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auf dem bezeichneten Wege eine Vervoll­kommnung zu erstreben.

Abg. Dr. Windth orst befürwortet ent­gegen der Budgetcommission die Bestellung eines neuen Ministerialdirectorpostens, wert die Forderung bei dem Umfang der Arber- ten des Cultusministeriums nothwendrg fei, namentlich im Interesse des Unterrrchts- wesens. Er stimme für die Position, aber nur unter der Voraussetzung, daß die neue Stelle einem christlich-gläubigen Schulmanns übertragen werde.

Der Abg. Rickert (Secefs.) ist gegen die Bewilligung der Mehrforderung ans Sparsamkeitsrücksichten. Minister v. Goßler weist zahlenmäßig nach, daß hier die Sparsamkeit Rickerts übel ange­bracht sei, da eine moralische Rolhwendig- keit vorliege, für das Unterrichtswesen einen neuen Leiter zu bestellen.

Windthorst freut sich zwar, daß Rickert anfängt, von „Sparsamkeit" zu reden, kann aber das Sparen in vorliegendem Falle nicht billigen. Unter Falk hätten dieCul- turkämpfer das Geld mit Scheffeln wegge­worfen, alle von der Regierung geforderten Summen bewilligt, um ihre cultur- kämpferischen Ziele zu erreichen. Wenn die Liberalen sparen wollten, so sollten sie das thun bezüglich des „Kirchlichen Gerichts­hofes", der Schulinspection, des „alt­katholischen" Bischofs rc. Die Forderung der Regierung wird schließlich mit großer Majorität bewilligt.

Bein, „Gerichtshof für kirchliche Ange­legenheiten" (24,325 M.) ergreift das Wort der Abg. Dr. Windthorst, um sein Er­staunen darüber auszudrücken, daß die an­sehnliche Summe für einen Gerichtshof ge­fordert werde, der nichts zu thun habe und der vom ganzen Lande >ls überflüssig be­trachtet werde. Die Freicouservativen und die Conservatioen wünschen zwar auch die Beseitigung dieses Gerichtshofes, sprechen sich aber dennoch für die Position aus.

Windthorst fordert die Linke auf, doch einen Gesetzentwurf auf Beseitigung des kirch­lichen Gerichtshofes einzubringen. Er freue sich, daß es selbst bei den im Culturkampf am weitesten vorgeschrittenen Parteien, bei den Freiconservativen und Rationalliberalen nachgerade anfange, zn dämmern. (Heiter­keit.) — Die Position wird gegen die Stim­men des Centrums bewilligt.______________

davon ab und schlossen meinen Mund. Als ich klopfenden Herzens meinen Bericht geen­det hatte, fragte ich schließlich, wie es der Familie des Marquis ergehe. Das durch die Zweige der Eiche schimmernde Moud- licht ließ mich den schmerzlich traurigen Blick erkennen, den mein Jugendfreund auf mich beftete.

„Die Stille, die hier im Schlosse herrscht wird Dir ausgefallen sein," hob Louis an „jetzt darf ich Dir gegenüber reden. Große, Veränderungen sind hier vorgefallen. Der Marquis hat endlich dem Drängen seiner Familie und dem unsrigen nachgegeben und ist emigrirt. Großen Kampf hat es seinem ritterlichen Herzen gekostet; ich kehre eben mit der frohen Nachricht zu meinen Eltern zurück, daß die edle Familie in Sicherheit ist."

„Die ganze Familie? Die Comtesien auch?" keuchte ich aus gepreßter Brust hervor.

