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Mittwoch, den 8. März 1882
Fuldaer SS Jeitung.
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-u. Die Unfähigkeit
des Ministerium Gambetta.
Bekanntlich hat man dem Herrn Gam- betta immer nachgesagt, daß er es viel vor« theilhafter und bequemer fände, als Karn- lnerpräsident seinen Einfluß zu cultiviren und den Coulissen-Regenten fortzuspielen, anstatt offen die Zügel der Regierung zu ergreifen und selber als Ministerpräsident aufzutreten. Aus der erstern Stellung wäre der Weg zum eigentlichen Ziele seines Ehrgeizes, zur Präsidentschaft der Republik, glatt und geebnet gewesen; in der letztem Stellung ivar es eine große Kunst sich nicht selber zu verderben, die hoch gespannten Erwartungen seines Anhanges, zur Freude der heimlichen Gegner, nicht zu täuschen und den Nimbus vor der rauhen Wirklichkeit zu verlieren. Ohne den unvermeidlichen Zwang der Umstände hätte Gam- betta sicherlich nicht ein Ministerium gebildet. Als aber der Ausfall der Wahlen diesen Zwang und den Rücktritt des Ministeriums Ferry herbeiführte, da zeigte sich bald, daß Gambetta ivirklich eine gefährliche Probe zu bestehen hatte.
Er hatte es seinen eigenen Pompreden und den Ruhmredereien seiner Mameluken zuzuschreiben, daß alle Welt die Erwartungen von seinem Ministerium aufs Höchste gespannt hatte. Es wurde das „große Ministerium" genannt, ehe es noch geboren war. Als es aber geboren war, da war das Erstaunen über seine Kleinheit allgemein. Außer Gambetta selbst waren es im ganzen Civildienst nur junge, fast unbekannte, zum Theil anrüchige, aber allerdings 16~
Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Jetzt erst erfuhr ich, daß ich, dem Ufer nahe, als meine Kräfte schwanden, die Bewußtlose mit einem kräftigen Stoße gegen das Ufer geschleudert hatte und hierdurch vollständig erschöpft, sofort unter dem Waffer verschwand. Mit vieler Mühe wurde ich nach ein paar Minuten dem naffen Elemente entrissen. Ich konnte aber nicht begreifen, wie der Marquis so Großes aus meinem Rettungsversuch machen konnte. In unserer Bucht hätte ich keine Schwierigkeit darin gefunden, einen Bewußtlosen noch hundert Ellen weiter glücklich an den Strand zu bringen. — Nachdem ich eine jSchale kräftiger Fleischbrühe genossen hatte, gebot der Arzt mir Ruhe, und der Schlaf hielt mich bis zum Hellen Morgen umfangen. —
Schüchtern folgte ich dem Diener, welcher beauftragt war, mich zur Familie zu führen. Ein langer Corridor führte zu den Gemächern. Wie gebannt blieb ich auf der Schwelle stehen. Eine Fluth vom Licht strahlte durch die mit schweren Draperien verzierten hohen Bogenfenster in das Gemach. Die herrlichsten Topfpflanzen waren in den Fensternischen auf zierlichen Blumentischen
lauter ergebene Diener ihres Herrn. Es wird bestimmt behauptet, daß Gambetta bemüht gewesen sei, Männer von Gewicht und Ansehen für die Portefeuilles feines Cabinets zu gewinnen, aber er habe überall nur Körbe erhalten. Unter denen, welche seine Anträge abwieseu, befanden sich gerade die drei Männer, welche jetzt das neue Cabinet gebildet haben.
In den siebenzig Tagen seiner Existenz hatten die Ressorts des „großen Ministeriums" eigentlich nichts geleistet. Die Gesetzentwürfe, die sie bearbeitet haben sollen, hat Gambetta bis zu seinem Sturze für sich behalten. Nur der von Christushaß halbverrückte ealvinische Professor Bert, Gambetta's Cnltusminister, hatte durch seine elenden Chieanen gegen den Klerus von sich reden gemacht. Gambetta selbst stellte seiner Partei das schlagendste Zeugniß der Unfähigkeit aus, indem er plötzlich anfing, aus den Reihen bekamfler Antirepublieaner einzelne Capacitäten in wichtige Ressorts zu berufen. Er, sonst Meister in den Künsten des Nepotismus, von dem er den schamlosesten Gebrauch zu machen sich nicht scheute, hat jene Berufungen sicherlich nur aus Noch vorgenommen; auch hat, er diese Anstellungen ehemaliger Bonapartisten un- verholen damit vertheidigt: wasser dafür könne, daß unter den Republieanern tüchtige Kräfte so sehr mangelten? Dagegen haben dieselben Ueberfluß an Kerigen Stellenjägern, die nun natürlich aufs Aeußerste verdrossen waren.
