Jfä 47* Sonntag, den 26. Februar 1882.
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Encyklica Sr. Heiligkeit -es Papstes Leo XIII. an sämmtliche Erzbischöse un- Bischöfe Italiens.
Die Vernichtung so vieler und großer Güter hat die größten Nebel im Gefolge; denn die Feinde der christlichen Wahrheit zielen, wenngleich sie das leugnen, auch auf Vernichtung des Staates. Nichts ist nämlich mehr geeignet, um die Gemüther heftig zu entflammen und die verderblichsten Begierden wachzurufen, wie die Lehren jener Leute. Sie verschmähen das himmlische Licht des Glaubens. Wo aber dieses erloschen ist, zieht gar oft der Jrrthum in's Herz ein; der menschliche Geist sieht nicht die Wahrheit und gelangt leicht bis zu dem niedrigen, häßlichen Materialismus. Nach Art der Thoren leugnen solche Menschen eine ewige, unabänderliche Vernunft und verachten Gott, den höchsten Gesetzgeber und Richter. Ist aber dieses Fundament geschwunden, so hat das Gesetz seine bindende Kraft verloren, die Lebensweise bleibt dem menschlichen Willen und der Willkür überlassen. In einem Staate mit unbeschränkter Freiheit, wie jene ihn verkünden und wollen, muß Zügellosigkeit entstehen; der Zügellosigkeit aber folgt ein Umsturz der Ordnung, welcher die größten Gefahren für ein Ge-
Durch Nacht zum Licht.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung)
Das Dörfchen Laroche, dessen Namen ich angenommen habe, liegt beinahe auf der Höhe eines riesigen, zerrissenen Felsenrückens, der weithin in den Ocean vorspringt. Meilenweit erstreckt sich die starre Felsenmasse an der Meeresküste hin. Die Brandung von Jahrtausenden hat jede Spur des Erdreiches aus den Felsen fortgerissen, tiefe Rinnen in das feste Gestein ausgewaschen, aus welchen die sturingepeitschten Wellen beim Zurückweichen wie kleine Gebirgsbäche herniederstürzen, um nach kurzer Zeit wieder als klafterhohe Wogen zurückgeworfen zu werden. Niedrige Felsenklippen ziehen sich, einen Halbkreis bildend, wohl eine Meile weit in den Ocean hinein, bei ruhigem Wetter und der Ebbe sichtbar,und bilden, da das Gebirge eine Stunde nördlich scharf vorspringt, eine große Bucht. Die Hütten des Dorfes liegen zerstreut auf dem östlichen Abhange, geschützt gegen die stürmenden Westwinde.
Kleine Streifen Ackerland, mühsam dem starren Boden abgewonnen, tragen dürftig etwas Hafer, Gerste und Küchengewächse. Ziegen, welche die nahrhaften Kräuter auf den unzugänglichsten Felsenspitzen abweiden,
ineinmesen mit sich bringt. Es gibt für- wahr keine bedenklichere und unglücklichere Lage für einen Staat als jene, wo solche Lehren und solche Menschen herrschen. Wenn Wir nicht in der neuern Zeit Beispiele hätten, so würde man es kaum fassen können, wie die Menschen, rasend durch Laster und Verworfenheit, zu solchen Excessen kommen und Zügellosigkeit mit Freiheit verwechselnd, in Mord und Brand schwelgen könnten. Wenn Italien so große Schrecknisse noch nicht gesehen hat, so müssen Wir das in erster Linie der Gnade Gottes, sodann deni Umstande zuschreiben, daß jene äußerst verderblichen Grundsätze nicht völlig zur Herrschaft gelangen konnten, weil der weitaus größte Theil der Bewohner Italiens standhaft in der katholischen Religion verharrte. Wenn aber die Bollwerke der Religion vernichtet wären, würde Italien denselben Katastrophen ausgesetzt sein, welche gber die größten und blühendsten Nationen üekommen sind; denn dieselben Lehren üben dieselben Wirkungen, wie der Same, so die Frucht. Aber noch größere Strafen würden vielleicht das italienische Volk treffen, wenn es seine Religion verleugnete, weil zu der Treulosigkeit und Gottlosigkeit die Schuld eines undankbaren Herzens käme. Nicht durch Zufall nämlich oder den Willen der Menschen ist Italien von Anfang an durch Jesum Christum die Gnade zu Theil geworden, sowohl den Stuhl des hl. Petrus in seiner Mitte zu haben, als auch durch alle Jahrhunderte der christlichen Zeit hindurch die größten göttlichen Wohlthaten zu empfangen. Deshalb hat es sehr zu fürchten, versorgen die Fischer mit Milch und Käse. Der Fischfang bildet den Haupteriverbszweig. Von Jugend aus mit den Gefahren des Meeres vertraut, wenden die Jünglinge der Heimath den Rücken, bei der Marine oder auf Handelsschiffen Dienst zu nehmen, und kehren oft erst nach Jahren wieder in die arme Heimath zurück.
