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Mittwoch, den 15. März 1882

Fuldser Sil Jeitung.

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qp. Die gegenwärtige Hand- werksnoth.

(Schluß.)

Zu dem Concurreflzkampf der Handwerker unter sich kommt die Concurrenz des Fabrik­betriebs und des zwischenhandelnden Capitals; Zwei Umstände werden dem Handwerk von Seiten des Fabrikbetriebs verderblich: die Maschinenarbeit und der Großbetrieb. Durch sie kann der Fabricant um sehr Vieles wohlfeiler produciren als der Handwerker, die Maschine liefert in derselben Zeit und für dieselben Kosten ein vielleicht hundert­fach größeres Arbeitsproduct, als der Hand­werkbetrieb mit seiner Handarbeit, abgesehen davon, daß die Massenproduction der Fabrik den Markt mit Maaren überschwemmt und so durch Erhöhung des Angebots die Preise drückt. Nicht minder ist bekannt, daß der Einkauf des Rohmaterials in großer Maffe iveit wohlfeiler zu stehen kommt, als der in kleinen Quantitäten. So sind eine große Reihe von Handwerkern dem Fabrik­betrieb zum Opfer gefallen, Anderen sind die gewinnbringenden Artikel entzogen, und ist nur die Flickarbeit geblieben, die wenig erträglich ist.

Eine ganz eigenartige Concurrenz hat das Handwerk noch auszuhalten mit einem Theil des Handelsstandes. Dank der Ge­werbefreiheit hat sich nämlich zwischen das producirende Handwerk und das consumirende Publicum ein ganz unnöthiger Zwischen­handel eingedrängt. Mer kennt heute nicht die Kleiderhandlungen, Schuhhandlungen u. s. w., in welchen die betreffenden Hand-

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

8. Kapitel.

Golden fielen die Strahlen der unter­gehenden Sonne auf die Zinnen der Schloß- thürme. Ein sanfter Abendwind säuselte durch die Zweige der stattlichen Eichen. Stille rings umher, nur unterbrochen von dem eintönigen Gekrächze der Krähen, die ihr Nachtlager aufsuchten. Meine Augen sahen nicht die vergoldeten Wipfel der Bäume, nicht das Glitzern und Hüpfen des Lichtes in den vom Winde sanft bewegten Laub­kronen. Unverwandt waren sie auf das Ge­bäude gerichtet, in welchem das Theuerste, was es für mich auf Erden gab, weilte. Klopfenden Herzens betrat ich den Schloß­hof, welcher wie ausgestorben war, und lenkte meine Schritte zu der Wohnung des Verwalters.

War es mein plötzliches Erscheinen oder mein verstörtes Aussehen, was die guten Leute bei meinem Eintreten erschreckte?

„Gatzvn, wie unerwartet!" rief der Ver­walter überrascht aus. „Doch setze Dich, Du scheinst sehr ermüdet zu sein."

„Ich fühle mich nicht wohl," antwortete lch ausweichend.

werksproducte nicht unmittelbar von den producirenden Handwerkern, sondern von Zwischenhändlern, meistens Juden, verkauft werden, ganz zu schweigen von den Wan- derlagern mit ihren „Schleuderpreisen" und Schwindelwaaren. Theils durch Maffen- einkäufe, theils durch Erwerb von Ausschuß- fabrication oder durch Gantkäufe ist es einem solchen zwischenhändlerischen ,, Kaufmann" möglich, seine Maare zu Preisen abzulassen, daß die betreffenden Handwerksleute mit ihm nicht concurriren können. Sie büßen ihre Kundschaft ein und sehen sich über Kurz oder Lang gezwungen, von den Händlern sich Arbeit geben zu lassen, der ihnen dann aber wahre Hungerlöhne festsetzt, zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Unter allen Sünden, welche das Mucher- judenthum gegen unser deutsches Volk be­gangen, ist nicht die geringste die, daß es auf die genannte Meise ganze Zweige des Handwerks zu Grunde gerichtet und die Handwerksarbeit in eine schmähliche Ab­hängigkeit vom Capital gebracht hat.

Während so die liberale Gesetzgebung den Handwerkerstand, zu einem fieberhaften und darum aufreibenden und schwächenden Ring- kampf mit der Großindustrie und dem Capital zwingt, müssen wir auch den Hand­werkerstand selber mancher Fehler und Mißstände anklagen, durch welche er seine mißliche Lage mitverschuldet hat, Fehler und Mißstände, die freilich durch die nämliche Gesetzgebung erst möglich gemacht, bezw. veranlaßt worden sind. Wir meinen damit den Mangel an Gemeinsinn und Corpsgeist, ferner die bekannte Indolenz der Handwerker

Die gute Hausfrau brachte schnell einen Imbiß und eine Flasche Bordeaux, von welchem ich ein Glas hastig hinunterstürzte. Die theilnehinenden Fragen nach dem Be­finden des Vaters, nach den letzten Tagen der Verstorbenen waren neue Dolchstiche für mein krankes Herz.

