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Donnerstag, den 2. März 1882

pessimistische gefolgt. Einst glaubte er die Hel­din Germania fest genug in den Sattel gesetzt zu haben, damit sie alle Barrieren iiber- und niederreite; jetzt gefallen ihm die Dinge nicht mehr. Mit Einem Worte: „er fürch­tet; er fürchtet eine republikanische Epide­mie, er fürchtet die Revolution". Daher die steten Klagen und die ewige Unruhe, mit der er die Massen durch sociale Refor­men zu begütigen und die Monarchie mit neuen Bollwerken zu umgeben strebt. Wer seine Rede vom 29. November gelesen hat und das Horoscop betrachtet, das er dort insbesondere der italienischen Monarchie ge­stellt hat, konnte unmöglich überrascht sein über das Erwachen der römischen Frage,— in Berlin. Sie liegt für die Solidarität der monarchischen Interessen rmausweichbar auf dem Wege.

In ihrem diplomatischen Jargon sagt einer der Artikel der,Post': wenn die europäischen Staaten sich wegen Rom nicht zu gemein» samem Handeln entschließen, so muffen sie in Europa ein Element der Unordnung be­stehen lassen. Denn da der Papst sich durch die europäische Staatsordnung in seinem Recht gekränkt fühle, fo „kämpfe er gegen diese Staatsordnung an;" und in der jetzi­gen hilflosen Lage des Papstthums sei das­selbe ein unsicherer Factor, von dem man gerade seiner Hilflosigkeit wegen Nichtwissen könne, in welche Kombinationen und Wagnisse er hineingerissen werde. Das wäre die nega­tive Seite. Rach anderen Nachrichten aus Berliner diplomatischen Kreisen, soll aber das Papstthum bei einer hervorragenden Gelegen­heit auch van der anderen Seite und sogar als geführt. Auch das Boot, welches die Fischer bei meiner Rettung geborgen hatten, trug keinen Namen. Meine Kleidung bot keinen Anhaltspunct über meine Herkunft. Ein Cachernirtuch, welches um meinen Hals ge­schlungen war, hatte in der einen Ecke eine Krone eingestickt. Die Schwester bewahrte meine Kleidung sorgfältig auf. Niemals ist über meine Herkunft etwas in Erfahrung gebracht worden.

Es war nothwendig, meine lieben Freunde," fuhr der Capitain fort, „Sie mit dem Manne bekannt zu machen, dem ich die Erhaltung meines Lebens verdanke, der mir Vater ge­worden und dessen Vergangenheit von so großem Einflüsse auf meine ferneren Ge­schicke gewesen ist.

Einen Zeitraum von 8 Jahren könnte ich überspringen, wenn es mich nicht drängte, über meine Wohlthäter, von meiner theuren Heimath zu reden. — O, Heimath! welchen Zauber birgt dieses Wort in sich! — Wie ist die Liebe zu der Heimath in jedes Men­schenherz eingeschlossen! Ob die südliche Sonne sie bescheint, ober der eisige Nord sie umgibt, die Heimath ist der Magnet, der alle Herzen wieder anzieht. — Wie liebe ich das herrliche Meer, das seine Küste be­spült, bald klar und ruhig wie ein unend­licher Spiegel zu unfern Füßen ausgebreitet'

einmal zu wenig gesichert scheine, und daß er es, um mit der ,Post' zu reden, als einen ernsthaften Gegenstand der politischen Erwägung betrachte, „ob es der europäischen Gesamrntordnung förderlich fei, das Papstthum und damit das Schicksal der römischen Kirche von einer Anzahl Localentscheidungen, d. h. von den Gesetzgebungen der Einzelstaaten, abhängig zu machen, und selbst die Frage nach der persönlichen Unabhängigkeit des Papstthums als Localfrage zu behandeln." Bis dahin glaubte Italien gegen alle Einwendungen durch fein Garantiegesetz auszukommen, und alle Mächte haben sich diesen Zustand still­schweigend gefallen lassen, bis sie jetzt von Berlin her unsanft aus dem Schlafe aufge­rüttelt werden.

Ob es aus freieigener Initiative ober ans Anlaß neuerlicher Beschwerben bes hl. Vaters geschah, ist zunächst um so mehr gleichgiltig, als kein Judicium vorliegt, baß anßerbem noch diese oder jene Macht, etwa Oesterreich bei dem Besuche des italienischen Königs in Wien, eine Anregung gewagt hätte. Was aber den Fürsten Bismarck zu dem Ent­schluß des Eintretens verniocht haben mag, das ist allerdings ein sehr interessantes Problem. Wir glauben, es dürsten mehrere Gründe zusammengewirkt haben; vor Allem glauben wir, was seine Person betrifft, an den tiefen Ernst der Sache.

