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Dienstag, den 7. März 1882.

Jte 54

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonmrt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis betragt ausschließlich Brmgerlohn m Fulda 1 Mark nnd 50 Pf«., mit Brinaerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg" ms Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg , auswärts am Postschalter 2o Pfg., m s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 5. März. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ sagt: Die generelle Besprechung des Monopols im Volkswirthschaftsrath machte auf die Anwesenden den Eindruck, daß inner­halb des Volkswirthschaftsraths eine weit größere Zahl von Freunden des Monopols sitzt, als nach den Andeutungen der gegnerischen Presse erwartet wurde. Die Regier­ung habe allen Grund, mit der bisherigen Bestrebung des Monopols im Volkswirth­schaftsrath zufrieden zu sein. Der Volks­wirthschaftsrath habe auch diesmal reife praktische Gesichtspunkte beigebracht, welche für die Regierung unter allen Umständen werthvoll seien.

— Abgeordnetenhaus. 26. Sitzung vom 4. März. (Fortsetzung der Etatsbe- rathung beim Etat der Bauverwaltung.) Zunächst entspinnt sich eine Debatte über die Denkschriften, betreff, die geschäft­liche Lage der preuß. Canalprojecte und die vom 1. April 1880 bis 1. October 1881 erfolgten Bauausführungen an Wasser­straßen. Dieselben werden schließlich durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt. Im Weiteren wird der Poften für den Neubau eines Regierungsgebäudes in Breslau ab- gelehpt.

— Dem größten Theil der landwirth- schaftlichen Vereine ist in diesen Tagen eine Petition zur Unterschrift zugegangen, welche den Reichskanzler ersucht, zur Verhütung fernerer Einschleppung der Rinderpest an­zuordnen: 1) Daß entweder die russische und österreichische Grenze dauernd gegen die Einfuhr von Vieh — Rindvieh, is-

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.' (Fortsetzung)

6. Capitel.

Die Herbstferien des ersten Jahres ivaren angebrochen. Mit frohem Jauchzen be­grüßte ich an der Seite meines Freundes die heimathlichen Berge.

Nachdem wir uns ein paar Wochen am Strande und auf dem Meere umherge­trieben hatten, verbrachten wir den Rest der Ferien auf dem Schlöffe. Vereint durch­streiften wir den Park und die Wälder oder befuhren den kleinen See, welches der Marquis uns gestattet hatte, wobei ich oft fehnsüchtige Blicke in die reizenden Gärten und Anlagen des Schlosses warf, die wir nur aus der Ferne betrachten dursten. Es war an einem sonnigen Septembertage, als wir nach langem Umherstreifen am Ufer des Teiches im hohen Grase lagerten, die Angelruthen auszuwerfen. Eine geraume Weile hatten wir in dem Schatten einer großen Weide ruhend, mehr, im vertrau­lichen Geplauder, als den Angelruthen Aufmerksamkeit schenkend, zugebracht, als plötzlich von der Schloßseite her ein gellen­der Angstschrei an unser Ohr schlug. Auf­springend sah ich die jüngste Tochter des

Schafen, Schweinen — abgesperrt werde, oder daß 2) unter Absperrung der obigen Grenzen Schlachthäuser errichtet werden, in welchen sämmtliches, für den Import be­stimmte Vieh unter staatlicher Aufsicht ge­schlachtet werden müsse.

— Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der preußische Volkswirthschafts­rath sich für Einführung des Tabaksmo­nopol entscheiden wird. — Der Entwurf eines neuen Actiengesetzes ist fertigge­stellt. Die Berathung derselben in der Com­mission beginnt am 24. März.

— Die Fractiou der Fortschrittspartei erläßt zur Kirchenvorlage folgende Erklärung: „Die Bestimmungen der Maigesetze über die Anzeigepflicht und das Einspruchsrecht bleiben unverändert mit der Maßgabe, daß die rechtliche Bedeutung der Anzeige auf die besonderen staatlichen Beziehungen der Geist­lichen beschränkt wird. DieAnzeigeistdie Voraussetzung fürdie Befähigung, in Staatsanstalten oder politi­schen Verbänden zu functioniren und an den für Geistliche ausgesetzten Fonds und Benefieien (!!) theilzunehmen. Straf­bar und ohne rechtliche Wirkung bleibt die Uebertragung geistlicher Aemter oder die Vornahme geistlicher Amtshandlungen, wenn die Betreffenden nicht im Besitze des deutschen Bürgerrechts sind, sowie die nöthige wissenschaftliche Vorbildung nicht haben (drei­jähriges Studium auf einer deutschen Uni­versität.)"