Glücklich gelang es mir, über diese pein­liche Unterredung hinweg zu kommen, da eben Louis, bestaubt und erhitzt, wie es schien von einer Reise, zurückkehrte. Der fragende Blick, den die Mutter auf den Ein- t^ejjben richtete, wurde ebenso lautlos be­antwortet. Sie faltete die Hände ineinan­der und richtete einen dankenden Blick nach oben. Ich las die Ueberraschung, mich hier zu sehen, auf dem Gesichte meines Freundes, doch reichte er mit gewohnter Herzlichkeit mir die Hand zum Gruße.

„Run komm' aber, liebes Kind, und kleide Dich um; Du wirst recht müde sein," sprach die besorgte Mutter und verließ mit Louis das Zimmer.

„Hat Louis eine größere Reise gemacht?

„Jawohl", erwiderte der Verwalter, „doch bitte ich mich zu entschuldigen, da ich noch nothwendige Verrichtungen habe. Louis wird gleich bei Dir sein."

Was war denn hier vorgefaüen? Diese Stille, diese Zurückhaltung! Wirre Gedanken

in Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen, endlich gewisse grobe Fehler, die bei Heran­bildung für das Handwerk, sowie beim Betrieb desselben gemacht werden. Doch dieses Capitel werden wir vielleicht ein anderes Mal abhandeln.

Deutsches Reich.

* Berlin, 13. März. Gestern beehrte Se. Majestät der Kaiser den Fürsten v. Bismarck, welcher durch fortdauerndes Unwohlsein an das Zimmer gefesselt ist, mit seinem Besuche.

— Abgeordnetenhaus. 33. Sitzung vom 13. März. (Fortsetzung der 2. Berathung des Etats des Cultusniinisteriums.) Die Re­gierung fordert die Beförderung eines vortra­genden Rathes zum Ministerialdirector und einen neuen Ministerialrath. Es sollen also 3 Directoren und 28 Rät he im Kultusmi­nisterium arbeiten. Die Commission bean­tragt, nur 2 Directoren und 28 Räthe zu bewilligen, v. Goßler führt aus, daß ein 3. Director, namentlich für das immer größere Ausdehnung annehmende Unterrichts­wesen, eine Forderung der Nothwendigkeit sei. Dr. A. Reichensperger begrüßt es mit Freuden, daß für die Erhaltung der Kunstalterthümer nun ein besonderer vor­tragender Rath angestellt werden solle. Man müsse aber die Erhaltung der Kunstalter­thümer gesetzlich regeln, damit die betreff. Beamten innerhalb bestimmter vom Gesetze gezogener Schranken selbstständig vergehe^ könnten. Herr v. Goßler dankt für M ' vom Vorredner an den Tag gelegte Inte­resse für die Kunstdenkmäler und verspvM, durchkreuzten mein Hirn, die bald durch den Eintritt Louis' unterbrochen wurden.

„So," sprach er herzlich, „nun laß uns dem kräftigen Rehbraten zusprechen; ich habe einen ganz respectablen Hunger mitgebracht; komm, folge meinem Beispiele und dann er­zählst Du mir nachher von Deinen, guten Vater und von der Heimgegangenen Mutter."

Die alte Herzlichkeit des Freundes ließ mich für den Augenblick Alles vergessen, und mit Vergnügen sah die gute Frau, daß ich jetzt an den, früher verschmähten Imbiß Theil nahm.

Nach beendetem Mahle schob Louis seinen Arm unter den meinen und sprach: „Nun komme, der Abend ist so schön; laß uns die erfrischende Kühle genießen." Wir nahmen auf der Ruhebank am Springbrunnen Platz. „So, nun berichte mir über Deine gute Mutter."

O, hätte der edle Jüngling in mein armes zerrissenes Herz sehen können, hätte er den traurigen Zustand meiner Seele erkannt! An seinem starken Herzen hätte ich mich vielleicht aufgerichtet'und wäre zurückgekehrt zur Pflicht und zum Gottvertrauen. Ich war im Begriffe, mich an seine Brust zu werfen und den elenden Zustand meiner Seele ihm zu offenbaren, jedoch unglückliche falsche Scham und Leidenschaft hielten mich