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Durch Nacht zum Licht.' Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Ich eilte nach Hause, die Zustiminung i . meiner Eltern zur Fortsetzung meiner Studien zu erhalten. Der Beistimmung der Mutter war ich sicher; .brauchte ihr Gatzvu sich dann doch nicht den Gefahren des Meeres auszusetzen. Anders war es bei dem Vater. Seine echte Seemannsnatur konnte es nicht fassen, daß ich dem ihm so lieben Beruf entsagen wollte. — „Was sind die Rechtsge- gelehrten? Rechtsverdreher, Federfuchser, die, wenn sie ehrlich sind, grau werden, ohne es zu etwas zu bringen. Warum willst Du Dein frisches Leben in die dumpfe Schreib- i stube bannen, worin Du wie eine Mumie vertrocknen wirst? — Sieh' Dir den Seefahrer an; dieser ist der König der Erde.
i Wenn er die Planken seines stolzen Schiffes unter seinen Füßen hat, welches ihm gehorcht, wie das Kind der Mutter, und das weite, unermeßliche Weltmeer um sich her, dann l fühlt er, daß er der König der Schöpfung
, ist. — Warum sich einen so enggezogenen
Wirkungskreis wählen? Schauen die Stuben- , j; Menschen wohl die herrlichen Palmen des
> j j Südens, die reichen Fluren Indiens, die
i i von der Sonne vergoldeten Städte und
Berge, fremde Völker und Nationen? — Bedenke das alles wohl! — Ich erkenne, was Deine Sinnesänderung hervorgerufen hat. Durch die kühne, mannhafte That hast Du Dir das Wohlwollen des Marquis erworben. Als echter Edelmann lohnt er Dir dieselbe durch seine Zuneigung und seine Hilfe. Die Erinnerung an seinen Bruder stimmt ihn nicht freundlich gegen den von demselben ergriffenen Beruf und fo hat er unbewußt dazu beigetragen, Deine Sinnesänderung zu stärken. Wir wollen diesen Nachmittag unfern guten Pfarrer aufsuchen, dessen Rathschläge hören und dastn beschließen, was wir für gut erkennen."
Der Pfarrer, den ich jedesmal in den Ferien besuchte, empfing uns aufs freundlichste.
Nachdem der Vater ihn von dem Zwecke unseres Besuches unterrichtet hatte, legte der würdige Greis seine Rechte auf meine Schulter, den prüfenden Blick seines milden Auges fest aus mein Antlitz gerichtet: „Mein lieber Ga^on," sprach er nach einer Pause, „Du hast nun das Alter erreicht, wo an jeden jungen Mann die Pflicht herantritt, über seinen Beruf zu entscheiden. Mit vieler Freude habe ich gesehen, daß Du "Deine Studien mit Fleiß und regem Eifer betrieben und Dein braves, unverdorbenes
I
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* Die conservative Partei und die Volksschule.
Unter dieser Uebersicht bringt das conservative ,Casseler Journal' folgenden, offenbar von einem gläubigen Protestanten verfaßten Aufsatz, den wir auch unfern Lesern unterbreiten wollen, weil die darin ausgesprochenen Grundsätze über das Ver- hältniß des Religionsunterrichts zu den übrigen Unterrichtsfächern in der Volksschule unstreitig die richtigen sind. Das ,Journal' schreibt:
„Wer die Schule hat, der hat die Zukunft." Dieser Satz, wenn auch bis zum L Neberdruß oft gebraucht und ausgesprochen, enthält gleichivohl eine große Wahrheit, und in der Erkenntniß dieser Wahrheit hat denn auch der „Liberalismus" nicht gesäumt, in den Jahren seiner Herrschaft sich des Gebietes der Volksschule nach Kräften zu bemächtigen, sie, soviel er konnte, nach seinen Principien zu gestalten, vor allem sie aus ihrem natürlichen Zusammenhänge mit der Kirche herauszureißen, die Religion aus t ’ ihrer centralen Stellung in ihr zu verdrängen und damit die Schule aus einer ' christlichen Erziehungsanstalt, in der die Menschenkinder zu Kindern Gottes erzogen >1 ' werden sollen, zu verwandeln in ein bloses Unterrichtsinstitut, in welchem es in erster Linie nur darauf ankommt, eine möglichst große Masse von Kenntnissen und Fertigkeiten mitzutheilen und anzueignen. Das ist in kurzen Worten die Charakteristik der Bestrebungen des Liberalismus auf dem Gebiete der Volksschule, das ist ^auch im Ganzen und Großen die Signatur und das
Wesen der vom Liberalismus erstrebten sogenannten Simultanschule. Mag man liberalerseits auch noch so viel davon reden und noch so eifrig es betonen, die Simul- tanschule fei nicht religionslos, sie fei auch nicht konfessionslos, denn sie sorge ja dafür, daß jedes sie besuchende Kind in der Religion und zwar in seiner Confeffion unterrichtet werde, sie wolle ja nur die Religion und speciell die confeffion eKe Religion von den Lehrgegenständen fern halten, in welche sie nicht hineingehöre, sie wolle nur der konfessionellen Unduldsamkeit entgegenarbeiten u. s. w.: alle derartigen Aeußer- ungen über die Simultanschule sind in Wahrheit nichts weiter als „Sand in die Augen" gestreut, namentlich der großen Menge derer, die nichts davon verstehen, derer, die auf der einen Seite wohl für freisinnig gehalten werden wollen, auf der anderen Seite aber doch davor zurückschrecken würden, wenn ihnen die letzteu Ziele und Consequenzen der naturalistischen Principien des Liberalismus in unverhüllter Nacktheit und Wahrheit gezeigt würden. In dieser einfachen, unverhüllten Wahrheit ausgesprochen, heißt die Sache aber so: Das letzte Ziel, welches der fortgeschrittene Liberalismus im Auge hat und, wenn er consequent fein will, im Auge haben muß, heißt: Fort mit der Religion! Fort mit der Religion aus dem Leben des Volkes und darum fort mit der Religion aus den Schulen des Volkes, also: religionslose Schulen!