„Nicht alle. Der tapfere junge Vicomte hat den Segen seines Vaters zu dem hoch­herzigen Entschluß erhalten, dem Vaterlande seine Kräfte zu weihen. Der schwerste Kampf zwischen Pflicht und Liebe traf den Grafen Chataulaine. Seine Vaterlandsliebe hieß ihn das Loos seiner Brüder theilen, seine Liebe trieb ihn an, den Marquis und deffen Familie zu begleiten. — Niemals habe ich unfern edlen Herrn, und niemals seine Auf-

— Dem heutigen Trauergottesdienste in der russischen Botschaftscapelle für den am 13. März 1881 ermordeten Czar Alexan­der II. von Rußland, wohnten der Kaiser, der Kronprinz, die Prinzen Karl und Friedrich Karl, Wilhelm, Alexander und der Prinz August von Württemberg, die Erb­prinzen von Hohenzollern und Meiningen und die Mitglieder des Königshauses, welche der russischen Armee angehören in russischer Uniform bei. Bei der Trauerfeier waren außer­dem anwesend Feldmarschall Moltke, eine I Deputation des Alexander-Regiments, des Ulanen-Regiments Alexander II. und des Kürassir-Regiments Nikolaus. Der Kaiser begrüßte den russischen Gesandten Saburow I bei der Ankunft und Abfahrt herzlichst bewegt.

— Morgen findet anläßlich der Thron­besteigung des russischen Kaisers bei dem russischen Botschafter ein Galadiner statt, wozu das gesammte diplomatische Corps, die Minister, Unterstaatssecretär Busch, Moltke, die General-Adjutanten Goltz und Lehndorf und die obersten Hofchargen ge­laden sind.

— Profeffor v. Hertling hat einen Ruf als ordentlicher Profeffor der Univer­sität Breslau angenommen und wird in Eolge deffen, sobald die Ernennung amtlich erfolgt ist, sein Reichstagsmandat für den Wahlkreis Coblenz niederlegen müffen.

— Der permanente Ausschuß des preuß. Volkswirthschaftsrathes hat den Reichstabaks­monopol-Gesetzentwurf mit 16 gegen 9 Stim­men angenommen.

— Der im Reichsamt des Innern in der Ausarbeitung begriffene Entwurf eines Aus- wanderungsgesetzes naht sich seiner Vollend­ung. Vielfach wird der Wunsch laut, die Reichsregierung möge Sachverständige zu­ziehen, die diesen Entwurf einer gründlichen Prüfung unterziehen könnten.

— Aus Coustauz wird dem ,Bad. Beob/ mitgetheilt, daß ein früherer eifriger Ver- theidiger und Verbreiter des Altkatholicismus, der ehemalige Stationsmeister Leonhard Geiger, zur römisch-katholischen Kirche zurückqekehrt ist.

* Paderborn, 13. März. Infolge eines gestern von dem päpstlichen Uditore Monsignore Tarnassi aus Rom empfangenen Schreibens ist heute das hochwürdige Dom- capitel zu einer außerordentlichen Sitzung versammelt. (Liboriusb.)

Opferung und Seelengröße mehr bewundert als jetzt.

Unsere Comteffe Melanie war nach dem Uebereinkommen der beiden Familien be­stimmt, einst die Gemahlin des Grasen zu werden. Nicht bloß die Bestimmung der Eltern allein, sondern auch die gegenseitige Zuneigung der Verlobten hildete das Band.

„Theurer Graf" sprach der Marquis, Sie wiffen, daß es mein sehnlichster Wunsch war, die Häuser Chataulain und de St. George verbunden zu sehen. Ich glaubte den Zeitpunct der Erfüllung dieses Wun­sches noch fern. Die gewaltsamen Umwäl­zungen, die sich in unserem Vaterlande voll­ziehen, bestimmen mich zu einer Aenderung. Bevor ich meine unglückliche Heimath ver- laffe, will ich mein Kind in die Obhut des­jenigen geben, der ihr Herz gewonnen hat. — Still, ohne Aussehen, möge der Segen des Priesters Euch vereinen. — Dann sind Sie berechtigt, allein zu beschließen, ob Sie mit Ihrer Gemahlin mein Exil theilen wollen oder bleiben." —

Keines Wortes fähig, drückte der Graf die Hand des edlen Mannes und richtete in seligem Entzücken das Auge aus seine Braut.

