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Mittwoch, den 1. März 1882.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg , auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

SW Für den Monat März nehmen Bestellungen ans die ,Ful- daer Zeitung^ alle Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zum Preise von 50 Psg. (ohue Bestell­geld) an.

Encykliea Sr. Heiligkeit de^ Papstes Leo XIII. an sämmtliche Erzbischöfe und Bischöfe Italiens.

(Schlüße

Vor allein aber, ehrw. Brüder, müssen euere Sorgen und Gedanken darauf gerich­tet sein, die Diener Gottes richtig heranzu­bilden. Wenn es näinlich eine Hauptauf­gabe der Bischöfe ist, für eine gute Erzieh­ung der ganzen Jugend zu sorgen, so müssen sie noch weit mehr bei den Klerikern dafür Sorge tragen, welche als Hoffnung der Kirche heranwachsen und in Zukunft Theil- nehmer und Gehülfen im heiligen Amte sind. Gewichtige und allen Zeitaltern gemein­same Gründe fordern von den Priestern viele und große Tugenden; unsere Zeit aber verlangt dringend mehrere und größere. Die Vertheidigung des katholischen Glaubens, welche vor Allen den Priestern obliegt und die in unserer Zeit so nothwendig ist, for­dert keine gewöhnliche und mittelmäßige Kenntniß, sondern eine hervorragende und manichfache; sie muß nicht nur die heilige, sondern auch die philosophische Wissenschaft, die Naturwissenschaften und die Geschichte umfassen. Es gibt nämlich gar vielerlei Arten des Jrrthums auszurotten, welcher die Fundamente des Christenthums zu er­

schüttern sucht. Es gilt ost zu kämpfen mit sehr gewandten Gegnern, welche wohl be­wandert sind in jeder Art der Wissenschaft. Da in gleicher Weise ein großes und weit­verzweigtes Sittenverderbniß eingeriffen ist, müssen die Priester durch Tugend und Festigkeit hervorleuchten. Sie können den Verkehr mit den Menschen nicht vermeiden. Die Pflichten ihres Amtes führen sie mitten in das Getriebe der Welt, und das auch in Städten, wo es kam noch eine Leiden­schaft gibt, welcher man sich nicht frei glaubt hingeben zu können. Hieraus folgt, daß die Tugend des Klerus eine solche Festig­keit haben muß, daß sie sich selbst zu schützen weiß, allen Lockungen widersteht und glück­lich alle Gefahren 'überwindet. Außerdem haben die hier und da zum Verderben der Kirche erlaffenen Gesetze die Zahl des Klerus vermindert. Es muffen also diejenigen, welche zum hl. Amte berufen sind, die geringe An­zahl durch Eifer und Hingebung zu ersetzen suchen. Das alles kann nicht geschehen, wenn sie nicht ein Entschiedenes, entsagungs­volles, unverdorbenes, von Liebe flammendes Herz besitzen, welches bereit ist, mit Freuden alle Widerwärtigkeiten zum Heile der Seelen zu tragen. Zur Erlangung dieser Eigen­schaften gehört eine lange und fleißige Vor­bereitung; denn so viele Dinge eignet man sich nicht leicht an. Diejenigen werden hei­lige und tüchtige Priester, welche von Jugend auf für das Amt sich vorbereiten, dieJu der Hebung der Tugend so fest sind, daß sie ihnen angeboren, nicht erworben zu sein scheint.

Aus diesen Gründen, ehrwürdige Brüder,

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Kaurn verkündeten die ersten Lichtstreifen im Osten das Scheiden der Nacht, so be­schritt Martin bereits wieder die Adlerplatte. Noch deckte tiefe Nacht den Felsenstrand und das Meer. Der Sturm hatte nachgelassen . und klar stieg die Sonne empor. Sobald . die Strahlen die Kämme der fernen Wogen mit tausenden Demanttropfen übersäeten, richtete Martin sein Fernrohr auf das Meer. Prüfend überflog fein Blick die ganze Bucht, bis er endlich auf der äußersten Linie der- felben hasten blieb.

„Seht doch einmal Nachbar George/ wandte er sich au einen der hinzugekommenen Fischer, „nach dem Mausohr hinüber, ich glaube einen Gegenstand auf demselben zu entdecken."

„Ihr habt Recht, Vater Martin," erwi­derte der Andere nach genauer Prüfung. „Die Brandung ist jedoch noch zu stark, um den Gegenstand deutlich zu erkennen. Ist es ein Boot mit Schiffbrüchigen, so dürste die Hilfe wohl bald zu spät kommen."

„Darum vorwärts, Männer!" rief Mar­tin lebhaft; „wir haben schon schwererer Brandung die Spitze geboten."