Da man aber sehr wohl weiß, daß das im Augenblick doch noch nicht geht, sondern
daß dagegen der im Volke noch vorhandene religiöse Sinn sofort energisch protestiren und reagiren würde, nun so fängt man langsam an, nimmt zunächst mit einer Abschlagszahlung sürlieb und denkt: Den Rest treiben wir bei gelegener Zeit schon noch ein. Diese Abschlagszahlung aber heißt aus dem Gebiete der Volksschule die Simultan- oder, wie später beliebt wurde, die paritätische Schule. In ihr wird, wie schon angedeutet, die Religion aus dem Mittelpuncte der Schule, den sie bisher einnahm und von dem aus sie ihre erwärmenden und belebenden Strahlen in alle übrigen Disciplinen entsandte, her- ausgenommen und einfach als eines der vielen Unterrichtsfächer für sich behandelt. Sie darf aber in keiner Weise in irgend einer andern Unterrichtsstunde erwähnt werden, denn das würde ja zur „Intoleranz" führen, der Name Jesus Christus darf nicht ausgesprochen werden, denn daran würden ja die Judenkinder Anstoß nehmen. Ebenso versteht es sich von selbst, daß in der Ge- sangstunde vom Kirchenliede gänzlich abgesehen werden muß und nur noch Raum für das weltliche Lied übrig ist, und selbst dieses muß mit der ängstlichsten Genauigkeit darauf hin geprüft und ausgewählt werden, ob nicht vielleicht etwas in ihm ist, 'das die Gefühle der andern Confeffion -- in erster Linie natürlich der israelitischen — zu verletzen geeignet wäre. Dadurch soll denn die Duldsamkeit und Menschenliebe dem Kinde anerzogen werden.
Geschieht es denn auch? Wird denn jener Zweck wirklich erreicht? Wir sagen nein. Die Erfahrung hat vielmehr gelehrt, daß in Herz erhalten hast. — Was wir thun, müssen wir zuerst zu Gottes Ehre, bann zu unserer Wohlfahrt thun. Hast Du nun ' Dein Herz geprüft und gefunden, daß der zu fassende Entschluß mit dem Willen Gottes übereinftinimt, so wird Dein guter Vater Dir seine Zustimmung nicht vorenthalten. — Ich weiß zwar, daß Du seinen Lieblingsplan durchkreuzest; seine Liebe zu Dir wird aber auch gerne dieses Opfer bringen. — Den Stand, den Du erwählst, mußt Du voll umfassen und alle Kräfte aufbieten, ein nützliches Glied desselben zu werden. Du wirst großen Gefahren entgegen gehen, Versuchungen werden in mancher Gestalt an Dich herantreten. Ich flehe Dich an, bewahre Deinen Glauben und Dein unschuldvolles Herz. Ein böser Geist überzieht unser schönes Vaterland; in unseren abgelegenen Bergen hat er noch nicht seinen Einzug gehalten. Wer aber in die böse laute Welt hineintritt, mag wohl das Schild seines Glaubens hochhalten, daß er nicht untergehe. — Nimm meinen Segenswunsch mit auf die Reise und das Versprechen, daß ich stets Deiner am Altäre gedenken werde."
Thränenden Auges' schied ich von dem würdigen Greise. Während der Rückkehr wurde nicht manches Wort gewechselt, unsere