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Deutsches Reich.

* Berlin, 26.Febf? Abg'e ord n eie n- haus. 20. Sitz, vom 25. Febr. Die Debatte war eine sehr lebhafte. Conservative und Fort- schrittsagten sich gegenseitig tüchtig die Meinung bezüglich ihrer Stellung zur Judenfrage, über welche Stöcker bei der weiteren Be­sprechung der Position „Polizeiverwaltung in Berlin" sich deshalb zu äußern veran­laßt sah, weil der Abg. Richter am Frei­tag von „Hetzern und Hetzpredigern" gespro­chen hatte. Richter hetze gegen Alles, spreche täglich von Junkern und Psaffen und weife sich dabei als Beschützer des modernen Ju- denthums auf. Ebenso treibe es die ganze fortschrittliche Presse. Äas ,Berl. Tagebl/ habe die Orthodoxen „Raupengesindel" und „Gewürm" genannt, das man vertilgen müsse. Der Kampf gegen das Judeuthum sei ihm und der christlich-socialen Partei aufgezwungen worden; er habe sich nur in der Abwehr befunden, und dabei dafür ge­sorgt, daß keine Gewalthätigkeiten vorge­kommen seien. Falls die Hauptstadt des neuen deutschen Reiches nicht völlig verjuden sollte, habe man gegen das übermächtige und anmaßende Judenthum Front machen müssen. In der jüdischen Anmaßung gehe der ,Börs.-Cour/, der sich als Organ der Berliner Juden aufspiele, am weitesten. Aber die anständigen Juden mißbilligten selbst das Auftreten dieses Blattes. Die Juden dringen massenhaft in den Richter- und Advocaten- stand ein. Die Juden wollen nicht blos erwerben, sondern herrschen. Dem gegen­über müsse man auftreten, im Interesse des Volkes, im Interesse der Armen. Man habe ihn, Redner,sogarfürdie Judenkrawalle in Rußland verantwortlich machen wollen, obwohl selbst ein in Rußland erscheinendes jüdisches Blatt zu- gebe, daß der unbarmherzige Wucher und die Verschlagenheit russischer Juden dieselben

48* Dienstag, den 28. Februar 1882.

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Enehkliea Er. Heiligkeit des Papstes Leo XIII. an fämmtliche Erzbischöfe und Bischöfe Italiens.

(Fortsetzung.)

Bis auf den heutigen Tag schien die Kraft Vieler nicht in der Weise sich zuent- salten, wie eine so große Aufgabe es erfor­dert; sei es aus Ungewohnheit der neuen Arbeit, sei es, weil die Größe der Gefahren nicht genugsam erkannt wurde. Jetzt aber, wo die Zeitverhältnisie in Folge der Erfahr­ungen klar geworden sind, wäre nichts ver­derblicher, als wenn man gleichgiltig die lang vorbereitete Bosheit der Gottlosen dul­den, ihnen den Platz räumen wollte, damit sie noch länger nach Belieben 'bie christliche Kirche verfolgen könnten. Klüger als die Söhne des Lichtes haben sie vieles gewagt an Zahl schwächer, stärker durch Schlauheit und Hib .ittel, haben sie in kurzer Zeit große Nebel bewirkt. Mögen also die Freunde des katholischen Namens erkennen, daß es Zeit sei, zu beginnen, und daß sie nicht länger der Ruhe sich hingeben dürfen, da Niemand schneller unterdrückt wird als der, welcher sich in gefährliche Sicherheit einwiegt. Mögen sie bedenken, wie vor nichts zurück­schreckte die edele und wirksame Tugend jener ihrer Vorfahren, aus deren Arbeit und Blut der katholische Glaube gewachsen ist. Ihr aber, ehrwürdige Brüder, ermuntert die Aengstlichen, treibet an die Zögernden. Eifert durch euer Beispiel und euere Autorität Alle an zur standhaften Erfüllung der Pflichten, welche das christliche Leben fordert. Zur Belebung und Verniehrung des Eifers muß Sorge getragen werden, daß jene Vereine blühen und gedeihen, welche zur Aufgabe sich gestellt haben, den christlichen Glauben und die Tugenden zu erhalten und auszu­breiten. Solcher Art sind die Jünglings- Vereine und die Vereine der Handwerker, und solche Vereine, welche katholische Ver­sammlungen periodisch veranstalten; es sind solche, welche die Roth der Armen lindern; es sind endlich die Vereine zur Erhaltung der Sonntagsfeier, der Erziehung der armen Jugend und andere dieser Art. Da es ferner für das Christenthum so sehr nöthig ist, daß der Papst in der Regierung der Kirche wirklich frei sei vor jeder Gefahr, Belästigung und allen Schwierigkeiten, möge man, so viel die Gesetze es erlauben, durch Proteste und thätiges Handeln für die Frei­heit des Papstes wirken. Möge inan nicht eher ruhen, bis Uns, nicht dem Scheine nach, sondern in Wahrheit jene Freiheit wiedergegeben ist, mit welcher nicht nur das Wohl der Kirche, sondern auch die glückliche

Gestaltung der Verhältnisse Italiens und der Ruhm der christlichen Völker durch einen gewissen nothwendigen Zusammenhang ver­knüpft ist.