4. Capitel.
„Es war am 23. November 1772, der Jahrestag wo Martin, von der Reise zurückkehrend, seinen kleinen Knaben nicht mehr wiederfand. Er verließ regelmäßig an diesem Tage seine Hütte und wanderte zum Pfarr- dorse. Prüfend richtete er seine Blicke auf den schweren wolkenüberzogenen Himmel, während ein pfeifender Nordwest über das Gebirge fegte. „Maria," sprach er in der Thüre seines Hauses stehend, „ich werde den Heiinweg heute früher antreten. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß ein schwerer Sturm im Anzuge. Trage Sorge, daß kein Boot den Strand verlasse und die Schiffer Alles bergen."
„Es wird wohl nicht so schlimm werden," erwiderte die Schwester; wir haben seit mehreren Tagen ja lebhaften Wind." . „Thue, wie ich sagte," und rüstig schritt Martin den scharfabsallenden Felsenpfad hinab.
Die Befürchtungen des erfahrenen See-
was der Apostel Paulus den undankbaren Völkern androht: „Der häufig mit den Wassern des Himmels getränkte Boden, welcher dem Bebauer reichliche Früchte gewährt, empfängt den Segen Gottes, derjenige aber, welcher Dornen und Disteln hervorbringt, wird verworfen und für's Feuer bestimmt."
Möge Gott ein so großes Unglück fern halten! Mögen Alle ernstlich die Gefahren erwägen, welche theils schon vorhanden sind, theils von Denen drohen, welche nicht dem allgemeinen Wohle sondern der Secte dienend, die furchtbarste Feindschaft gegen die Kirche hegen. Wenn diese Vernunft gebrauchten, wenn sie von wahrer Liebe zum Vaterlande beseelt wären, würden sie kein Mißtrauen gegen die Kirche hegen und sie nicht, von ungerechtem Argwohn erfüllt, ihrer angebo- borenen Freiheit berauben; sie würden viele mehr, statt sie zu bekämpfen, sie unterstützen und ihr zu Hilfe eilen und vor alleui danach trachten, den Papst wieder in seine Rechte einzusetzen; denn welchen Schaden auch immer der gegen den apostolischen Stuhl unternommene Kampf der Kirche bringt, nicht minder große Rachtheile hat er auch für Italien im Gefolge. Wir haben das bei einer andern Gelegenheit mit den Worten gesagt: „Sprechet es aus, daß Italien nur glücklich sein und nur dann dauernder Ruhe sich erfreuen kann, wenn die Würde des römischen Stuhles und die Freiheit des Papstes so geschützt sind, wie alle Rechte es fordern."
Weil wir aber nichts sehnlicher wünschen als die Wohlfahrt der christlichen Kirche und weil Wir schmerzlich bewegt werden manns wurden bald zur Wahrheit. In wenigen Stunden tobte der Sturm in voller Kraft. Bleischwer hing das Gewölk über den Felsenriffen, zwischen welchen der Sturm seine unheimlichen Melodien pfiff. Müde gegen Sturm und Regen kämpfend kehrte der Steuermann zurück.
„Gott sei Dank, daß Du wieder unter Dach und Fach bist," rief die Schwester dem Eintretenden entgegen, „ich war Deinetwegen in Sorge."
„Wie magst Dir Dich um einen alten Seemann beunruhigen, der im Sturmesge- braus feststeht, so lange er noch eine Planke unter den Füßen hat, geschweige denn, wenn er auf dem festen Boden seiner Heimath schreitet; aber Gott möge Alle in Schutz nehmen, die in diesem Sturme auf den wilden Wogen herumgeworfen werden. Gegen diesen Nordwest kann das schmuckeste Schiff und die festeste Hand nichts ausrichten. Waren Schiffe in Sicht?"
„George Blanc, welcher sich hinauswagte, aber bald zurückkehrte, hat keine gesehen. Alle Boote sind geborgen."
„Hat Niemand von der Adlerplatte Umschau gehalten?"
„Zwei Segel waren ftüh Morgens in Sicht, welche südlichen Cours hielten. Doch nun komme, das Abendbrod ist bereit."