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Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Wenn man den Inhalt der verschiedenen Flaschen und Gelasse einer Apotheke oder eines Fardwaarenladens in eine Tonne schüttete und durcheinander rührte, man würde keinen tolleren, an Gegensätze reicheren Mischmasch erzielen, als jener italienische Salat ist, den uns die politischen Küchenmeister und Apotheker allwöchentlich vorsetzen. Kein pariser Modefabricant ist so rasfinirt, so erfinderisch, wie das Ungeheuer Politik, das stets für neuen „Stoffs und Abwechslung sorgt. Bald wirft es einen bramar- basirenden General auf die Bildfiäche, bald speit es Ministerkrisen aus, bald verschlingt es mit dem Minotaurusrachen Scepter und Kronen, bald setzt es die Mitglieder der Parlamente gegeneinander und bald bauscht es, wie bei der Rheinbrohler Glockenaffaire, Mücken zu Elephanten auf. Die Gebilde dieses brodelnden, gährenden, nie rastenden Pulcans in eine gemeinsame feste Form zu gießen, ist nicht möglich, deshalb müssen wir die Lavabäche der politischen Ausbrüche der letzten Woche einzeln Revue passiren lassen. Da stoßen wir zunächst auf den berüchtigten Skocheleff, der immer noch die glühende Achse ist, um welche die öffentliche Discussion sich dreht. Der Czar taufte ein neues' Kriegsschiff auf den Namen des Generals und berief ihn dann nach Petersburg zurück, wo ihm schwerlich ein Haar gekrünunt werden wird, denn der Pansla- vismus, der den Nihilismus zuerst gehätschelt hat, um ihn dann als Mittel zu seineni Zwecke zu benutzen, findet
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Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung) -
Ein Jahr nach der Abreise des Bicomte starb der alte Marquis de St. George, und der älteste Sohn trat in das Erbe seiner Väter. Nach der Trauerzeit führte er seine Verlobte, die Tochter des Grafen St. Ataris, eines begüterten Edelmannes der Picardie, als seine Gattin heim. Durch den Verwalter des jungen Marquis, welcher ein Jugendfreund Martins war, gelangten in den ersten Jahren nach der Abreise des Vicomtes regelmäßig Nachrichten über letzteren an Vater Martin. Zum größten Leidwesen Martins blieben diese plötzlich aus. Es schien nach dem Bericht des Verwalters ein Zerwürfniß zwischen den Brüdern zu bestehen. Die Ursache desselben blieb in Dunkel gehüllt. Bald hieß es gerüchtweise unter dem Dienstpersonal des Schlaffes, Erbschaftsangelegenheit sei die Ursache; dann wieder, der Vicomte habe den Dienst verlaßen, sich in Amercka angesiedelt und dort die Tochter eines sehr reichen, aber nicht adeligen Emigranten geheirathet. — Martin bedauerte dieses um so mehr, wert ihm hierdurch ein lang gehegter Plan durchkreuzt wurde. Durch die Vermittlung seines
in dem neuesten Nihilistenproceß gegen a.xv gonja, Suchanow und Genossen die beste Gelegenheit, dem Czaren die Pistole auf tue Brust zu setzen und ihm zuzurufen: „Ergib Dich mir, ich rette Dich!" Den Slaven soll die Zukunft gehören; die abendländische Eul- tur soll den Umsturztendenzen der asiatischen Race zum Opfer fallen, und Skobeleff träumt sich als zukünftiger Attila. Aber nicht er allein wagte es, in Petersburg und Paris die Brandfackel in den europäischen Frieden zu werfen, auch der riissische Generalconsul Hitrowo in Sofia, gab mit brutalster Rücksichtslosigkeit die Absichten der Panslavisten zum Besten, und die Antwort, welche unsere ministerielle ,Nordd/ darauf gab, hat das Tischtuch zwischen Bismarck und Jgnatieff vollständig zerschnitten. jGraf Jgnatieff ist die Seele der russischen Slaven, und gelingt es Herrn Giers nicht, diesen Friedensstörer zu verdrängen und die russische Politik in friedlichere Bahnen zu lenken, dann wird die böse Saat nur zu bald blutige Früchte tragen. Ist es Zufall, daß die Türkei, das von Rußland ausersehene Schlachtopfer, mit Deutschland auf freundschaftlichstem Fuße steht? Die Monarchen in Berlin und Con- stantinopel tauschen die höchsten Orden untereinander aus, die deutsche Gesandtschaft ist auf's huldreichste vom Sultan empfangen worden, und wenn es gestattet ist, aus solch äußeren Zeichen _<tuf innere Beziehungen zu schließen, so eröffnet sich eine weite Perspective. Rußland schnaubt wie ein hungriger Bär; Oesterreich dampft im Südosten, und die von allen Seiten gehetzte Türkei lehnt sich an die Gönners hoffte er für mich schnelle Carriöre im Seedienst zu erlangen.
