JH 57. Freitag, den 10. März 1882.
Jfulbarr
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Die konservative Partei und die Volksschule.
(Schluß.»
Nicht also zu religiöser Duldsamkeit werden in den Simultanschulen die Kinder erzogen, wohl aber zu religiöser Gleichgiltigkeit. Wie könnte es auch wohl anders sein?! Sehen doch die Kinder, wie die Religion bei Seite geschoben und als Gegenstand, auf den eigentlich nichts ankommt, so nebenbei behandelt wird, merken sie doch sehr wohl den inneren Zwiespalt, ja die innere Unwahrhaftigkeit in ihrem Lehrer, der ihnen beispielsweise in^ ber, Religionsstunde den Spruch sagt: „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht rc.", und der dabei es nicht wagen darf, wenn alle seine Schüler zugegen sind, den Unterricht mit einem Choralverse oder mit einem christlichen Gebete zu beginnen. Ja ein Lehrer an einer Simultanschule ist schlimm daran und seine Stellung ist ziemlich das Jammervollste, was nian sich denken kann, er ist amtlich fast gezwungen, nach der einen oder nach der andern Seite hin zum Heuchler zu werden. Ist ihm die Religion Herzenssache, nun so darf er alle Woche viermal je eine Stunde von ihr zu einem Theile feiner Schüler reden; aber damit ist es auch fertig, in den übrigen 20 bis 24 Stunden muß er von ihr absolut schweigen und thun, als ob sie nicht existirte, und das ist im Grunde nichts anderes als Heuchelei. Und auf der anderen Seite: Steht der Lehrer mit seiner Ueberzeugung auf naturalistisch-liberalem @tanb<
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Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Das frohe Haloh ber nahenden Bootsleute zwang uns unsere Herzensergießungen zu unterbrechen. Wir stiegen zum Landungsplatz hinab, die armen Fischer zu bewirthen. — Die Strahlen der sinkenden Sonne übergossen bei unserer Heimkehr das kleine Dörfchen. Die Mutter, welche in der Hausflur uns erwartete, reichte unter Thränen lächelnd mir ihre Hände entgegen.
„Mein Kind!" „„Liebe Mutter!"" In diesen Worten lag alles, was unsere Herzen einpfanden.
Nach dem Abendessen holte die Blutter eine Schachtel aus ihrer Truhe, welche die Kleidungsstücke enthielt, die ich bei dem Schiffbruche getragen hatte. Mit Ehrfurcht betrachtete ich sie, hatte doch eine liebende Mutterhand miet) damit bekleidet.
„Mein lieber Sohn," nahm die Mutter das Wort, „sorgfältig habe ich Deine Kleid- 1 chen aufbewahrt. Vielleicht vermitteln sie einmal das Auffinden Deiner Eltern. Nach Schnitt und Stoff zu schließen, gehören sie i den besseren Ständen an. Ob - das Tuch t auch das Eigenthum Deiner Eltern gewesen, i
e punkte und soll den Kindern seiner Con- fession die Religionsstunden ertheilen, so muß er sie etwas lehren, was er selber - nicht glaubt, und das ist wieder nichts - anderes als Heuchelei. Also: Heuchelei - hüben, Heuchelei drüben und das ganze i nennt sich — Schule der Toleranz! Das - kann also nicht die Schule sein, die ein । conservativer Mann für sein Volk wünschen und erstreben muß.
Gehen wir nun von der Negation zum Positiven über und fragen wir: Wie soll denn die Volksschule beschaffen sein und auf welchem Principe soll sie beruhen, so wird die Antwort lauten müssen:
Wir verlangen eine Volksschule, in welcher die Kinder des Volkes inBezug auf ihren irdischen Beruf zu tüchtigen, brauchbaren, charaktervollen Menschen und in Bezug auf ihre himmlische Berufung zu Kindern Gottes, die das ewige Leben erwerben können, herangebildet und erzogen werden.
