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45.

Freitag, den 24. Februar 1882.

Jfulbarr WS Mung.

Die ,Fpldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark «nb 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg, auswärts am Postschalter 25 Pfg., in’8 Laus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

3C* Für den Monat März nehmen Bestellungen ans die Ful­daer Zeitung^ alle Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestell­geld) an.

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. Febr. Abgeordneten­haus. 17. Sitzung vom 22. Febr. Die Wahl des Abg. Meyer (Breslau) und ebenso die Wahl von 16 Wahlmännern jenes Wahlkreises wurde auf Antrag der Wahlprüfungscoinmission für ungiltig er­klärt. Die Wahlen der Abgg. Kleist v. Bornstedt und Dr. K r o p a t'f check wurden beanstandet. DerAbg.v.Böckum- Dolsfs wird als Mitglied der Staatsschuldencom- inission durch Acclamation wiedergewählt. Es folgte die Berathung des folgenden An­trags der Fortschrittspartei.

„Das Haus der Abgeordneten wolle be­schließen: die Erwartung auszusprechen,

1) daß die Eisenbahnbehörden bei Zu- wendung von Inseraten für Zeitungen oder Beilegung von Fahrplänen in denselben nur die Zweckmäßigkeit der Verbreitung und nicht die politische Parteirichtung der Zeit­ungen in Betracht ziehen, auch nicht den Bahnhofs-Restaurateuren das Auflegen be­stimmter Zeitungen untersagen,

2) daß die Eisenbahnbehörden ihren untergebenen Beamten nicht das verfassungs­mäßig allen Preußen gewährleistete Petitions­recht verkümmern, insbesondere auch nicht die Beamten wegen Ausübung dieses Petit-

Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Linn. (Fortsetzung)

3. Kapit'el.

Erzählung des Capitains.

„Nur wenige Erinnerungen sind mir von meiner frühesten Jugend geblieben. Wer meine Eltern waren, wo meine Wiege ge­standen, weiß ich nicht.

Nur dunkel schwebt mir das Bild einer jungen, schönen Frau vor, auf deren Schooß ich unter blühenden Blumen spielte, während ein dunkeläugiger Mann lächelnd auf mich herabschaute.

Niemals, außer im Traume, sah ich sie ivieder. Das kleine Dörfchen Laroche in der Bretagne muß ich als meine Heimath betrachten. Die wenigen Hütten, aus welchen es besteht, liegen zwischen zerklüfteten Felsen, an denen die Wogen des stürmenden Oceans sich brechen. Der heulende Sturm und das Gebrause der Brandung waren meine Schlum- rnerlieder.

In der Hütte des Fischers Marccaux, von seinen Nachbarn Vater Martin genannt, wuchs ich auf. Vater Martin hatte ein bewegtes Leben hinter sich. Dem lebhaften, kräftigen Fischerburschen behagte das ein« förmige Fischerleben nicht. Mit 18 Jahren

tionsrechts bei der Vertheilung von Weih- nachtsgratificationen benachtheiligen."

Abg. Büchte mann vertheidigt den An­trag. Die Eisenbahnbehörden hätten nicht in politischem Sinne die Parteien zu discipli- niren. Minister Maybach bittet, den An­trag abzulehnen. Die Nationalliberalen er­klären sich gegen den Antrag. Die Frei- conservativen beantragen eine motivirte Tagesordnung. Bachem, Majunke, Windthorst sprechen für den Antrag. Die Eisenbahnbehörden verfahren so, als ob die Angehörigen des Staates sämmtlich natio­nalliberal seien. Richter protestirt gegen den Vorwurf der Nationalliberalen, daß die Fortschrittspartei mit ihrem An­träge nur Parteiagitation treibe. Bei der Abstimmung wird der 1. Theil mit 185 gegen 135 Stimmen angenommen, der 2. mit großer Majorität abgelehnt. Nächste Sitzung morgen, Donnerstag.

■■ Die Petitionscommission (Be­richterstatter Schlichter) des Abgeordne­tenhauses beantragt, die Petition des Pro- vincial-Steuersecretairs a. D. Branden­burger und anderer Pensionäre, welche in S§ 25 und 31 bestimmt, daß Pensionen monatlich im Voraus gezahlt und an die Wittwe oder ehelichen Nachkommen eines Pen­sionärs die Pension für den«»uf den Ster- bemonat folgenden Monat gezahlt werden soll, dahin abzuändern, daß die Pension in Quartalraten im Voraus zu zahlen und den Relicten der Pensionäre das Gna­denquartal zu gewähren sei", der Staats­regierung zur Erwägung zu überweisen. Die­ser Beschluß ist einstimmig gefaßt worden.