Vorsichtig stiegen die Fischer zum Strande. Noch prallten die aufgeregten Wogen, ihren Gischt hoch an die Felsen schleudernd, un­aufhörlich au die Küste. Bald waren zwei Boote bemannt. — „George", sprach Mar­tin, „führt Euer Boot luv-, ich werde das meine leewärts halten."

Kühn flogen die Boote in die Brandung hinein, im nächsten Augenblick von einer Woge begraben. Doch von sicherer Hand geführt, tauchten sie wieder auf und bald befanden sie sich in etwas ruhigerem Fahr- waffer. Wie im Tactschlage sah 'man sie verschwinden und auf dem Rücken der Wel­len wieder erscheinen.

Eine Stunde lang hatten die kräftigen Männer gegen Wind und Wellen gekämpft, als sich das von Martin geführte Boot der letzten Kette der Riffe näherte.

„Greift kräftig ein, Nachbarn, Segel lee­wärts," rief Martin, „wir wollen in der Fuchsfalle, über die Riffe."

„Wie ein Pfeil schoß das Boot in die Brandung und befand sich nach wenigen Augenblicken jenseits der Felsen auf ruhiger See.

„Es ist ein Boot," sprach Martin, nach­dem er sein Glas auf den fernen Puuct gerichtet hatte. „Es hat gekentert und sitzt aus dem Mausohr fest, ich entdecke kein

erfordern die ©eminarien' mit Recht euere besten Kräfte und euere Wachsamkeit. Es ist euch nicht unbekannt, welche Mittel und Lehren der junge Klerus zur Aneignung der Tugend und guten Sitten braucht. Für die höhere Wissenschaft hat Unsere Eneyklika „Aeterni Patris“ den Weg und die beste Methode gezeigt. Da aber in dem Wett­lauf der Geister viele gute und nützliche Erfindungen gemacht sind, welche man um so weniger ignoriren darf, als gottlose Menschen täglich neue Waffen gegen die geoffenbarten Wahrheiten schmieden, so sorget nach Kräften dafür, ehrwürdige Brü­der, daß der junge Klerus nicht nur in den Naturwissenschaften unterrichtet sei, son­dern auch in den Wissenschaften, welche zur Interpretation der hl. Schrift erforderlich sind. Wir wissen wohl, daß zum voll­kommenen Studium dieser Wissenschaften viele Dinge gehören, welche den Seminarien durch ungünstige Gesetze ganz oder theil- weise genommen sind. Aber auch in dieser Angelegenheit fordert die Zeit, daß Unsere Gläubigen durch Freigebigkeit sich Verdienste um dm Religion erwerben. Die fromme Großmuth Unserer Vorfahren hatte in be­wunderungswürdiger Weise für diese Be­dürfnisse Sorge getragen, so daß die Kirche, Dank ihrer Klugheit und Sparsamkeit, auf die Freigebigkeit ihrer Kinder hinsichtlich der Unterhaltung der hl. Dinge verzichten konnte. Aber dieses rechtmäßige und Hst Erbtheil, welches die Stürme der ver­gangenen Jahrhunderte verschont hatten, hat der Sturm unserer Tage vernichtet. Des­halb fordert die gegenwärtige Zeit die

lebendes Wesen. Sollen wir umkeh ren ober versuchen, das Wrack zu bergen?"

„Das schwerste ist überstanden," sprach einer der Männer, „ist auch Niemand Hilfe zu bringen, so wäre es doch Schade, das Boot den Wellen zu überlassen."

Kräftig ‘legten sich die Männer in die Ruder, und nach einer halben Stunde lan­deten sie an dem kleinen Eilande.

Das Mausohr war eine, bei der Fluth nur wenige Fuß über dem Wasserspiegel hervorragende Felsenmasse, welche nach der Seeseite von den Wellen glatt abgewaschen war. Bei der Ebbe umfaßte das Eiland etwa 40 Fuß im Geviert. In der 'Hütte desselben war eine Mulde, welche sich nach dem Meere hin zu einer ein paar Fuß tiefen und 10 Fuß breiten, von dem Felsen überwölbten Höhle erroeitete Aus der Ferne betrachtet hatte der Felsen ganz die Gestalt eines Diausohres, weshalb er bei den Küsten­bewohnern unter diesem Namen allgemein bekannt war. Bei größeren Fischzügen wurde dieser Platz gerne als Ruhepunct ausgesucht, um bei eintretender Fluth von hier aus mit leichter Mühe wieder den Strand zu erreichen."

„O, wie oft," fuhr der Capitain fort, „ist dieses kleine Eiland der Tummelplatz unserer kindlichen Spiele gewesen, wenn wir bei ruhiger See die Männer auf den Fang