Dienstag, den 7. März 1882.
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Deutsches Reich.
* Berlin, 5. März. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ sagt: Die generelle Besprechung des Monopols im Volkswirthschaftsrath machte auf die Anwesenden den Eindruck, daß innerhalb des Volkswirthschaftsraths eine weit größere Zahl von Freunden des Monopols sitzt, als nach den Andeutungen der gegnerischen Presse erwartet wurde. Die Regierung habe allen Grund, mit der bisherigen Bestrebung des Monopols im Volkswirthschaftsrath zufrieden zu sein. Der Volkswirthschaftsrath habe auch diesmal reife praktische Gesichtspunkte beigebracht, welche für die Regierung unter allen Umständen werthvoll seien.
— Abgeordnetenhaus. 26. Sitzung vom 4. März. (Fortsetzung der Etatsbe- rathung beim Etat der Bauverwaltung.) Zunächst entspinnt sich eine Debatte über die Denkschriften, betreff, die geschäftliche Lage der preuß. Canalprojecte und die vom 1. April 1880 bis 1. October 1881 erfolgten Bauausführungen an Wasserstraßen. Dieselben werden schließlich durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt. Im Weiteren wird der Poften für den Neubau eines Regierungsgebäudes in Breslau ab- gelehpt.
— Dem größten Theil der landwirth- schaftlichen Vereine ist in diesen Tagen eine Petition zur Unterschrift zugegangen, welche den Reichskanzler ersucht, zur Verhütung fernerer Einschleppung der Rinderpest anzuordnen: 1) Daß entweder die russische und österreichische Grenze dauernd gegen die Einfuhr von Vieh — Rindvieh, is-
Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.' (Fortsetzung)
6. Capitel.
Die Herbstferien des ersten Jahres ivaren angebrochen. Mit frohem Jauchzen begrüßte ich an der Seite meines Freundes die heimathlichen Berge.
Nachdem wir uns ein paar Wochen am Strande und auf dem Meere umhergetrieben hatten, verbrachten wir den Rest der Ferien auf dem Schlöffe. Vereint durchstreiften wir den Park und die Wälder oder befuhren den kleinen See, welches der Marquis uns gestattet hatte, wobei ich oft fehnsüchtige Blicke in die reizenden Gärten und Anlagen des Schlosses warf, die wir nur aus der Ferne betrachten dursten. Es war an einem sonnigen Septembertage, als wir nach langem Umherstreifen am Ufer des Teiches im hohen Grase lagerten, die Angelruthen auszuwerfen. Eine geraume Weile hatten wir in dem Schatten einer großen Weide ruhend, mehr, im vertraulichen Geplauder, als den Angelruthen Aufmerksamkeit schenkend, zugebracht, als plötzlich von der Schloßseite her ein gellender Angstschrei an unser Ohr schlug. Aufspringend sah ich die jüngste Tochter des
Schafen, Schweinen — abgesperrt werde, oder daß 2) unter Absperrung der obigen Grenzen Schlachthäuser errichtet werden, in welchen sämmtliches, für den Import bestimmte Vieh unter staatlicher Aufsicht geschlachtet werden müsse.
— Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der preußische Volkswirthschaftsrath sich für Einführung des Tabaksmonopol entscheiden wird. — Der Entwurf eines neuen Actiengesetzes ist fertiggestellt. Die Berathung derselben in der Commission beginnt am 24. März.
— Die Fractiou der Fortschrittspartei erläßt zur Kirchenvorlage folgende Erklärung: „Die Bestimmungen der Maigesetze über die Anzeigepflicht und das Einspruchsrecht bleiben unverändert mit der Maßgabe, daß die rechtliche Bedeutung der Anzeige auf die besonderen staatlichen Beziehungen der Geistlichen beschränkt wird. DieAnzeigeistdie Voraussetzung fürdie Befähigung, in Staatsanstalten oder politischen Verbänden zu functioniren und an den für Geistliche ausgesetzten Fonds und Benefieien (!!) theilzunehmen. Strafbar und ohne rechtliche Wirkung bleibt die Uebertragung geistlicher Aemter oder die Vornahme geistlicher Amtshandlungen, wenn die Betreffenden nicht im Besitze des deutschen Bürgerrechts sind, sowie die nöthige wissenschaftliche Vorbildung nicht haben (dreijähriges Studium auf einer deutschen Universität.)"
