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Sonntag, den 5. März 1882.

M 53.

Fuldaer Zeitung.

Die .Fuldaer Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt. «Echlreßllch Brr^loh^ 1^Mark

und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: ber der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg» ms Haus gebracht I M. 90 Pfg. Die ,illuMrten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg, auswärts am Postschalter 2o Pfg-, ms Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; ber Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

xt Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Doch kommen wir zu anderen Bildern. Da ist eine „ideale" Gestalt, das Tabak­monopol! „Rauchtabak von 1 M. das Pfund und Cigarren von 3 Pfg. an" will der Staat verkaufen, wer freut sich da nicht? Die deutschen Negierungen haben den Monopol-Entwurf schon in Händen. (Der Entwurf begegnet aber vielen, und heftigen Gegnern. Die meisten derselben schreien freilich blos mit, ohne die Sache selbst genau zu kennen. Eine so folgen­schwere und tiefgreifende Sache sollte aber vor Allem gründlich studirt und ohne Vor- urtheile nach allen Richtungen erwogen werden, bevor man sie verurtheilt, zumal sehr gewichtige Stimmen dieselbe für gut und .segenbringend halten. Wenn man Niemandem zumuthen kann, daß er gegen seine Ueberzeugung spreche, so darf man doch von Jedem erwarten, daß er sich erst eine Ueberzeugung bilde. In der Tabaks­monopolangelegenheit gibt es aber bis jetzt wenige Männer in Deutschland, die es bis zu einer wirklichen Uebezeugung ge­bracht haben.)

Vom Materiellen schreiten wir zum Ideellen, demCulturkampfund derkirchenpolitischen Vor­lage. Das Monopol will nicht herein und die Maigesetze wollen nicht heraus. Unser Hochw. Herr Bischof sagt in seinem Fasten­hirtenbriefe, die Zeit sei ernst und schwer, allenthalben gähre es, keine Ordnung und kein Verhältniß scheine Bestand zu haben und die menschliche Gesellschaft kranke an vielen Uebeln. Alle Welt frage: wie ist zu

—

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

„Wir fahren doch nicht in die Brandung hinein," rief angsterfüllt mein Gefährte.

„Habe nur keine Sorge," erwiderte ich stolz; „setze Dich nur ruhig zu meinen Füßen nieder; ich führe Dich so sicher, als ob Du in der Kutsche des Marquis säßest. Fest, leewärts das Segel, durch die Fuchs­falle!" rief ich dem Knaben zu. Gewandt vollführte er meinen Befehl und zischend, wie ein Pfeil vom Bogen, flog das leichte Boot durch die aufgeregten Wogen. Angst­voll hatte Louis meine Knie umklammert, als die Kämme der Wellen in unfern Kahn schlugen. Eine Minute nachher schwammen wir auf ruhiger See und jetzt erst wagte er seine Augen aufzuschlagen.

„Du lieber, böser Knabe." rief er, rück­wärts in die Brandung blickend, „welche Angst hast Du mir bereitet."

„Wenn unser Gacon das Steuer führt, brauchen Sie sich nicht zu fürchten, junger Herr," sprach der Fischerknabe. „Wir beide haben noch jüngst diese Fahrt bei schlechterem Wetter gemacht."

Bald landeten wir an unserem Ziele. Wir sammelten Seetang und Holzstücke,

helfen, mancher Rath werde ertheilt und versucht, nur die Stimme, die auf die Reli­gion Hinweise, werde am wenigsten beachtet. Wie sehr wahr sind diese Worte! Ernst ist die Zeit: Kriegsbefürchtungen, das drohende Gespenst der Revolution, die soeiale Frage, das Elend der Mafien, die Zunahme der Verbrechen, die schwindende Achtung vor der Autorität, Alles vereinigt sich, um die Zeit schwer und ernst zu machen. Die einzige Macht, die hier Helsen könnte, die Gehorsam fordert, zur Tugend ermahnt, die Leidenschaften bändigt, die Throne stützt und schützt, ist die Kirche; aber man hört nicht auf sie, tritt ihrer segensreichen Mis­sion hindernd in den Weg und fesselt ihr die Hände. Wird das Volk Achtung vor der Autorität der Staaten haben, wenn es sieht, daß die Staaten die kirchliche Au­torität nicht achten? Aber der Staat sorgt doch für die Religion, denkt vielleicht der Eine oder Andere, die Diöeefen erhalten neue Bischöfe; Trier, Fulda, Osnabrück haben neue Oberbirten, Breslau wird bald folgen, Paderborn auch! Aber noch kann in keiner einzigen verwaisten Pfarrei ein Seelsorger angestellt werden, und das ist doch die Hauptsache! Die Commission hat die zweite Lesung des kirchenpolitifchen Entwurfs vertagt; erft sollen die Fractionen sich verständigen; dazu wird es aber nicht kommen, denn aus dem Compromiß zwischen den Nationalliberalen, welche den Bischoss- paragraphen und die Dispensation von der Anzeigepflicht nicht wollen, und den Conser- vativen gibt es nichts; das Centrum vermag aber die Vorschläge der Conservativen nicht welche von den Wellen an diesen Riffen immer ausgeworfen werden, und es währte nicht lange, so loderte ein lustiges Feuer auf. Als die Fischer nach ein paar Stunden bei uns anlegten, konnten wir sie mit einem Glase Grog und unfern Proviautvorräthen erquicken.