* V om Rhein, 1. März. Der zur Zeit vielgenannte altkatholische Schulrath Dr. Lauer, früher bei der Regierung zu Marquis mit ihrer Gouvernante hände­ringend nach dem Ufer stürzen, während in der Mitte des Teiches ein leerer Kahn auf und ab schwankte. Ohne mich zu besinnen, warf ich mein Gilet ab und stürzte in das Wasser, mit kräftigen Stößen dem Kahne zuschwimmend. Von Jugend auf mit dem Elemente vertraut, näherte ich mich bereits dem Kahne, ohne eine Spur der Verunglückten wahrzunehmen. Entschlossen tauchte ich unter und entdeckte eine leblose Gestalt. Ich ergriff sie mit der einen Hand und tauchte wieder auf. Die Unmöglichkeit erkennend, die Bewußtlose, in der ich die älteste Tochter des Marquis er­kannte, ohne Hilfe in den Kahn zu bringen, schwamm ich mit Aufbietung aller Kräfte dem andern User zu. Wenn es mir auch stets eine Leichtigkeit war, ohne auszuruhen, eine viertel Stunde lang im Meere umher­zuschwimmen, so fühlte ich doch bald, daß in dem trägen Waffer meine Kräfte zu schwinden begannen, da ich, um die noch immer Bewußtlose über Wasser zu halten, nur mit einem Arme rudern konnte. Aus dem dichten Nebel, mit welchem mir das nahe Ufer bedeckt erschien, sah ich eine Ge­stalt mir eine lange Stange entgegenstrecken; Zurufe erschollen, die aber durch das Brausen in meinen Ohren mir unverständ­lich blieben. Ich bot meine letzte Kraft zu

Köln, ist am 6. October 1881 zum Pro- testantismus übergetreten und fungirt seit dem 1. Februar als Schulrath bei der Regierung zu Merseburg.

* München, 4. März. Bezüglich des von den Abgg. Daller, Kopp, Rittler und Gen. bei der Kammer der Abgeordneten eingebrachten Antrags, den König zu bitten, anzuordnen, daß bei Auslegung und An­wendung der Verfassungsbeilage über die Verhältnisse der katholischen Kirche die Tegernsee'er Erklärung des Königs Max Josef I. vom 15. September 1821 der Staatsregieruug als Richtschnur zu dienen habe, erklärte der Cultusminister v. Lutz im Finanzausschüsse, die Tegernsee'er Er­klärung könne keinem bayerischen Minister zur Richtschnur in Verfassungsfragen dienen. Er wolle aber gern zugestehen, daß diese Erklärung als Ausdruck des königlichen Wohl­wollens gegen die katholische Kirche aufzu­fassen sei. Als weitere Zugeständnisse be­zeichnet der Minister die Wiederbesetzung theologischer Lehrstühle im Einvernehmen mit den Bischöfen, die Entfernung des altkatho­lischen Professors Friedrich von der theolo­gischen Facultät München, ferner eine Revision der Simultanschulverordnung vom Jahre 1873. Der Abg. Sickenberger ist aus dem Fiuanzausschuffe ausgetreten, weil er im Gegensätze zu den Mitgliedern der sog. patriotischen Partei durch die Erklärungen des Kultusministers befriedigt ist.

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 4. März. Nach dem ,Czas' hielt Skobeleff zu Warschau, in dem Restau­rant ' „Stemkowski", das er mit dem Gene- eiuem Stoße auf, die Stange zu erreichen, da schwand mein Bewußtsein.

Verwundert starrten meine Blicke, als ich wieder zur Besinnung kam, auf die fremde Umgebung. An meinem Bette, über welches sich ein Baldachin von ge­blümter Seide wölbte, stand die Gouver- nannte, Herr Girot und ein Fremder, welcher meine Hand umfaßte. „Gott sei Dank, auch er lebt wieder auf," hörte ich die Gouvernante sagen.

„Wo bin ich, was ist vorgefallen?"

„Sei nur ruhig, mein lieber Knabe," erwiderte der Verwalter; „jetzt ist Alles wieder gut."

„Nehmen Sie das, junger Herr," fprach der Fremde, mir eine Schale reichend.

Mit einem Tranke strömte neues Leben durch meine Glieder, und mein Bewußtsein kehrte vollständig zurück. Jetzt erst erinnerte ich mich des Vorgefallenen. „Ist das Fräulein gerettet, lebt sie?"

„Der Herr Marquis," sprach der Fremde, welcher der schleunigst herbeigeholte Arzt war, auf die sich eben öffnende Thür zeigend, „wird ihnen die Antwort selbst überbringen."

Purpnrröthe überfluthete mein bleiches Gesicht, als die ehrwürdige Gestalt des Edelmannes an mein Lager trat und mit