Um nun Gewißheit über seinen früheren Vorgesetzten zu erhalten, entschloß er sich den Marquis zu besuchen und ihn um Auskunft zu bitten. Zum größten Leidwesen des Vaters blieb die Reise ohne Erfolg. Auf's fteundlichste zwar von dem Marquis empfangen, fühlte er bald, daß derselbe gefliffentlich jeder Unterredung über seinen Bruder auswich.
Martin verweilte einige Tage bei seinem alten Freunde, welcher bei seinem Scheiden ihm das Versprechen gab, ihn bald heimzusuchen, da eine Dienstreise, welche er zu einem Edelmanne unserer Gegend machen müsse, auch gestatte, seinen alten Jugendfreund wieder einmal zu besuchen. Gerne bewilligte er die Bitte Vater Martins, seinen Sohn, der mit mir in gleichem Alter stand, mitzubringen. Etwas niedergeschlagen kehrte er von der Reise zurück und theilte dem Pfarrer, deffen Rath er in allen wichtigen Angelegenheiten nachsuchte, das Fehlschlagen seiner Hoffnung mit.
„Man muß darum den Muth nicht verlieren," sprach der ehrwürdige Pfarrer; „ich halte es ohnehin für nothwendig, mein lieber Marceaux, daß unser Junge noch ein Jahr lang seine Studien bei mir fortsetzt. Dann bringen wir ihn auf eine Seemannsschule.
breite deutsche Brust, — eine seltsame Situation. Sie erinnert au ein Schachbrett, wo die Figuren so stehen, daß jeder weitere Zug die Katastrophe herbeiführen muß. Dazu kommt der africanische Vulcau. Im ägyptischen Cabinet kriselt es schon wieder; die Autorität des Khedif ist so gut wie vernichtet, und der Kriegsminister Araby Bey im Begriffe, sich auf den Stuhl des Ministerpräsidenten zu setzen. Auch an der südlichen Grenze von Tunis geht's wieder los; verschiedene Stämme haben sich empört und die Stadt Hamma zerstört, und da wird Frankreich, wenn es die tunesische Beute auf die Dauer behaupten will, wieder zum Schwerte greifen müssen. Aber nicht bloß gegen wilde Wüstensöhne führt die französische Regierung Krieg, auch gegen die eigenen Landeskinder, gegen Ordensgeistliche, deren angebliche Rückkehr von den Gambet- tisten benutzt wurde, um gegen das neue Cabinet Sturm zu laufen. Als ob im Puncte des Kirchenhaffes das alte und das neue Ministerium nicht aus demselben Holze geschnitten wäre! Flügs erließ der Minister des Innern eine Verfügung an die Prä- fecten, den Klöstern scharf auf die Finger zu sehen: aber das genügte den Gambet- tiften nicht, sie mußten auch noch in der Kammer die Sache zur Sprache bringen, freilich nur, um vom eigenen Pfeile getroffen zu werden. Freycinet ist ebenso wenig ein Freund der Klöster wie Gam- betta; die Ordensleute hassen und verfolgen gehört beinahe zum guten Tone, ist ein Zeichen der „Bildung", und warum es geschieht und was dabei herauskommt, hat Wohin weiß ich noch nicht. Der liebe Gott wird uns das Rechte schon finden lassen, wenn wir ihn mit Demuth darum bitten. Ich werde übrigens zeitig dieserhalb an meinen Freund, den Rheder Briquet schreiben. Ist der Zeitpnnct näher gerückt, so sprechen wir darüber." .
Ich dachte vorläufig an meine Zukunft nicht. Der Gedanke, bald für einige Zeit einen Gespielen zu erhalten, drängte Alles andere in den Hintergrund.
Großer Jubel herrschte wenige Tage nachher in unserem Hause. Kinderherzen finden sich leicht. Wenige Stunden nach der Ankunft der Gäste verkehrten Louis und ich wie langjährige Gespielen. Er war ein geweckter Knabe mit offenem Wesen. Die Gespielen, mit welchen ich mich bis jetzt herum- getummelt, waren größtentheils unwissende Fischerknaben, die meine Autorität bereitwillig anerkannten. Durch den Verkehr mit meinem neuen Freunde, welcher an Kenntnissen mir wenigstens gleich, an Bildung über mir stand, fühlte ich lebhaft, daß mir bis jetzt etwas gefehlt habe. Um so inniger schloß ich mich dem neuen Freunde an, dessen Freundlichkeit und Herzensgüte sich niemals verleugneten. Während er mir von dem schönen Schlosse des Marquis, t>en Pracht vollen Gärten und Parkanlagen, von der