nahm er Dienst in der königlichen Marine. Sein Fleiß und seine Gewandtheit machten ihn bald bei seinen Vorgesetzten beliebt. Der jüngste Lieutenant des Schiffes, Vicomte de St. George, fand Gefallen an dem flinken Burschen und nahm ihn als Diener an, wozu auch der Umstand beitrug, daß Mar­tin ein Kind seiner Heimath war. — Der Marquis de St. George war einer der be­gütertsten Edelleute der Bretagne. Der Schiffslieutenant mar der zweite Sohn des­selben. Zehn Jahre lang war Martin der unzertrennliche Begleiter des Vicomte auf allen Fahrten und Kriegszügen. Mit auf­richtiger Liebe seinem Herrn ergeben, in aller Gefahr an seiner Seite, mar er dem­selben unentbehrlich geworden.

Die Fregatte kreuzte eben im mittellän­dischen Meere, Jagd auf tunesische Seeräu­ber machend, als ein heftiger Sturm, der bald zum unwiderstehlichen Orcan anwuchs, dem Schiffe so starke Havarie beibrachte, daß es nur durch die größten Anstrengungen der Schiffmannschaft gelang, einen kleinen Hafen in dem Meerbusen von Marseille zu erreichen. — Der kleine, nur von Küsten­fahrzeugen benutzte Hafen bot wenig für die Ausbesserung des großen Schiffes, und es verfloß daher geraume Zeit, bevor der Zweidecker wieder seetüchtig war. — Die

— Der ,Nordd. Allg. Ztgck zufolge erhielt Skobeleffden Befehl, sofort nach Peters­burg zurückzukehren.

— Zum Bischof der Diöcese Osnabrück ist der seitherige Verweser derselben Capitularvicar Dr. Höting durch päpstliches Breve ernannt worden. — Der ,Staats-Anzck macht bekannt: Se. Majestät der König haben Allerguädigst geruht, den bisherigen Professor am Deccan College in Poona Dr. Friedrich Kielhorn zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität in Göttingen zu ernennen.

— Ein Artikel der ,Prov.-Correspondenz', welcher die erste Lesung der Kirch en Vor­lage in der Commission bespricht, schließt wie folgt: „Die Beschlüsse der ersten Lesung sind nach den abgegebenen Erklärungen nicht von entscheidender Bedeutung. Hoffentlich gibt die zweite Lesung ein Ergebniß, welches dem von der Regierung und den maßgebenden Parteien ersehnten Ziele des Friedens mit der katholischen Kirche wirklich förderlich ist.

— Die Fortschrittspartei hat folgenden Antrag eingebracht: „Das Haus der "Abge­ordneten wolle folgendem Gesetzentwürfe seine Zustimmung ertheilen: Gesetzentwurf betr. die Abänderung der Beschlagnahme- Verordnung vom 2. März 1868. Wir Wilhelm 2C. verordnen was folgt: Einziger Paragraph. Der Absatz 3 des S 2 der Verordnung vom 2. März 1868 und vom 16. Februar 1869 betreffend die Beschlag­nahme des Vermögens des Königs Georg wird aufgehoben. An dessen Stelle tritt folgende Bestimmung: Aus den in Beschlag Officiere der Fregatte benutzten die lange Zeit, die die Ausrüstung des Schiffes in Anspruch nahm, zu häufigen Ausflügen nach der Küste. Besonders war eine nicht fern vom Strande gelegene kleine Osteria das Ziel ihrer Fahrten. Der Wirth der kleinen Schenke war dem flinken Burschen, der seinen Herrn stets begleitete, bald recht gewogen.

Während die Officiere kleine Jagdaus­flüge in der Umgegend veranstalteten, wußte er sich durch feine Angestelligkeit dem Wirthe recht nützlich zu machen. Von Niemanden wurde indessen die Dienstbefliffenheit des Martin mehr anerkannt, als von der Toch­ter des Wirthes. In Haus und Hof, in Garten und Weinberg war er der Hilfe­leistende. — Nicht lange währte es, und sehnsüchtig schweifte das sinnige Auge des Mädchens über das spiegelglatte Meer zur Fregatte hinüber, und heller leuchtete es auf, wenn ein Boot abgelassen wurde.

Als nun der Tag der Abfahrt näher rückte, faßte er sich ein Herz und bat den Besitzer der Osteria um die Hand seiner Tochter. Es kostete harte Kämpfe; als aber Jeanette selbst ihre Bitten mit den {einigen vereinigte und der Vicomte, der in's Ver­trauen gezogen war, diese unterstützte und versprach, für das Fortkommen der jungen Leute Sorge zu tragen, da willigte bei