Danüt ist ausgesprochen, daß die Volksschule nicht bloß Unterrichtsansialt sein foll, sondern in erster Linie Erziehungsanstalt. Durch Unterrichten allein, d. h. durch Mittheilen einer gewissen Menge von Kenntnissen und Fertigkeiten wird noch kein tüchtiger, für das Leben brauchbarer Mensch herangebildet, sondern dazu bedarf es vor Allein der Bildung des Willens, der Erziehung zum Charakter. Nicht Bildung des Verstandes allein, nicht die Menge des Wissens, nicht die Intelligenz allein rüstet den Mann geeignet aus für oder ob eine mitleidige Hand es Dir in der Sturmesnacht umgelegt hat, wer ver- niag darüber zu entscheiden? Wie Du siehst, ist Dein Hemdchen mit einem G. gezeichnet. Die Krone in der Ecke des Tuches trägt keine besonderen Merkmale. Sieh, mein lieber Sohn, Dein Vater und ich haben Dich wie unser leibliches Kind erzogen. Durch das Ereigniß auf deni Schlosse ist Dir für Deinen zukünftigen Beruf eine mächtige Hilfe geworden. Bleibe fromm und fleißig wie bisher! Fügt es dann der liebe Gott, daß Du Deine Eltern wiederfindest, so dürfen sie mit Stolz ihren Sohn in ihre Arme schließen. Wir werden dann mit Freuden unser Kind an sie abtreten." —
„Nein, liebe Mutter," entgegnete ich gerührt, „was auch kommen mag, Du und der Vater werden stets den ersten Platz in meinem Herzen einnehmen. Ich müßte das undankbarste Herz haben, wenn ich je Eure Elternliebe vergessen könnte."
Meine Eltern habe ich niemals gefunden und ach! auch meine theuren Pflegeeltern verloren.
7. Capitel.
Die Abschiedsstunde war gekommen. Niemals hatte ich die Mutter so bewegt und ergriffen gesehen. Schluchzend lag sie an ! meiner Brust und bezeichnete meine Stirne j
den Kampf des Lebens, in den er hinein 1 muß, sondern dieser Kampf des Lebens verlangt ganze Männer, ganze Männer mit Hellem V e r st a n d, mit war m e m
Herzen uud mit festem Willen.
Will und foll nun die Volksschule an ihrem Theile mit dazu beitragen und mit dazu thun, daß unserem Volke in seiner aufwachsenden Generation, in seinen Kindern solche echte Männer herangebildet und erzogen werden, so kann sie dieser Forder- , ung nur auf einem einzigen Wege gerecht werden, und das ist der, daß sie sich ganz und voll auf den Boden der Religion stellt, daß sie von ihr, von der positiven christlichen Religion, ihr ganzes Sein und Wesen, ihr ganzes Thun und Treiben durchdringen, befruchten, leiten und regieren läßt. Diese belebende und befruchtende Religion aber ist nicht ein ab- straetes, wesenloses Gedankending, nicht eine verwaschene, sentimentale Gefühlserregung, nicht eine Sammlung von Regeln und Vorschriften der, Sittlichkeit, sondern es ist die positive, "g eoffenbarte christliche Religion, wie sie sich geschichtlich ausgestaltet und herausgebildet hat in den Confessio ne n. Daher präcisirt sich denn die allgemeine Forderung, daß die Volksschule auf dem Boden der Religion stehen soll, näher dahin, daß wir eine e ousessio- nette Vo ksschule haben und behalten wollen. Unser deutsches Volk besteht aber im Großen und Ganzen zum Theil aus evangelischen, zum Theil aus katholischen Christen, und daher soll auch auf dem Gebiete der Volksschule nach dem mit dem hl. Kreuzzeichen. „Reise mit Gott, mein Kind," hauchten ihre milden Lippen, und auf's tiefste erschüttert, riß ich mich aus ihren Armen.
Der Familie des Verwalters hatte ich vorder Abreise zur Universität meinen Besuch zugesagt, lieber Louis hörte ich nur Gutes. Von dem Schloßherrn wurde ich auf's freundlichste empfangen. Auf mein Befragen nach dem Befinden seiner Familie, theilte er mir mit, daß sein Sohn, den ich noch nicht kannte, von der Kriegsschule zurückgekehrt sei, um baldigst als Fähnrich bei der Garde einzutreten. Die freie Zeit, welche ihm noch zur Verfügung stehe, habe er nun dazu benutzt, in Begleitung seiner Schwestern einen Besuch bei dem Grafen Chataulain zu machen, dessen Sohu mit ihm gleichzeitig die Kriegsschule besucht habe. Der niedergeschlagene Ausdruck meines Gesichts bei diesen Nachrichten mochte dem Edelmann nicht entgangen sein. — Lächelnd fuhr er fort: „Sie werden allerdings die gewohnte Begleitung zu Ausflügen entbehren müssen. Wenn ich Ihnen Ersatz bieten kann, so mögen Sie mich begleiten. Die Zeitverhältnisse verlangen, daß ich im ununterbrochenen Verkehr mit den Pächtern meiner Güter bleibe. Ich habe die nächsten Tage zu größeren Reisen bestimmt, und da Herr Girot ohnehin sehr