„Melanie," rief er, „was soll ich thun?" „Deine Pflicht," war die Antwort.

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 12. März. Ueber die Kämpfe vom 8. u. 9. d. sagt der Korrespondent des ,Pester Lloyd': Was die Truppen an Marschleistungen über die unwirthlichen.pfadlosenFelsengebirge, über unermeßliche Eis- und Schneegletscher zuwege gebracht, gehört zu den bewunderungs­würdigsten Gewaltmärschen der Kriegsge­schichte und reiht sich ebenbürtig au den letzten winterlichen Balkanübergang der Rus­sen an. Die Bataillone der Division Kober, welche die gigantische Orjenska-Locva im klafterhohen Schnee überschritten ind 16 Stunden lang unaufhörlich marfchirt und gefochten, haben sich mit unsterblichem Ruhm bedeckt. Der ausgezeichneten Marschleistung und Gefechtstechnik aller sieben Colonnen ist der auffallend geringe Verlust, zusammen etwa 25 Todte und Verwundete, zu danken. Ueberall sahen sich die Insurgenten über­flügelt oder in der Flanke gefaßt und da­durch sehr bald ohne nachhaltigen Kamps aus ihren Stellungen gedrängt. In breiter Front förmlich in entwickelter Gefechtslinie I überschritten die Colonnen alle Gebirgszüge ohne Rücksicht auf deren furchtbare Zer­klüftung ober Steilheit. Der Begriff der Ungangbarkeit existirt nicht mehr für diese Truppen. Nur über die Orianska-Locva und die ebenso tief verschneiten, noch selten von Menschen betretenen Felsgrate der Bela- Greda mußten die Bataillone Mann hinter Mann aufgelöst einzeln balanciren, wie die Ziegen, und sich daun über die unermeßlichen Schneegletscher in die Tiefe hinabrutscheu lassen. Sogar die Saumthiere versagten den Dienst bei den formten Anstrengungen. Mit den Geschützen und dem Gepäck auf ihrem Rücken weitergetrieben, stürzte eines beim 16. Regiment mitfammt der Ladung in den Abgrund, ein anderes brach die Beine und mußte erschossen werden. Es erwies sich als absolute Unmöglichkeit, die Batterie und die Verpflegscolonne über die Felsgrate und Schneegletscher zu bringen; aber die Truppe kam weiter und so erschien sie unerwartet und überraschend auf den beherrschenden Punkten, wo sie von den Insurgenten nie erwartet worden war. Das allein brachte die Feinde schon von vornhinein in Verwirrung.

— Die nun vorliegenden amtlichen Tabellen über die Waaren-Ein- und Ausfuhr des österreichisch-ungarischen Zollgebietes im Jahre

„Ich bleibe," rief entschlossen der Graf, — „und ich bei Dir," flüsterte ihn um­schlingend die Comteffe.

Die Vermählung wurde in größter Stille vollzogen und in derselben Nacht verließ die ganze Familie das Schloß. Wie ich bereits mittheilte, ist dieselbe glücklich allen Gefahren entgangen. Der Vicomte begleitete die Neuvermählten in ihre Heimath."

Beim Beginnen der Erzählung zwang ich mit Aufbietung aller Kräfte mein wild schlagendes Herz zur Ruhe. Ich konnte mich kaum bemeiftern, meinen Schmerz laut aus­zuschreien, und hielt mit übermenschlicher Anstrengung meine Gefühle zurück. — Eine Lethargie folgte der unterdrückten Aufregung, und wie aus weiter Ferne schlugen in schwachen Sauten die Worte meines Freun­des an mein Ohr. —

Plötzlich fühlte ich mich wie aus einem Traume heftig aufgerüttelt, und wie aus einer tiefen Betäubung erwachend schaute ich auf. —

„Gayon, um Gottes Willen, Gayon, was ist mit Dir vorgegangen? Bist Du krank? Komm", fuhr der besorgte Freund fort, „komm laß' uns in's Haus gehen, Du fieberst." —

(Fortsetzung folgt.)