Alsdann aber ist es sehr nützlich, gute Schriften zu veröffentlichen und ihnen eine möglichst große Verbreitung zu geben. Die, welche die Kirche tödtlich hassen, pflegen sie mit der Feder zu bekämpfen und diese als die geeignetste Waffe zu gebrauchen. Daher jene greuliche Fluth von schlech­ten Schriften, daher jene feindlichen Tagesblätter, die sich von ihren wahn­sinnigen Angriffen weder durch Gesetze noch durch das Schamgefühl abhalten lassen. Was immer auch in den letzten Jahren durch Empörung oder Volksaufstand ge­schehen, ist von ihnen als Recht vertheidigt worden. Sie fälschen nnd entweihen die Wahrheit. Kirche und Papst greifen sie täglich durch böswillige Verleumdungen und falsche Beschuldigungen an; keine Meinung ist ihnen zu absurd oder gemein, als daß sie dieselben nicht allmählig auszubreiten suchten. Diesem Uebel also, welches täglich mehr um sich greift- -muh man beharrlich entgegentreten, indem man das Volk ernst und nachdrücklich ermahnt, vorsichtig und gewissenhaft in der Seetüre der Schriften zu sein. Außerdem aber soll man den Schriften andere Schriften entgegensetzen, damit so dieses Mittel, welches sehr viel schadet, zum Heil und Besten der Menschen ausschlage, und von derselben Seite das Heilmittel komme, von wo das Gift ausgegangen ist. Deshalb ist es sehr wünschenswerth, daß wenigstens in jeder Provinz Zeitungen, wenn möglich täglich, herausgegeben werden, welche die Pflichten gegen die Kirche dem christlichen Volke vorhalten. Vor allem mögen die hervorragenden Verdienste, welche die katholische Religion bei allen Völkern sich erworben hat, vor Augen geführt wer­den. Es möge auch durch das lebendige Wort der so große und heilsame Einfluß der Religion im öffentlichen und privaten Leben auseinandergesetzt werden; es möge erörtert werden, wie gut es sei, daß die Kirche bald wieder jenen würdigen Platz im Staate erhalte, welchen ihre göttliche Größe und ihr Nutzen für die Völker fordert. Zur Erreichung dieses Zweckes haben aber Diejenigen, deren Beruf das Schreiben ist, mehrere Puncte zu beobachten. Alle mögen darauf achten, daß das, was am meisten nothwendig scheint, mit Weis­heit und Entschiedenheit ausgeführt _ und ins Werk gesetzt werde. Nichts ist zu übergehen, deffen Kenntniß nützlich oder wünschenswerth scheint. Mit Ernst und Mäßigung mögen die _ Jrrthümer _ und Fehler getadelt werden, so jedoch, daß der Tadel der Bitterkeit entbehrt und die Per­sonen geschont werden. Die Rede muß klar und überzeugend sein, damit das Volk sie leicht verstehen kann.

Alle übrigen aber, welche von Herzen

wünschen, daß die religiösen und bürger­lichen Angelegenheiten gedeihen, indem sie mit Geist in der Presse vertheidigt werden, mögen die Erzeugnisse der Presse mit Frei­gebigkeit unterstützen; je reicher Einer ist, um so kräftiger möge er die Sache fördern. Den Schriftstellern nämlich muß man auf diese Art zu Hilfe kommen, weil ohne solche ihre Bemühungen keinen oder nur einen un- sichern Erfolg haben- Wenn aber bei all' diesen Dingen Unfern Söhnen eine Unan­nehmlichkeit droht, wenn ihnen ein Kampf bevorsteht, so mögen sie in diesen eintreten, da der christliche Mann für keine gerechte Sache leiden und arbeiten kann, als wenn er nicht duldet, daß die Religion von Gott­losen angegriffen wird. Denn nicht deshalb hat die Kirche ihre Söhne geboren oder erzogen, daß sie, wenn die Zeit cs fordert, keine Hilfe von ihnen habe, sondern daß sie Alle das Heil der Seelen nnd das Wohl der christlichen Angelegenheiten ihrer Muße und ihrem Privatnutzen voranstellen.

(Schluß fol-t. >