maberzell ein ca. 3jähriges Kind in einem Jaucheloche ertrunken.
— Minister Lucius macht in einem Schreiben an die Regierungspräsidenten auf die Nothwendigkeit aufmerksam, die Kartoffelfelder sorgfältig wegen des Koloradokäfers zu beobachten, nachdem int vergangenen Herbste an der Hafenkaie zu Bremerhaven ein lebender, wahrscheinlich von einem Schiffspassagier dorthin verschleppter Koloradokäfer aufgefunden worden ist.
Ö Dipperz, 14. März. Unvergeßlich wird unserer verwaisten Pfarrei der hehre Freudentag bleiben, welcher durch den hohen Besuch des Hochwürdigsten Herrn Bischofs Sonntag, den 12. März, uns geworden ist. Eine wahre Herzensfreude war es für Alle, als die frohe Nachricht eintraf, daß See Bischöflichen Gnaden am genannten Tage bei uns den Pfarrgottesdienst abhalten wolle. Unserer Pfarrei wurde bekanntlich in der Diöcese Fulda die erste - bis jetzt noch nicht geheilte — Wunde durch den Culturkampf geschlagen, indem unser Seelenhirt • - Herr Pfarrer Helfrich — durch Ausweisung aus Deutschland von seiner Heerde getrennt wurde. Doppelt groß mußte darum die Freude bei uns über die Ankunft des Hochw. Herrn Bischofs sein, und so suchte denn auch Jung und Alt, diesen frohen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. In kurzer Zeit war die Straße trieben mich hinaus. — Leise durchschritt ich die Dorfgaffe, an deren Ende die Vedet- ten int tiefsten Dunkel aufgestellt waren. Die Umrisse des Schlosses zeichneten sich scharf an dem klaren Himmel ab. Ein Fahrweg, mit Strauchholz besetzt, führte bis an die Uinfasiungsmauer des Schlosses. An keine Gefahr denkend, schlich ich derselben entlang, bis ich mich an der anderen Seite dem Thore gegenüber befand. Ein breiter Graben zog sich an dieser Seite des Schlosses hin, über welchen eine Zugbrücke zu führen schien, da er hier steil abfiel. — Nicht der geringste Laut verrieth die Anwesenheit von Menschen. Vergebens strengte ich meine Augen an, in der Finsterniß etwas zu erkennen. Wohl eine Viertelstunde lang verharrte ich, in meinen Mantel gehüllt und von einem Strauchwerk verdeckt, in derselben Stellung. Da glaubte mein Ohr in der Ferne den vorsichtigen Schritt eines sich Nahenden zu vernehmen. Ein kaum vernehmbares Knacken, als ob ein dürrer Zweig zerbrochen würde, sagte mir, daß ich mich nicht täuschte. Die Hand an dem Griff meiner Pistole, schmiegte ich mich fest an den Stamm des Baumes.
(Fortsetzung folgt.)