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Freitag, den 3. März 1882.

Fuldaer

6- Die römische Frage.

II.

Daß bei den Kaiser-Zusammenkünften in Danzig und Salzburg Verhandlungen wegen internationaler Maßregeln gegen die Atten­täter beschlossen wurden, ist bekannt, und um so wahrscheinlicher ist es, daß den Dingen auch noch tiefer auf den Grund geschaut wurde. In der That soll die unläugbare Erscheinung die Monarchen beschäftigt haben, daß von Westen und Süden her eine deino- kratisch-republicanische Strömung heranziehe, welche auf den monarchischen Osten eme un­günstige Wirkung ausüben müsse, wenn man nicht mit allen gegebenen Mitteln dagegen ankämpfe. Könnte man hienach nicht meinen, die Reichstagsreden des Fürsten Bismarck vom 29. und 30. Nov. v. I., sowie der nachgesolgte Erlaß vom 4. Januar d. ij., seien nur der Wiederhall der Danziger Be­sprechungen gewesen? e

Auch sür die Sonderbarkeit könnte hierin der Schlüssel liegen, daß die Russen dem Fürsten ausdrücklich die „unerwartete Mäßig­ung" nachrühmten, die er in Danzig bewie­sen habe. Er muß sich hienach dort von einer Seite gezeigt haben, die ihnen neu an ihm war. Im Laufe dieser Besprech­ungen sollen nun die Monarchen, was sich mit der Logik gleichfalls ganz gut verträgt, einverstanden gewesen sein, daß man alle diejenigen Stellen und Ideen kräftige und unterstütze, welche die demokratisch-republi- canische Strömung zu hindern vermöchten, und an ganz hervorragender Stelle sei dabei das Papstthum erwähnt worden. Hienach sei es auch erklärlich, daß man seitens der

veränetät." Wir wollen auch aus den neuestens viel besprochenen Punkt nicht eingehen: ob der Papst Rom und Italien verlassen wolle und solle? Es ist behauptet worden: Fürst Bismarck wünsche, daß Leo XIII. die italienische Regierung durch einen solchen kategorischen Schritt vor das Apropos stelle, ob, um mit der ,Post' zu reden, das „Königreich Italien ihm eine andersartige Existenz als die jetzige auf italienischem Boden sichern oder ihn nöthigen wolle, Italien (ganz) zu verlasien." Bis jetzt scheint eben nur die Dhatsache festzustehen, daß die „Römische Frage" in Berlin ihr Wiedererwachen ge­feiert hat, während der Nationalliberalismus noch vor ein paar Jahren jubeln konnte, daß dieses Deutschland immer wieder „dem Papstthum die Thüre weise." Was der deutsche Kanzler in schlaflosen Nächten, und er soll deren viele haben, sonst noch erwägt über Neuherstellung des verlorenen Gleich­gewichts in der moralischen und materiellen Ordnung, das wird sich zeigen. Uns ge­nügt es vorderhand aus seinem Reden und Thun zu ersehen, daß er erwägt. Es ist auch hoch an der Zeit, wenn nicht dereinst die Geschichte schreiben soll: „Nach Ihm die Sündfluth!"

Deutsches Reich.

* Berlin, 1. März. Die zweite com- missarische Lesung der kirchenpolitischen Vor­lage wird am nächsten Montag stattsinden.

— Abgeordnetenhaus. 23. Sitzung vom 1. März. Zur Berathung stand der Antrag Knebel auf eine Untersuchung über die Verhältnisse des Kleinbauernstandes am geschmückten kleinen Kirche. Die hl. Feier begann.

O, glückseliger Tag, wo zum ersten Mal der nienschgewordene Gott seine Einkehr in das Kindesherz hält! Wo der eingeborene Sohn Gottes das arme Menschenkind wür­digt, sich mit ihm zu vereinigen! Unbe­greifliche Liebe! - Wie viele Menschen vergeßen im Taumel der Leidenschaft diese unendliche Güte! - O, hätte auch ich doch niemals die Worte des würdigen Seelsor­gers vergeßen, die er nach dem hl. Augen­blicke zu uns sprach. — Aber, so ist das arme Menschenherz; für nichts, für Tand, Flitter und sündigen Ehrgeiz verläßt es das Einzige, was sür ihn nur Werth haben sollte. — Jetzt erst erkenne ich es wieder, was so lange Jahre meinem Herzen sremd geworden war.

Geringfügige, zufällige Ereignisse führen im Leben oft Entscheidungen für die ganze Zukunft des Menschen herbei. Unscheinbare Dinge bilden oft das erste Glied der Kette, wo Ring an Ring sich im Menschenleben anschließt. Der Weg zum Guten oder zum Bösen hängt oft von einem einzigen Augen­blicke ab. So brachte auch mir em an ,tch unscheinbares Ereigniß eine Wendung m meinem bis dahin gleichförmigen Leben.