Seit den Reden, die er am 29. und 30. Nov. v. I. im Reichstag gehalten hat, glauben wir uns klar geworden zu fein über die zweite Periode, in die er mit feiner welthistorischen Existenz eingetreten ist. Auf die optimistische Periode ist nun die tretenden Bruder, der auf seinen Armen einen kleinen Knaben trug, welcher zutrau­lich sein Aermchen um den Hals des See­manns geschlungen hatte, während die hel­len Frendethränen über die gefurchten Wangen des wackeren Mannes rannten.

„Maria, ich habe meinen Gar?on wieder, schau her, hier ist er, fei Du ihm Mutter!"

Das war. mein Eintritt in das Vaterhaus.

Obgleich Manches meinem Gedächtmffe ans den Kinderjahren entschwunden ist, so sehe ich doch noch heute das herzige Gesicht der guten Mutter Marie, die auägebreiteten Arme, womit sie mich umpfing, auf ihren Schooß nahm, entkleidete, mit Speise und Trank erquickte und zur Ruhe brachte. Glück­liche Zeit, die ich in Kindesunschuld auf dein Schooße der guten Mutter oder zu den Füßen des Vaters, seinen Erzählungen lauschend, zubrachte. Mit wahrhafter El­ternliebe sorgten diese edlen Menschen für den armen Findling.

Alle Nachforschungen über das unterge­gangene Schiff blieben erfolglos. Die wenigen Planken, die an den Strand geworfen wur­den, ließen nichts über die Nationalität des Schiffes erkennen. Weder Boote, noch Leichen waren an das Ufer getrieben. Der Gegen­strom hatte Alles in das offene Meer jurüct«

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e- Die römische Frage.

I.

Plötzlich und ohne sichtbaren äußeren Anstoß ist vor Kurzem die römische Frage in die öffentliche Discussion geworfen wor­den, und zwar in Berlin und von Federn, welche ohne Zuthun ihres Herrn und Meisters eine derartige „Beunruhigung" des großen Publicums sicherlich nicht anzuzetteln gewagt hätten. Dem Fürsten Reichskanzler nahestehende Berliner Blätter haben sich nämlich dieser Frage bemächtigt, insbesondere war es das sog. Botschafter-Organ, die ,Post', welche an das Zugeständniß, daß die Lage des Papstes in Rom unter den gegenwärtigen Verhältnissen sich allerdings zur Unerträglichkeit gesteigert habe, ihre Er- ivägmigen knüpfte. Dieselben führten die ,Post' vorerst zu dem Schluß: daß der Papst Italien vor die Frage stellen könnte, „ob es ihm eine anders geartete Existenz als die jetzige auf italienischem Boden sichern oder ihn nöthigen wolle, Italien zu verlassen", und daß dann „Italien dazu kommen würde, einen Theil der päpstlichen Forderungen anzunehmen."

Alle Welt zerbricht sich nun den^Kops, wie es gekommen sei, daß dem Fürsten Reichskanzler die Freiheit des Papstes auf_

H

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Linn. (Fortsetzung)

Umsichtig begann nun der erfahrene See­mann die Wiederbelebungsversuche. Nach­dem er den Knaben in aufrechte Sage ge­bracht, rieb er ihm emsig die Brust, den Unterleib und die Hände mit Cognac, während George ihm Stirne und Wangen mit Wein wusch. Nach einigen Minuten hörte er zu seiner größten Freude einen schwachen Seufzer der Brust des Knaben sich entrinnen. Vor­sichtig flößte er dem Kleinen etwas Wein ein. Bald folgte ein leises Wimmern des Kindes. Nachdem er nochmals demselben etwas Wein eingeflößt hatte, reckte und dehnte sich der Kleine und öffnete seine Augen. Erstaunt blieben sie auf dem fteund- lichen Gesicht des Pflegers haften, dann lächelte der Knabe und schloß die Augen wieder.

„O, meine Freunde," sprach Martin leise, „wieder ein Leben dem Herrn erhalten."

Bald lag das Kind, sorgsam in Decken gehüllt, in dem Boote. Das Gestrandete wurde "in's Schlepptau genommen und pfeil­geschwind, von der eingetretenen Fluth ge­tragen, flogen beide dem Strande zu. Ver­wundert schaute die Schwester auf den ein­