Sonntag, den 12. März 1882.
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-r- Der Hausirhandel
ist die Wurzel einer Menge socialer Uebel- stände, eine Quelle großen wirthschaftlichen Elendes unter dem Volke, ivenigstens in manchen Gegenden Deutschlands. Damit meinen wir aber nicht den verhältnißinäßig unschuldigen Hausirhandel armer Leute mit Band, Schnüren und Knöpfen oder mit Seife, Kämmen und dergleichen, sondern den Hausirhandel, wie er vorzugsweise von den Juden ausgeübt wird, den Hausirhandel mit Vieh, Fleisch, mit Ellenwaaren und sonstigen Gegenständen. Dieser Hausirhandel müßte schlechthin verboten sein, denn dieser ist es, der das Volk aussaugt. Acht Zehntel der süddeutschen Juden sind solche Hausirer, welche den ganzen Mg, selbst den Sonntag — nur den Sabbath nicht — die Dörfer hausirend durchziehen, von Morgen früh bis Abend spät mit ihrer unwiderstehlichen Zudringlichkeit, Geschmeidigkeit und Überredungskunst den Bauern, Handwerkern und Taglöhnern ihre Maare aufdringen. Der eine verleitet den Bauer zu einem unzeitigen Ankauf oder Verkauf eines Stück Viehs, der andere zu einem für den Bauer fast immer ungünstigen Viehtausch, wie es vielfach Sitte ist. Selbstverständlich ist der Bauer dabei unter zehn Fällen neunmal der Geprellte. Ein anderer Hausirer dringt den Leuten feine Ellenwaaren, wieder ein anderer sein Heisch oder sonstiges auf, auch wenn die Leute gar nicht daran denken, etwas zu kaufen, weil sie weder Bedürfniß noch Geld dazu haben. Der Jude schwätzt es ihm auf, wirst es ihnen wohl gar ohne Bezahlung auf den
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Durch Nacht zum Licht.
. Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung.^
Trunken hafteten meine Blicke auf der schönen Jungfrau iWd ohne Widerstand lie^ ich den Gedanken, sie zu erringen, neue Wurzel schlagen.
Ich fand die Frau GiM allein zu Hause. Der Verwalter und sein SHn, welcher seinen Dienst verlassen hatte, waren abwesend und kehrten erst ain späten Abend zurück. Ermüdung vorschützend, zog ich mich bald auf mein Zimmer zurück. — Schreckliche Nacht. - Tausend Gedanken und PMe durchkreuzten mein Hirn. Das SinnlL meiner Leidenschaft erkennend, beschloß'lU schnell, das Schloß zu verlassen. Meine thörichte Leidenschaft sprach dagegen. — Warum sollte es mir unmöglich sein, die Theure zu erringen? Alle gesellschaftliche Ordnung war ja umgeworfen, dem entschlossenen Manne jetzt Alles möglich. Melanie verdankte mir ihr Leben, der Marquis überhäufte mich mit Gunstbezeugungen. — Ich beschloß, zu bleiben, unter dem Marquis den Landesvertheidigern beizutreten und auf glücklichen Zufall zu hoffen. — Dex Morgen dämmerte bereits, als ich mich erschöpft auf's Lager warf!
Mit aufrichtiger Freude begrüßte ich meinen
Tisch und geht fort mit den Worten: „Ich borge Euch noch zehnmal so viel, Ihr seid mir ein guter Mann."
Auf diese Weise werden die Leute zum Borgen und Schulden machen gezwungen und diese beim Hausirhandel gemachten Schulden sind die Grundlagen des Wuchers und des völligen wHhschaftlichen Ruins der ländlichen Bevölkerung. Natürlich verlangt der Hausirjude später Bezahlung, aber der Mann hat kein Geld, der Jude schlägt ihm einen neuen Handel vor und der Mann geht aus Rücksicht für den Juden darauf ein. So häuft sich die Schuld und wenn dann wieder die Zeit des Zahlens kommt, dann fangen die Wucherzinsen, die Capitalzuschläge und schließlich die Wechsel an, his der Mann mit Hab und Gut dem Juden gehört. In der Regel hängen die Leute erst mit mehreren Juden; um die vielen los zu werden, borgen sie schließlich bei dem, welcher ihr größter Gläubiger ist, noch so viel, um die andern zu bezahlen, und dann gehören sie dem einen mit Leib und Seele. Sind sie erst so weit, so bringt ihnen der Jude das Vieh, welches er sonst nicht los werden kann, sie müssen es ihm dann abkaufen oder tauschen. Das geht so 4, 5 auch 10 Jahre fort, ±ann sind die Leute fertig. So Mgen diese Hausirer das Volk aus. Die meisten reichen Handels- und Börsenjuden in den großen süddeutschen Städten sind solche Hausirer gewesen.oder stammen von solchen ab. Wenn sie durch diesen Handel reich geworden sind, ziehen sie in die Städte und beginnen den bequemeren Geldhandel, haben sie ja doch auf
dem Lande noch ihre Verbindungen, durch welche sie dann den Bauern ihre Börsenpapiere, Actien, Lotterieloose aufhängen. So lange dieser Hausirhandel nicht beseitigt ist, helfen auch die Creditgenossen- schaften nicht viel; denn der Handelsjude weiß den Bauer an sich zu binden, und so lange er ihn hat, zwingt er auch den Bauer, von ihm zu kaufen.
