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xr Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Auch in Deutschland gibt's Maskeraden, ja selbst in ernsten Männerversaninilungen fehlen sie nicht; so beklagte sich der von der preußischen Regierung so sehr gehätschelt und gut bezahlte „Bischof" Reinkens in einem zu Cambridge gehaltenen Vortrage recht bitter über das Verhalten der preußi­schen Regierung gegenüber dem „Altkatholi- cismus". Ist der Mann aber undankbar! Soll die Regierung etwa nach Art der Rusten in Podolien die Katholiken mit Ge­ivehrkolben in die leeren Kirchen der Herren Reinkens, Tangermann und Michelis treiben? Mögen diese Herren sich mit noch so vielem Pomp die Maske des allein wahren Glaubens vorbinden, — ihre Larven sind allzu durch­sichtig.

Der Leser wird denken, ich gäbe mich heute mit Kleinigkeiten ab und übersäh da­bei die Hauptsache. Still, lieber Freund, solche „Kleinigkeiten" sind sehr charakteristisch für gewisse Zustände, und den besten Wein tMkt man bekanntlich zuletzt. Da gedenke ich denn des Abgeordneten Richter, der so vorwitzig war und vom Finanzminister wissen wollte, wie hoch sich wohl die Ueber- schüsse des laufenden Etatsjahres beliefen. Der fertigte den grimmen Hagen aber bitter und schroff ab, war aber doch so gütig, in der Budgetcommission zu erklären, daß er hoffe, Einnahmen und Ausgaben würden sich das Gleichgewicht halten. Herr Minister Maybach meinte im Abgeordnetenhause, Herr Richter sei ein Parlamentarier mit der an­geborenen hochentwickelten Fähigkeit, anderen

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Durch Nacht zum Licht.

Original-Novelle von Wilhelm van Linn.

(Fortsetzung.)

2. Kapitel.

Wochen waren vergangen. Den Rovem- berstürmen, welche das letzte Laub von den Bäumen hinweg gefegt hatten, war der Winter in seiner starren Majestät gefolgt. Tiefer Schnee deckte Thal und Hügel; die entlaubten Bäume des Waldes ächzten voin Frost erstarrt bei jedem Stoß, den der rauhe Nord über die Fluren jagte. Der Wald war wie ausgestorben: nur das heisere Krächzen der Raben oder der eintönige Schlag des Hähers war vernehmbar. Selbst die Tannen schienen ihr grünes Kleid verloren zu haben und bogen die schneebedeckten Zweige tief zur Erde. - Es ist Christabend. — In der traulich durchwärmten Stube des Forsthauses strahlte der Christbaum in glän­zendem Lichte, ivelches auf den Eisbluinen der Fenster in tausenden, funkelnden Cry- stallen sich spiegelte. In schlichter, mit Moos verzierter Krippe aus Eichenborke ruhte das Christkindchen von strahlenden Lichtchen um­geben. Auf dem Nebentische liegen ivohl geordnet die Geschenke für die Hausbewohner. — Auch die Fremden waren nicht vergessen. Die kunstfertige Hand Lina's hatte für den

Menschen unangenehme und verletzende Dinge zu sagen, worauf Herr Richter sehr treffend fragte, ob die Abgeordneten denn nur die Aufgabe hätten, den Ministern Angenehmes zu sagen? Mir ist der schneidige Fortschritts­mann in Folge seiner Abstimmung und Haltung in der kirchenpolitischen Frage eine viel sympathischere Erscheinung als Herr Stöcker und alles, was von freien und un­freien Conservativen sich darum gruppirt. Mit zärtlicher Besorgniß warnt aber schon die gute .Norddeutsche' das Centrum vor dem bösen, glaubenslosen Fortschritt, der ihm zur Revision der Maigesetze behilflich sein wolle; — an der Mutterbrust der Staatsregieruug ruht eS sich ja so gut!

Im Palais Bismarck zeigt der Barometer- schön Wetter an, die Verstaatlichung des preußischen E i s e n b a h n n e tz e s ist gesichert; die Eisenbahn-Commission hat den Ankauf mehrerer Privat-Eisenbahnen schon genehmigt, und nun wollen wir hoffen, daß die Praxis und die Zukunft auch das Wort des Reichs­kanzlers einlösen: „Die Eisenbahnen sind viel mehr für den Dienst des Verkehrs, als für den Dienst der Finanzen bestimmt.''