* V om Rhein, 1. März. Der zur Zeit vielgenannte altkatholische Schulrath Dr. Lauer, früher bei der Regierung zu Marquis mit ihrer Gouvernante händeringend nach dem Ufer stürzen, während in der Mitte des Teiches ein leerer Kahn auf und ab schwankte. Ohne mich zu besinnen, warf ich mein Gilet ab und stürzte in das Wasser, mit kräftigen Stößen dem Kahne zuschwimmend. Von Jugend auf mit dem Elemente vertraut, näherte ich mich bereits dem Kahne, ohne eine Spur der Verunglückten wahrzunehmen. Entschlossen tauchte ich unter und entdeckte eine leblose Gestalt. Ich ergriff sie mit der einen Hand und tauchte wieder auf. Die Unmöglichkeit erkennend, die Bewußtlose, in der ich die älteste Tochter des Marquis erkannte, ohne Hilfe in den Kahn zu bringen, schwamm ich mit Aufbietung aller Kräfte dem andern User zu. Wenn es mir auch stets eine Leichtigkeit war, ohne auszuruhen, eine viertel Stunde lang im Meere umherzuschwimmen, so fühlte ich doch bald, daß in dem trägen Waffer meine Kräfte zu schwinden begannen, da ich, um die noch immer Bewußtlose über Wasser zu halten, nur mit einem Arme rudern konnte. Aus dem dichten Nebel, mit welchem mir das nahe Ufer bedeckt erschien, sah ich eine Gestalt mir eine lange Stange entgegenstrecken; Zurufe erschollen, die aber durch das Brausen in meinen Ohren mir unverständlich blieben. Ich bot meine letzte Kraft zu
Köln, ist am 6. October 1881 zum Pro- testantismus übergetreten und fungirt seit dem 1. Februar als Schulrath bei der Regierung zu Merseburg.
* München, 4. März. Bezüglich des von den Abgg. Daller, Kopp, Rittler und Gen. bei der Kammer der Abgeordneten eingebrachten Antrags, den König zu bitten, anzuordnen, daß bei Auslegung und Anwendung der Verfassungsbeilage über die Verhältnisse der katholischen Kirche die Tegernsee'er Erklärung des Königs Max Josef I. vom 15. September 1821 der Staatsregieruug als Richtschnur zu dienen habe, erklärte der Cultusminister v. Lutz im Finanzausschüsse, die Tegernsee'er Erklärung könne keinem bayerischen Minister zur Richtschnur in Verfassungsfragen dienen. Er wolle aber gern zugestehen, daß diese Erklärung als Ausdruck des königlichen Wohlwollens gegen die katholische Kirche aufzufassen sei. Als weitere Zugeständnisse bezeichnet der Minister die Wiederbesetzung theologischer Lehrstühle im Einvernehmen mit den Bischöfen, die Entfernung des altkatholischen Professors Friedrich von der theologischen Facultät München, ferner eine Revision der Simultanschulverordnung vom Jahre 1873. Der Abg. Sickenberger ist aus dem Fiuanzausschuffe ausgetreten, weil er im Gegensätze zu den Mitgliedern der sog. patriotischen Partei durch die Erklärungen des Kultusministers befriedigt ist.
Oesterreich-Ungarn.
* Wien, 4. März. Nach dem ,Czas' hielt Skobeleff zu Warschau, in dem Restaurant ' „Stemkowski", das er mit dem Gene- eiuem Stoße auf, die Stange zu erreichen, da schwand mein Bewußtsein.
Verwundert starrten meine Blicke, als ich wieder zur Besinnung kam, auf die fremde Umgebung. An meinem Bette, über welches sich ein Baldachin von geblümter Seide wölbte, stand die Gouver- nannte, Herr Girot und ein Fremder, welcher meine Hand umfaßte. „Gott sei Dank, auch er lebt wieder auf," hörte ich die Gouvernante sagen.
„Wo bin ich, was ist vorgefallen?"
„Sei nur ruhig, mein lieber Knabe," erwiderte der Verwalter; „jetzt ist Alles wieder gut."
„Nehmen Sie das, junger Herr," fprach der Fremde, mir eine Schale reichend.
Mit einem Tranke strömte neues Leben durch meine Glieder, und mein Bewußtsein kehrte vollständig zurück. Jetzt erst erinnerte ich mich des Vorgefallenen. „Ist das Fräulein gerettet, lebt sie?"
„Der Herr Marquis," sprach der Fremde, welcher der schleunigst herbeigeholte Arzt war, auf die sich eben öffnende Thür zeigend, „wird ihnen die Antwort selbst überbringen."
Purpnrröthe überfluthete mein bleiches Gesicht, als die ehrwürdige Gestalt des Edelmannes an mein Lager trat und mit