♦ * * (Forts, solgt.)

12

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. (Fortsetzung.)

Ich wuchs zu einem kräftigen Knaben heran, niemals ahnend, daß die guten Leute nicht meine Eltern seien. Beim ersten Er- ivachen blickte ich in das fteundliche Gestcht der guten Mutter, welche schon Milch und Brod für inich bereit gestellt hatte. Lieb­reich legte sie meine Händchen in einander und lehrte niich kleine, kindliche Gebetchen. Sorgsam, wie eine Mutter wachte sie über mich. Bei ihren Arbeiten in Haus und Garten, bei ihren Liebesgängen zu armen oder kranken Fischerfamilien hatte sie Niich stets an ihrer Seite. Wie freudig schlug mein Herz, wenn ich später, als ich heran wuchs, als Bote der Mutter Marie in die armen Hütten kam, hier eine stärkende Speise, dort eine Flasche Wein bringen durfte.

Als meine Fassungsgabe es erlaubte, be­gann der Vater mich zu unterrichten. Ein tüchtiger Seemann, wie er es gewesen, sollte ich werden. Hatte ich meine Arbeiten zu seiner Zufriedenheit erledigt, so durfte ich ihn auf feinen Spaziergängen begleiten. Das waren mir die liebsten Stunden. Vater Martin erzählte mir dann von seinem früheren Seemannsleben. Wie begierig lauschte mein

nächsten und tonangebenden Mächte seiner Gesinnung gegen den päpstlichen Stuhl Aus­druck gegeben habe. Mit diesem Hergang würde sich auch der in der italienischen Presse hervorgehobene Umstand sehr wohl vertragen, daß Oesterreich, trotz seiner katholischen Tra­ditionen, wie es denn seit zehn Jahren die Italiener wegen des Papstes niemals be­helligt habe, auch jetzt passiv geblieben sei. Man scheint eben in Wien seit dem Abschluß des September-Verhältnisses überhaupt ge­neigt zu sein, den diplomatischen Vortritt dem Fürsten Bismarck zu überlassen, und in der fraglichen Angelegenheit dürfte aller­dings nicht einmal die Anwesenheit des Königs Humbert in Wien ein Abweichen von der Regel bewirkt haben.

Ob die römische Frage sofort, wie Manche meinen, den Hauptgegenstand der diplo­matischen Verhandlungen bilden und in den internationalen Vordergrund treten wird, steht allerdings dahin. Wir lassen auch die Frage bei Seite, ob vielleicht eine inter­nationale Garantie für gewisse Bedingungen der Unabhängigkeit des heiligen Stuhles ge­schaffen werden solle. Für die Vermehrung seiner Wohlthäter würde sich der Papst ge­wiß zuerst bedanken. Wir halten uns ein­fach an den Ausspruch Pius IX. in der Allocution vom 12. März 1877: „Der römische Papst ist nicht im Besitze seiner vollen Freiheit und seiner ungeschmälerten Gewalt und wird es nie und nimmer sein, so lange er in seiner eigenen Stadt fremden Herrschern unterworfen ist." Oder wie Herr Thiers gesagt hat: „Für den Papst gibt es keine Unabhängigkeit als die Sou- Ohr, wenn er seine Fahrten, die fremden Länder und Völker beschrieb. — Auch mit dem Bau und der Einrichtung eines Schiffes machte der Vater mich bekannt. Das nied­liche Modell eines Zweideckers, welches er mit vielem Fleiße angefertigt hatte, hing an der Decke des Zimmers; an diesem wurde der Unterricht praktisch erläutert. — Mit den Fischerbuben tummelte ich mich an dem Strande und auf den Klippen umber. Wie Vater Martin das Haupt des Dorfes war, so wurde ich bald der Anführer der Knaben bei unseren Spielen. Ich mochte mein zehn­tes Lebensjahr erreicht haben, der Tag meiner Geburt ist mir ja unbekannt,, als der würdige Pfarrer den von meinem Vater begonnenen Unterricht fortsetzte. Zweimal in der Woche wanderte ich zum Pfarrdorfe hin. ~

Der schlichte, liebenswürdige Seeftorger verstand es so recht, das Kinderherz zu ge­winnen und zu fleißigem Lernen anzuspornen. Ein paar Jahre schwanden mir rote int Fluge dahin. Wiederum nahte das hl. Oster­fest. Der würdige Seelsorger hatte bestimmt, i daß ich in diesem Jahre zur ersten hl. Com- munion geführt werden sollte. Die letzten - Tage vor der hl. Feier brachte ich im Pfarr- t Hofe zu. Von den Segenswünschen der Eltern t geleitet, zogen wir paarweise zu der festlich

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