Andererseits mußte der Argwohn bestärkt werden, daß der herrschsüchtige Minister
präsident auch solche Maßregeln nur im Interesse seiner Dictatur-Gelüste treffe, indem er an seine Person gefesselte und zu Allem fähige Werkzeuge, die unter Umständen auch gegen die Partei selber zu gebrauchen wären, in einflußreiche Stellungen versetze.
Wäre die Popularität Gambettas wirklich so gewaltig gewesen, wie die Welt glaubte, so würde die Mehrheit der Karniner sich doch besonnen haben, ihm in so schnöder Weise den Stuhl vor die Thüre 'zu setzen. Aber der Erfolg hat gezeigt, daß er den Ausfall der Wahlen wirklich mißverstanden haW- Nicht fein prahlerisches Neformprogramm hat die Wähler an gezogen, sondern weil sie annahmen, daß es ohne Gambetta schlechterdings nicht gehe und die Ruhe und Ordnung des Landes davon abhänge, daß er die Zügel der Negierung ergreife. Ueberdies erwartete das platte Land goldene Berge von seinem Ministerium. Sobald aber die Kammer durch eine rasche Thai bewies, daß Frankreich auch ohne ihn leben könne, ivar es mit dieser vermeintlichen Popularität zu Ende, und das allgemeine Stimmrecht ließ die gefallene Größe ftumm und gleichgültig von dannen ziehen. Mit dem Einen Schlag war der Glaube an den Mann, der noch vor Jahresfrist bei feinen ora- torischen Rundreisen wie der Souverän angewedelt und fetirt worden war, vollständig dahin. Ein solcher Glaube läßt sich allerdings so leicht nicht wieder erwecken, denn daß man auch ohne ihn, den „Unersetzlichen", auskommt, ist schon bewiesen. Jmmer-
aufgestellt. Prachtvolle Gemälde prangten auf den reichen Gobelins, womit das Zimmer bekleidet war. Antike hohe Lehnstühle umstanden den Tisch, dessen Decke mit reicher Stickerei verziert war. Auf dem mit dunkelm Damast überzogenen Sopha saß die Marquise mit der geretteten Tochter, welche in einen großen Plaid eingehüllt war. -- Ich bemerkte, daß erstere sich einen Augenblick an meiner Verlegenheit weidete, ihr freundliches Auge benahm mir aber bald die Befangenheit und ehrfurchtsvoll drückte ich meine Lippen auf die mir dargereichte Hand.
„Tausend Dank, mein kühner Ga?on", sprach die edle Frau, „für Deine schnelle Hilfe. Ohne diese würde die tiefste Trauer in unser Haus eingekehtt sein, Dir verdanken wir die Abwendung der großen Gefahr." Als nun auch noch das bleiche Fräulein mir ihre Hände unter den herzlichsten Dankes- bezeugungen entgegen reichte, zog ein stolzes wonniges Gefühl in mein junges Herz.
Die Dankbarkeit der Familie war unbegrenzt. Wenn der Marquis sich auch stets gegen die Familie des Verwalters freundlich und herablassend gezeigt hatte, so blieb bie Grenze zwischen Herrn und Diener doch immer streng gezogen. Bei aller Güte, welche die Edelfrau bei jeder Gelegenhett der Franz Girot erzeigte, empfand diese doch
stets eine ehrfurchtsvolle Scheu, wenn sie durch eine besondere Veranlassung zu der Marquise beschieden wurde. Die gute Fran war daher sehr erstaunt, als am nächsten Tage ein Diener meinen Freund und mich zum Herrenhaus beschied. — Die Freundlichkeit des Edelmannes (machte meine Befangenheit bald schwinden. Eingehend erkundigte er sich nach meinen Studien und Fortschritten und hieß uns dann die schönen Gärten und Orangerien besuchen. — Nach wenigen Tagen waren wir tägliche Gäste im Schlosse, durchstreiften Gärten und Park oder befuhren den See. Bald wollten die beiden Fräulein keinen anderen Ruderer zu ihren Gondelfahtten haben, als mich. —
„Sie sind ein so gewandter Ruderer, Gasou," sagte eines Tages die ältere zu mir, „verstehen Sie auch ein Pferd zu führen?"
„Ich hatte bis jetzt keine Gelegenheit gehabt, mich in der Reitkunst zu versuchen," erwiderte ich erröthend, „ich würde allen Fleiß anwenden, mich auszubilden, wenn mir diese geboten würde." —
„O dann werde ich den Papa bitten, es Sie durch Felix lernen zu lassen, dann machen wir unsere Spazierritte zusammen." —
„Lieber Papa," rief sie beim Landen dem Marquis entgegen eilend, „befehlen Sie doch,