Am andern Tage kehrte Herr Girot von feiner Reise zurück; mit Bangen sah ich der Stunde entgegen, die mir den neugewonnenen Freund wieder entführen werde.

„Ich möchte einen Vorschlag machen," sagte Herr Girot zu meinem Vater. „Die Trennung fällt den beiden Knaben schwer, Wie wäre es, wenn Du Gacon mit mir ziehen ließest? lieber vierzehn Tage bringe ich meinen Louis auf die höhere Schule nach Rennes. Da Gacon zu seiner Aus­bildung nun doch bald die Heirnath verlassen muß, so würde es für die beiden Knaben ein Sporn sein, gemeinschaftlich ihre Studien zu beginnen. Gacon kann später dann noch die Seeschule besuchen."

„Der Vorschlag ist mir zu überraschend," erwiderte mein Vater, „wir wollen diesen Nachmittag zu dem Herrn Pfarrer gehen, diese Angelegenheit mit ihm zu berathen."

Als die beiden Freunde am Abend zu­rückkehrten, war es beschloffene Sache, daß ich die Heirnath verlafien solle. — Der

anzunehmen. Fürst Bismarck selbst scheint keinen großen Werth auf das Gesetz zu legen. Aber weshalb sträubt das Centrum sich gegen die discretionären Gewalten, „die doch nur zu Gunsten der Katholiken gebraucht werden sollen" ? Dian höre und staune über die Weisheit der „Liberalen": Es will „damit nur seine Feindseligkeit beweisen"! So ein liberaler Seribifax in Rom. Kann man den Thatsachen mehr Hohn sprechen? War es etwa „Feindseligkeit" gegen das Mini­sterium, als das Centrum für den geheimen Dispositionsfonds stimmte?

Dieses Wort bildet die Brücke zu den intereffanten, erregten, oft wilden Debatten im Abgeordnetenhause, die sich an die zweite Lesung des Etats knüpfte. Man sprach von allem Möglichen: von geheimen Fonds und Wahlwühlereien, von der Nicht­bestätigung von Selbstverwaltungsbeamten, von strebsamen Landräthen und Zeitungs- inferaten, vom Petitionsrecht der Eisenbahn­beamten, von den Juden und der Berliner Wahlbewegung, nur nicht zur Sache. Ja, jetzt jammert und klagt der Liberalismus; als aber seiner Zeit Schwarzwildhetze betrieben wurde, als katholische Beamte ihres Amtes entsetzt und nicht bestätigt wurden, da klatsch­ten die Liberalen Beifall, da war Alles schön und gut. Brachte das Centrum die Beschwerden des katholischen Volkes vor, dann hieß es, die kostbare Zeit werde ver­trödelt, und jetzt leisten Fortschrittler und andere Liberale in Zeitverschwendung das Menschenmögliche. Da soll natürlich nur die „Freiheit" vertheidigt, geschützt oder wieder­erlangt werden! —

Schlaf floh an diesem Abend von meinem Lager; tausend Bilder gaukelten vor meinem Geiste und ließen erst lange nach Mitter­nacht meine Augen schließen. — Wenige Tage nachher verließ ich, von den Segens­wünschen des guten Pfarrers und der lieben Eltern begleitet das Vaterhaus. -- Die gute Frau Girot empfing mich mit offenen Armen, und Louis war außer sich vor Freude, jetzt mit mir vereint seine Studien zu beginnen.

♦

Das Schloß des Marquis war einer jener wohlerhaltenen Feudalsitze des Mittel­alters. Eine Allee riesiger Ulmen führte zu der Zugbrücke eines noch gut befestigten Thores. Breite, wasserreiche Gräben, an der Nordseite sich zu einem kleinen See er­weiternd, umgaben das Schloß. Den großen Vorhof umschlossen die Stallungen, Wirth- schaftsrämne und die Wohnungen des Ver­walters und des Dienstpersonals. Eine herrliche Eiche, in der Mitte desselben über­schattete eine Statue der Gottesmutter, vor welcher ein Springbrunnen seine silbernen Strahlen in die Höhe warf, die ein mit herrlichen Pflanzen besetztes Bassin auffing. Leichte Sitze und Tischchen umgaben dasselbe. Der Schloßbau wurde von zwei massive n Thürmen flankirt; eine Steintreppe führte