Und nun stehen wir vor dem Hauptthema, das abermals alle GeiMher beschäftigt und aufregt, den neuen WMrch en gesetzen. Man glaubt vor der chinesischen Mauer zu stehen mit der Ueberschrift, die Dante über's Höllenthor schrieb: „Hier laß alle Hoffnung fahren!" Und in der Thal, bei der Zähig­keit, mit welcher die preußische Regierung an den „diskretionären Vollmachten" festhält, ist an die Beilegung des Kanipfes, an einen aufrichtigen Frieden noch nicht zu denken. Capitain ein iveiches Hauskäppchen, reich mit Eichenblättern verziert, gestickt. Der Corpora! erhielt eine kurze Meerschaumpfeife nebst einem Pfund edlen Canasters. —

Der Vater im behaglichen Hausrocke läßt mächtige Rauchwolken seiner geliebten Pfeife entsteigen. Die Blicke der neben im sitzen­den Gattin ruhen mit mütterlicher Zärtlich­keit auf einem jungen Jägerofficier an ihrer Seite, welcher ihre Rechte fest umschlungen hält. Max und der Corpora! sitzen vertraut, wie zwei alte Kriegskanieraden am untern Ende des Tisches, während Lina, ihre freude­strahlenden Augen bald auf die Eltern, bald auf den Bruder gerichtet, die dampfende Bowle umrührt, und Martha geschäftig hin und her trippelt, den Weinachtstisch mit Allem zu versorgen. Im bequemen Lehnstuhle zur Seite des Hausherrn sitzt in einem weichen Marderpelz eingehüllt, der Capitain^ den verwundeten Arm in einer Binde, das Haupt mit einem Tuch umwunden, die Rechte auf dein Kopf des Jagdhundes, welcher zutrau­lich die Schnauze auf sein Knie gelegt hatte.

Seit wenigen Tagen erst hatte der Arzt dein Patienten gestattet das Lager zu ver­lassen. Wochenlang hatte sein Leben in Gefahr geschwebt. Als diefurchtbaren Wundfie­ber den bewußtlosen Körper durchtobten, da schüttelte selbst der erfahrene Arzt bedenklich das

Der Culturkampf gleicht dem Bandwurin, für deffen Abtreibung so manche Pille fabri- cirt wurde, aber immer blieb der Kopf zurück, der Kopf „der staatlichen. Oberho­heitsrechte," und da wuchs der Bandwurm immer ivieder nach. Es sind schon so viele Worte über diese Sache gesprochen und ge­schrieben worden, daß man kein Wort wsiter darüber verlieren sollte.

Die ziveitägigen Debatten im Abgeord­netenhause, die Nichts von jener Gehässig­keit und Leidenschaftlichkeit an sich trugen, wie solche früher bei den kirchenpolitischen Fragen zu Tage traten, haben zweierlei bewiesen: 1) daß die große Mehrheit der Volksvertreter eine sachliche Revision der Maigesetze und eine Beilegung deS Kampfes will; 2) daß die Regierung dies noch nicht will, sondern an den discretionären Voll­machten festhält. Was ist discret? Das Gegentheil von indiskret. Indiskret sind Topfgucker und Plaudertaschen. Die Ne­gierung will also nicht indiskret sein, nicht in den kirchlichen Topf hineingucken, — so sollte man glauben, wenn man das ge­flügelte Wort „diskretionäre Vollmachten" hört, und doch läuft das Ganze darauf hin­aus, daß der Staat der Kirche den Küchen­zettel vorschreibt. Und warum das? Man höre und staune: weil es Polen in Preußen gibt? Die armen Polen, was haben sie denn eigentlich verbrochen? Hätten sich auch nicht träumen lassen, daß sie noch als Wau-wau gegen Rom dienen sollten. Mit Wärme und Schneide haben die Abgg. Schorlemer-Alst und Windthorst den Gefühlen der Katholiken Ausdruck ge- Haupt. — Bald waren es Commandoworte, die den Lippen des Kranken entflohen; bald schrille Angstruse, die die furchtbaren Schmer­zen ihm entpreßten. Leise, schmerzliches Gewimmer folgte diesen Ausbrüchen, wieder abwechselnd mit Flüchen und Verwünschungen, welchen, nachdem der ermattete Körper aus­getobt, demüthiges Flehen um Gnade und Erbarmen folgte. — Der Soldat wich Tag und Nacht nicht von dem Lager seines Herrn, unterstütztjvonder gefühlvollen Lina, welche mit uneigennütziger Hingabe dem braven Manne in der Pflege behilflich war. Wußte er keinen Rath mehr, so eilte er zu „Mademoiselle." „Niemand kann machen die Umschläge so gut, wie Mademoiselle; wenn Mademoiselle meinen guten Herrn pflegt, geht es toujours besser. Le bon Dien wird machen gut, was Mademoiselle an arme kranke Franzmann thut," sprach der besorgte Pfleger.

Wenn die zarte und gewandte Frauenhand das/'verwundete Haupt bettete oder ihm Um­schläge bereitete, so schien wirklich der Kranke ruhiger zu werden. Obgleich die im Fieber­wahn wiederkehrenden wilden Ausbrüche das gute Mädchen mit Schaudern erfüllten, setzte sie mit unverdroffener Aufopferung die Pflege fort. — ,

Es ivar am fünfzehnten Tage, seit das gastliche Haus den Todtwunden aufgenom-