In früherer Zeit, wo in vielen Dörfern noch keine Schlächter und Krämer waren, mag der Hausirhandel ein Bedürfniß gewesen sein, in einzelnen abgelegenen Ortschaften mag er es noch sein, aber im allgemeinen ist der Hausirhandel kein Bedürfniß mehr, sondern ein großes wirth- schaftliches Verderben für unser Volk, und muß deshalb beseitigt oder doch wenigstens bedeutend beschränkt werden. Wer Handel treiben will, soll sich einen Laden halten, und warten, bis die Leute zu ihm kommen, um ihre Bedürfniffe zu kaufen. Wir sind überzeugt, daß dann die Leute auf dem Lande nicht halb fo viel Geld ausgeben oder borgen, daß dem Wucherthum ein wirksamer Riegel vorgeschoben und der Wohlstand unseres Volkes in ungeahnter Weise sich heben wird. Wenn unser Bauernstand früher wohlhabender war als jetzt, so ist einer der Hauptgründe der, daß er früher nicht so viel Geld ausgab, weil ihm die Hausirer nicht so Tag für Tag vor der Thüre lagen, wie das jetzt der Fall ist. Wer das Volksleben kennt, wird uns Recht geben. Der Hausirhandel^ ist ein großer Krebsschaden, er muß beseitigt werden, sonst werden alle anderen Mittel
schäft verblendet, ohne Ruhe, voll Egoismus, wie ein Schiff ohne Steuer auf stürmendem Meere. — Der besorgte Blick, der mich traf, als ich ihm erwiderte, daß ich noch keinen festen EAschluß gefaßt habe, schnitt mir durch die SeE — HLagelang kämpften die widerstreitendsten Gefühle in meinem Herzen. Bald erfüllte die größte. Glückseligkeit mein Herz, . bald fühlte, ich mich namenlos elend. Jedes ^freundliche Wort, welches die geliebte Jung- ftau an mich richtete, ueder Blick ihres seelenvollen Auges, der mich hcaf, vermehrte meine verderbliche Leidenschaft. Wurde in ruhigen Augenblicken es mir auch zur Gewißheit, daß sie mrkfrenndsHaftliche Gefühle für ihren Lebensretter'xnd Jugendgespielen empfinde, tjo warf meine blinde Leidenschaft sofort wieder
alle Gründe^er Vernunft nieder.
X Am üierMk«Sgge. nach meiner Ankunft iVbete ein RHknecht» die Zurückkunft des Wärquitz. FreMg lKichtete das Auge der ~~ juife-auf, welche mit ihren Kindern auf dem Schloßhofe die Zurückkehrenden erwartete, als die Ersehnten heranjvrengtei^v Ter Edel- AaM war voi^svei jMZeiXöerr^Wd einigen Damern "begleiten Der enkste Ausdruck in feineh Zügen schwand, als er die Seinen wiedersa h, und herzlich begrüßte er seine Gemahlin und seine Kinder. In dem einen der Begleiter erkannte ich sofort den Sohn;
Jugendfreund am nächsten Morgen. — Im ersten Rausch der Freude vergaß ich meine unselige Leidenschaft.Louis war zu einem stattlichen jungen ÄMte herangewachsen. Die kleidsame Jägertracht, die sein kräftiger Körperbau vortheilhäft hervorhob^ein ernstes, kühnes Ange, fein durch Wettet mW Sonne dunkel angehauchtes Gesicht, worauf, aber^ kindliche Unschuld sprach, tutete jeden Be-V^ schauer für ihn gewinnen. Tfce wenigen Jahre hatten ihn zum festen Mumie gereift. Mit klarem Verstände beurtheilte e^die Zi^e der Revolutionspartei und erkannte nut richtigem Blick die drohende Gefahr. ^Mein Lebenswegs sprach er, als 'wir OT^in Arm den Park Purchwandelten, „ist tmrYJK gezeichnet. Diiv Revolution wirft KirW> s Thron Unfalles Heste'htznde über den Haufen. EcstLre zu bekämpfen, das Andere mit meinem . Herzblut zu vertheidigen, ist mir heilige Pflicht. Jetzt erkenns^ich da^öahre in de Werten des heidnische^DiMevtz^tuIoo e decorum est pro patria — Doch was gedeihest Dutte thun?,MllstDu in dieser .schweren Zeit noch an's..Sbudiren.^benken?" >
Wie beschämt fühlte ich mich neben meinet Freunde. Dieser fest, ruhig der kommenden Gefahr entgegen gehend, bereit, sein junges Leben für die höchsten Güter der Menschheit einzusetzen, und ich, von unsinniger Leiden